Sea of Solitude im Test: Ambitionierte Geschichte, ernüchternde Umsetzung - jetzt mit Video
Electronic Arts hat ein weiteres Indie-Spiel als EA Original veröffentlicht. Sea of Solitude verspricht uns ein emotionales Abenteuer und eine Geschichte über Einsamkeit und Depression. Können das deutsche Entwicklerstudio Jo-Mei Games und Cornelia Geppert die hohen Erwartungen mit ihrem Debüt-Titel erfüllen? Das erfahrt ihr im Test zu Sea of Solitude.
Emotionale Adventure-Games sind mittlerweile keine Seltenheit mehr und werden oft in der Sind-Videospiele-Kunst-Debatte als starkes Argument dafür eingesetzt. Sea of Solitude (jetzt kaufen 19,99 € ) vom deutschen Entwicklerstudio Jo-Mei Games soll ein ebenso künstlerische wie emotionales Abenteuer sein und den Spieler mit auf eine Reise durch die Psyche der Hauptfigur Kay nehmen. Doch Holzhammer-Erzählweise und fades Gameplay trüben den Spielspaß.
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Quantität statt Qualität
Ich schippere in meinem Boot durch die liebevoll gestaltete Welt von Sea of Solitude auf der Suche nach einem riesigen Vogelmonster. Sobald ich mich dem Geschöpf nähere, fliegt es davon. Ich soll leise sein, sagt es, sonst finden sie es. Wenn sie das tun, dann bringen sie es um. Ich verlasse die Sicherheit meines Bootes und nähere mich ihm zu Fuß, in der Hoffnung, so weniger Geräusche zu machen. Und tatsächlich darf ich ihn diesmal berühren, bevor er sich in die Mitte des Sees begibt, wohin ich ihm in meinem motorisierten Gefährt folge. Doch dort angekommen versinkt mein gefiederter Freund im Meer und verschwindet. Erst später treffe ich ihn in einer alten Turnhalle wieder, in einer für ihn schmerzhaften Erinnerung. Schockiert durch die Qualen, die er durch seine Mitschüler erleben musste, setze ich alles daran, ihm zu helfen. Ich schaffe es, die bösen Gedanken zu vertreiben und aus dem ehemals riesigen Ungetüm wird ein kleiner Junge, nicht älter als zwölf Jahre. Ich habe meinen Bruder wieder.
Quelle: PC Games
Irgendetwas wirkt vertraut an diesen Augen.
Hätte Sea of Solitude hier aufgehört, würde meine Meinung wohl anders ausfallen, leider ist hier gerade mal ein Drittel des Spiels vorbei und jede weitere Erfahrung ist nur noch ein Schatten der vorherigen. Den Eltern dabei zu helfen, einzusehen, dass sie in einer unglücklichen Ehe leben, an der weder Kinder noch die Anschaffung eines Hauses etwas ändern können, ist bei Weitem nicht mehr so rührend, wie die Hintergrundgeschichte des kleinen Bruders. Auch der Versuch, den Freund aus seiner Depression zu helfen, kann nur noch als Karikatur der anfänglich emotionalen Reise gesehen werden. Dem einstmals noblen Motiv, vergangene Fehler wiedergutzumachen und auf altruistische Weise dem Bruder zurück ins Leben zu helfen, folgt nun eine Reihe emotionaler Abhängigkeit und Selbstsucht. Jede Thematik wird buchstäblich aufs Auge gedrückt und es bleibt keine Zeit, um selbst herauszufinden, welche Geschichte der Autor dieser Welt erzählen will. Was eine gefühlvolle Reise hätte werden können, ist jetzt ähnlich verwässert wie die Spielwelt, in der Kay sich befindet.
