Eine schrecklich nette Mafiafamilie taucht in Frankreich unter: starbesetzte Actionkomödie von Luc Besson, jedoch mit zu viel Geballer, zu wenig Witz: Luc Bessons nicht sonderlich inspirierte Actionkomödie ist leider weitgehend überraschungsfrei.
Willkommen in Cholong-sur-Avre, einem kleinen Provinzkaff in der Normandie: Ausgerechnet hierher hat es den ehemaligen italo-amerikanischen Mafiaboss und Singvogel Giovanni Manzoni (Robert De Niro) im Rahmen des Zeugenschutzprogramms unter seinem falschen Namen Fred Blake verschlagen. Sehr zum Ärger seiner Familie: Frau Maggie (Michelle Pfeiffer) sowie die Kids Belle und Warren (Dianna Agron, John D'Leo) fühlten sich in ihren vorherigen Verstecken in Paris und an der mondänen Mittelmeerküste viel wohler – aber ihr exzentrisch-gewalttätiger Lebensstil zwingt sie und ihren FBI-Aufpasser Stansfield (Tommy Lee Jones) regelmäßig zu Ortswechseln.
Auch in ihrem neuen Zuhause leben sich die Blakes eher eigenwillig ein: Maggie fackelt mal eben aus Verärgerung über den frechen Ladenbesitzer den örtlichen Supermarkt ab, Fred schlägt den Klempner krankenhausreif, weil der zum Termin mit Verspätung erscheint und ihn dann auch noch abzocken will. Ganz zu schweigen davon, dass Tochter Belle einen etwas aufdringlichen französischen Teenie mit dem Tennisschläger verprügelt und Sohnemann Warren an der Schule schnell ein beeindruckendes Rauschgiftbusiness auf die Beine stellt. Wer sich derart "unauffällig" benimmt, braucht sich natürlich nicht zu wundern, wenn schon bald der Mob vor der Tür steht und gewaltsam Rache an den Mafia-Aussteigern nehmen will.
Für eine lockerflockige Satire über den Culture Clash zwischen italo-amerikanischen Mafiosi und französischen Landeiern wären eigentlich alle Elemente in Position gebracht gewesen. Und trotzdem versandet Luc Bessons Film auf halber Strecke irgendwo zwischen uninspiriertem Witz und ausufernder Gewalt. Die Gags über die Zubereitung der perfekten italienischen Pasta und die Überlegenheit von Olivenöl gegenüber französischer Butter zünden zunächst ganz gut, wiederholen sich aber im Laufe der Zeit.
Ansonsten sorgen nur noch einige augenzwinkernde Anspielungen auf De Niros schauspielerische Vergangenheit als Mafiadarsteller für echte Lacher. Und Bessons Versuch, die spannungslosen Actionszenen übertrieben gewalttätig bis Slapstick-artig zu inszenieren, geht gründlich in die Hose: Dass ständig irgendwelchen Leuten die Knochen gebrochen oder die Hände abgehackt werden, wirkt seltsam fehl am Platz und selten komisch.
All das ist schade, weil der Ausgangspunkt der Geschichte eigentlich vielversprechend ist und auch die Stars mit guter Laune dabei sind: Am meisten Spaß macht es, Michelle Pfeiffer zuzusehen, wie sie mit offensichtlichem Genuss die feiste Mafialady spielt. Tommy Lee Jones beherrscht die Figur des knurrigen Agenten ohnehin im Schlaf. Und Robert De Niro erinnert als Ex-Mafioso, der auf seine alten Tage in der französischen Provinz seine Memoiren verfassen will, ein wenig an seine wunderbar schrullige Rolle in Reine Nervensache – nur war in dieser herrlichen Mafiaposse die Gagdichte wesentlich höher. Besson dagegen spult seine Story zwar trotz aller Mängel so routiniert ab, dass man sich während des Kinobesuchs ganz gut unterhalten fühlt.
Sobald der Abspann läuft, stellt sich dann allerdings die Frage, ob bei diesem unentschlossenen Mix aus Komödie und Action nicht mehr drin gewesen wäre. (Autor: Frank Geissler)
