Halt Stop!: 7 Stop-Motion-Filme, die man gesehen haben sollte
Immer wieder sitzen wir im Kino und staunen über die Bilder, die uns die Filmschaffenden präsentieren. Sei es die visuelle Überwältigung durch CGI-Effekte, sei es die ausgeklügelte Bildmontage oder einfach nur ein Bruch mit unseren Sehgewohnheiten. Seit seiner Erfindung versetzt der Film seine Zuschauer in Begeisterung. Während Menschen in den jungen Jahren des Mediums vom bewegten Bild an sich schon verzaubert waren, kamen immer wieder neue Tricks und technische Innovationen hinzu, die ein ums andere Mal zu der Überzeugung führten, dass man doch noch nicht alles gesehen hat.
Für unsere Augen heute ist es völlig normal, dass der Film tote Objekte in Bewegung versetzen kann, oder zumindest die Illusion davon erzeugt. Bild für Bild werden einzelne Veränderungen abgelichtet und dann, einem Daumenkino ähnlich, durch Aneinanderreihung zu einem Ganzen zusammengesetzt. Als Vater dieser Illusion gilt der französische Filmpionier George Méliès, der in zahlreichen Filmen das einsetzte, was wir heute unter Stop-Motion verstehen. Der Legende nach, stockte ihm eines Tages bei Aufnahmen die Kamera, wodurch er entdeckte, dass schon kleine Veränderungen im Bild zwischen den einzelnen Frames magische Effekte haben kann, bspw., wenn man etwas plötzlich verschwinden lassen möchte. Der erste filmische Nachweis für diesen Stopp-Trick erbrachte jedoch Thomas Edison mit "The Execution of Mary Stuart" aus dem Jahr 1895:
Daran anschließend etablierte sich langsam die Stop-Motion-Technik bei der man eben jedes Bild einzeln manipulierte. Der berühmteste Film Méliès ist Le Voyage dans la Lune - man könnte fast sagen, dass es sich hierbei um den ersten Science-Fiction-Film handelt.
Sieht man jedoch vom klassischen Zeichentrickfilm ab, wird Stop-Motion heute trotzdem nur noch selten eingesetzt. Gibt es dann doch einmal größere Produktionen verdienen sie unserer Meinung nach eine gewisse Wertschätzung. Trotz dem Bewusstsein um die Leblosigkeit der Figuren, hat ihre Bewegung doch noch immer etwas Magisches:
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Anomalisa
Die Prämisse von Anomalisa erinnert ein bisschen an das SciFi-Drama "Her". Wie schon in dem herausragenden Film mit Joaquin Phoenix sehen wir uns auch hier mit einem zunehmend vereinsamten Protagonisten konfrontiert, dessen Beruf anderen bei sozialen Interaktionen helfen soll. Anomalisa sollte ursprünglich nicht einmal ein Film werden, sondern war als Theaterstück geplant. Das durch Kickstarter finanzierte Projekt entwickelte sich erst sukzessive zu einem Stop-Motion-Film. Für einen "Animationsfilm" ist zudem die thematische Gewichtung mehr als ungewöhnlich. Gerade die leblosen Puppen sollen hier die Suche nach Emotionalität, einem Weg aus der Einsamkeit und hin zum Menschlichen vollführen, die mit der Darstellung des Sexualaktes ein Novum des Genres ist. Anomalisa ist auf seine Weise geradezu unheimlich aber vielleicht gerade deswegen fesselnd.
ACHTUNG! Making-Of mit intimen Szenen! (Spoiler)
The Adventures of Mark Twain
"The Adventures of Markt Twain" ist beileibe nicht mit den schönsten Figuren gesegnet. Auch bei Kritikern und an den Kinokassen hatte er bspw. aufgrund diverser Längen zu seiner Zeit nur wenig Erfolg. Dennoch ist es ein Experiment, das einen Blick verdient hat. Die Knetversion des renommierten Autors fliegt zusammen mit von ihm geschaffenen Figuren (Tom Sawyer, Becky Thatcher und Huckleberry Finn) dem Halleyischen Kometen hinterher und umreist dabei kurz die literarischen Werke seiner selbst. Äußerst bizarr, manchmal etwas düster und doch mit Humor.
