Raven's Cry im Test - Risen-Erkundung auf Sparflamme

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Test Stefan Weiß - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Raven's Cry im Test: Der Rachefeldzug von Pirat Christopher Raven entpuppt sich als unfertiges Spiel, mit allerlei Ösen und Haken.
Quelle: Topware

"Ihr elenden Landratten! Was seid ihr? Rückgratlose Schwuchteln?" Seeräuberkapitän Christopher Raven ist offensichtlich sauer! Das können wir nur zu gut verstehen, muss der Ärmste doch als rachsüchtiger Antiheld in einem Piratenspiel herhalten, das leider mit zahlreichen Bugs und Designmängeln behaftet ist. Raven's Cry legt im Test der Version 1.00 einen ziemlich missglückten Rollenspiel-Stapellauf hin, bei dem Qualität und Spielanspruch schlichtweg als abgesoffen einzustufen sind.

Risen-Erkundung auf Sparflamme

Der Aufbau der Spielwelt erinnert uns zunächst stark an das mit Raven's Cry vergleichbare Risen 3: Titan Lords. So bereist ihr auch hier keine zusammenhängende Karibikwelt aus einem Guss, sondern wählt per Reisekarte euer gewünschtes Ziel aus und könnt dann in Echtzeit beobachten, wie sich euer Schiff als Icon auf der Karte dem angepeilten Eiland nähert. Selber steuern oder gar freies Segeln im Meer ist nicht drin. Nach einer kurzen Kamerafahrt am Zielhafen dürfen wir dann wieder die Kontrolle unseres finsteren Kapitäns übernehmen. Die jeweiligen Inselgebiete sind großzügig angelegt, das vermittelt jedenfalls der Blick in die zoombare Karte.

Ähnlich wie in der Risen- oder Assassin's Creed-Reihe lassen sich die Inseln auf eigene Faust erkunden, doch stellen diese Ausflüge eine ernüchternde Erfahrung in Raven's Cry dar. Wir stoßen auf unsichtbare Wände oder Texteinblendungen der Marke "Du kannst nicht weiter gehen". Und selbst die Gebiete, die wir großzügiger erkunden können, entbehren fast jeglicher Interaktion – die Spielwelt ist außerhalb der Siedlungen weitestgehend leer und bietet so gut wie keine Überraschungen oder gar spannende Geheimnisse. Unser anfänglich noch vorhandener Erkundungsdrang erstickte recht schnell, da sich die Inseltouren nicht auszahlen und reine Zeitverschwendung sind.

Raven's Cry nutzt seine Ressourcen einfach viel zu wenig und die Inselareale wirken dadurch schlicht unfertig designt. Es gibt keine jagdbare Tierwelt, keine Pflanzen, die sich einsammeln und nutzen ließen. Viel zu selten gibt es eine versteckte Höhle oder mal eine Truhe zu entdecken.

Raven's Cry im Test: Typischer Fechtkampf mit Klon-Piraten. Enttäuschend! Raven's Cry im Test: Typischer Fechtkampf mit Klon-Piraten. Enttäuschend! Umso erstaunter sind wir, dass es in den Hafenstädtchen ja Kräuterhändler gibt und auch im Skilltree von Christopher Raven schlummert ein durch die Story aktivierter Brauereiskill, der es uns ermöglichen soll, Tränke herzustellen. Bloß konnten wir im Verlauf der Geschichte nicht herausfinden, ob- und wie man überhaupt Crafting betreiben kann. Sollte es jemand herausgefunden haben, möge er/sie es doch bitte per Kommentar einfügen. Auch andere Features, welche uns die Infotexte bei den Ladescreens von Spielständen anzeigen, entdecken wir nicht. So weist uns das Spiel etwa darauf hin, doch bitte vor Seereisen Zitrusfrüchte zu laden, damit unsere Crew vor Skorbut geschützt ist. Doch von der fiesen Seemannskrankheit gab es keinerlei Anzeichen im Spiel zu sehen, obwohl wir in den Häfen doch ausschließlich normalen Proviant für unsere Schiffsbesatzung kaufen können.

