Sacred 22 Jahre später: Warum ich diesen Kult-Klassiker noch immer Diablo vorziehe

0
Special Tanja Barth - Redakteurin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Sacred 22 Jahre später: Warum ich diesen Kult-Klassiker noch immer Diablo vorziehe
Quelle: Studio II

Sacred Gold hat mich schon damals stärker gepackt als Diablo und landet bis heute regelmäßig auf meiner Festplatte. Warum ich trotz veralteter Technik, sperriger Bedienung und einiger Macken immer wieder nach Ancaria zurückkehre, erfahrt ihr hier.

Diablo 2 war damals natürlich cool. Düster, blutig, voller Dämonen und ungefähr so einladend wie ein Kurzurlaub in der Hölle. Trotzdem gab es ein anderes Hack-and-Slay, das mich noch deutlich stärker gepackt hat: Sacred.

Genauer gesagt Sacred Gold (jetzt kaufen ), also das Hauptspiel samt Sacred Plus und der Erweiterung Underworld. Während meine Freunde damals stundenlang durch Tristram und Umgebung zogen, war ich lieber in Ancaria unterwegs. Für mich ist Sacred bis heute viel mehr als nur ein altes Spiel. Es ist die Erinnerung an eine Zeit, in der ich mich stundenlang in einer Fantasywelt verlieren konnte und dabei einfach verdammt viel Spaß hatte.

Diablo 4 erinnert mich ständig an Sacred

Heute würde ich vermutlich eher Diablo 4 starten, wenn ich Lust auf ein modernes Hack-and-Slay habe. Die Kämpfe fühlen sich besser an, die Welt sieht schicker aus und das Spiel weiß meistens, was es von mir will.

Außerdem gibt es endlich Reittiere. Auf diesen Moment habe ich im Diablo-Universum sehr lange gewartet. Endlich muss mein mächtiger Dämonenschlächter-Paladin nicht mehr jeden Feldweg zu Fuß abklappern, als wären in ganz Sanktuario Busse, Bahnen und Pferde gleichzeitig im Streik. Doch jedes Mal, wenn ich in Diablo 4 auf mein treues Ross steige, muss ich wieder an Sacred denken. Und ehe ich mich versehe, landet dieser uralte Schinken erneut auf meiner Festplatte.

Sacred ist sichtbar in die Jahre gekommen, fesselt mich aber bis heute regelmäßig an den Bildschirm. Quelle: Studio II Sacred ist sichtbar in die Jahre gekommen, fesselt mich aber bis heute regelmäßig an den Bildschirm. Sacred hatte Pferde schon 2004. Für mich war das damals kein nettes Extra, sondern beinahe eine kleine Revolution im Hack-and-Slay-Genre. Während andere Helden noch zu Fuß durch die Gegend stapften, saß meine Waldelfe längst im Sattel und galoppierte ganz entspannt durch Ancaria. Zumindest theoretisch.

In der Praxis blieb sie natürlich regelmäßig irgendwo hängen, wurde von einer Gruppe Goblins ausgebremst oder stieg genau dann ab, wenn ich eigentlich weiterreiten wollte. Trotzdem war das Pferd für mich ein Argument, das sämtliche Diskussionen über Balancing, Kampfsysteme und nervige Loot-Berge sofort beendete.

Diablo hatte Dämonen. Sacred hatte Pferde. Fall abgeschlossen.

Meine Waldelfe und ich gegen den Rest von Ancaria

Mein absoluter Lieblingscharakter war schon damals die Waldelfe. Das dürfte niemanden überraschen, der mich kennt. Sobald ein Rollenspiel Elfen anbietet, ist meine Entscheidung eigentlich gefallen. Andere Völker können noch so spannende Fähigkeiten, coole Looks oder ausgefallene Animationen mitbringen. Steht irgendwo eine flinke Elfe mit Bogen zur Auswahl, fliegen alle guten Vorsätze sofort über Bord.

