Die Oscar-Verleihung zum "Besten Film": Glänzt wirklich alles, was Gold ist?
Der begehrteste Filmpreis der Welt wird am Sonntag, den 26. Februar an Schauspieler, Regisseure und Künstler aus der ganzen Welt verliehen. Beim Academy Award, offizieller Name auch Academy Award of Merit, oder eher bekannt als der Oscar - werden wie jedes Jahr Glanz und Glamour über den roten Teppich schreiten in der Hoffnung, am Ende des Abends einen Goldenen Jüngling auf einer Filmrolle in den Händen zu halten. Vieles an der Oscar-Verleihung ist umstritten. Neben einigen Skandalen oder dem kürzlichen Vorwurf des "weißen Oscar", der harte Kritik an den ausschließlich an hellhäutigen Schauspieler vergebene Filmpreis übte, ist auch die Auswahl der Gewinner-Filme ein strittiges Thema. Denn sowohl die Umsatzzahlen des Box Office, als auch die Bewertungen des "normalen" Publikums lassen Fragen über die endgültige Wahl der besten Filme aufkommen.
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Wie funktioniert die Oscar-Wahl?
Um für einen Goldjungen überhaupt nominiert zu werden, müssen erst ein paar Hürden übersprungen werden:
- Alle Filme müssen in einem Kalenderjahr im Bezirk Los Angeles County zum ersten Mal mindestens eine Woche lang gelaufen sein. Außerdem beträgt die Minimaldauer 40 Minuten und der Film soll als 35- oder 70-mm-Kopie bzw. 24 oder 48 fps-Digitalkinoformat gezeigt werden.
- Die momentan 6261 Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, alle selbst Filmschaffende oder in der Branche tätig, treffen in jeder Kategorie zehn Nominierungen für die Vorauswahl. Hier bleibt aber jeder bei seinem Fachgebiet, die Regisseure für die beste Regie, die Schauspieler für die besten Schauspieler, und so weiter. Nur in der Kategorie "Bester Film" stimmen alle ab. Die ersten Fünf jeder Kategorie werden schließlich von der Akademie als Nominées betitelt.
- In der zweiten Runde der Auswahl können sich die Akademiemitglieder die Filme in geeigneten Filmtheatern oder im Heimkino ansehen. Bei der alles entscheidenden Wahl sind alle Mitglieder in allen Kategorien wahlberechtigt. Spätestens eine Woche vor der Verleihung werden die Stimmzettel eingesammelt unter Aufsicht von drei Notaren einer Wirtschaftsprüfgesellschaft (PricewaterhouseCoopers) ausgezählt.
Die Wahl des "Besten Films"
Der Titel für den besten Film wird mittels Rangfolgeverfahren bestimmt. Wie bereits gesagt, dürfen alle Akademiemitglieder für den besten Film stimmen, indem sie eine Rangliste aufstellen mit dem persönlichen Favoriten auf Platz eins, der Zweitliebste auf Platz zwei, etc. Danach werden alle Stimmzettel danach geordnet, welcher Film auf Platz eins steht. Eine absolute Mehrheit und damit der unweigerliche Sieg ist unwahrscheinlich - deswegen geht das Stimmverteilen in die nächste Runde. Hier fliegen alle Werke raus, die am wenigsten Platz Eins-Stimmen erhalten haben. Diese Stimmzettel werden aber nicht weggeworfen, sondern auf den Film neu verteilt, der bei ihnen auf Platz zwei gesetzt wurde, auf Platz drei und so weiter und so fort. Die Votings der "Rangniedrigsten" werden so lange auf die "Ranghöchsten" verteilt, bis ein Film die absolute Mehrheit erreicht hat.
Das Problem: Bei diesem Rangfolgeverfahren sticht nicht der Film mit den höchsten Jubelstürmen heraus, sondern der, der die breite Masse ganz gut findet. Ein klassisches Radio-Chart-Playlist-Problem. Allerdings kommt noch hinzu, dass viele Mitglieder der Academy das System nicht ganz verstehen und nur für einen Film stimmen. Wenn dieser dann nicht unter den Ranghöchsten ist, fliegt ihr Gewinner raus und sie haben ihre Stimme und somit die Beeinflussung der Wahl verwirkt.
Darüber hinaus kontrolliert die Academy nicht, welches Jurymitglied welchen Film gesehen hat. Es kann also sein, dass diese eine Wertung abgeben, die sie überhaupt nicht begründen können. Auch die Oscar-Kampagnen, mit denen die Studios monatelang versuchen, die Abstimmenden in ihre Richtung zu lenken, tun dabei ihr übriges.
Die "Besten Filme" der vergangenen Jahre
Die Oscar-Gewinner der letzten sieben Jahre zeigen das Problem mit dem Rangfolgeverfahren. Von Bewertungen der Internet Movie Database (IMDb), über die große Bewertungs-Website Mediacritic, der bekannten amerikanischen Filmrezensions-Sammler-Website Rotten Tomatoes oder bis zu der deutschsprachigen Filmempfehlungs-Community Moviepilot: Die Geschmäcker sind zwar unterschiedlich, trotzdem wabern die Punkte am oberen Rand, ohne allzu weit auszuschlagen.
