Mit Abo-Modell und neuen Features will Ragnarok Zero: Global Europa erobern

Special Wolfgang Fischer - Autor
Mit Abo-Modell und neuen Features will Ragnarok Zero: Global Europa erobern
Quelle: Gravity Game Unite

Keine Gacha-Mechaniken und praktisch kein Pay2Win: Ragnarok Zero: Global will Europa mit einem Abo-Modell erobern, bleibt seinem mehr als 20 Jahre alten Vorbild Ragnarok Online ansonsten aber sehr nahe.

Ragnarok Online ist ein Name, der wohl jedem, der sich in der Welt der Online-Spiele oder Online-Rollenspiele bewegt, schon mal über den Weg gelaufen ist. Doch wirklich gespielt haben es hierzulande nur die Allerwenigsten. Das ist durchaus verständlich. Denn einerseits ist das Spiel mehr als 20 Jahre alt, und andererseits war es nie wirklich für den europäischen Markt gedacht. Doch nun will Gravity Game Unite, der Publisher hinter der mittlerweile mehr als ein Dutzend Ragnarok-Spiele umfassenden Franchise endlich auch den europäischen Markt erobern. Dafür soll nicht, wie es andere Entwickler gerne tun, einfach das asiatisch geprägte Spiel oberflächlich überarbeitet und exportiert werden. Stattdessen hat man mit Ragnarok Zero: Global eine eine für den globalen/europäischen Markt angepasste Version geschaffen. Das Motto: "Evolved Return to Origins" - also eine weiterentwickelte Rückkehr zum Original. Wir haben uns Ragnarok Zero: Global mal angeschaut und uns von den Entwicklern sagen lassen, wie sich nun endlich der gewaltige Erfolg in Asien (mehr als 250 Millionen Spieler haben Ragnarok Online ausprobiert) auf den für Gravity Game Unite so wichtigen europäischen Markt übertragen lässt.

Was ist eigentlich Ragnarok Online?

Ragnarok Online ist ein MMORPG-Urgestein, das bereits seit 2002 läuft. Statt auf realistische Grafik setzt das Spiel auf 2D-Figuren im Anime-Stil, die sich durch eine dreidimensionale Welt bewegen. Ihr startet als einfacher Abenteurer, bekämpft Monster, sammelt Ausrüstung und entscheidet euch später für eine von zahlreichen Klassen. Bekannt wurde Ragnarok Online vor allem durch sein komplexes Klassensystem, große Gildenkämpfe und die starke Community. Darauf will Gravity Game Unite jetzt aufbauen und quasi ein "europäisiertes" Ragnarok an den Start bringen.

In Ragnarok Zero: Global soll die Nostalgie und die Moderne unter einem niedlichen Hut vereint werden. Quelle: Gravity Game Unite In Ragnarok Zero: Global soll die Nostalgie und die Moderne unter einem niedlichen Hut vereint werden.

... und was ist Ragnarok Zero: Global?

Der Anfang ist einfach gehalten: Ihr beginnt als Novize und entscheidet euch später für eine der klassischen Klassen, etwa Schwertkämpfer, Magier, Bogenschütze, Dieb, Händler oder Akolyth. Im weiteren Verlauf entwickelt ihr euren Charakter über zusätzliche Klassenstufen und Spezialisierungen weiter. Die Reise führt durch die Welt Midgard mit Städten wie Prontera, Geffen, Payon und Morroc. Dort nehmt ihr Quests an, jagt Monster, sammelt Ausrüstung und seltene Karten oder schließt euch mit anderen Spielern zusammen. Gruppen ziehen gemeinsam durch Dungeons und Instanzen, stellen sich mächtigen MVP-Bossen und kämpfen in Gilden um Burgen und Einfluss. Im Kern bleibt Ragnarok Zero: Global damit ein klassisches Online-Rollenspiel, bei dem Charakterentwicklung, Beutejagd und gemeinsames Spielen im Mittelpunkt stehen.

Ragnarok Zero: Global - kleine Änderungen, großer Unterschied?

Dafür waren wir auf einem kleinen Event vor Ort in Frankfurt, bei dem die Entwickler nicht nur den Medien, sondern auch jeder Menge angereister Spieler Rede und Antwort standen und gleichzeitig den Blick auf ein paar wichtige Punkte richteten. In Bezug auf die Klassen, die Welt und das allgemeine Spielgefühl ändert sich quasi nichts. Wer früher in Ragnarok Online unterwegs war, der findet sich sofort auch in Zero: Global wieder. Dennoch wurde einiges modernisiert. So ist das UI nun auf einem Stand, der die heutige Zeit widerspiegelt. Elemente lassen sich frei verschieben und in vielen Bereichen auch anpassen. Das klingt nach nicht viel. Doch selbst große MMORPGs wie WoW haben das noch gar nicht so lange und zeigten, wie schwer sich die Entwickler mit solchen Schritten tun. Ihr bekommt außerdem eine im Vergleich zum Urspiel überarbeitete Map - inklusive einiger neuer Karten. Darunter beispielsweise Nordfeld, eine deutsche Siedlung, die für ihre hervorragenden Biere berühmt ist. Gravity Game Unite will damit die hiesigen Spieler für sich gewinnen. Wie würde euch eine eigene Intro-Musik gefallen, speziell für Spieler, die aus Deutschland einloggen? Wir sind gespannt, wie euch das lokalisierte Ragnarok-Theme gefallen wird!

Optisch hat sich nicht viel geändert. Die beliebte Grafik wurde beibehalten. Quelle: Gravity Game Unite Optisch hat sich nicht viel geändert. Die beliebte Grafik wurde beibehalten. Zudem bekommt Ragnarok Zero: Global ein Feature, das es in vielen Ablegern der Reihe gab: Auto-Hunt. Das ist gewissermaßen ein eingebauter "Afk-Modus". Während ihr schlaft, esst, arbeitet oder was anderes macht, spielt, levelt und farmt euer Charakter einfach weiter. Wie gut er das macht? Nun, das hängt von euch ab. Denn ihr könnt gewissermaßen ein überdimensionales Makro bauen, welches euer Charakter dann selbstständig abarbeitet. Nicht nur die Fähigkeiten, sondern auch Consumables und dergleichen lassen sich integrieren. Es ist also mehr als ein "Ich drück den Knopf und mein Char macht alles alleine".

Community-Content mal anders gedacht

Eine weitere Neuerung wird der sogenannte Factory-Modus sein - eine neue Art des Community-Contents. Damit können engagierte Spieler selbst dazu beitragen, dass Ragnarok Zero: Global hübscher wird - indem sie selbst Effekte bauen. Die Tools sind dabei prinzipiell sehr ähnlich dem, was auch die eigentlichen Entwickler benutzen. In der ersten Iteration wird das Feature noch begrenzt sein. Spieler dürfen nur eigene Fußabdrücke entwerfen, die ihre Helden beim Laufen hinterlassen. Dabei haben sie allerdings viele Freiheiten - von Glitzereffekten bis zu Regenbogenfarben. Die Devs wollen sich erst anschauen, wie das Feature ankommt, ehe weitere Möglichkeiten geöffnet werden. Man kann sich aber vorstellen, dass die Spieler mittelfristig auch komplette eigene Skins entwerfen können. Das würde Ragnarok Zero: Global wohl zu dem MMORPG machen, in dem sich die Spieler am stärksten individualisieren können.

Mit unseren niedlichen Charakteren bekämpfen wir in der Welt allerlei verschiedene Monster. Quelle: Gravity Game Unite Mit unseren niedlichen Charakteren bekämpfen wir in der Welt allerlei verschiedene Monster.

Ragnarok meets Tamagotchi und Pokémon - Get Poring

Natürlich dürfen in Ragnarok auch die Porings nicht fehlen. Diese Begleiter werden in Zero: Global quasi als eigenes Spiel ausgelagert - in Get Poring. Dabei handelt es sich um ein kostenloses Browser-Spiel, in dem ihr euch eure eigenen Porings großzieht, sie füttert und euch um sie kümmert. Ihr entwickelt dabei verschiedene Varianten und verschönert sogar deren Zuhause. An sich schon ganz niedlich, könnt ihr die "erwachsenen Porings" dann aber später in Ragnarok Zero: Global übertragen und dort als Begleiter mitnehmen. Die Entwickler betonen, dass das Feature vollkommen optional ist. In Zeiten, in denen Pokémon und Co. so erfolgreich wie nie sind, dürften sich sicherlich einige Spieler finden, die Spaß daran haben.

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Ragnarok Zero: Global - So will man Europa erobern

Das alles waren bis jetzt eher globale Änderungen, die auf alle Spieler abzielen. Wir haben aber eingangs erwähnt, dass man mit Ragnarok Zero: Global vor allem die Spieler in Europa im Blick hat. Bisher stammen nämlich nur wenige Prozent aller Ragnarok-Spieler aus europäischen Märkten, die Gravity Games Unite als strategisch wichtig erachtet. Um hier endlich erfolgreich zu sein, haben die Entwickler drei Grundpfeiler benannt:

Grundsatz Nummer 1 - Abo statt Free2Play (und Pay2Win)

Entgegen der in Asien üblichen Monetarisierung hat man sich bei Ragnarok Zero: Global für ein Abo-System entschieden. Wie teuer das am Ende genau wird, hängt von Laufzeit und anderen Dingen ab - man darf aber mit knapp zehn Euro im Monat rechnen. Im Gegenzug sollen im InGame-Shop nur wenige Dinge angeboten werden. Pay2Win, das von vielen Spielern kritisch gesehen wird, soll praktisch keine Rolle spielen. Mit einem Abo-System, so der Plan von Gravity Game Unite, soll das umgangen werden.

Ein Ingame-Shop ist in vielen vergleichbaren Spielen ein Streitpunkt. Die Entwickler Gravity Game Unite haben dies erkannt und setzen stattdessen auf ein Abo-Modell. Quelle: Gravity Game Unite Ein Ingame-Shop ist in vielen vergleichbaren Spielen ein Streitpunkt. Besonders bei Abo-MMOs müssen die Entwickler hier vorsichtig sein. Gravity Game Unite ist sich dem bewusst und sucht die Kommunikation mit den Spielern.

Grundsatz Nummer 2 - NO Gacha

Das alte Ragnarok Online und sein Lootbox-System verwendet eine sogenannte Gacha-Mechanik. Spieler verwendeten dabei In-Game-Währung oder echtes Geld, um zufällige Inhalte wie Boosts zu erhalten. In der europäischen Neuauflage wird es nichts dergleichen geben - so das Versprechen der Entwickler.

Grundsatz Nummer 3 - Lokalisiert, statt nur übersetzt

Wo viele Entwickler mittlerweile immer mehr auf maschinelle Übersetzungen zurückgreifen - mit teils urkomischen, teils traurigen Folgen - will Gravity Game Unite eine richtige "Lokalisierung" liefern. Und das gleich in diversen für Europa wichtigen Sprachen. Neben Englisch, Deutsch und Französisch beispielsweise auch in Türkisch. Die Qualität der Lokalisierung sah auf den ersten Blick ziemlich gelungen aus, wenngleich wir nur einen kleinen Ausschnitt davon gesehen haben.

In den Städten trifft man auf viele andere Spieler. Quelle: Gravity Game Unite In den Städten trifft man auf viele andere Spieler.

Ragnarok Zero: Global - viel Content im Rohr

Nach dem Release, der am 18. August stattfinden wird, müssen Spieler nicht lange auf neuen Content warten. Die Entwickler haben eine komplette Roadmap für das gesamte nächste Jahr präsentiert. Ihr dürft euch auf eine weitere Spezialisierung eurer Klassen im September und die Erhöhung der Maximalstufe Januar 2027 freuen. Neue Dungeons, Maps und der Ninja als neue Klasse sind ebenfalls schon terminiert.

Fazit: Keine Revolution, dafür viel Evolution

Schaut man in die Details von Ragnarok Zero: Global, dann kann man durchaus sagen, dass es sich dabei um ein ganz niedliches MMORPG für eine eine zu unterschätzende Zielgruppe handelt. Der geistige Vater Ragnarok Online ist dabei mehr als nur eine Inspiration - eher eine direkte Vorlage. Das Spiel fühlt sich mehr wie eine Modernisierung und Anpassung an westlicher Spieler an als ein komplett neues Spiel. Der Wiedererkennungswert und die Nähe zum Original werden dabei über die Nostalgie-Schiene durchaus einen positiven Effekt haben. Wir hatten im Rahmen des Events in jedem Fall Spaß mit Ragnarok Zero: Global. Das lag zum einen am entschleunigten Spielgefühl, der charmanten Mischung aus 2D-Figuren und 3D-Welt sowie dem bekannten Klassen- und dem durchdachten Fortschrittssystem. Das Konzept "Monster kloppen, Beute sammeln, den eigenen Build verbessern und gemeinsam mit anderen Spielern durch die Welt ziehen" funktioniert hier richtig gut!

Via auto-Hunt könnt ihr eurem Charakter zuschauen, wie er ordentlich in der Welt aufräumt. Quelle: Gravity Game Unite Via Auto-Hunt könnt ihr eurem Charakter zuschauen, wie er ordentlich in der Welt aufräumt.

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