Die Küstenstädtchen selber sind ganz nett aufgebaut, doch auch hier bleibt die Interaktion mit Personen und Objekten Mangelware. Viele Gebäude sind nur leer stehende oder nicht betretbare Kulissen. Wir streifen durch menschenleere Festungsanlagen und verwaiste Plantagenareale. An vielen Stellen ist schlicht und einfach der Hund begraben, oder besser "die Ziege" – denn der Sound dieser meckernden Nutztiere, der ist allgegenwärtig, selbst innerhalb von Tavernen. Das sorgt auf Dauer bei uns regelrecht für Paranoia, irgendwo müssen die Biester doch stecken.

Raven's Cry im Video-Review

NPCs sind zwar vielerorts in den Straßen und Gassen der Hafenstädtchen platziert, doch sorgt deren Anblick oft für höchst fragwürdige Szenen. Da entdecken wir kniende Personen, die den Sandboden vor einem Gebäude mit einer Bürste schrubben, dort stehen Soldaten wie versteinert herum, ein merkwürdiges Bild. Doch weitaus schlimmer sind die überall besoffenen, torkelnden Seeräuber und jene Piraten, die vor einer Wand stehend auf den Boden kotzen oder pinkeln. Anstelle von stimmiger Piratenatmosphäre stellt sich eher Ekel angesichts dieser Szenerie ein. Glaubhaft und lebensecht wirken diese dargestellten Arrangements karibischen Piratenlebens jedenfalls nicht.

Raven's Cry im Test: Lange Laufwege kennzeichnen unsere Inselerkundungen. Belohnt wird das kaum, es gibt fast nichts zu entdecken. Raven's Cry im Test: Lange Laufwege kennzeichnen unsere Inselerkundungen. Belohnt wird das kaum, es gibt fast nichts zu entdecken. Interaktion beschränkt sich meist auf die wenigen, schon auf der Levelkarte markierten Orte und Personen, wo ihr weitere im Spiel enthaltene Features nutzen könnt. Da wäre beispielsweise der Warenhandel. Beim örtlichen Händler ruft ihr jeweils ein Menü auf, das euch die An- und Verkaufspreise für die elf im Spiel erhältlichen Güter zeigen. Dazu zählen unter anderem Tonnagen von Kaffee, Tee, Kakao, Rum oder auch Kannabis. Je nach Standort fallen die Preise unterschiedlich aus, sodass ihr hier Profite erwirtschaften könnt. Die fallen zwar nicht gerade üppig aus, aber das Feature funktioniert solide. Allerdings führt Raven's Cry den Handel quasi ad absurdum, wenn man erst mal herausgefunden hat, dass man mit dem Mini-Spiel Würfel-Poker viel bequemer und schneller Tausende Goldmünzen scheffeln kann. Die Poker-Gegner sind unendlich reich, wie sich herausstellte. Also einfach vor einer Partie speichern, den Maximal-Betrag von 1.000 Münzen wählen, Partie gewinnen, speichern und von vorn. Klar kann man auch verlieren, dann lädt man einfach den letzten Spielstand und weiter geht's. Auf diese Weise hatten wir in nicht mal einer Stunde rund 50.000 Münzen beisammen.

Gefundene Inventar-Items, die ihr beim Plündern von Gegnern erhaltet, lassen sich beim örtlichen Krämer verhökern. Das Item-Angebot im Spiel fällt allerdings recht mager aus. Eine Handvoll Nahkampfwaffen, Pistolen, Messer – das muss reichen. Gegner dagegen sind schon mal mit Musketen bewaffnet, die ihr aber nicht benutzen könnt. Rüstungen gibt's ebenfalls keine und sage und schreibe ein einzelnes Amulett, das wir im Verlauf der Story erbeutet haben, beschert unserem Helden einen Rüstungsschutz. Für ein Rollenspiel, das Raven's Cry ja sein will, ist das einfach zu wenig Futter.

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    • Kommentare (71)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Bonkic Mitglied
        ich muss zugeben, dass mich raven's cry irgendwie immer noch reizt. ich glaub für die 5 euro, die aktuell bei steam fällig werden, nehm ich das bugfest mal mit. :-B
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