Lego 2K Drive: Obacht, liebe Eltern, dieses Spiel ist digitale Quengelware

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Kolumne Christian Dörre Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Lego 2K Drive: Obacht, liebe Eltern, dieses Spiel ist digitale Quengelware
Quelle: 2K

Am 19. Mai erschien mit LEGO 2K Drive ein Rennspiel, das Kinderherzen höher schlagen lassen dürfte. Allerdings dürfte es den Eltern auch einige Euro aus der Tasche ziehen. PCG-Redakteur Chris hat den Titel angespielt und ärgert sich, dass 2K nicht mal bei einem Spiel für eine ganz junge Zielgruppe auf Mikrotransaktionen verzichtet.

Der geringe Schwierigkeitsgrad und der Gummibandeffekt passen dazu. Da das Fahrerfeld zusammengehalten wird, müssen die Kinder nicht fehlerfrei fahren, dennoch wird ein umkämpfter Wettbewerb vorgegaukelt und sie haben eine Chance auf ein Erfolgserlebnis. Dazu kommt dann auch noch eine wirklich knuffige und liebevoll gestaltete Spielwelt, die auf mehrere kleine Open-Worlds aufgeteilt ist. So sind die Kurzen auch nicht mit dem Konzept einer offenen Welt überfordert, sondern werden daran herangeführt.
Ein echtes Highlight ist zudem die Möglichkeit, mit virtuellen Legosteinen das Fahrzeug seiner Träume zu bauen. Da man in Lego 2K Drive stetig zwischen Straßen-, Offroad- und Wasserfahrzeugen wechselt, kann man sich im Baukasten herrlich austoben. Gut, ich vielleicht nicht, aber kreative, aufgeweckte Kids, die noch nicht körperlich und seelisch vom Leben gebrochen wurden, haben hier bestimmt viel Spaß. Lego 2K Drive könnte also wirklich ein großartiges Spiel für eine sehr junge Zielgruppe sein. Tja, könnte, aber 2K lässt es sich natürlich nicht nehmen, auch hier Mikrotransaktionen reinzupacken. Und das auf eine ziemlich ekelhafte Art.

Ein Auto mit Monstermaul Quelle: 2K Kolumne: Lego 2K Drive - Dieses Spiel ist digitale Quengelware (7)

Haltet die Geldbörse fest, liebe Eltern

Der Fairness halber sei erwähnt, dass man im Spielverlauf immer wieder neue Fahrzeuge durch gewonnene Rennen freischaltet, und man verdient etwas In-Game-Kohle, die man im Shop ausgeben kann. Man braucht also nicht unbedingt zusätzlich Geld verprassen, um Lego 2K Drive durchspielen und damit Spaß haben zu können. Als Erwachsener kann ich mir also denken: "Ach, leckt mich doch mit eurem dämlichen Shop." Bei Kindern sieht es aber natürlich etwas anders aus.

Die zu erspielende In-Game-Kohle ist eher knapp und natürlich sehen die Kurzen, was da angeboten wird und bekommen große Augen. Im Shop gibt es jede Menge, teils zeitlich begrenzt verfügbare Fahrzeuge und Bauteile, die hübsch präsentiert werden. So erinnert der Shop doch klar an die berühmt-berüchtigte Quengelware im Supermarkt. Man bekommt es vielleicht hin, die Ecke mit den Süßwaren zu umgehen, vor der Kasse stehen sie dann aber schön aufgebaut, sodass sie den Kids nicht entgehen.

Im Spiel selbst werden Kinder wohl nicht direkt das große Verlangen nach neuen Sachen haben, klicken sie sich aber durch die Menüs, finden sie natürlich den Shop mit den Angeboten. Es ist schon eine ganz besondere Dreckigkeit, in einem Spiel, das so sehr auf eine junge Zielgruppe ausgelegt ist, überhaupt Mikrotransaktionen zu verbauen. Noch schlimmer ist allerdings, dass die Erklärtafel, dass das alles echtes Geld kostet und man Bundles erstehen kann, tatsächlich nur auf Englisch angezeigt wird, obwohl das Spiel ansonsten komplett lokalisiert wurde.

Kinder werden das also einfach wegklicken und in den Angeboten stöbern. Danach werden dann die Eltern bekniet, doch dieses oder jenes Fahrzeug zu kaufen. Ich will ganz sicher nicht wie Helen Lovejoy aus den Simpsons klingen: "Kann nicht mal einer an die Kinder denken!" Aber das ist einfach höchst manipulativ von 2K. Und mal ehrlich, auch wenn das Kind oder die Kinder einsichtig sein sollten, dass man im Shop nichts kauft, sie werden trotzdem direkt in einem ihrer vermutlich ersten Videospiele daran gewöhnt, dass Mikrotransaktionen etwas ganz Normales sind.

Werkstatt in Lego 2K Drive Quelle: 2K Kolumne: Lego 2K Drive - Dieses Spiel ist digitale Quengelware (1)

Lieber erst gar nicht kaufen

Ich weiß, andere Spiele machen das auch, Lego 2K Drive ist hier nicht der alleinige Sündenbock für etwas, das allgemein gewaltig schiefläuft in der Gaming-Landschaft. Aber mich hat es tatsächlich aus meiner Gleichgültigkeit wachgerüttelt. Ich bin immer noch gegen dieses Aufregen über jeden Furz, der einem gerade quersitzt, weil irgendwas nicht genau so ist, wie man es gerne gehabt hätte. Und ich bin überzeugt, dass Leute, die Entwickler beschimpfen oder bedrohen, nicht alle Latten am Zaun haben und 'ne ordentliche Schelle verdient haben. Normale und besonnene Empörung finde ich bei Lego 2K Drive jedoch absolut angebracht.

