Kurz-Review: Gone Girl - Das perfekte Opfer
Perfekt inszenierter Psychothrill von David Fincher ("Sieben", "Zodiac" und "Verblendung") mit Ben Affleck als erfolgloser Schriftsteller, dessen Frau verschwindet. Schnell gerät er in Verdacht.
David Fincher ist einer jener Hollywood-Regisseure, die sich ihr nächstes Projekt ganz genau aussuchen können. So kann Fincher seiner Linie stets treu bleiben – was er mit Gone Girl erneut tut. Denn ein psychologischer Thriller wie dieser scheint in kein Portfolio besser zu passen, als in das des Machers von Sieben, Zodiac und Verblendung.
Der erfolglose Schriftsteller Nick meldet seine gut betuchte Gattin Amy als vermisst. Rasch findet die Polizei unter der Leitung der kritischen Ermittlerin Rhonda verdächtige Spuren in Nicks Haus. Und warum kennt der Mann nicht mal die beste Freundin seiner Frau? Derweilen ist die Anteilnahme der kleinstädtischen Bevölkerung groß, zahlreiche Freiwillige suchen nach der verschwundenen Schönen. Bis das Blatt sich langsam wendet: Befeuert von einer wild spekulierenden Talkmasterin beginnen die Menschen, Nick zu verdächtigen. Als herauskommt, dass er eine Affäre mit einer jungen Studentin hat, macht sich regelrecht Hass auf den Mann der Unauffindbaren breit. Und dann findet Rhonda Amys Tagebuch …
Der auf Gillian Flynns gleichnamigem Roman basierende Gone Girl treibt ein schön perfides Spiel rund um Sensationsgeilheit in einer medialen Welt und die Manipulierbarkeit des Menschen. So rückt im zweiten Teil dieser fast zweieinhalbstündigen Psychostudie die Frage nach Amys Verbleib für den Zuschauer schrittweise in den Hintergrund und drängt vielmehr ein Intrigenspiel mit Wucht nach vorne. Die Wahl der Buchvorlage scheint perfekt: Einmal mehr bietet sie Fincher die Möglichkeit, ein atmosphärisch dichtes Verwirrspiel mit vielen Zeitebenenwechseln und hervorragender Charakterzeichnung abzuliefern, das ohne Action und nahezu ohne Blut auskommt. Und dennoch lässt einem die Abgründigkeit des Menschen am Ende kleine Schauer über den Rücken laufen.
FAZIT // Sich langsam mit vielen Rückblenden entblätternder, perfekt inszenierter Psychothrill darüber, wozu Menschen fähig sind
(Autor: Tim Sünderhauf)
Gone Girl - Das perfekte Opfer läuft ab Donnerstag, 2. Oktober 2014 in unseren Kinos.
