Prospekt: Test und Video-Review - Gordon Freeman sollte sich für diese Rufschädigung schämen!

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Test Peter Bathge Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Wer seinen Gegnern so nahe kommt, ist schnell tot, denn Prospekt ist unfair ausbalanciert.
Quelle: PC Games

Ein Half-Life 3 hat von der Bezahl-Mod Prospekt wohl niemand erwartet. Doch auch als Erweiterung zu Half-Life 2 macht der 10 Euro teure Ego-Shooter keine gute Figur. Mehr im PC-Games-Test mit Wertung und Video-Review!

Für den unbedarften Shooter-Fan klingt Prospekt nach einer tollen Sache. Ein Fan-Add-on für Half-Life 2, für dessen Release Entwickler Valve sein offizielles Okay gegeben hat. Das ist doch bestimmt einen Download wert, zumal das Ganze auch nur vermeintlich günstige 10 Euro kostet. Doch im Test stellt sich heraus: Prospekt ist einem Half-Life nicht würdig. Die Story von Prospekt nimmt in Ansätzen Bezug auf das Half-Life-Add-on Opposing Force. Quelle: PC Games Die Story von Prospekt nimmt in Ansätzen Bezug auf das Half-Life-Add-on Opposing Force.

Half-Life: Opposing Force als Vorbild

Ursprünglich als Arbeitsprobe für seine (gescheiterte) Bewerbung bei Valve ersonnen, soll Prospekt laut Ein-Mann-Entwickler Richard Seabrook an die Ereignisse aus der Gearbox-Erweiterung Half-Life: Opposing Force anschließen. Und tatsächlich spielt ihr Soldat Shephard, der schon in Opposing Force einem gewissen bärtigen Wissenschaftler mit einer Affinität für Brechstangen auf den Fersen war.

Kein Grafikfehler: Ab und zu hört ihr Audio-Flashbacks, welche die (uninteressante) Vorgeschichte von Protagonist Shephard erzählen. Quelle: PC Games Kein Grafikfehler: Ab und zu hört ihr Audio-Flashbacks, welche die (uninteressante) Vorgeschichte von Protagonist Shephard erzählen. Die Handlung von Prospekt ebenfalls in den Fußstapfen von Gordon Freeman; in der Rolle von Shephard räumt ihr im Gefängnis Nova Prospekt hinter Mr. Freeman auf. Damit hat es sich aber auch schon in Sachen Story-Bezug zum großen Vorbild.

Prospekt erzählt lediglich in nichtssagenden, aber immerhin ganz ordentlich auf Englisch eingesprochenen Audio-Botschaften die (wenig erhellende) Vorgeschichte von Opposing Force, der eigentliche Plot um Shephard und Freeman verläuft schon kurz nach Beginn des Spiels im Sande. Statt Story und Atmosphäre gibt stehen fortan Schießereien von der Stange auf dem Programm.

Prospekt im Video-Review

Bekanntes dümmlich neu verpackt

Die Geschichte hinter dem Spiel

Prospekt entstand als Arbeitsprobe für eine Bewerbung, die der 23-Jährige Richard Seabrook direkt an Valve-Chef Gabe Newell sandte - in einem schicken Aktenkoffer mit Half-Life-Logo. Damals hieß Prospekt noch Project-X, im Lieferumfang enthalten war Seabrooks Dissertation über Designregeln für Ego-Shooter mit Puzzle-Elementen. Der junge Mann hatte seine Abschlussarbeit über Half-Life 2 geschrieben.

Einen Job bei Valve gab es als Belohnung für das mutige Unterfangen nicht. Doch Gabe Newell gefiel die Idee des Spiels und so handelten Seabrook und Valve einen Deal aus: Prospekt durfte mit Valves Segen bei Steam erscheinen.

