Hogwarts Legacy: Der Schurke hat Recht und wir sind das Problem
In Hogwarts Legacy tauchen wir als Zauberlehrling ein in die Welt von Harry Potter. Auch Redakteur Chris hat das Abenteuer rund um alte Magie und aufständische Kobolde bereits erlebt. Vor allem Story und Figuren des Spiels haben bei ihm jedoch einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.
Ich würde mich zwar selbst keineswegs als Experte auf dem Gebiet der Wizarding World bezeichnen, mit den Basics bin ich - im Gegensatz zu meinem Kollegen Chris Dörre - aber zumindest vertraut. Sprich: ich habe einige der Harry-Potter-Bücher gelesen, alle Filme gesehen und bin in der Lage, ein Wiki zu lesen. Ein Fan bin ich deswegen zwar nicht gerade, aber zumindest war ich neugierig, ob der ganze Hype um Hogwarts Legacy gerechtfertigt ist. Also bin ich mit unserem Redaktionsaccount losgezogen und am PC bei stark schwankender Framerate durch die Spielwelt geruckelt. Viel ist von der Erfahrung am Ende leider nicht hängen geblieben, dafür traf der Titel meinen Geschmack dann doch zu wenig. Zumindest zu einem Element des Spiels habe ich dann aber doch dringenden Gesprächsbedarf: Warum ist die Story eigentlich inszeniert, als seien die Kobolde und ihr Anführer Ranrok die Bösen, auch wenn dem ganz offensichtlich nicht so ist?
Die Ungerechtigkeit von Hogwarts Legacy
Angesiedelt in den 1890er-Jahren, behandelt die Geschichte von Hogwarts Legacy (jetzt kaufen 59,99 € ) die Koboldaufstände, eine Reihe (in der Harry-Potter-Lore) historischer Ereignisse, bei denen sich besagte Kobolde gegen die Regeln des Zaubereiministeriums auflehnen und es zum Blutvergießen kommt. Das zentrale Gesicht der Rebellion ist ein Kobold namens Ranrok, ein Menschenhasser, der mit dunklen Magiern kollaboriert, um die Zauberwelt zu unterjochen. Auf den ersten Blick also ein klassischer Schurke.
Betrachtet man die gesellschaftlichen Hintergründe der Zeit und den sozialen Status der Kobolde innerhalb der Wizarding World, erscheint sein Kreuzzug gegen die herrschende Ordnung aber plötzlich gar nicht mehr so irrational.
Quelle: buffed
Hogwarts Legacy: Der Schurke hat Recht und wir sind das Problem (1)
Kobolde sind in der Welt von Harry Potter Opfer systemischer Diskriminierung. Sie sind zwar ein Teil der magischen Gesellschaft, werden von den Menschen aber nicht als gleichwertig angesehen. Obwohl viele systemrelevante Berufe von Kobolden ausgeführt werden, darunter die Verwaltung der Zauberbank Gringotts sowie die Herstellung eines Großteils der magischen Artefakte der Wizarding World, herrscht allgemeines Misstrauen gegenüber ihrer Spezies.
Das Verständnis der Kobolde von Eigentum scheint dabei eine große Rolle zu spielen. So glauben die kleinen Wesen, dass Eigentum nicht übertragen werden kann - auch nicht durch Geld. Sobald der Träger eines Kobold-gefertigten Artefaktes also stirbt, muss der Gegenstand nach Tradition an den Hersteller zurückgegeben werden. Dadurch, dass die Wesen ihre mächtigen Werke nach eigenem Ermessen also nur ausleihen und zudem das Bankensystem kontrollieren, gelten sie in den Augen der Menschen als gierig. Eine Auffassung, die durch die unterschiedlichen Finanzphilosophien durchaus auf Gegenseitigkeit beruht.
Quelle: buffed
Hogwarts Legacy: Der Schurke hat Recht und wir sind das Problem (3)
Darüber hinaus ist es Kobolden nicht gestattet, Zauberstäbe zu erwerben oder zu benutzen, obwohl sie in der Lage sind, Magie zu wirken. Im Harry-Potter-Wiki ist obendrein davon die Rede, dass Versuche unternommen wurden, der Spezies sämtliche Rechte zu entziehen und sie wie die Hauselfen als Sklaven zu halten.
Der Vorwurf, die Menschen würden die Kobolde fürchten und ihre ungeteilte Macht ausnutzen, um sie zu unterdrücken, ist also durchaus berechtigt.
