Mass Effect: Andromeda - Gibt's auch eine Story für Erwachsene? Kommentar zum neuen Teenager-Fokus der Bioware-RPG-Serie
Ein neues Mass Effect für eine neue Generation von Spielern? Mit Andromeda setzt Bioware aller Voraussicht nach auf junge Helden, um Teenager zu ködern - Redakteur Peter Bathge gibt sich in seiner Kolumne kurz vor Release skeptisch, ob dieser Ansatz aufgeht. Vor allem erwachsene Spieler könnten das sich abzeichnende Teenie-Drama eher mit einem Augenrollen quittieren. Geht Bioware zu weit?
Der Mass Effect: Andromeda-Releasetermin rückt näher und wo sich Spieler vor wenigen Wochen noch über zu wenige Gameplay-Eindrücke aus Biowares neuem Rollenspiel beklagten und Gaming-Seiten jedes neue Fitzelchen an Informationen genauestens sezierten, tritt mittlerweile eine Art Vorveröffentlichung-Erschöpfung ein, forciert von der inzwischen täglichen Schwemme an Mass Effect-News, Andromeda-Trailern und mit Spoilern belasteten Videoclips. Und je mehr wir vom neuen Mass Effect zu sehen bekommen, etwa die ersten 30 Minuten, umso mehr festigt sich in jedem einzelnen von uns eine Vorabmeinung zum Spiel, die Ja/Nein-Entscheidung zu Vorbestellung oder Release-Kauf wird von immer mehr Wartenden getroffen - auch wenn die ersten Andromeda-Tests und Wertungen erst nach dem Wochenende erscheinen.
Quelle: Bioware
Familiendrama um den Ryder-Clan in der fernen Andromeda-Galaxie: Wird die Mass Effect 4-Story zu kleinteilig?
Viele Kommentatoren auf Youtube und im Forum zeigten sich zuletzt abgeschreckt: Die Gesichtsanimationen seien zu künstlich, das blödsinnige Scannen von Planeten und Level-Bestandteilen zu omnipräsent, die Deckungskämpfe zu lahm, die Open-World-Komponente zu eintönig. Auch ich mache mir schon seit einer ganzen Weile Sorgen um Mass Effect: Andromeda. Doch meine Kritik zielt vor allem auf den Ton des Spiels: Erzählt Bioware eine erwachsene Geschichte? Und haben die Kanadier das überhaupt jemals getan?
Grumpy Old Gamer
Junge, dynamische Forscher auf einer Reise in eine neue Galaxie, die Haare zu perfekten Föhnfrisuren geformt, die Körper athletisch, das Mundwerk lose - das ist Mass Effect: Andromeda. Oder zumindest präsentiert es sich aktuell so - wie es sich spielt, das werde ich erst in den kommenden Tagen am eigenen Leib erfahren. Zusammen mit Tausenden anderen Spielern, die Electronic Arts Early-Access-Angebot auf Origin annnehmen und eine Woche vor Release einige Stunden in das neue Science-Fiction-Rollenspiel reinschnuppern werden. Ohne diese Erfahrung aus erster Hand basieren meine Vorstellungen und Bedenken von Mass Effect: Andromeda jedoch ausschließlich auf dem, was die Öffentlichkeit zu sehen bekam, auf der Kritik anderer Tester und dem eigenen Bauchgefühl.
Quelle: Bioware
Bislang spricht mich keines der zur Verfügung gestehten Team-Mitglieder an; am liebsten würde ich alle dieser Teenie-Astronauten zu Hause lassen.
Und all das zeichnet ein für mich bedenkliches Bild von einem Spiel, das nicht nur mit seiner USK-Freigabe ab 16 Jahren eindeutig auf ein junges Publikum zugeschnitten ist. Eine Zielgruppe, der ich mich mit meinen nun 30 Jahren bei aller Selbstverherrlichung beim besten Willen nicht mehr zurechnen kann. Spielen mit über 30, das bringt seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Dutzende Stunden in ein einziges Spiel zu investieren, wenn ich es nicht gerade teste, das will wohl überlegt sein. Und bei Mass Effect: Andromeda bin ich aktuell sehr skeptisch, ob sich dieser Zeitaufwand lohnt - trotz meiner großen Liebe für die Serie.
Twilight im Weltraum?
