Kurz-Review: Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit
Stilles Charakterdrama mit einem glänzenden Hauptdarsteller dem man den gelegentlichen Leerlauf gern verzeiht.
Als "Funeral Officer" der Londoner Stadtverwaltung spürt John May die Angehörigen von anonym Verstorbenen auf und organisiert deren Beisetzung. Künftig soll die Stelle des gewissenhaften Beamten jedoch wegfallen. Mays letzter Fall dreht sich ausgerechnet um seinen Nachbarn, der als Alkoholiker einsam verstorben ist. Als May die Tochter des Toten trifft, gewinnt er unversehens eine neue Perspektive in seinem eigenen Leben.
Im Mittelpunkt der unaufgeregten Tragikomödie steht der britische Charaktermime Eddie Marsan, der die schleichende Wandlung der Hauptfigur mit vielen Nuancen nachvollziehbar darstellt. Inszenatorisch dominieren unbewegte Kameraeinstellungen und leicht variierte Wiederholungen, die die Geschichte ohne Firlefanz erzählen. So nutzt Uberto Pasolini dezent die Farbgestaltung, um Mays Entwicklung filmisch aufzugreifen: Die anfänglichen Grautöne weichen immer mehr Farbakzenten. Mitunter plätschert die Handlung zwar vor sich hin, doch dafür entschädigt das gefühlvolle Finale. (Autor: Christian Horn)
