Statt Windows 11: Die besten Linux-Distributionen für Spieler
Spieler, die ihrem liebsten Hobby unter Linux nachgehen wollen, stehen unweigerlich vor der einen Frage: Welche der zahlreichen Linux-Distributionen eignen sich besonders für das Spielen von Windows-Spielen unter Linux? Wir stellen sie vor.
Spielen unter Linux, statt unter Windows
Spieler, die ihrem Hobby primär am PC nachgehen wollen, müssen nicht mehr notwendigerweise auf Microsofts Betriebssysteme Windows 10 oder Windows 11 setzen. Denn freie Betriebssysteme, sogenannte Distributionen, auf Basis des offenen Betriebssystemkernels Linux, haben sich in der jüngsten Vergangenheit nicht zuletzt dank immenser Bemühungen seitens Valve deutlich schneller dem Mainstream angenähert. Wie die neuesten Benchmarks der Kollegen von PCGH letztlich eindrucksvoll belegen konnten, ist Linux mittlerweile auf Augenhöhe.
Doch während Handheld-PCs wie das Steam Deck und Steam Deck OLED bereits werkseitig mit einer maßgeschneiderten Gaming-Distribution namens SteamOS ausgeliefert werden, stehen Spieler, die einen Desktop-PC oder ein Notebook verwenden, unweigerlich vor dieser einen Frage: Welche dieser zahllosen Distributionen eignen sich besonders gut für das Spielen unter Linux?
Die besten Gaming-Distributionen
In diesem Special stellen wir euch die aktuell besten Gaming-Distributionen, welche auch in der Berichterstattung von PCGH verdientermaßen regelmäßig ihren Platz finden, im Detail vor und sagen euch, welches der freien Betriebssysteme sich besonders gut für das Spielen von Windows-Spielen unter Linux eignet.
Nobara Linux
Das Nobara Project, das von Thomas ("GloriousEggroll") Crider, seines Zeichens Software-Ingenieur bei Red Hat, welcher außerdem auch für die für das Spielen unter Linux essenziellen Softwarepakete Proton GE Custom, Wine GE Custom sowie Proton Wine verantwortlich ist, ins Leben gerufen wurde, baut die sehr populäre und unter Spielern weitverbreitete Distribution Fedora 42 von Grund auf um. Die Quintessenz daraus ist eine maßgeschneiderte Gaming-Distribution, welche insbesondere für das Spielen mit Proton unter Steam prädestiniert ist.
Quelle: Nobara Project
Nobara Linux 42
Die neueste Version der Gaming-Distribution hört auf die offizielle Bezeichnung Nobara Linux 42 ("Forty-Two") und bessert einmal mehr in allen relevanten Bereichen nach. Das Ergebnis? Die absolute Referenz für das Spielen unter Linux wird jetzt noch besser und bringt zahlreiche neue Tweaks und Tools mit, welche das Spielen unter Linux noch besser und komfortabler machen sollen. Kernel, Treiber, APIs und Laufzeitumgebungen wurden dafür auf den neuesten Stand gebracht.
In der neuen Version Nobara Linux 42 ("Forty-Two") lassen der Entwickler und die Community weitere Optimierungen für das Spielen unter Linux einfließen und machen die aktuelle Referenz für Linux-Gaming so noch ein wenig besser. Auch die neuesten Softwarepakete, Grafiktreiber, APIs sowie Laufzeitumgebungen sind dabei, und als Fundament dienen die Fedora 42 Workstation und Linux 6.14.6. Mit an Bord ist dementsprechend auch der NTSYNC-Treiber, welcher die Stabilität und die Performance von Spielen unter Linux signifikant verbessern kann.
- Nobara Linux 42: Installationsmedium herunterladen
Nobara Linux 42 wird in verschiedenen Editionen für Desktop-PCs mit Radeon- und Geforce-Grafikkarten sowie für Gaming-Handhelds zum Download angeboten.
CachyOS
CachyOS ist eine Linux-Distribution aus Deutschland, die sich als Abwandlung von Arch Linux mit ihren zahlreichen sehr interessanten und vielversprechenden Ansätzen positiv von der breiten Masse der freien Betriebssysteme abgrenzt und insbesondere auch für viele Spieler interessant sein könnte. Chefentwickler Peter Jung, der das ambitionierte Projekt ins Leben gerufen hat, legt sein Augenmerk bei CachyOS insbesondere auf "Geschwindigkeit und Sicherheit" und setzt dafür auf viele Optimierungen, welche vom Kernel über den CPU-Scheduler bis hin zum Paketmanagement sowie angepassten Softwarepaketen reichen.
