Menace will das neue XCOM werden - deshalb gelingt das bisher noch nicht
Das kleine deutsche Studio hinter Battle Brothers will eine würdige Alternative zu XCOM bieten. Aber zum Early-Access-Start hapert es noch. Unsere Einschätzung nach 20 Stunden.
Mit Battle Brothers hat sich das kleine, deutsche Entwicklerteam bei Overhype Studios einen Namen in der Taktik-Szene gemacht. Mit ihrer Mittelalter-Rundentaktik haben sie ein unbarmherziges, aber sehr faszinierendes Phänomen erschaffen, das vor allem den harten Kern anspricht. In Menace geht es jetzt in die ferne Zukunft und idealerweise raus aus der Hardcore-Nische. Dabei sind Ähnlichkeiten zu XCOM klar zu erkennen, aber zum Early-Access-Start kann Menace mit dem Vorbild nicht mithalten - zumindest bisher nicht. Wir haben die Sci-Fi-Taktik über 20 Stunden gespielt und verraten, woran es noch hapert und was uns bereits überzeugt.
In diesem Artikel
Die Sternenkarte
In Menace (jetzt kaufen 29,99 € ) haben wir das Kommando über einen Einsatztrupp von Marines, der im entlegenen Wayback-System gestrandet ist und abgeschnitten von den Kernwelten ohne Unterstützung klarkommen muss. Wir müssen uns also mit den verschiedenen Fraktionen des Systems gutstellen, Einheimische rekrutieren und uns mit Piraten, Aliens, Rebellen und mehr herumschlagen.
Dabei setzen die Entwickler wie in ihrem letzten Spiel wieder auf zahlreiche Zufallselemente. Dadurch soll jeder Spieldurchgang einzigartig werden, doch besteht auch die Gefahr, dass es das Balancing schwierig macht oder es dann an Einzigartigkeit fehlt. Aber dazu später mehr.
Grundsätzlich starten wir in Menace jedenfalls zunächst auf der Brücke unseres Kreuzers Impetus mit einem Überblick über das Sternensystem. Der Kreuzer dient uns als Einsatzbasis, wo wir unsere Squads verwalten, den Kreuzer upgraden, auf den Schwarzmarkt zugreifen und neue Squadleader anheuern. Und vor allem wählen wir von dort die nächste Operation auf der Sternenkarte aus. Die werden uns von den verschiedenen Fraktionen angeboten, die hier das Sagen haben.
Die Operationen
Jede Operation besteht aus mehreren zufällig generierten Missionen, die wir der Reihe nach erfolgreich bestreiten müssen. Da wir nicht überall gleichzeitig auf dem Planeten sein können, müssen wir aber stets abwägen, wo wir aktiv werden. Die Missionen stellen uns vor verschiedene Aufgaben, bieten aber auch jeweils andere Belohnungen. Teilweise erhalten wir Vorteile für den Rest der aktuellen Operation oder aber auch neue Ausrüstung, die uns langfristig hilft. Das stellt uns zumindest anfangs immer wieder vor interessante Entscheidungen.
Denn weil die Operationen und Missionen aus einem zufälligen Pool kommen, ist das Balancing manchmal nicht so der Hit. So kann's einerseits vorkommen, dass man gleich zu Spielbeginn in einer Operation gegen Aliens absolut kein Land sieht. Und andererseits trifft man nach ein paar Spielstunden öfter mal auf Missionen, die gar keine Herausforderung mehr darstellen.
Es fehlt noch an Abwechslung
Der Zufallsfaktor hat auch noch einen weiteren Haken: Da Menace noch in Entwicklung ist, hält sich die Abwechslung bei den Missionstypen noch in Grenzen. Und das Gleiche gilt für die Versatzstücke, aus denen die Karten generiert werden. Grundsätzlich gibt es schon jetzt durchaus einige verschiedene Aufträge, nur wenn man's runterbricht, sind viele davon einfach Varianten der Genre-Standards. Wir sollen also entweder Gegner eliminieren, Personen befreien und außer Gefahr bringen, bestimmte Zonen erobern oder vor Feinden verteidigen und etwas zerstören oder sabotieren.
Auch bei den Gegnern stellt sich über lange Strecken Eintönigkeit ein. Da kriegen wir es zu Beginn mit Piraten, Aufständischen und käferartigen Aliens zu tun. Die meisten Gegnertypen hat man schnell alle gesehen und bekommt es immer wieder mit ihnen zu tun. Bis wir mal spezielle Einheiten wie Flammenwerferpanzer gegen uns hatten, mussten wir uns erst durch Myriaden an Standardgegnern ballern.
Bildergalerie
Da hätte es geholfen, wenn man die namensgebende, vierte Fraktion, also die Menace, früher antrifft. Die mysteriösen Cyborgs werden nämlich erst nach einer stattlichen Anzahl an abgeschlossenen Operationen per Story-Mission auf uns losgelassen. Das ist schade, denn die grotesken Konstrukte aus toten Menschen, Metall und Waffen bringen nochmal richtig Feuer ins Spiel. Sie lassen sich von nichts und niemandem einschüchtern und werfen sich mit all ihrer Macht gegen uns, bis auch der letzte Cyborg eines Trupps neutralisiert ist - da wäre sogar der Terminator stolz. Lediglich etwas verlangsamen können wir die Horrorgestalten, wenn wir sie ordentlich mit Sperrfeuer eindecken.