Sympathische, glaubhafte Begleiter und Dialoge, die einen unweigerlich in die Story ziehen - in meinen Augen waren diese Merkmale stets Biowares Stärken. Dazu gehörte schon immer auch ein neckischer Unterton, Humor ist schließlich ein Zeichen von Intelligenz. Aber Gespräche wie in der Loyalitätsmission von Andromeda-Alien Peebee (von einem Foren-User treffend mit "Pissbiene" übersetzt) mit ihrer gezwungenen Coolness und vermeintlichen Lässigkeit lassen mich daran zweifeln, dass das neue Mass Effect den in der Vergangenheit gesetzten Standards entspricht. Während ich bei Teil 2 der Serie einen nachdenklichen, altersmüden Auftragskiller ins Team aufnehmen konnte, der an einer unheilbaren Lungenkrankheit litt, bekomme ich beim nunmehr vierten Aufguss eine neckische Asari vorgesetzt, die nervig-aufgesetzt das Geschehen kommentiert wie ein überdrehter Teenager auf Twitter.
Quelle: Bioware
Asari-Begleiterin Peebee verkörpert den jungen, hippen Stil von Mass Effect: Andromeda wie keine zweite Figur - und macht sich damit keine Freunde bei Spielern wie mir.
Allein die Vorstellung, dass ich im Spiel derartige Szenen mit Potenzial fürs Augenrollen navigieren muss, lässt mich schon entnervt aufstöhnen. Warum müssen Videospiele denn so oft typische und durchgekaute Klischees übers Heranwachsen erzählen? Hat nicht The Witcher 3 gezeigt, wie spannend die Perspektive eines rüstigen Greises sein kann? Mass Effect: Andromeda erweckt den Eindruck einer Science-Fiction-Geschichte auf Twilight-Niveau: Schöne junge Menschen verwirklichen sich selbst, werden aus heiterem Himmel als Messias gefeiert (in diesem Fall hört der Retter auf den Namen "Pathfinder") und retten - natürlich - die Welt. Wer das wie ich im Verlauf von nunmehr über 20 Jahren aktiver Gaming-Zeit Dutzende Male mit geringen Variationen gesehen (und erlebt) hat, der winkt beim x-ten Aufguss nach bewährten Muster nur noch angeödet ab.
Sollte Bioware nach dem Abgang der beiden Doktoren (gemeint sind Ray Muzyja und Greg Zeschuk, zwei der Gründer des Unternehmens) und dem Aufstieg anderer RPG-Studios wie CD Projekt oder Obsidian Entertainment nun auch noch in Sachen Skript und Dialoge den Kürzeren gegen die Konkurrenz ziehen? Was stellen die (zunehmend auf verlorenem Posten dastehenden) Reste dieses einstigen Topstudios denn nur mit dem Vermächtnis solch zeitloser Klassiker wie Star Wars: Knights of the Old Republic an? Hat man sich auf der Suche nach universellem (Verkaufs-)Erfolg nun endgültig dem Niveau der heutigen Jugendkultur angepasst und hetzt der Generation Youtube mit ihrer kurzen Aufmerksamkeitsspanne hinterher?
Vielleicht klinge ich ja einfach nur wie der alte Opa, der die Jugendlichen beim Fußballspiel erwischt und mit wütend in der Luft geschwenkten Gehstock von seinem Rasen herunter jagt, aber angesichts der bisher gezeigten Spielszenen stellen sich mir unweigerlich Fragen nach der Zielgruppe, die Bioware hier ansprechen will. Warum bedient Mass Effect: Andromeda nicht die nunmehr erwachsenen Fans von damals, die der Marke seit 2007 zu weltweitem Erfolg verholfen haben? Ist in dieser neuen Galaxie voller Möglichkeiten nicht genug Platz für komplexere Geschichten und Quests als die x-te Open-World-Sammelaufgabe oder die neueste Variante des "Mit welchem Teammitglied geh ich vor dem Finale ins Bett?"-Minispiels? Ich habe aktuell so meine Zweifel. Selbst das Szenario bereitet mir Bauchschmerzen; Trailer lassen eine eindimensionale Darstellung des großen Bösewichts und seiner Helfershelfer befürchten. Ich will aber bis ins Detail ausgearbeitete Widersacher wie Saren aus Mass Effect 1, mit nachvollziehbaren Motiven und mehr Charaktertiefe als "Er ist ein totaler Badass!".
Quelle: Bioware
Schafft es Bioware, Feinde mit Profil zu entwerfen wie Saren und die Geth? Oder sind die Kett aus Mass Effect: Andromeda nur Klischee-Bösewichte?
Das ist in der heutigen Zeit vielleicht oder gar wahrscheinlich genau die richtige Entscheidung aus marktwirtschaftlicher Sicht - und der Verkaufserfolg des ähnlich gelagerten Dragon Age: Inquisition deutet ja darauf hin, dass die Orientierung an dieser jungen Zielgruppe überlebenswichtig für ein Videospiel-Unternehmen sein kann. Aber mir persönlich sagt Mass Effect: Andromeda aus eben diesem Grund nicht mehr zu. Früher habe ich darüber gelächelt, wenn ältere Generationen meinen jugendlichen Vorlieben und Träumen ratlos gegenüberstanden. Heute bin ich offenbar selbst einer dieser Alten, die alles besser wissen und von der guten, alten Zeit schwärmen. Macht das Mass Effect: Andromedas Ansatz, eine neue Generation von Spielern anzusprechen, automatisch schlecht? Wohl kaum. Aber gefallen muss mir diese Bioware-Strategie natürlich auch nicht.
Quelle: Bioware
Ein bisschen Romanze und Sex als Belohnung vor dem Bosskampf: Das alte Bioware-Prinzip greift auch wieder in Mass Effect: Andromeda.
Mit 30 der Zielgruppe entwachsen?
Freilich bin ich mir unsicher, ob das an Mass Effect: Andromeda liegt oder ob Bioware-Spiele schon immer so "cheesy" waren und ich der Zielgruppe inzwischen einfach entwachsen bin. Der Spielegeschmack entwickelt sich nunmal mit fortschreitendem Alter weiter und was in der auf ewig verlorenen, aber in der Erinnerung für immer konservierten Jugendzeit wie das grandioseste Erlebnis aller Zeiten wirkte, lockt einen mit ein paar Jahren zusätzlicher Erfahrung auf dem Videospiel-Buckel nicht mehr hinter der Tastatur hervor. Im Rückblick fiel meine Begeisterung für Biowares Rollenspiele vielleicht nur zufällig mit einer besonders leicht zu beeindruckenden Phase in meiner Entwicklung zusammen. Doch inzwischen haben unzählige konsumierte Spiele den eigenen Geschmack geschärft - die Ansprüche sind gestiegen und der Zynismus gegenüber vollmundigen Werbeversprechen wie bei Mass Effect: Andromeda gleich mit.
Auch ungelenk animierte Sexszenen auf Softporno-Niveau sorgen bei mir nicht mehr für den gleichen Nervenkitzel wie vor nunmehr fast zehn Jahren. Themen wie der Konflikt zwischen dominanter Vaterfigur und Tochter/Sohn - wie in den Anfangsstunden von Mass Effect: Andromeda mit der Ryder-Familie angedeutet - mögen zwar universell verständlich sein und eine breite Masse an (jungen) Spielern ansprechen. Sie benötigen aber auch viel Sorgfalt und Geschick auf Seite der Spiele-Autoren, um mich heutzutage noch mit neuen Facetten zu überraschen und mitzureißen. Ist das in Zeiten vielschichtiger, erwachsener Geschichten wie in Torment: Tides of Numenera genug, um mich nach dem Dragon Age: Inquisition-Desaster (das erste Bioware-Spiel seit langer Zeit, das ich partout nicht zu Ende spielen wollte) noch einmal zu begeistern?
Bald weiß ich mehr, dann weicht der diffuse (Anti-)Hype zu Mass Effect: Andromeda harten Fakten. Und wie sieht's bei euch in Sachen Vorfreude aus?

Die relativ jungen Charaktere haben ihn dabei bisher nicht im geringsten gestört.
Irgendwie habe ich ganz allgemein das Gefühl das sich die Community selbst widerspricht, die einen finden die Kämpfe zu lahm (mit welcher Begründung eigentlich?), den anderen sind die Kämpfe zu hektisch, den einen sind die erkundbaren Gebiete zu groß, den anderen zu klein, usw, usf...
Durch diese Entwicklung brechen viele Genres sehr stark ein oder werden verheizt wie z.B. das Genre MMORPG...
Ich bin gar nicht anspruchsvoller geworden als zu Früher, sondern verzehre mich eher nach Spielen mit Seele und Inhalten die auch nach 5 Jahren noch Spaß machen und nicht wie ein Film 1-2 Mal cool sind und dann ist da inhaltlich eigentlich nix mehr.
Ich komme mir vor als blende man mich ständig und gaukelt mir ein tolles Game vor, ist dann der Lack ein wenig ab, erkennt man dass da eigentlich nur viel Krawall da war. Aber es hat fast keine Bindung mehr, weil die Inhalte nur auf den größtmöglichen Kick ausgelegt sind und war der dann da, war es wie Silvester gegen Mitternacht..