Das erst vor wenigen Wochen veröffentlichte Mai-Release basiert auf dem aktuellen Betriebssystemkernel Linux 6.14, der einmal mehr weitreichende Verbesserungen für AMD Ryzen und AMD Radeon mit sich bringt, und setzt auf den neuen quelloffenen Grafikstack Mesa 25.1.1. Hinzugekommen sind der neueste Grafiktreiber für die Grafikkarten von Nvidia sowie der aktuellste Desktop KDE Plasma 6.3.5. Der Systemkernel bringt außerdem den NTSYNC-Treiber mit, welcher die Leistungsfähigkeit und Stabilität in Spielen deutlich verbessern soll.
Insbesondere unter Verwendung von Wine, einer zu Windows kompatiblen Laufzeitumgebung, verspricht NTSYNC einen enormen Leistungssprung, von dem auch Spieler profitieren werden. - Sven Bauduin, PCGH -
Windows NT Synchronization Primitives sind grundlegende Mechanismen, welche zur Steuerung des Zugriffs auf die gemeinsam genutzten Ressourcen des Systems in einem Multithreading-Umfeld verwendet werden. Diese helfen u.a. auch dabei, die Datenintegrität zu gewährleisten, indem sie sicherstellen, dass nur jeweils eine hierarchische Abfrage ("Thread") zu einem bestimmten Zeitpunkt auf eine entsprechende Ressource des Computersystems zugreifen kann.
Neben der neuen Hauptversion von CachyOS, welches jetzt standardmäßig auf das freie Display-Server-Protokoll Wayland setzt, hat das Team rund um Chefentwickler Peter Jung auch die Handheld-Edition des Betriebssystems für das Steam Deck, Lenovo Legion Go und Asus ROG Ally auf den neuesten Stand gebracht. Alle Systemabbilder stehen bereits auf dem Server zum Download bereit.
- CachyOS: Installationsmedium herunterladen
Die 2,6 GiByte großen und auf AMD64 optimierten Systemabbilder können mittels Rufus, Ventos oder BalenaEtcher auf ein USB-Speichermedium geschrieben und von dort aus direkt als Live-Betriebssystem gebootet werden. Im Anschluss kann das freie Gaming-Betriebssystem auf Wunsch mit der ebenfalls aktualisierten grafischen Installationsroutine Calamares 3.3.14 installiert werden.
PikaOS
PikaOS, welches soeben auf den neuesten Stand aktualisiert wurde, ist eine dedizierte Gaming-Distribution, die auf Debian GNU/Linux Unstable ("Sid") sowie dem neuesten Linux 6.15 basiert. Das quelloffene Betriebssystem adressiert dabei insbesondere Spieler und bietet besondere Features, wie eine FSR-4-Implementierung, welche potenziell sämtliche Spiele mit FSR 3.1 einfach auf FSR 4 hochstufen kann.
Quelle: PikaOS
PikaOS (4)
PikaOS, dessen neuester Build am 7. Juni erschienen ist, setzt als Fixed-Release, anders als ein Rolling Release, auf einen festen Release-Zyklus und bringt in seiner neuesten Version alles mit, was Spieler unter Linux erwarten. Neben dem aktuellsten Mesa-Grafikstack samt neuester Vulkan-Grafiktreiber für Radeon-Grafikkarten ist auch der Nvidia-Grafiktreiber in der Version 570.153.02 mit an Bord. Über das intuitiv zu bedienende Kompatibilitätswerkzeug Proton Plus lässt sich Valves Proton-API entsprechend auf dem neuesten Stand halten und bis ins Detail anpassen.
Quelle: GitHub
Neben Proton GE Custom ("Proton-GE"), welches auch für Nobara Linux 42 zum Einsatz kommt, stehen auch Proton-CachyOS, bekannt aus der Gaming-Distribution CachyOS, Proton-EM und weitere optimierte Varianten zur Auswahl bereit, welche in der Regel auf dem neuesten Proton Experimental basieren und diese mit weiteren Features wie beispielsweise FSR 4 ausbauen. Als Basis für diese weitreichend optimierten Ableger dienen das aktuelle Proton 10 und Wine 10.
Als Arbeitsumgebungen stehen die beiden bekannten freien Desktops Gnome 48.x und KDE Plasma 6.3.x bereit und werden in Form eigener Systemabbilder zum Download angeboten.