Trailer
Coraline
Coraline ist so etwas wie ein Traum im Traum. Während Stop-Motion für uns ein Naturell des Ungewöhnlichen ist, so taucht die gleichnamige 11-Jährige des Nachts in eine andere Realität ein. Die detailliert animierten Charaktere ihres vermeintlich tristen Lebens werden dort durch noch puppenhaftere Versionen ihrer Selbst ersetzt, die der Protagonistin eine Heile Welt vorgaukeln. Schon bald erkennt sie die Gefahr hinter dem Schein. Coraline besticht durch beeindruckende Bilder, eine einfallsreiche, düstere Geschichte und stets gewagten Experimenten beim Einsatz seiner Animationstechniken.
Making-Of (Spoiler)
The Nightmare Before Christmas
Das morbide Märchen (überwiegend aus der Feder) Tim Burtons erzählt die Geschichte des gelangweilten Jack Skellington. Der König Halloweens findet in seinem eigenen Feiertag keine Befriedigung mehr und will sich stattdessen einmal an Weihnachten versuchen - natürlich ist Unheil vorprogrammiert. Figuren und Setting quellen vor Charme nur so über - tatsächlich basiert die Geschichte auf einem Gedicht Tim Burtons, das er schrieb während er noch für Disney an Cap und Capper arbeitete. Nicht umsonst ist The Nightmare Before Christmas ein fester Bestandteil der heutigen Popkultur.
Film-Intro
Kubo - Der tapfere Samurai
Vor zwei Jahren bewies Kubo der Welt, was man mit Stop-Motion alles darstellen kann. Wie ihre dem Making-Of unten entnehmen könnt, sind bei diesem Film vor allem Wetter-Effekte teilweise einem Computer entsprungen. Dennoch ist der Detailgrad der Figurenanimation im Kampf unangefochten. Die "Puppe" des Protagonisten hatte bspw. 48 Millionen mögliche Gesichtausdrücke, unzählige Prototypen und hinter so manchem Abschnitt steckt ein gigantischer Zeitaufwand. Alleine die aus dem Trailer bekannte Boots-Szene beanspruchte 19 Monate Drehzeit. Nicht zu vergessen ist der gelungene Plot mit einem Abenteuer auf das manch anderer Film neidisch wäre.
Making-Of (Spoiler)
Isle of Dogs - Ataris Reise
Der jüngste Vertreter dieser Liste hat es unter der Regie von Wes Anderson in unser Herz geschafft geschafft. Grund dafür ist u.a. der einzigartige Filmstil Andersons, zu dem ihr in der kommenden Woche noch mehr erfahren werdet. In einem Japan der Zukunft hat man alle Hunde aufgrund einer "Krankheit" auf eine Müllinsel deportiert, wo sie nun in eigenen Strukturen leben. Der Menschenjunge Atari vermisst seinen Wachhund jedoch so sehr, dass er zu der Insel reist und sich zusammen mit einem dortigen Rudel auf die Suche begibt. Wir empfinden es als Geniestreich, die Tiere als einzige die Sprache der Zuschauer sprechen zu lassen, während die menschlichen Vertreter durch Untertitel etwas entfremdet werden. Die etwas unlogische Fellanimation ist zudem eine nette Reminiszenz an den ersten King Kong Film.
Making-Of (Spoiler)
Mary & Max - oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?
Nun haben es schon Filme der außergewöhnlichen Regisseure Tim Burton und Wes Anderson in dieses Liste geschafft und trotzdem verdient Mary & Max einen Platz an der Spitze des Außergewöhnlichen. Er sticht nicht etwa hervor, weil er mit besseren Animationen aufwartet als die anderen, er sticht nicht hervor, weil er besonders lustig ist und schon gar nicht wegen seiner unglaublichen Welt. Mary & Max darf bei uns nicht fehlen, weil er, wie kein anderer seiner Art, ehrlich, tragisch und doch mit Herz an reale Probleme wie das Asperger-Syndrom herantritt und diese respektvoll aber auch mit Humor verhandelt.
Trailer
Wie steht ihr zu Stop-Motion-Filmen? Habt ihr Favoriten? Oder könnt ihr dem Stil gar nichts abgewinnen?

Aber: Wie mein Vorredner bereits angemerkt hat, sind einige der hier erwähnten Filme keine echten StopMotion -Filme. Kubo z. B. verwendet einiges an Animatronik für größere Modelle oder Aufbauten - was als Technik von ILM* eingeführt wurde und als Go-Motion bezeichnet wird.
*Siehe Spezialeffekte in "Drachentöter" (Link ILM, Link OFDB ps. "Drachentöter" kann ich ebenso sehr empfehlen.)
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