Steam: Gute Bewertungen, zufriedene Spieler aber nur wenige wollen bezahlen
Steams großzügige Rückgaberegel gehört zu den beliebtesten Features der Plattform. Doch ausgerechnet kleine Indie-Studios leiden darunter zunehmend.
Habt ihr schon mal bei Steam etwas zurückgegeben? Das Umtauschrecht für digitale Inhalte ist auf der Vertriebsplattform für Games an sich fair geregelt. Wer ein Spiel weniger als zwei Stunden gespielt und es innerhalb von 14 Tagen gekauft hat, kann es in den meisten Fällen problemlos zurückgeben. Gerade für Verbraucher ist das ein großer Vorteil.
Doch genau diese Regel hat auch ihre Schattenseiten, mit denen besonders kleinere Entwicklerstudios zu kämpfen haben. Ein Indie-Entwickler macht jetzt öffentlich darauf aufmerksam, dass immer mehr Spieler die Refund-Richtlinien gezielt ausnutzen. Sie spielen sein Spiel komplett durch, beantragen anschließend eine Rückerstattung und prahlen teilweise sogar noch öffentlich damit.
Durchgespielt und anschließend zurückgegeben
Konkret geht es um den Entwickler Zoroarts, der hinter dem Indie-Spiel Paddle Paddle Paddle steckt. Auf X berichtet er, dass viele Spieler sein rund 90 Minuten langes Spiel zunächst komplett beenden und anschließend ihr Geld über Steam zurückfordern. Besonders frustrierend sei dabei, dass einige Nutzer in ihren Bewertungen sogar offen damit angeben, das Spiel kostenlos durchgespielt zu haben.
Laut Zoroarts liegt die Rückerstattungsquote aktuell bei 21 Prozent. Gleichzeitig sind rund 90 Prozent der Steam-Bewertungen positiv. Mit anderen Worten: Den Spielern gefällt das Spiel offenbar, dafür bezahlen möchten manche aber trotzdem nicht. Nach Angaben des Entwicklers wurden bereits über 55.000 Käufe zurückerstattet. Selbst beim aktuellen Preis von 2,99 Dollar entspricht das einem entgangenen Umsatz von weit über 160.000 Dollar.
Ein Problem, das vor allem kurze Spiele betrifft. Nicht jedes Game muss eine Spielzeit von 20 Stunden und mehr aufweisen, um als unterhaltsam zu gelten. Manche Entwickler erzählen ihre Geschichte ganz bewusst in ein oder zwei Stunden. Andere setzen auf mehrere kurze Durchläufe oder experimentelle Konzepte.
Für größere Titel funktioniert die 2-Stunden-Regel hervorragend. Es kann immer sein, dass ein Spiel die eigenen Erwartungen nicht erfüllt oder es vielleicht auch technisch nicht sauber läuft. Das dann aber auch für kleine Games auszunutzen, um sie "gratis" durchspielen zu können, ist alles andere als fair.
Valve steht vor einem echten Dilemma
Eine Lösung für das Problem zu finden ist nicht ganz einfach. Die Refund-Regeln gehören zu den größten Stärken von Steam und schützen Spieler vor Fehlkäufen. Würde Valve die Vorgaben verschärfen, würden vermutlich genau die ehrlichen Käufer darunter leiden.
Gleichzeitig wirkt es offensichtlich unfair, wenn Spieler ein Spiel komplett abschließen und anschließend ohne Konsequenzen ihr Geld zurückbekommen. Vielleicht müsste Valve deshalb künftig stärker zwischen verschiedenen Spieltypen unterscheiden. Denkbar wäre beispielsweise, dass abgeschlossene Spiele oder Titel mit einer besonders kurzen Spielzeit anders behandelt werden als umfangreiche Produktionen.
Man könnte das Rückgaberecht auch nicht an eine Spielzeit knüpfen, sondern einen bestimmten Fortschritt. Erreicht man diesen Punkt im Spiel könnte man durch eine Meldung darüber informiert werden, dass ab hier das Rückgaberecht erlischt. Das wäre eine der fairsten Lösungen für kleinere Spiele. Was meint ihr? Habt ihr die Rückgaberegelung von Steam schon häufig genutzt? Und sollte Valve die Zwei-Stunden-Regel für kurze Spiele überarbeiten oder gehören solche Rückerstattungen einfach zu einem verbraucherfreundlichen System dazu?