PikaOS: Installationsmedium herunterladen
Bazzite
Universal Blue, der Entwickler hinter der Gaming-Distribution Bazzite, gibt sich betont selbstbewusst. Nicht weniger als "Die nächste Generation des Linux-Gamings" für alle Geräte soll das freie und kostenlose Betriebssystem darstellen. Hierfür setzt Bazzite in der Basis auf die Fedora Atomic Desktops, den Ablegern ("Spins") der bekannten Fedora Workstation 42, die sich allerdings ganz von der klassischen paketbasierten Architektur verabschiedet haben und sich stattdessen auf die sogenannten "atomaren Updates" konzentrieren. Im Besonderen für ein Betriebssystem, das auf Spieler abzielt, ein interessanter Ansatz.
Quelle: Bazzite
Bazzite
Die Grundlage für die Aktualisierung eines solchen Basissystems mit atomarem Update bildet das Werkzeug OSTree, das als "Git für Betriebssystem-Binärdateien" betrachtet werden kann und zudem einen einfachen und schnellen Rollback auf ältere Versionen des Betriebssystems ermöglicht. Doch das ist nur der Anfang und hat alles noch nichts mit der an Spieler adressierten Ausrichtung von Bazzite 42 zu tun. Als Ausgangsbasis, die je nach Edition Fedora Silverblue mit Gnome 48.2 oder aber Fedora Kinoite mit KDE Plasma 6.3.5 unterstützt, werden folgende Systeme.
Für Betriebssystem-Updates wird lediglich ein neues Abbild ("Image") heruntergeladen und dieses dann (neu)gestartet, was als atomares Update bezeichnet wird. Der bei klassischen Paketaktualisierungen notwendige Schritt der Installation entfällt vollständig. - Sven Bauduin, PCGH -
Bazzite kommt von Haus aus mit so gut wie allen für Spieler relevanten Softwarepaketen daher und ist dank seiner zahlreichen Launcher und Clients nicht nur auf Steam zugeschnitten. Auch der Epic Games Store und andere Quellen und Vertriebsplattformen können entsprechend eingebunden werden.
- Lutris
- Decky Loader + Plugins
- Heroic Games Launcher
- Bottles
Zudem sind bereits sämtliche Patches, wie z.B. Gamescope für HDR-Inhalte, vorinstalliert. Bazzite soll "out of the Box" die beste Gaming-Erfahrung auf allen Geräten ermöglichen. PCGH wird sich die Gaming-Distribution in den kommenden Wochen im Detail ansehen und überprüfen, ob dieses Versprechen gehalten werden kann. Auf Handheld-PCs wie dem Asus ROG Ally X zeigt das Betriebssystem aber bereits vielversprechende Ansätze und erhält viele positive Rezensionen.
Während Radeon-Grafikkarten und deren Featureset über den neuesten freien Grafikstack Mesa 3D v25.1.4 unterstützt werden, laufen Geforce-Grafikkarten mit dem aktuellen Grafiktreiber Nvidia Linux x64 575.64. Damit lassen sich die o.g. Systeme im Grunde wie mit einem SteamOS nutzen, nur dass die Basis nicht Arch Linux, sondern Fedora Workstation bzw. dessen Atomic-Spins darstellt.
Bazzite entspricht im Grunde einem SteamOS, welches allerdings nicht auf Arch Linux, sondern auf Fedora Workstation bzw. Fedora Atomic Desktops basiert. Bazzite bietet neben dem von SteamOS bekannten Game Mode auch alle relevanten UI-Overlays und Steuerelemente. Die atomaren Aktualisierungen machen Updates im Grunde risikolos und die Optimierungen bringen Leistung . - Sven Bauduin, PCGH -
Spieler erhalten ein aktuelles Gaming-Betriebssystem, welches beinahe alle Vorzüge von SteamOS mit den atomaren Updates kombiniert und zudem weitreichend optimiert ist. Das geht bis hin zum Linux-Kernel der Distribution.
Bazzite: Installationsmedium herunterladen
Nitrux
Nitrux ist eine Distribution, welche bereits alle benötigten Zutaten für das Spielen unter Linux mitbringt und bislang auf den auf Gaming optimierten Liquorix-Kernel gesetzt hat. Wie die Entwickler jetzt bekannt gegeben haben, wird das quelloffene Betriebssystem jetzt einige fundamentale Änderungen erfahren und in Zukunft erstmals auf den Betriebssystemkernel von CachyOS setzen, der ebenfalls weitreichend auf Gaming und Multimedia optimiert ist. Auch wird die Arbeitsumgebung dabei einen kompletten Neustart erfahren.