Erstmal geht mir der ich bin der Überheld vor dem alle knien und huldigen schon seit jeher auf den Kecks. Das ist in dem Filmen die heutzutage so erscheinen auch nicht anders. Man verkauft den Leuten ein Heldenepos und DU bist etwas ganz Besonderes und die Welt dreht sich am Ende um dich und deine Taten und ach...Das hat mich schon mit 18 abgeschreckt, weil es Unsinn ist und gar keinen Wert besitzt dies übrhaupt anzustreben.
Alle Helden benötigen erstmal viel Unheil und wer will das schon. Und um ein Held zu werden, haben dafür sicherlich tausende fast Helden ihr Leben gelassen..Das wird dabei immer vergessen. AUch die Helden unserer Geschichtsbücher hatten am Ende nur Glück und die beinahe Helden starben eben im großer Masse...
Lernt man so einen Held kennen, ist er nacher unausstehlich, oder ein Kleinkrimineller an anderer Stelle...
Sowas hat mir noch nie etwas gegeben und diese Richtung stößt mich mit dem Alter immer mehr ab.
Das wollt ich mal gesagt haben.
Generell brauchen die Spiele wieder mehr echte Inhalte fernab einer filmreifen und aktionreichen Story.
Wenn ich zu den damaligen Games schaue, waren die alle viel ruhiger und man tauchte weit tiefer am Ende ab und dazu hatte es für RPG typisch die weit ausgearbeitete Charakterentwicklung des Könnens, teils mit toller passender Klassenstory und Entscheidungsbaum für eine Spezialisierung.
Und genau da läuft am Ende jedes alte RPG den neuen den Rang ab und es ist auch das was RPG´s fesselnd macht.
Sobald das Blendwerk vorüber ist, kommen die Kerninhalte zum Tragen und hier haben wir die Achillisferse der heutigen RPG´s und leider auch der MMORPG´s die alle auf Speed und Aktionkampf ausgelegt sind und alles andere fehlt. Was aber immens wichtig ist, damit man dort eine Heimat findet.
Dass sie allesamt viel zu einfach sind und der Avatar der Überheld, der x Feinde im Gewitter der Effekte wegballert, macht das ganze nur gleich nochmal schrecklicher...
Mal einen Bogenschützen in einem MMORPG gesehen? Der ballert so wie ein Maschinengewehr wie kann man das gut finden? Keine Munition mehr als normale Ressource.. Automatische Schüsse ich glaub mich hackts...
Wenn ich da in ein altes MMORPG gehe wie DAoC und da mal den guten alten Waldläufer anspiele, den man leider auch schon seine Pfeile genommen hat und weit stark vereinfacht, dann hat man dennoch wenigstens halbwegs das Gefühl das es Spaß macht ein Bogi zu sein, der dann im Nahkampf auch Nahkampf betreibt und nicht auch da ohne Sorgen mit einem Bogen schiesst.. was eh niemals gehen würde...
Diese ganze Auslegung versaut die ganzen Games zusehens und das hat nichts mit Altersgruppe zu tun oder gesteigertem Ansprüchen... man hat das aus dem Games entfernt und sie alle zu halben Aktionspielen oder Shooterspielen gemacht und das nervt mich gewaltig.
Wenn man das als gesteigernden Ansoruch sehen will, dann habe ich wohl wirklich einen sehr hohen Anspruch, oder alle anderen haben einfach vergessen das es mal besser war, oder eben nie anders erlebt und halten diese vermurksten RPG-Titel/MMORPG´s für normal, gut und als Maßstab...
Da rennt man in MMORPG´s nur noch solo rum, übergeht die Welt im Turbo und rennt bescheuerten Solo-Quests nach.. Ähm ja also früher wars einfach besser und das ist keine Nostaligie-Träumerei, sondern ein Fakt und Tatsache, weil dort die Inhalte noch da waren und man keine Aktionspiele in Shooterrichtung gezockelt hat...
Wenn ich höre in ME4 sind mal wieder Kinder die Helden und die besteigen sich da laufend...puh...das wird ziemlich nervig werden.
Ich will da einen gestanden Mann sehen Mitte 30 oder 40 der sich durch besseres Verhalten noch völlig in Schuss gehalten hat und dann auch ein wenig Wissen, Reife und Erfahrung da ist. Das nehm ich nämlich einen Mitte 20er nicht ab...
Ich brauch auch keinen weiblichen Held der mir ständig seine Brüste und wackelnden Hintern in die Kamera hält...Für wie primitiv und zurückgeblieben hält man mich?
MfG