Unser Stundenplan: Zaubertränke, Rassenlehre, Verteidigung gegen die dunklen Künste
Die im Spiel gezeigte Rebellion ist daher auch nicht das erste Mal, dass sich die Kobolde dagegen wehren, wie Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden. Laut Wiki gab es bereits im 17. und 18. Jahrhundert erfolglose Aufstände mit dem Ziel der Gleichberechtigung. Selbst Ende der 1990er-Jahre, zu Zeiten von Harry Potter, haben die Kobolde dieses Ziel noch nicht erreicht. Die einzige Möglichkeit, Rechte zu erlangen, ist durch menschliche DNS. So wurden z.B. Professor Flitwick die Nutzung eines Zauberstabes, eine Ausbildung und letztendlich ein Lehrstuhl in Hogwarts gestattet, obwohl Kobolde zu seinen Vorfahren zählen - einzig und allein aus dem Grund, weil er aus einer menschlichen Familie stammt. Es handelt sich beim Großbritannien der Wizarding World also genau genommen um einen Ethnostaat.

Für die Koboldaufstände werden in den Büchern mehrere Gründe genannt: Die Kobolde wurden demnach diskriminiert, sie dürfen aus rassistischen Gründen keinen Zauberstab tragen, keinen Repräsentaten im Zaubergamot stellen. Die Zauberer versuchten, sie als Hauselfen zu versklaven und Gringotts zu übernehmen. Stimmt schon, Ranrok hat damit eigentlich nichts zu tun und will einfach nur seine Macht vermehren. Aber warum dann überhaupt das ganze in den Kontext Koboldaufstände stellen? Mich irritieren dahingehend auch Aussagen wie "ich will mich nur unterhalten lassen". Ja, das will ich auch - aber das schließt doch bitte eine halbwegs sinnvolle Story nicht aus?
1. Ranrok geht es ja nicht um die "Befreiung" oder "Gleichstellung" der Kobolde. Ihm geht es um persönliche Macht, Gewalt und Mord sind sein Mittel zur Durchsetzung. Er ist kein Vorbild oder ehrenwerter Kämpfer, er ist ein Erzschurke.
2. Werden Kobolde wirklich unterdrückt, oder wird ihnen der Zugang zu bestimmten Zauberbereichen genauso verwehrt, wie auch sie ihre Geheimnisse nicht teilen wollen (z.B im Bereich der Schmiedekunst etc.?)
3. Magische Kreaturen anderer Spezies als Mensch haben mächtige magische Kräfte. Das wird (meist von den Bösen) unterschätzt, von vielen menschlichen Zauberern ignoriert, aber diese Kräfte sind sichtbar. Man nehme hier z.B. Dobby, der einen Lucius Malfoy einfach besiegen kann mit nem Fingerschnipps, der nicht an humanoide Zaubersperren gebunden ist, der die besten humanoiden Verzauberungen blockieren kann. Demzufolge besitzen Elfen eine ganz eigene, riesige Zaubermacht, die sie unabhängig machen könnte von humanoiden Zaubereren.
4. Es ist nirgendwo erklärt, ob und wie Kobolde überhaupt dem Zaubereiministerium "unterstehen" ...
Aber am Ende: Die ist ein FANTASY-UNTERHALTUNGS-SPIEL Sorry, aber von den meisten Spielen will ich mich auch nur unterhalten lassen, und nicht über den tieferen Sinn oder Unsinn, gesellschaftlich-politische Zusammenhänge oder ähnliches nachdenken. Solche Spiele hab und spiele ich auch, aber von den meisten will ich mich nur unterhalten lassen.
Mir ging es primär darum dass man gleich den gedanklichen Dreisprung von Hogwarts Legacy von den dort sicherlich angesprochenen Themen (die aber nun auch nicht unbedingt ultra deep ausdiskutiert werden dort) hin zum russischen Angriffskrieg und Kreuzzug des Westens hinlegt.
Im Prinzip waren die letzten Posts hier exakt die Beschreibung dessen was in letzter Zeit so immer passiert... :P
Nee nee, davon lasse ich mir den Spielspaß nicht nehmen!
Bitte aus Protest gleich mal auf der nächsten Straße festkleben!
Mir ging es primär darum dass man gleich den gedanklichen Dreisprung von Hogwarts Legacy von den dort sicherlich angesprochenen Themen (die aber nun auch nicht unbedingt ultra deep ausdiskutiert werden dort) hin zum russischen Angriffskrieg und Kreuzzug des Westens hinlegt.
Im Prinzip waren die letzten Posts hier exakt die Beschreibung dessen was in letzter Zeit so immer passiert... :P