Prospekt führt keine neuen Gegner oder Waffen ein - mit der Gravitiy Gun fehlt sogar ein bekannter Argumentverstärker. Mit Ausnahme von ein paar Headcrabs und Antlions kämpft ihr fast ausschließlich gegen die aus dem Hauptspiel bekannten Combine-Soldaten. Das Leveldesign strotz dabei nur so vor Einfallslosigkeit und besteht vorwiegend aus langen Korridoren, leeren Räumen und unfair platzierten Barrieren, hinter denen Widersacher und automatische Geschütztürme nur darauf warten, dass ihr ahnungslos um die Ecke biegt. Beizeiten gibt es auch größere zusammenhängende Areale, in denen euch die Gegner schon auf große Entfernung erspähen und erbarmungslos eure Lebensenergie herunterschießen. Da hilft es auch nicht, ständig in Bewegung zu bleiben.

Wer seinen Gegnern so nahe kommt, ist schnell tot, denn Prospekt ist unfair ausbalanciert. Quelle: PC Games Wer seinen Gegnern so nahe kommt, ist schnell tot, denn Prospekt ist unfair ausbalanciert. Die Schwierigkeit rührt in Prospekt vorrangig von der Masse an Feinden und ihrer ungewöhnlichen Widerstandsfähigkeit gegenüber Kopfschüssen her. Entwickler Richard Seabrook hat die Balance bei Prospekt im Vergleich zu Half-Life 2 deutlich in Richtung der KI-Feinde verschoben; die Combine fressen ein ganzes Magazin aus der Maschinenpistole, bevor sie umfallen. Nur der Revolver, für den es spärlich wenig Munition gibt, streckt die Gegner durch einen gezielten Schuss nieder. Gute Shooter-Spieler werden so kaum belohnt, denn auch Präzisionsschützen müssen jeden Combine langwierig niederringen. Das hat massive Auswirkungen auf den Spielfluss.
Die Gegner in Prospekt sind erstaunlich widerstandsfähig und halten auch mehrere Kopfschüsse aus der Schrotflinte aus. Quelle: PC Games Die Gegner in Prospekt sind erstaunlich widerstandsfähig und halten auch mehrere Kopfschüsse aus der Schrotflinte aus.
Nicht nur die Combine-Soldaten werfen reichlich Granaten, durch das verquere Balancing von Prospekt sind die Sprengsätze auch euer bester Freund. Quelle: PC Games Nicht nur die Combine-Soldaten werfen reichlich Granaten, durch das verquere Balancing von Prospekt sind die Sprengsätze auch euer bester Freund. Zahllose Bildschirmtode und ein übermäßiger Fokus auf langsames Vorantasten und das Anlocken von Gegnern um Ecken zerstören die einst so tolle Spielbarkeit von Half-Life 2. Im Prospekt-Test waren wir immer wieder dazu gezwungen, das Tempo rauszunehmen und durch Tricks einzelne Feinde von der Gruppe zu trennen, um sie außer Sichtweite tödlicher Geschütztürme einen nach dem anderen zu besiegen. Die Feinde haben zwar absolut nichts in der Birne, sie werfen aber ständig mit Granaten um sich und treffen auch aus größter Entfernung und selbst im niedrigsten Schwierigkeitsgrad unmenschlich präzise. Sich durch diese immer gleich ablaufenden Gefechte zu ringen, ist mehr anstrengend als spaßig und demonstriert im Vergleich eindrucksvoll, wie perfekt ausbalanciert Shooter-Meilensteine wie Half-Life 2 sind. Zu Beginn löst ihr noch eine Reihe (simpler) Umgebungsrätsel, später ist Ballern pur angesagt. Prospekt bietet viel zu wenig Abwechslung. Quelle: PC Games Zu Beginn löst ihr noch eine Reihe (simpler) Umgebungsrätsel, später ist Ballern pur angesagt. Prospekt bietet viel zu wenig Abwechslung. Prospekt verzichtet zudem auf jegliche Abwechslung, einen der größten Pluspunkte des Vorbilds. Es gibt keine Fahrzeugsequenzen, keine Charaktere, mit denen man sich unterhält und so gut wie keine aufwendigen Skriptsequenzen. Der Spielverlauf ist gleichförmig, Höhepunkte fehlen. Stattdessen schießt ihr euch von einem Raum zum anderen und drückt zwischendurch immer wieder einen Knopf, um die nächste Tür zu öffnen. Öde! Da helfen auch nicht einige besonders dämlich designte Stellen, an denen unendlicher Gegnernachschub auftaucht und wir nur mit heiler Haut entkommen, wenn wir einen leicht zu übersehenden Ausgang finden. Ähnlich unausgewogen ist der Anfang des Spiels. Der langweilt einen erst mit einer minutenlangen, nichtssagenden Rede eines Vortigaunt-Aliens, während der sich der Spieler nicht bewegen darf. Anschließend geht's lange Zeit ohne Waffen durch finstere Gefägniszellen, in denen ihr viel zu simple Umgebungsrätsel lösen müsst.

Achtung, Software-Schrott!

Half-Life-Atmosphäre kommt in Prospekt kaum auf, trotz Brechstange und Headcrab. Meist kämpft ihr gegen Combine-Soldaten. Quelle: PC Games Half-Life-Atmosphäre kommt in Prospekt kaum auf, trotz Brechstange und Headcrab. Meist kämpft ihr gegen Combine-Soldaten. Ihr seht schon: Wir tun uns schwer, einen Grund zu finden, um Prospekt zu spielen. Selbst eingefleischte Half-Life-Fans, die sich über das Ausbleiben von Teil 3 die Haare raufen, sollten Abstand halten. Mit einer Spielzeit von gerade mal zwei Stunden ist das langweilig erzählte und lieblos gemachte Fan-Add-on selbst den niedrigen Preis von knapp zehn Euro auf Steam nicht wert.

Unsere Empfehlung nach dem Test: Spielt statt Prospekt lieber Half-Life 2 mit ein paar kostenlosen (Grafik-)Mods. Wir hätten da eine kleine Übersicht für euch.

Meinung

Wertung zu Prospekt (PC)

Wertung:

2.0 /10
Pro & Contra
Erweckt in einem den Wunsch, das ungleich bessere Half-Life 2 zu spielen
Völlig missratener, viel zu hoher SchwierigkeitsgradUninspiriertes Level-DesignEindimensional agierende Gegner-KISehr geringer Spielumfang von rund zwei StundenEinschläfernde AnfangsminutenKeine Abwechslung zu den stumpfsinnigen FeuergefechtenKeine Story, die von Interesse wäreKeine neuen FeindeKeine neuen WaffenKeine HöhepunkteKeine deutsche ÜbersetzungKein Grund, es zu kaufen (oder ist das doch eher ein Pluspunkt?)

Bildergalerie

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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von OutsiderXE Mitglied
        Boah, wann wacht Blizzard endlich auf und lässt sowas für Starcraft 2 zu :D (oder liebernicht :))
      • Von OutsiderXE Mitglied
        Boah, wann wacht Blizzard endlich auf und lässt sowas für Starcraft 2 zu :D (oder liebernicht :))
      • Von sykikk NPC
        Zitat
        Ursprünglich als Arbeitsprobe für seine (gescheiterte) Bewerbung bei Valve ersonnen (...)
        made my day
      • Von Angie2012 Anfänger/in
        Dann doch lieber im Steam Sale "Black Mesa" für 10 € kaufen.
        Da hat man deutlich mehr von und das nicht nur von der Spielzeit von ungefähr 8 - 14 Std , je nachdem wie mans spielt.
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Uff, das hätte ich nicht gedacht. Wenn Valve so etwas zulässt, dann hätte ich zumindest gedacht, dass dann die Qualität einigermaßen stimmt.
      • Von OldShatterhand Mitglied
        Holla, so eine Klatsche hätte ich nun wirklich nicht erwartet^^ Aber auf Steam findet man auch nur "ausgeglichene" Reviews, scheint also was dran zu sein.

        Zitat
        Kein Grund, es zu kaufen (oder ist das doch eher ein Pluspunkt?)
        Na auf jeden Fall, änder das nochmal :-D
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