République Remastered im Test - Schleichaspekt, Fazit und Wertung
Eine ähnlich beklemmende Dystopie wie in Half-Life 2 oder in Bioshock als Schaubühne, eine indirekte Steuerung ähnlich der von Experience 112 und ein Charakter, der auf glaubhafte Art und Weise um sein Leben bangt: République Remastered ist ein ungewöhnliches Episoden-Schleichspiel, das seinen Weg von iOS-Systemen auf den PC gefunden hat. Was genau das Spielerlebnis rund um die spannend inszenierte Fluchtgeschichte ausmacht, verrät unser Test.
Schleichen mit optionalen Actioneinlagen
Hopes Flucht durch die unterirdische Anlage lässt sich abwechslungsreich gestalten. Die vielen verfügbaren Kameras lassen euch die Levels aus allen möglichen Winkeln betrachten, so dass ihr in den meisten Situation in bester Schleichmanier an den Wachen vorbeikommt. Doch ganz wehrlos ist Hope nicht: So lassen sich in Behältern und Spinden zum Beispiel Elektroschocker, so genannte Taser, finden. Eine solche Waffe lässt sich allerdings nur jeweils einmal einsetzen, danach ist sie nutzlos. Daher müsst ihr euch gut überlegen, bei welcher Wache ihr den Elektroschocker einsetzen wollt. Wer sich den Gegnern von hinten nähert, kann sie auch problemlos bestehlen, umso weitere nützliche Items zu erbeuten.
In diesem Artikel
Generell stellt die KI-Leistung der Gegner einen Schwachpunkt im Spiel dar. Wenn Hope entdeckt wird, und ihr sie sprinten lasst, folgen die Wachen nur in gemäßigtem Wanderschritt. Auch das Gehör der Gegner scheint nur nach vorne gerichtet zu sein. Selbst kurz vor unmittelbarem Körperkontakt zu einer Wache kann Hope mit lautem Scheppern in einen Blechspind steigen, ohne bemerkt zu werden, so lange sie dies im Rücken oder seitlich zum Gegner tut. Alternativ zum Elektroschocker könnt ihr auch Pfefferspray einsetzen, was Wachen kurzzeitig außer Gefecht setzt. Auch hier schwächelt die KI mitunter und nimmt es teilnahmslos hin, wenn ihr einen benachbarten Gegner beharkt. Trotzdem stellen die Waffen kein Allheilmittel dar, im Laufe des Spiels trefft ihr zunehmend auf Gegner, die gegen Spray- und Taser-Angriffe aufgrund ihrer Rüstung und Schutzausrüstung immun sind. Dann helfen euch die zur Verfügung stehenden Betäubungsminen weiter oder ihr müsst eben schleichen.
Ein besonderes Gimmick beim Taschendiebstahl stellen die vielen Spiele-Disketten dar, die ihr den Wachen abluchsen könnt. Die Entwickler bei Camouflaj sind große Kickstarter-Fans und zelebrieren ihre Leidenschaft dafür mit diesem optionalen Sammel-Content in République Remastered. Zu fast jedem der gefundenen Spiele gibt NPC Cooper einen kurzen Kommentar ab. Auch einige Spieleposter zu Kickstarter-Spielen lassen sich als Easteregg entdecken.
Stimmungsvolle Technik, starker Charakter und faire Rätsel
Quelle: Steam
République Remastered - Mit vor Angst geweiteten Augen und toll vertont sorgt Hauptfigur Hope für eine glaubhafte Darstellung ihrer brenzligen Situation im Spiel.
Pluspunkte hingegen vergeben wir für die sehr ordentliche PC-Portierung von République Remastered. Das per Kickstarter finanzierte Projekt wurde zunächst mit der Unity-4-Engine für iOS-Geräte programmiert. Für die PC-Fassung haben die Entwickler das Spiel komplett auf die neue Unity-5-Engine umgesattelt und das sieht man deutlich. So profitiert ihr von einer stimmungsvollen Beleuchtung und erheblich besseren Texturen. Auch die für PC optimierte Steuerung (Hotkeys inklusive) zeugen davon, dass sich Entwicklerteam Camouflaj ordentlich Gedanken für die Umsetzung gemacht hat.
Was erheblich zum Spielspaß beiträgt, ist die glaubhafte Darstellung von Hauptfigur Hope. Deren Sprachausgabe (nur in Englisch verfügbar) vermittelt jederzeit überzeugend die Angst und Hilflosigkeit der jungen Frau. Wenn sich ihr eine Wache nähert, flüstert sie euch flehend an und wenn man längere Zeit keine Aktion im Spiel macht, fragt sie sorgenvoll, ob ihr noch da seid und dass ihr sie bitte nicht im Stich lassen sollt. So baut sich während des gesamten Spiels eine starke emotionale Bindung zu Hope auf, stets wird der Beschützerinstinkt geweckt.
Quelle: Steam
République Remastered - Hier und da streuen die Entwickler Rätsel in den Spielverlauf. Hier müsst ihr beispielsweise eine Laserschranken-Anlage mithilfe des Omni-Views überwinden.
Das anfangs noch vorhandene Gefühl der Bedrohung rückt mit der Zeit immer weiter in den Hintergrund. Auch wenn die Wachen zunehmend besser geschützt sind, stellen sie eben doch keine echte Gefahr für Hope dar. Das liegt vor allem daran, dass ihr die Gegner mit den passenden Hilfsmitteln mühelos austricksen könnt. Außerdem ist es auch nicht weiter dramatisch und bleibt ohne weitreichende spielerische Folgen, wenn Hope von Wachen erwischt wird. In diesem Fall wirft man euch lediglich ein Stück zurück in eine Verwahrungszelle. Aus einer solchen Kammer könnt ihr dann aber einfach wieder abhauen.
Generell verläuft der Ablauf der Episoden trotz etlicher Gameplay-Freiheiten meistens eher lineal. Das liegt vor allem am Leveldesign der Karten. Die Entwickler haben an vielen Stellen vorgesehen, dass ihr erst eine bestimmte Software-Version des Omni-Views freischalten müsst, bevor ihr entsprechend gesicherte Türen öffnen könnt, um weiter zu kommen. Levelbereiche bereits abgeschlossener Episoden lassen sich nur bedingt noch mal aufsuchen, was es erschwert, die zahlreichen optionalen Sammelaufgaben zu komplettieren. Ein bisschen mehr Anspruch und Zugeständnis an die spielerische Freiheit hätten wir uns da durchaus gewünscht.
Neben den typischen Schleichelementen im Spiel enthält jede Episode auch mindestens ein größeres Rätsel. Schiebepuzzles, Schalterrätsel oder einen 3D-Drucker mit der passenden Blaupause bestücken – die Rätsel sind meistens nachvollziehbar und fair, zumal République Remastered genügend Hinweise bietet, im Falle der etwas komplizierten 3D-Drucker-Kopfnuss sogar eine optionale, automatische Lösung.
République Remastered - Mit der Leertaste wechselt ihr in den Scan-Modus der Kameras. Damit lassen sich Interaktionsobjekte anzeigen, die ihr per Mausklicks auswählt.
In den aktuell drei spielbaren Episoden des geplanten Fünfteilers haben wir rund neun Stunden mit vorwiegend guten bis sehr guten Schleichspielerlebnissen verbracht. Je nach Spielweise könnt ihr mit zwei bis drei Stunden Unterhaltung pro Folge rechnen, was sich im normalen Rahmen von Episodenspielen bewegt. Die im Preis von rund 20 Euro schon mit enthaltenen Update-Optionen für die kommenden Episoden vier und fünf dürften weitere vier bis sechs Stunden Content liefern, auf die wir uns jetzt schon freuen. Erhältlich ist République Remastered auf Steam seit dem 26. Februar. Auch bei GOG ist das Spiel erhältlich, dort auch DRM-frei und ohne Online-Aktivierung.