Die Waldelfe war alles andere als leicht zu spielen. Trotzdem habe ich mich durchgebissen und greife selbst heute noch immer wieder zu ihr. Quelle: Studio II Die Waldelfe war alles andere als leicht zu spielen. Trotzdem habe ich mich durchgebissen und greife selbst heute noch immer wieder zu ihr. Die Waldelfe war genau das, was ich spielen wollte. Hübsch, flott und am liebsten weit genug vom Gegner entfernt, damit der gar nicht erst auf die Idee kam, zurückzuschlagen. Während andere Helden mitten ins Getümmel rannten, löste ich meine Probleme lieber aus sicherer Entfernung.

Natürlich bestand diese Taktik häufig darin, rückwärtszulaufen, wild auf alles zu schießen, und zu hoffen, dass die Gegner vor mir starben oder zumindest an einem Baum hängenblieben. Doch solange am Ende ordentliche Beute auf dem Boden lag, nahm ich auch das ganze Kampfchaos gern in Kauf.

Die Waldelfe passte für mich außerdem perfekt in diese große, bunte Fantasywelt. Sacred war nie so düster wie Diablo. Ancaria war heller, abwechslungsreicher und manchmal beinahe gemütlich. Das aber natürlich nur so lange, bis wieder dreißig Untote aus dem Gebüsch gekrochen kamen.

Was spielen wir gerade?

Jeden Freitag berichten wir euch von einem Spiel, das uns aktuell einfach nicht loslässt. Mal ist es ein brandneuer Release, mal ein alter Lieblingsklassiker, ein übersehener Geheimtipp oder einfach ein Titel, der gerade überraschend viel Spaß macht.

Dabei geht es nicht nur darum, was gespielt wird, sondern vor allem warum: Was zieht uns gerade daran rein? Welche Momente bleiben hängen? Was macht das Spiel besonders, spannend, entspannend, nervig oder einfach richtig gut?

Wer regelmäßig vorbeischaut, findet hier jede Woche persönliche Spieleindrücke aus der Redaktion - von großen Blockbustern über Indie-Perlen bis hin zu Titeln, die man vielleicht längst vergessen hatte.

Diese Helden hatten tatsächlich Persönlichkeit

Sacred bot nicht einfach nur verschiedene Klassen, sondern Figuren mit eigenen Hintergrundgeschichten. Die Helden wirkten, als gehörten sie wirklich in diese Welt und hätten auch schon vor dem ersten Mausklick ein Leben geführt.

Die Seraphim war eine himmlische Kriegerin, der Dunkelelf ein flinker Nahkämpfer, und die Vampirin zeigte nachts, dass in ihr weit mehr als nur eine toughe Monsterjägerin schlummerte. Mit Underworld kam später noch die Dämonin dazu. Und dann gab es den Zwerg. Einen Zwerg!

Ich bin Elfenfan. Zwerge gehören für mich normalerweise zu den Fantasyvölkern, die ich bei der Charakterauswahl nicht einmal mit einer Kneifzange anfassen würde. Zu klein, zu bärtig und fest davon überzeugt, dass sich jedes Problem mit einer Axt, einer Schimpftirade oder einem Bier lösen lässt.

Sacred brachte mich trotzdem dazu, freiwillig einen Zwerg zu spielen.

Das muss man erst einmal schaffen. Der Grund dafür war weniger der Zwerg selbst als vielmehr seine Stimme: Gesprochen wurde er von Wolfgang Hess, den viele als deutsche Stimme von Bud Spencer und Gimli aus Der Herr der Ringe kennen. Mein Vater und ich haben die Filme mit Bud Spencer in meiner Kindheit rauf und runter geschaut. Als diese unverkennbare Stimme plötzlich aus dem kleinen, schwer bewaffneten Kerl kam, musste ich den Zwerg einfach ausprobieren. Gegen Kindheitserinnerungen hatte selbst meine Abneigung gegenüber Zwergen keine Chance.

Sacred war das einzige Spiel, das mich freiwillig einen Zwerg spielen ließ. Mit Schusswaffen und technischen Spielereien war er allerdings weniger Griesgram als kugeliger Kanonier mit Bart. Damit konnte selbst mein elfischer Stolz leben. Quelle: Studio II Sacred war das einzige Spiel, das mich freiwillig einen Zwerg spielen ließ. Mit Schusswaffen und technischen Spielereien war er allerdings weniger Griesgram als kugeliger Kanonier mit Bart. Damit konnte selbst mein elfischer Stolz leben. Überhaupt hatte Sacred bei den deutschen Sprechern erstaunlich prominent aufgefahren. Der Dunkelelf klang dank Martin Keßler wie Nicolas Cage, während der Gladiator von Manfred Lehmann gesprochen wurde, der deutschen Stimme von Bruce Willis. Der Kampfmagier dürfte wiederum Gothic-Fans bekannt vorkommen: Dieter Gring sprach im Rollenspiel-Hit unter anderem Milten.

