Macht Deutschland bald mit? Erstes Social-Media-Verbot in der EU durchgesetzt

0
News Matthias Brückle - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Macht Deutschland bald mit? Erstes Social-Media-Verbot in der EU durchgesetzt
Quelle: BiljaST/Pixabay

Mit Frankreich macht das erste EU-Land ernst: Unter 15 gibt es kein Social Media mehr. Doch das Verbot wirft Fragen zu Datenschutz, Umgehung und den Folgen für Jugendliche auf.

Dass Plattformen wie Facebook, TikTok, Instagram, Reddit, YouTube und selbst WhatsApp mit ihrer Hülle und Fülle an Inhalten, die nicht für Jugendliche geeignet sind, das Ziel von schärferen Gesetzen werden, hatten sich vermutlich schon viele Menschen gedacht. Jetzt ist es aber in der EU erstmals durchgesetzt worden: Frankreich verbietet Social Media für jeden, der noch nicht 15 Jahre alt ist.

Die Nationalversammlung des deutschen Nachbarlands hat sich mit überwiegender Mehrheit der Stimmen für diesen Schritt entschieden: 278 zu 81 war das Ergebnis.

Social Media: Wann tritt das neue Verbot in Kraft?

Laut Emmanuel Macron werden Jugendliche bereits nach den Sommerferien zu einer Alterskontrolle gezwungen, um Zugang zu TikTok, Instagram & Co. zu erhalten. Die entsprechenden Plattformbetreiber sind logischerweise verpflichtet, entsprechende und vor allem wirksame Alterskontrollen einzuführen, falls noch nicht geschehen. Was ist mit bestehenden Accounts? Wer bereits einen Account hat, aber zu jung ist, hat eine "Gnadenfrist" von vier Monaten

Ausgeschlossen von diesem Gesetz sind Inhalte, die Bildungszwecke haben: Laut Präsident Macron sind damit etwa "Online-Enzyklopädien" oder "digitale Projekte mit Bildungszwecken" gemeint. Selbst YouTube und WhatsApp bleiben teilweise zugänglich: Das Ansehen von Videos und der private Chat bleiben verfügbar. An einer Altersüberprüfung gibt es dann trotzdem, eben für alles, was wie ein "soziales Netzwerk" funktioniert. Allen voran Kommentarbereiche, bei denen völlig öffentlicher Diskurs stattfindet. (via Tagesschau)

Kanäle auf WhatsApp & Co. sind praktisch soziale Netzwerke - auch hier wird diese Alterskontrolle greifen. Quelle: Meta Kanäle auf WhatsApp & Co. sind praktisch soziale Netzwerke - auch hier wird diese Alterskontrolle greifen. Frankreich dürfte nur der Anfang sein: Großbritannien hat bereits große Teile des Internets hinter Identifikationspflicht gesperrt, während Spanien, Griechenland und Österreich auch ein Social-Media-Verbot fordern. Hier in Deutschland setzt sich dafür auch Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU ein.

Gibt es an diesem Gesetz etwas auszusetzen?

Ein derart drastischer Schritt sorgt logischerweise auch für Gegenwind. Kritiker halten das Verbot unter anderem für kaum durchsetzbar, weil Jugendliche Alterskontrollen vermutlich relativ leicht umgehen könnten. Damit drohe eine Regelung, die erhebliche Ressourcen bindet, ihren eigentlichen Zweck aber nur bedingt erfüllt.

Hinzu kommen Datenschutzbedenken. Eine verlässliche Altersverifikation kann die Verarbeitung sensibler persönlicher Daten erforderlich machen - sei es durch die Plattformen selbst oder durch externe Anbieter. Damit entstehen neue Risiken für Datenmissbrauch und Sicherheitslücken. Man denke nur an den Discord-Leak, der im Oktober 2025 für Furore gesorgt hatte.

Discord ist eigentlich als Voice Chat an den Start gegangen - inzwischen hat die beliebte Plattform praktisch viele Foren abgelöst und wird so auch von Privatpersonen wie Entwicklerstudios genutzt. Quelle: Discord Discord ist eigentlich als Voice Chat an den Start gegangen - inzwischen hat die beliebte Plattform praktisch viele Foren abgelöst und wird so auch von Privatpersonen wie Entwicklerstudios genutzt. Andere Kritiker sehen die Teilhabe junger Menschen am öffentlichen Diskurs gefährdet. Ein vollständiger Ausschluss von sozialen Plattformen könnte ihnen auch den Zugang zu politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Debatten erschweren.

Vor allem bekämpft das Verbot jedoch nicht die eigentliche Ursache des Problems. Mechanismen wie endloses Scrollen, algorithmische Negativspiralen und gezielt eingesetzte Dark Patterns können nicht nur Kindern, sondern Nutzern jeden Alters schaden. Strengere Regeln für diese Funktionen könnten deshalb nachhaltiger sein als eine reine Altersgrenze.

Meine persönliche Meinung: Beim Gedanken, dass Konzerne wie Meta künftig noch mehr Möglichkeiten zur Überprüfung unserer Identität erhalten könnten - möglicherweise über angeblich unabhängige Drittanbieter -, läuft es mir kalt den Rücken runter. Und selbst wenn das Verbot kurzfristig Kinder schützen würde, bleibt die Frage offen, warum sie ab ihrem 15. Geburtstag plötzlich denselben manipulativen Mechanismen ausgesetzt werden dürfen.

Zudem besteht die Gefahr, dass eine zunächst eng begrenzte Alterskontrolle später ausgeweitet wird. Eine einmal etablierte Infrastruktur zur Identitäts- und Zugangskontrolle lässt sich schließlich auch für andere Zwecke nutzen. Gerade deshalb müsste das Gesetz sehr klare Grenzen, strenge Datenschutzvorgaben und eine unabhängige Kontrolle vorsehen.

Warum diese News wichtig ist
  • Frankreich zwingt als erstes EU-Land große Plattformen erstmals dazu, den Social-Media-Zugang für unter 15-Jährige tatsächlich einzuschränken.
  • Für alle Betroffenen wird jetzt kritisch, wie gut diese Alterskontrollen wirklich funktionieren und welche persönlichen Daten dafür verarbeitet werden.
  • Andere EU-Staaten wollen ähnliche Regeln durchsetzen, weshalb Internetbesucher künftig mit strengeren Altersprüfungen und eingeschränkten Funktionen rechnen können.

Denkt ihr, dass dieser Weg der Richtige ist? Oder gehen EU-Staaten hier zu sehr in Richtung Autokratie? Nutzt gerne die angebotene Kommentarfunktion und teilt uns eure Meinung zum Thema mit. Beachtet beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet. Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei Youtube, Instagram und Tiktok.

0
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk