Raven's Cry: Test mit Fazit und Wertung

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Test Stefan Weiß - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Raven's Cry im Test: Der Rachefeldzug von Pirat Christopher Raven entpuppt sich als unfertiges Spiel, mit allerlei Ösen und Haken.
Quelle: Topware

"Ihr elenden Landratten! Was seid ihr? Rückgratlose Schwuchteln?" Seeräuberkapitän Christopher Raven ist offensichtlich sauer! Das können wir nur zu gut verstehen, muss der Ärmste doch als rachsüchtiger Antiheld in einem Piratenspiel herhalten, das leider mit zahlreichen Bugs und Designmängeln behaftet ist. Raven's Cry legt im Test der Version 1.00 einen ziemlich missglückten Rollenspiel-Stapellauf hin, bei dem Qualität und Spielanspruch schlichtweg als abgesoffen einzustufen sind.

Kleiner Ehrenrettungsring – die Schiffskämpfe

Eine Seereise kann von zufällig angreifenden Schiffen unterbrochen werden oder ihr seid selber aktiv und klickt schnell auf die auf der Seekarte kurz auftauchenden Icons anderer Schiffe. Daraus resultiert dann ein in Echtzeit ausgetragener Schiffskampf. Die Seegefechte sind unserer Meinung nach noch das am besten funktionierende Feature im Spiel. Die Steuerung eures Schiffes geht flott von der Hand. Zur Wahl stehen verschiedene Schiffsklassen, auf die ihr im Verlauf des Spiels Zugriff bekommt: Schoner, Galeonen, Fregatten, Kriegschiffe – der Umfang geht in Ordnung. Die Schiffe lassen sich mehrfach upgraden und verbessern. Obendrein sorgen verschiedene Munitionsarten für eine Prise Taktik in den Gefechten. Kettengeschosse zerfetzten die Segel der Gegner, Schrotladungen dezimieren die Schiffsbesatzung, während Kanonenkugeln und Bomben den Rumpf der Schiffe durchlöchern, dass die Fetzen nur so fliegen.

Raven's Cry im Test: Wo ist der Feind? Die oft neblig trübe Wetterlage auf See erschwert mitunter die Seekämpfe. Raven's Cry im Test: Wo ist der Feind? Die oft neblig trübe Wetterlage auf See erschwert mitunter die Seekämpfe. Neben einzelnen Schiffsduellen finden auch größere Schlachten statt. Die machen noch am meisten Spaß, da die hübsch designten Schiffe über ein ordentliches Schadensmodell verfügen und ihr mithilfe verschiedener Kameraperspektiven einen Kampf gut im Griff habt. Die Soundeffekte bei den Schiffskämpfen sind gelungen: Donnernde Breitseiten tönen wuchtig aus den Lautsprechern, während die See stürmisch tost. Ein Schwachpunkt hingegen bildet dabei das penetrante Gefluche eures Kapitäns, das einfach zu oft ertönt und sich ständig wiederholt.

Ganz solide erweist sich das Offiziers-Feature im Spiel. So könnt ihr im Verlauf eurer Inseltrips verschiedene NPCs aufstöbern, die sich als hilfreiche Offiziere anheuern lassen. Einmal angemietet und auf dem Schiff ausgewählt, verschaffen sie euch Boni beim Kämpfen oder Navigieren, bringen aber auch meistens ein oder zwei Nachteile mit sich. Die Eigenschaften der Offiziere könnt ihr jederzeit im entsprechenden Menü nachlesen. Was leider fehlt, sind weiterführende Gesprächsmöglichkeiten, wie wir sie etwa aus Mass Effect her kennen. Somit bleiben die Offiziere nichts weiter als optional wählbare und austauschbare Parameter im Spiel. Schade, hier wäre Potenzial für interessante Charaktere drin gewesen. Bliebe noch das Crew-Management, mit dem wir im Kampf verlorene Matrosen wieder auffrischen können. Das ist durchaus wichtig, denn je kleiner eure aktuelle Besatzung ist, desto langsamer werden die Kanonen nachgeladen und auch die Chance auf ein erfolgreiches Entermanöver schwindet. Doch anstatt arbeitswillige Seemänner direkt und per Gespräch in Tavernen oder am Kai aufzustöbern und unter Vertrag zu nehmen, öffnet ihr an Land einfach das Crew-Menü und schiebt einen Mausregler auf die gewünschte Besatzungszahl.

Es will einfach nicht zünden

Raven's Cry im Test: Dialoge ziehen sich mitunter minutenlang hin, ohne dabei richtig spannend geschrieben zu sein. Raven's Cry im Test: Dialoge ziehen sich mitunter minutenlang hin, ohne dabei richtig spannend geschrieben zu sein. Spätestens, wenn wir wieder an Land unterwegs sind, ist der leidlich vorhandene Spielspaß der Seegefechte im Nu wieder verflogen. Zu sehr nervt das unbefriedigende Spieldesign auf den Inseln. Generell sind die dort zu absolvierenden Laufwege oft zu lang. Wichtige Händler wie etwa der Schiffsbauer, den wir für Reparaturen und Proviantaufstockung regelmäßig aufsuchen müssen, sind mitunter unpassend platziert und umständlich zu erreichen.

Egal, welchen Aspekt des Spiels wir uns herauspicken, keiner davon kann so richtig überzeugen, geschweige denn langfristig gut unterhalten. Raven's Cry wirkt von vorne bis hinten zu sehr wie "gewollt, aber nicht gekonnt". Selbst wenn man über die bisher genannten Kritikpunkte hinwegsehen kann und sich einfach munter ins Piratenabenteuer stürzen möchte, erfährt man haufenweise Spielspaßbremsen, die wir noch kurz skizzieren möchten.

Raven's Cry im Video-Review

So verzeichneten wir beispielsweise Sidequests, die sich aufgrund von Skriptfehlern nicht lösen ließen. Auch der Fortgang der Hauptgeschichte kam mehrfach fast zum Scheitern, weil die Questdokumentation fehlerhaft war, oder Questpersonen erst ansprechbar waren, nachdem wir einen Spielstand neu geladen hatten.

Zahlreiche Macken wie schwebende NPCs, fehlende Dialoge, Platzhaltertexte, Animations-, Wegfindungs- und Kampf-KI-Bugs sorgen für ein insgesamt als mangelhaft einzustufendes Spielerlebnis.

Das Schleichsystem ist zudem ein schlechter Witz: Da uns die Gegner in einem Gefecht oft gar nicht wahrnehmen, können wir selbst im dicksten Getümmel auf offener Fläche ohne Deckung einfach in die Hocke gehen und "schwupps" die Gegner per Sofortkill umhauen. Apropos umhauen, die Spielmechanik erlaubt euch, sämtliche Einwohner auf den Inseln umzubringen und belohnt euch dafür sogar jeweils mit Erfahrungspunkten und der Möglichkeit, die Leichen zu plündern. Das mag dem Umstand, dass Chris Raven ein böser Pirat ist, geschuldet sein, wirkt aber dennoch deplatziert.

Unser Charakter verliert Lebenspunkte, wenn er ein zwei Treppenstufen herunterstolpert und kann im Gegenzug im Schleichmodus vom höchsten Berg langsam an einer Texturwand zu Boden gleiten.

Auch andere, kleinere Bugs zeugen von mangelnder Qualitätssicherung für das Spiel. So ist es zum Beispiel ja schön, dass man auf der geöffneten Landkarte einen eigenen Marker setzen kann, um sich einen Zielpunkt zu setzen. Leider hatten wir öfters den Fall, dass die Position des Markers dann beim Laufen in der Spielwelt auf der stets sichtbaren Mini-Map in die völlig falsche Richtung wies.

Ausgerüstete Pistolen, die hübsch anzuschauen in ihren Holstern stecken, werden sofort unsichtbar, sobald man deren einzige Kugel im Lauf verschossen hat. Erst wenn Chris Raven die Schießprügel nachlädt, tauchen sie wieder sichtbar im Holster auf.

Es ist die Vielzahl der vorhandenen Schwächen, die in Summe einfach dazu führen, dass sich Raven's Cry erheblich schlechter anfühlt und spielt, als die Genre-Vertreter der Gothic-, Risen- oder auch Assassin's Creed-Reihe. Erst recht, da es sich bei Raven's Cry um ein Vollpreis-Spiel handelt, das sich mit den Anschaffungskosten in Höhe von rund 50 Euro in AAA-Gefilden tummelt. Da muss man als potenzieller Kunde einfach mehr erwarten dürfen. Im Zustand der getesteten Release-Version 1.00 ließe sich Raven's Cry durchaus als Early-Access-Spiel vertreten, das wäre fair und angemessen gewesen.

Meinung

Wertung zu Raven's Cry (PC)

Wertung:

4.0 /10
Pro & Contra
Unterhaltsame SchiffskämpfeMotivierende SchiffsupgradesFunktionierender HandelWer auf Piratenklischees steht, wird bedient
Technisch überholtFürchterliches Nahkampf- und SchleichsystemFehlerhafte Vertonung, fehlende DialogeQuest-BugsDialoge sind überzogen plump und niveaulosFehlerhafte AnimationenKI-BugsWegfindungsproblemeZu wenig Interaktionsmöglichkeiten in den StädtenUnbefriedigende Erkundung der SpielweltKatastrophale SoundabmischungPlatzhalter-Texte
Fazit

Beim Klabautermann, Klischees gibt's in Filmen, Literatur und in Spielen. Niemand hat was dagegen, wenn man ein Piratenspiel wie Raven's Cry mit Holzbein-Seeräubern sowie mit anderen finsteren Gestalten vollstopft und die bösen Buben fluchen und schimpfen lässt, dass sich die Balken biegen. Doch ich will verdammt sein - ein solches Unterfangen muss am Ende auch gut funktionieren und annähernd rund laufen. Doch Raven's Cry hingegen ist geplagt von Bugs, Designentscheidungen und einem Niveau, das den sprichwörtlichen Bogen überspannt.

Bildergalerie

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    • Kommentare (71)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Bonkic Mitglied
        ich muss zugeben, dass mich raven's cry irgendwie immer noch reizt. ich glaub für die 5 euro, die aktuell bei steam fällig werden, nehm ich das bugfest mal mit. :-B
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