Auch Trekkies konnten hellhörig werden. Die Dämonin wurde von Liane Rudolph gesprochen, die Nana Visitor als Kira Nerys in Star Trek: Deep Space Nine ihre deutsche Stimme lieh. Bei der Auswahl der Sprecher bewiesen die Entwickler jedenfalls ein gutes Gespür. Heute wirkt das fast wie ein kleines Klassentreffen bekannter Synchronstimmen und ist eines dieser liebevollen Details, die Sacred bis heute unverwechselbar machen.

Trotzdem kehrte ich in Sacred immer wieder zur Waldelfe zurück. Manche Menschen probieren immer wieder neue Klassen aus. Ich hingegen erstelle dieselbe Elfe mehrfach und tue anschließend so, als wäre das ein neuer Spieldurchlauf.

Eine Welt, in der man sich verlieren konnte

Sacred bot schon damals eine große, offene Welt. Heute klingt das kaum noch außergewöhnlich, schließlich bekommt inzwischen fast jedes Spiel eine Open World verpasst, obwohl ihm ein paar klar abgegrenzte Gebiete deutlich bessergetan hätten.

Bei diesem fantastischen Cover konnte wohl kaum ein Fantasy-Fan widerstehen. Quelle: Studio II Bei diesem fantastischen Cover konnte wohl kaum ein Fantasy-Fan widerstehen.

Damals fühlte sich Ancaria jedoch riesig an. Noch heute reite ich gern durch die pixeligen Wälder, Wüsten, Gebirge, Dörfer und Städte von Ancaria. Hinter jeder Ecke warten Nebenquests, Gegner, Händler und Abzweigungen, die mich zuverlässig dorthin führen, wo ich eigentlich gar nicht hinwollte.

Das war schon immer ein wichtiger Teil des Reizes. Sacred gibt mir das Gefühl, tatsächlich auf einer Reise zu sein. Die Welt besteht nicht nur aus sauber aneinandergereihten Gebieten, sondern wirkt wie ein echter Kontinent. Ein Kontinent, dessen Straßen zwar fast ausschließlich von Banditen, Goblins und wilden Tieren bevölkert werden, aber gut: Für nette Gespräche mit freundlichen Passanten starte ich schließlich kein Hack-and-Slay.

Sacred nahm sich selbst nie zu ernst

Ein großer Unterschied zu Diablo war der Humor. Sacred konnte dramatisch sein, doch es blickte nicht ständig mit ernster Miene in den Abgrund. Das Spiel war voller Anspielungen, seltsamer Namen und kleiner Scherze. Selbst in einer Welt voller Untoter und Dämonen wirkte es manchmal, als würden die Entwickler hinter der nächsten Ecke kichern.

Besonders deutlich zeigte sich das an den Grabsteinen, die überall in der Welt verteilt waren. Viele davon steckten voller Witze, Anspielungen und kleiner Botschaften. Noch heute bleibe ich deshalb regelmäßig stehen, obwohl ich eigentlich gerade dabei bin, die Welt zu retten.

Die Rettung Ancarias muss dann eben kurz warten. Auf dem Friedhof stand schließlich ein möglicherweise lustiger Text.

Auch die Kommentare der Gegner und die Sprüche der Helden verleihen Sacred bis heute eine ganz eigene Persönlichkeit. Das Spiel wollte von Anfang an nicht einfach Diablo mit einer anderen Farbpalette sein. Es wollte größer, bunter und gelegentlich auch alberner sein. Allein dafür lohnt es sich für mich immer wieder, nach Ancaria zurückzukehren.

0
  1. Seite 1 Sacred 22 Jahre später: Warum ich diesen Kult-Klassiker noch immer Diablo vorziehe
  2. Seite 2 Sacred Gold ist nur so halbwegs gut gealtert
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk