Rush for Berlin
Der Fuhrpark aller drei Kriegsparteien (Russen, Westalliierte und Deutsche) ist groß ausgefallen, wobei man sich im Verlauf der Kampagnen doch immer wieder dabei ertappt, sich auf die stärksten Panzer oder Artilleriefahrzeuge zu beschränken.
Wirklich gelungen sind die so genannten Offiziere in Rush for Berlin. Mit diesen Spezialisten lassen sich besonders trickreiche Spieltaktiken austüfteln. Zu den Redaktionslieblingen zählt beispielsweise der Ranger-Offizier der Westalliierten. Mit seiner Spezialfähigkeit Blitzangriff ist er in der Lage, innerhalb einer kurzen Entfernung auf gegnerische Panzer loszusprinten, den Fahrer rauszuwerfen und das Vehikel kurzerhand zu übernehmen. Eine coole Sache.
Motivationsschub
Besonders angetan sind wir vom Leveldesign. Wenn Sie Rush for Berlin spielen, begehen Sie bitte nicht den Fehler, einfach nur schnell die Hauptziele zu lösen. Nehmen Sie sich Zeit, die Karten zu erkunden, es gibt viele versteckte und optionale Ziele sowie alternative Lösungsmöglichkeiten zu entdecken. So stoßen wir mit unseren amerikanischen Truppen entlang einer Serpentinenstrecke im Schwarzwald auf einen kleinen Seitenpfad, der uns hinter die feindlichen Bunker bringt.
An anderer Stelle brennt ein Lagerfeuer, an dem sich ein französischer Partisanenoffizier erwärmt. Als wir ihn aufsuchen, schließt er sich uns kurzerhand an. Der eine oder andere Spieler mag es vielleicht unfair finden, dass man erst im Debriefing einer Mission erfährt, wie viele Ziele es insgesamt zu finden gab.
Allerdings macht dies gerade einen Teil des Spielreizes aus, auch wirklich alle versteckten Elemente aufzustöbern. Gute Spieler sollen natürlich auch eine Belohnung erhalten. Das geschieht zum Beispiel durch die Freischaltung neuer Stammeinheiten (siehe Kasten oben: "Wir haben doch keine Zeit!") oder in Form von Medaillen, die Sie nach Missionsschluss im Debriefing erhalten.
In den Kampagnen der Russen und Westalliierten ist es auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad in der Regel ohne Probleme machbar, alle Missionen zur vollsten Zufriedenheit zu erfüllen. Deftig nach oben geht es mit den Ansprüchen, wenn Sie den deutschen Feldzug spielen. Rush for Berlin konfrontiert Sie dort gehäuft mit zusätzlichen Countdowns in den Missionen, was ein wenig den Spielspaß drückt.
Mitunter sind die Zeitfenster sehr knapp bemessen und man muss sich sputen, um überhaupt die Hauptziele erfolgreich abzuschließen. Zum Glück können Sie für jede Mission einzeln den Schwierigkeitsgrad ändern. Einsteiger und Fortgeschrittene dürften mit den Einstellungen "Leicht" und "Mittel" voll auf ihre Kosten kommen. Taktik-Profis versuchen sich dagegen eher auf der Stufe "Schwer".
Alles in Butter?
Nach gut 25 Stunden reiner Spielzeit sind schließlich alle Kampagnen gemeistert und wir sind mehr als zufrieden mit Rush for Berlin. Spielerische Abwechslung und taktisch ansprechende Missionen machen die Stärke des Spiels aus. Trotzdem gibt es auch einige unschöne Schnitzer, die uns im Testverlauf aufgefallen sind.
Obwohl die Wegfindung im Spiel zu den besseren Vertretern zählt, krankt es insbesondere bei den Fahrzeugen in den Stadtlevels des Öfteren an Finesse. Wenn das Unterstützungsfahrzeug mal wieder einen Bogen macht, um sich vor den Panzer zu stellen, oder eine mobile Artillerie stumpfsinnig auf ein Gebäude ballert, das sich in der Schusslinie zum Ziel befindet, nutzt auch die gut gemeinte Folgeoption nichts. Mikromanagement ist also gefragt, aber das gehört für Taktiker ohnehin zum Alltag.
Die an sich prima ins Spiel eingefügten Offiziere bleiben namenlos und blass. Anstatt die Zwischensequenzen auf überwiegend reine Action-Einlagen zu reduzieren, hätte hier eine gute Möglichkeit bestanden, dem Spieler die Charaktere näher zu bringen und Emotionen zu wecken. Unserer Meinung nach deplatziert: der digitale Adolf H., der dem Spieler mit schnarrender Stimme "Ich bin unsterblich" entgegenwirft, um dann in Flammen aufzugehen. Wir meinen: das personifizierte Böse entweder historisch korrekt oder gar nicht in ein Computerspiel integrieren.
In den Menüs gibt es noch einige Übersetzungsfehler: Wundern Sie sich nicht, wenn es keinen Orden für "Level schaffen" gibt - damit ist eigentlich "Clear Level" gemeint, sprich alle Gegner müssen besiegt sein.
