Pro Evolution Soccer 5
So schön gefüllt sind die Zuschauerränge nur in der Wiederholung.
Und davon gibt es noch mehr als zuvor. Während Sie beispielsweise mit dem linken Stick auf den gegnerischen Abwehrspieler zulaufen, können Sie entweder mit dem rechten Analogstick zum Dribbling ansetzen, mit einem Druck auf eine der Schultertasten einen Übersteiger versuchen, eine Ballpirouette drehen oder dem verdutzten Verteidiger das Leder rotzfrech durch die Beine spielen.
Klingt kompliziert - und das ist es anfangs auch. "Warum also nicht öfter mal aus der Distanz abziehen?", dachten sich bereits viele Spieler nach dem ersten Probekick mit der Demoversion und wunderten sich über auffallend viele Treffer, die von außerhalb des Strafraums erzielt wurden. Hier können wir Entwarnung geben: In der uns vorliegenden Testversion landen Distanzschüsse wieder seltener als bei der Demo, aber etwas häufiger als beim Vorgänger im Tor.
Was kein Beinbruch ist und auch nur dann funktioniert, wenn man im richtigen Moment abzieht und die noch stärkeren Torhüter es nicht verhindern. Erfreulich auch, dass die Schlussmänner Bälle seltener nach vorn abprallen lassen und im Herauslaufen sogar stärker als Arsenals Jens Lehmann sind. Auch neu: Spieler ermüden schneller und können sich ohne Gegnereinwirkung verletzen.
Optik auf FIFA-Augenhöhe
Grafisch hat Pro Evolution Soccer 5 nochmals zugelegt und den einst gravierenden Rückstand auf FIFA Football fast komplett wettgemacht. Die puddingweichen Animationen machen einen fantastischen Eindruck und die Spieler sehen ihren realen Vorbildern täuschend ähnlich. Egal ob Ronaldinhos Rastafrisur, David Beckhams metrosexuelle Haar- und Bartfärbung, der angestrengte Gesichtsausdruck bei Sprints oder Grätschen, modische Armbänder, heraushängende, knittrige Trikots oder Atemwölkchen im Schneetreiben - hier stimmt alles.
Schneetreiben? Richtig gelesen! Dank des dynamischen Wettersystems ist es erstmals möglich, auf halbwegs schneebedecktem und garantiert rutschigem Boden dem Leder hinterherzujagen. Weniger hübsch fanden wir die nach wie vor platten Zuschauertexturen und die Tatsache, dass die Ränge nur bei Unterbrechungen von Fans gesäumt sind, während des Spiels aber leer bleiben. Diese Maßnahme war auf der Playstation 2 nötig, um den knappen Speicher von Sonys Konsole zu entlasten. Warum dies bei der PC-Version nicht geändert wurde, bleibt ein Rätsel.
Enttäuschende Lizenzen
Was den Spielumfang angeht, zieht Pro Evolution Soccer 5 trotz mehr als 3.000 lienzierten Fußballern gegenüber FIFA 06 klar den Kürzeren. Von 57 National- und 130 Clubmannschaften bietet nur ein Teil Originaldaten, der Rest setzt sich aus Fantasie-Kickern und -Trikots zusammen. Schade, dass ausgerechnet Klinsis Truppe ohne authentische Daten auskommen muss und in der deutschen Liga Teams wie "Fohlen", "Autostadt" oder "Alm" kicken. Immerhin größtenteils mit korrekten Spielernamen. Komplett lizenziert wurden wie im Vorjahr lediglich die spanische, italienische und holländische Liga sowie einige wenige Bonus-Teams. Darunter Chelsea und Arsenal London sowie Galatasaray Istanbul.
Und sonst?
Die Schiedsrichter sind stärker als in den Vorjahren und handhaben die Vorteilsregel noch besser. So zeigen die Pfeifenmänner neuerdings für Fouls auch nachträglich gelbe Karten. Den gelben Karton müssen wir dem Kommentatorenduo unter das Mikro halten. Die fast unveränderten und wenig abwechslungsreichen Phrasen der Vorjahre nerven nach spätestens fünf Spielen.
Ein dickes Lob verdient sich dafür der erweiterte Meister-Liga-Modus. Unmengen an Statistiken, realistischere Transfers und ein knackigerer Schwierigkeitsgrad versprechen wochenlangen Spielspaß im Solospiel. Zum Mehrspielermodus übers Netzwerk oder Internet können wir noch nichts sagen - diese Funktion war in unserer Testversion nämlich noch nicht verfügbar, wird im fertigen Spiel aber definitiv enthalten sein. An unserem Fazit ändert das freilich nichts: Wer auf der Suche nach dem bis dato realistischsten Fußballspiel ist, kommt am fulminanten PES 5 noch weniger als an Reiner Calmund vorbei.