Quelle: Nitrux
Nitrux
Da die Entwickler mit dem nächsten Release einige weitreichende Änderungen planen, sollten Spieler die kommende Veröffentlichung definitiv noch abwarten, bevor sie auf Nitrux setzen. Anders als ein Rolling Release, welches fortlaufend aktualisiert wird, erscheinen neue Systemabbilder von Nitrux in festen Releasezyklen.
Was benötigen Spieler unter Linux?
Aber was genau benötigen Spieler, die beabsichtigen, Linux als Alternative zu Windows eine Chance zu geben? Neben einer fortlaufend top aktuell gehaltenen Linux-Distribution, einem sogenannten "Rolling Release", oder aber einem möglichst frischen Release mit aktuellen Softwarepaketen, Bibliotheken, Laufzeitumgebungen, APIs und Treibern, welche allesamt mit dem Betriebssystem ausgeliefert werden, nicht eigentlich sonderlich viel. Die folgenden Zutaten sind jedoch essenziell:
- Eine aktuelle Linux-Distribution
- Aktuelle Softwarepakete und Bibliotheken
- Eine aktuelle Version des freien Grafikstacks Mesa 3D
- Der neueste Steam-Client mit aktueller Proton-API
- Aktuelle Grafiktreiber von AMD* oder Nvidia
- Die neueste Version der Wine-API
- Ein aktueller Linux-Kernel
*) bereits in Mesa 3D enthalten.
Die drei oben genannten Gaming-Distributionen bringen das bereits "Out-of-the-box" mit und können somit deutlich schneller in Betrieb genommen werden. Eine selbst angepasste Gaming-Distribution lässt sich allerdings noch exakter an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anpassen. Spieler, welche noch ein wenig weitergehen wollen, können zudem einen Blick auf die angepassten Gaming-Kernel werfen.
Hiermit lassen sich in vielen Szenarien noch einmal 5 Prozent und mehr an Performance aus dem Gaming-PC herauskitzeln, entsprechende Kenntnisse werden aber in den meisten Fällen vorausgesetzt. Wer sich damit beschäftigt, eine von Grund auf selbst zusammengestellte Gaming-Distribution auf die Beine zu stellen, sollte sich auch mit Proton GE Custom ("GE-Proton") sowie anderen weitreichend optimierten Softwarepaketen, Laufzeitumgebungen und APIs beschäftigen. Auch hier sind vorkonfigurierte Gaming-Distributionen wie Nobara und CachyOS besonders komfortable, da diese ab Werk bereits entsprechend enthalten sind.
Wie sieht es abseits von Steam aus?
Neben dem Steam-Client, welcher mittels Steam Play die Proton-API nutzt, stehen auch weitere Alternativen wie der Open-Source-Spiele-Manager Lutris sowie der Heroic Games Launcher zur Auswahl, die GOG, Epic Games und Amazon Gaming unter Linux verfügbar machen und Spiele-Bibliotheken komfortabel verwalten.
Proton außerhalb von Steam nutzen!
Der neue Unified Linux Wine Game Launcher des Linux- und Gaming-Experten Thomas ("GloriousEggroll") Crider, der auch für die empfohlene Gaming-Distribution Nobara Linux verantwortlich ist, ermöglicht erstmals überhaupt die Verwendung der auf Wine basierenden Software Proton außerhalb des Steam-Clients und hat gerade mit der aktuellen Version 1.2.6 eine umfangreiche Produktpflege erhalten.
Das Werkzeug ermöglicht es jeder Anwendung, Spiele ordnungsgemäß außerhalb des Steam-Clients auszuführen und dafür auf die beiden dazu benötigten Komponenten Steam Runtime Tools und Steam Linux Runtime zurückzugreifen. Mithilfe des sogenannten "UMU-Launchers" soll es zukünftig möglich sein, Spiele aus verschiedensten Vertriebsplattformen mit Proton zu nutzen. Dieses Universalwerkzeug läuft unter Debian, Fedora und Ubuntu.*
*) sowie darauf basierenden Distributionen.
Hi Linux-PC! Bye Bye Windows-PC?
Den Windows-PC als Gaming-Maschine abschreiben? Nein, das ist nicht nötig! Warum auch? Unter Windows 10 und Windows 11 lässt es sich hervorragend spielen. Linux ist aber schon heute für viele Spieler eine echte Alternative und vereint alle Vorzüge eines freien Betriebssystems, wie einen hohen Datenschutz und eine besonders starke Anpassbarkeit, mit der Möglichkeit, aktuelle Spiele spielen zu können.
Ihre Meinung ist gefragt!
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Ist auch mega geil, Arch Based und hat nen Rolling Release Model was für Gamer schon wichtig ist für aktuelle Treiber