Ich werde sicherlich nun nicht auf Twitter gehen, mir die Finger wundtippen und in jedem Post eines ellenlangen Threads 2K und das Studio Visual Concepts verlinken, aber ich nutze hier einfach mal mein bisschen "Macht" als PCG-Redakteur, um auf das ekelhafte Geschäftsmodell im Spiel aufmerksam zu machen, das sonst wohl an vielen vorbeigegangen wäre. So schön kindgerecht Lego 2K Drive auch ist, meiner Meinung nach ist die Lösung nicht, die Kids zu bitten, nicht auf den In-Game-Shop zuzugreifen, sondern ganz einfach, das Spiel direkt im Regal liegenzulassen.

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    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Gemar Mitglied
        Ich finde LEGO mittlerweile nur noch total affig.
        Klar die verdienen durch vorgegebene Sets Geld, aber mich hat das nie interessiert.
        Man hatte Steine und konnte daraus etwas machen.
        Jetzt gibt es das Internet und man könnte miteinander Pläne tauschen.

        Warum die Realität komplett anders aussieht und jeder für ein neues vorgegebenes Set, am besten noch mit Thema/Franchise, sehr viel Geld ausgibt kann ich mir jedenfalls nicht erklären.

        Und bei der digitalen Version, wo Steine unendlich sein könnten, stoße ich auf noch größeres Unverständnis.
        Man stelle sich vor, man könne bei Minecraft nur Sets kaufen. :-D

        Aber ok, LEGO ist eine Goldgrube und LEGO wird sie weiter schürfen.
        Die sehr hohen Microtransaktions Preise bei allen Spielen habe ich noch nie verstanden.
        Es ist schon irgendwie verrückt.
        Es liegt wohl auch daran, dass Kinder und Jugendliche damit aufwachsen und denken das so etwas normal wäre.
      • Von Gemar Mitglied
        Ich finde LEGO mittlerweile nur noch total affig.
        Klar die verdienen durch vorgegebene Sets Geld, aber mich hat das nie interessiert.
        Man hatte Steine und konnte daraus etwas machen.
        Jetzt gibt es das Internet und man könnte miteinander Pläne tauschen.

        Warum die Realität komplett anders aussieht und jeder für ein neues vorgegebenes Set, am besten noch mit Thema/Franchise, sehr viel Geld ausgibt kann ich mir jedenfalls nicht erklären.

        Und bei der digitalen Version, wo Steine unendlich sein könnten, stoße ich auf noch größeres Unverständnis.
        Man stelle sich vor, man könne bei Minecraft nur Sets kaufen. :-D

        Aber ok, LEGO ist eine Goldgrube und LEGO wird sie weiter schürfen.
        Die sehr hohen Microtransaktions Preise bei allen Spielen habe ich noch nie verstanden.
        Es ist schon irgendwie verrückt.
        Es liegt wohl auch daran, dass Kinder und Jugendliche damit aufwachsen und denken das so etwas normal wäre.
      • Von Cap1701D Gelegenheitsspieler/in
        Danke für das Review.
        Den genannten Kritikpunkt (den ich zu 100% teile) halte ich für weniger wichtig: bevor die Kinder dieses Lego-Spiel spielen werden sie schon Dutzende Mobilgames gespielt haben, bei denen das Bezahlkarussell deutlich heftiger dreht. Eltern sind das gewohnt.

        Mehr diskussionswürdig scheint mir a) dass man durch "Menschen" hindurchfahren kann und b) der Gummibandeffekt. Das sind zumindest zwei Erziehungsprinzipien, gegen die wir uns als Elternhaus entschieden haben und ich würde nicht wollen, dass mein Kind in Spielen etwas anderes lernt.
        Die Freude am Schädigen anderer ist beispielsweise etwas was wir nicht dulden. Eine Banane auf die Straße werfen ist ok, andere Menschen aus Spaß (a la GTA) zu überfahren ist nicht ok. Und auch nicht nötig. Andere Spiele (Forza Horizon) lassen die Passanten wegspringen, das geht und tut der Immersion keinen Abbruch. Warum also die Freude am kaputtfahren kultivieren? Vermutlich soll die Kindschaft bereits für GTA desensibilisiert werden...
        Der Gummibandeffekt ist sicher Geschmackssache. Wie macht man das zuhause? Lässt man Kinder beim gemeinsamen Spielen immer gewinnen? Oder zumindest nicht verlieren? Oder spielt man nicht absichtlich schlecht, so dass die Kinder ihre Leistung einschätzen können? Mir scheint Ersteres führt zum Größenwahn, das Kind glaubt es kann alles und immer. Letzteres bringt das Kind motivatorisch nicht unbedingt über die Aktivitätsschwelle, um in einem Spiel auch besser zu werden. Ein Spiel, dass also per Gummibandeffekt dafür sorgt, dass mein Kind nie richtig verliert? Ich weiß nicht...
        Aber ich finde es toll, dass ich in dem Artikel darüber informiert werde!
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