Quelle: WideScreen
Gewinnerfilm "Spotlight" mit entsprechenden Wertungen (z.B. 8,5 von 10 Punkten)
Quelle: WideScreen
Gewinnerfilm "Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit" mit entsprechenden Wertungen (z.B. 8,5 von 10 Punkten)
Quelle: WideScreen
Gewinnerfilm "12 Years a Slave" mit entsprechenden Wertungen (z.B. 8,5 von 10 Punkten)
Quelle: WideScreen
Gewinnerfilm "Argo" mit entsprechenden Wertungen (z.B. 8,5 von 10 Punkten)
Quelle: WideScreen
Gewinnerfilm "The Artist" mit entsprechenden Wertungen (z.B. 8,5 von 10 Punkten)
Quelle: WideScreen
Gewinnerfilm "The King's Speech" mit entsprechenden Wertungen (z.B. 8,5 von 10 Punkten)
Wie schneiden sie tatsächlich beim Publikum ab?
Auch beim direkten Vergleich zwischen den Oscar-Gewinner, den Gewinnern der einzelnen Rezensions-Webseiten (heißt kinematografische
Werke, die in dem Jahr am in Abhängigkeit zu der Zahl der Bewertungen am Besten von den Usern bewertet wurden) oder den umsatzstärksten Filmes des Box Office weltweit, wird der Unterschied zwischen der Wahl der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und dem allgemeinem Publikum ersichtlich. Nur zwei Mal waren sich die User und die Oscar-Jury einig.
Natürlich es es unglaublich schwer, bei etwas objektiv zu sein, was mit den Gefühlen spielt. Auch unter den Community-Wertungen und dem Einspielergebnis gibt es weniger Gemeinsamkeiten als angenommen.
Die Nominierten für den Besten Film der 89. Oscar-Verleihung
Wie sich die Akademiemitglieder dieses Jahr entscheiden, werden wir bald sehen. "La La Land" liegt sehr hoch im Kurs, obwohl "Moonlight" auch einige sehr gute Bewertungen einheimsen konnte. So oder so, sind dieses Jahr wieder viele viele Meisterwerke mit von der Partie - und wenn die Auwahl einer Massentauglichkeit dient, wird auch für jeden etwas dabei sein.
Diese Nominèes stehen für den Besten Film des Jahres 2016 zur Auswahl:
- La La Land
- Moonlight
- Manchester by the Sea
- Arrival
- Fences
- Hacksaw Ridge
- Hell oder High Water
- Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen
- Lion - Der Lange Weg nach Hause
Alle weiteren Nominierungen und Kategorien könnt ihr hier nachlesen:

Ich nehme dann immer so nebenher im Nachhinein zur Kenntnis, wer da am Ende gewonnen hat, das war es aber auch schon. Wobei mir die meisten Filme allerdings sogar dann auch nichts sagen, oftmals weil sie mich thematisch nicht interessieren aber teilw. auch, weil sie hier noch gar nicht gelaufen sind. Letzteres ist übrigens komisch, da Filme ja viel früher hier erscheinen als früher, die Filme die in den (späten) 80ern, frühen 90ern in der Verleihung waren kannte ich jedoch alle immer schon zumindest vom Titel her. - Okay, zugegeben, damals habe ich regelmäßig Filmzeitschriften gelesen, heute muss ich schon bei Releaselisten erst mal nachschlagen, was das überhaupt ist.
In der Serienwelt ist man da bei den Emmys ja schon deutlich weiter. Aber die TV-Welt ist der Kinowelt ja auch bekanntlich stets mehrere Jahre (Generationen?) voraus... :D
Schauspieler nicht, das ist richtig. Aber die drei genannten gehören ja auch zu den wichtigen.
Die beiden Teile vorher haben zusammen nur 6 Oscars zustande gebracht, die wirklich alle nur in den unwichtigen Kategorien waren.
Keiner der dicken Fische am Boxoffice hat in den letzten Jahren irgendeinen wichtigen Oscar gewonnen.
Der letzte, der da richtig abgeräumt hat, war meines Wissens nach Lord of the Rings: Return of the King.
Wobei man es in dem Fall auch mehr als Anerkennung der gesamten Trilogie bewerten kann, da die beiden ersten Filme auch fast leer ausgegangen sind.
Aber wie gesagt, letztlich finde ich das auch ziemlich pillepalle. Es geht schließlich nur um Filme und Schauspieler. ;)
Edit: Hat HDR nicht nur die ganzen technischen Oscars abgeräumt? Es wurde doch kein einziger Schauspieler ausgezeichnet...
Keiner der dicken Fische am Boxoffice hat in den letzten Jahren irgendeinen wichtigen Oscar gewonnen.
Der letzte, der da richtig abgeräumt hat, war meines Wissens nach Lord of the Rings: Return of the King.
Wobei man es in dem Fall auch mehr als Anerkennung der gesamten Trilogie bewerten kann, da die beiden ersten Filme auch fast leer ausgegangen sind.