Bitte nochmal in Groß
Nicht nur die Geschichte von Sea of Solitude hätte etwas mehr Subtilität vertragen können. Auch im Gameplay nimmt das Spiel den direkten Weg, um zu zeigen, mit welcher Thematik man es hier zu tun hat. Die Einsamkeit der Protagonistin wird durch Dunkelheit und tobende Stürme dargestellt. Um weiterzukommen sucht man, nicht nur metaphorisch, nach dem Licht am Ende des Tunnels oder befragt das Leuchtfeuer, welches dann die Richtung weist. Ein sehr nützliches Feature, wenn man sich die überraschend große Spielwelt anschaut. Kays Welt ist entweder ruhig und farbenfroh oder schwarz und gefährlich, jedoch wurden beide Teile des Schwarz-Weiß-Denkens wirklich wunderschön gestaltet.
Als einziges, dauerhaft farbiges Objekt dient ihr Rucksack, in welchem sie allen Schmerz und Kummer, in Form von schwarzem Rauch, während ihres Abenteuers verstaut. Dieser wird dadurch während Kays Reise immer größer, um zu zeigen, welche Lasten sie zu tragen hat. Damit wollen die Entwickler offensichtlich ein Bild einer immer größer werdenden Depression vermitteln. In kleinen Platforming-Abschnitten retten wir uns durch den stürmischen Ozean von Dach zu Dach, im besten Fall ohne dabei von einem überdimensionierten Fisch gefressen zu werden. Dieser ist das einzige Monster, welches uns tatsächlich physisch verletzen will, alle anderen setzen da lieber auf Spott und Hohn. Durch die recht ungenaue Steuerung und teils seltsamen Animationen wird jedoch jedes Stückchen Jump 'n' Run schon bald eher nervig.
Quelle: PC Games
Mehr und mehr enthüllen wir unsere Vergangenheit.
Auch das Boot lässt sich mehr schlecht als recht steuern, so fährt man des Öfteren gegen aus dem Wasser ragende Objekte wie Laternen oder die Dächer einiger Häuser. Abschnitte, in denen sich Kay mit Gegnern konfrontiert sieht, sind spielerisch nicht mehr als ein simples Ausmanövrieren der Widersacher, um zur nächsten Passage zu gelangen. Rätsel sind hier und da zwar im Spiel, diese sind aber meist binnen weniger Sekunden bereits gelöst. Sammelgegenstände gibt es übrigens auch. Man kann Briefe in Form von Flaschenpost einsammeln und Tauben von Hausdächern verscheuchen. Die Nachrichten sind klein gehalten und geben der Spielwelt etwas Tiefe, das Verjagen der Vögel wirkt jedoch sehr willkürlich, als hätte man noch etwas Spiel in seiner Geschichte haben wollen. All dies gepaart mit der eher schlechten Synchronisation und es kommt bereits nach kurzer Zeit die Frage auf, wieso man sich nicht mehr als ein Beispiel an What Remains of Edith Finch genommen hat.

Die Switch-Version von Sea of Solitude zu publishen war jetzt einer der ersten daraus entstandenen Deals. Sie sind auch Publisher für das nächste Spiel von Red Thread Games (Dreamfall Chapters, Draugen).
sehr erstaunlich diese kooperation. wie kam quantic auf die idee ein kleines, imo nicht sonderlich bekanntes deutsches indie-spiel aufzumöbeln und exklusiv (so scheint es ja) auf switch zu releasen?
zumal sea of solitude ja ursprünglich unter dem ea-originals-label entstanden war, und damit mutmaßlich auch von ea (mit-) finanziert wurde.
Die Switch-Version von Sea of Solitude zu publishen war jetzt einer der ersten daraus entstandenen Deals. Sie sind auch Publisher für das nächste Spiel von Red Thread Games (Dreamfall Chapters, Draugen).
es handelt sich nicht nur um einen simplen port, sondern schon um ein halbes remaster: "new script, voice actors, languages, refined gameplay & cutscenes, photomode and Switch features".
mitgearbeitet an der switch-version hat überraschenderweise quantic dream, wie auch immer diese verbindung zustande gekommen ist.
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