Online-Sucht: Interview mit Prof. Dr. rer. nat. Sabine M. Grüsser-Sinopoli
PC Games: Welche Anzeichen der Sucht gibt es, wie kann man sie erkennen?
Grüsser-Sinopoli: Die Praxis zeigt, dass sich die Kriterien für Sucht bzw. Abhängigkeit auch auf das exzessive Computerspielen anwenden lassen (vgl. auch unseren Ratgeber Grüsser & Thalemann, Huber Verlag: Bern 2006):
- das unwiderstehliche Verlangen, am Computer zu spielen
- die verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Dauer des Computerspielens
- Entzugserscheinungen (Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen) bei verhinderter Computerspielnutzung
- der Nachweis einer Toleranzentwicklung (Steigerung der Häufigkeit oder Intensität/Dauer des Computerspielens)
- fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen
- anhaltendes exzessives Computerspielen trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen (z. B. Übermüdung, Leistungsabfall in der Schule, auch Mangelernährung).
Vor allem geht es aber auch darum, ob das exzessive Verhalten die Funktion einer unangemessenen, für den Betroffenen jedoch einzig wirksamen und äußerst effektiven, Stressverarbeitungsstrategie erhalten hat.
Wie in unserem Ratgeber "Computerspielsüchtig?" Huber Verlag Bern beschrieben, raten wir den Eltern erst einmal genau hinzugucken. Nicht jedes exzessiv durchgeführtes Verhalten ist gleich ein süchtiges Verhalten!
So gibt es verschiedene Bereiche in denen das Kind zu beurteilen ist und es muss festgestellt werden, ob hier eine generelle Verhaltensveränderung in verschiedenen Lebensbereichen aufgrund des Computerspielverhaltens statt gefunden hat. Dazu zählen Veränderungen bezüglich gewohnter Verhaltensweisen wie z. B. Hobbys und Freundschaften, Stressbewältigung, Vernachlässigung der Gesundheit, weniger Schlaf, mangelnde Nahrungsaufnahme etc. Wichtig ist dabei zu schauen, ob das Computerspielen das Denken und Fühlen und Verhalten der betroffenen Person dominiert.
PC Games: Von welchen Spielen geht das größte Suchtpotenzial aus, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Grüsser-Sinopoli: In unserer täglichen Arbeit mehren sich die Berichte und Anfragen von Betroffenen und besorgten Angehörigen vor allem bezüglich sogenannter Online-Rollenspiele. Es gibt jedoch genauso Betroffene, die ein süchtiges Spielverhalten bei "Offline-Spielen" (z.B. an Spielkonsolen) zeigen. Bei den zugrundeliegenden biochemischen Prozessen der Suchtentwicklung gibt es keine Unterschiede.
Im Vergleich zu "Offline-Spielen" kommt bei den Online-Rollenspielen hinzu, dass die virtuelle (Spiele)Gemeinschaft eine besondere Rolle spielt, da in der Regel in einer Gruppe ("Gilde") gespielt wird. Ein hoher zeitlicher Einsatz wird dabei nicht nur durch Fortschritte im Spiel, sondern auch durch ein innerhalb der "Gaming community" steigendes soziales Prestige und vertiefte soziale Bindungen innerhalb der Gilde belohnt. Erfolg und soziales Prestige sind in den virtuellen Welten für jedermann erreichbar. Bei exzessiven Computernutzern kann dabei die Illusion entstehen, dass Aufgaben, die sozialen Fertigkeiten unterliegen, einfach und konfliktfrei lösbar sind. Letztlich wird eine funktionale Parallelwelt zur Realität, in der die Spieler "abtauchen" und "abschalten" können.
Je mehr die virtuelle Welt für den Spieler im Verlauf an Attraktivität zunimmt und der Selbstwertsteigerung dient, desto schwieriger wird es u.U. sich mit den alltäglichen Problemen der realen Welt auseinander zu setzen und desto mehr verliert diese an Attraktivität gegenüber der virtuellen Welt. Das Abtauchen in eine parallele Welt, in der scheinbar alles per Mausklick unter Kontrolle ist, bietet Entspannung und lässt die Frustrationen des Alltags vergessen. Ein verführerisches Angebot, wie es das reale Leben in einer solchen Vielfalt und v.a. ohne das Risiko des Erlebens von Misserfolgen, kaum bietet.
Der Artikel ist zweieinhalb Jahre alt, das kann sich
geändert haben. Wann warst du in Therapie, falls
du das sagen magst?
Weil ihr ja in einem anderen Artikel geschrieben habt das die Krankenkasse einen Fall der Therapie nicht übernehmen liegt ihr falsch.
Ich war auf das Spiel World of Warcraft süchtig und bin in Bredstedt, in der nähe von Hamburg, 12 Wochen auf Therapie gegangen.
Wenn ihr es mir nicht glauben solltet, oder ihr nähreres wissen wollt schreibt mich an, weil World of Warcraft hat ein sehr hohes Suchtpotential und ich würde gern mal einigen Leuten vielleicht sogar die Augen öffnen, aber wenigstens zeigen das die Sucht schon früher beginnt als man sich selber zugestehen will.
Das schlimme dabei ist auch das die meissten Angehörigen das nicht wirklich wahrnehmen, da man ihnen selbst sachen wie, ich bin nicht süchtig, ich kann jederzeit damit aufhören, usw. verspricht.
MfG Andy