Preview zu Gerda: A Flame in Winter: 100 Möglichkeiten, doch moralisch überfordert - neuer Dontnod-Hit?

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Preview zu Gerda: A Flame in Winter: 100 Möglichkeiten, doch moralisch überfordert - neuer Dontnod-Hit?
Quelle: Dontnod Entertainment

Unser heutiger Serviervorschlag: Spielerisch in die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs eintauchen, das auch noch mit Moralkonflikt, traurigen Schicksalen und einem unüblichen und minimalistischen Grafikstil, angelehnt an skandinavischen Impressionismus. Klingt so spaßig wie Nachsitzen? Humbug! Gerda: A Flame in Winter, der erste von Dontnod (Life is Strange, Vampyr) gepublishte Spieletitel, ist ein interessantes Story-Adventure, das besonders durch viele Entscheidungsmöglichkeiten und verzwickte Situationen gefällt. Wir durften bereits die ersten 2-3 Stunden vorkosten und verraten, warum Gerdas waffenloser Widerstand, der für Nintendo Switch und PC erscheinen wird, mitreißt und motiviert.

Der Zweite Weltkrieg ist auf der Bühne der Videospiele ein häufig geladener und gern gesehener Gast - man siehe Call of Duty: Vanguard, Battlefield V, Call of Duty: World War II und viele weitere. Die Liste ist ziemlich lang. Doch so wirklich beliebt ist das schwierige und ernste Thema eigentlich nur, wenn man das mit einem 900 Schuss starken Maschinengewehr in der Hand angehen darf. Wird stattdessen auf eine geschichtlich akkurate und zermürbende Erfahrung gesetzt, die komplett auf Kämpfe verzichtet, so vergeht den meisten Leuten schnell der Appetit.

Das Studio Dontnod Entertainment, Entwickler hinter Life is Strange oder dem mäßigen Action-Rollenspiel Vampyr, geht nun auch unter die Publisher. Das erste Spiel ist dabei das emotionale Kriegs-Adventure Gerda: A Flame in Winter (jetzt kaufen 39,95 € ). Wir haben uns die ersten Spielstunden intensiv zu Gemüte geführt und müssen sagen: Das hat echt Potenzial! Zumindest, wenn man mit dem Genre etwas anfangen kann und einer geschichtlichen und düsteren Story, bei der man auch mal traurig oder betrübt entlassen wird, nicht abgeneigt ist.

Wir verraten in unserer Vorschau, was man sich vom Story-Adventure mit leichten RPG-Einflüssen erwarten darf.

Eine Kleinstadt in Dänemark - voller Frost, Leid und Nazis

Das textlastige Abenteuer von Gerda ist zum einen maßgeblich durch wahre Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Militäroffensive gegen Dänemark, die im April 1940 begann, beeinflusst. Zum anderen wurde das Studio PortaPlay durch das Schicksal eines realen Mitglieds des dänischen Widerstands zum bedrückenden Story-Adventure inspiriert. Die 25-jährige Protagonistin Gerda kehrt nach erfolgreichem Abschluss ihrer Krankenschwesterausbildung in ihr Heimatdorf Tinglev zurück und wird am Bahnhof herzlich von ihrem dänischen Ehemann Anders und ihrem deutschen Vater Dieter empfangen. <strong>Preview zu Gerda: A Flame in Winter:</strong> 100 Möglichkeiten, doch moralisch überfordert (2) Quelle: Dontnod Entertainment Preview zu Gerda: A Flame in Winter: 100 Möglichkeiten, doch moralisch überfordert (2)

Wichtig zu erwähnen ist hierbei: Gerda ist halb Dänin, mütterlicherseits, und halb Deutsche. Ihr Lebensgefährte hat, logischerweise und vollkommen zurecht, ziemlich starke politische Meinungen gegenüber den Besatzern seines Heimatdorfes, gleiches gilt umgedreht aber für ihren Papa, der erst kürzlich der NSDAP beigetreten ist und den brutalen Vorstoß der Deutschen eher begrüßt. Da liegt, wie ihr sicher merkt, schon viel Zündstoff für schwierige Gespräche und harte Entscheidungen im Raum. Im beschaulichen Dorf werden darüber hinaus die Lebensmittel immer knapper und die Beziehungen zwischen den zwei Parteien spitzen sich gehörig zu.

Dabei wird gleich zu Beginn unserer Anspiel-Session deutlich, wie wichtig unser Auftreten und Handeln ist. Selbst eine Banalität wie das Tragen unseres Reisekoffers kann nämlich Konsequenzen haben. Die erste Entscheidung, mit der wir konfrontiert werden, ist, welcher der beiden Männer uns von unserer Reiselast befreien darf. Es ist uns ebenso möglich, darauf zu beharren, dass wir keine Hilfe benötigen und selbst dazu in der Lage sind, das kommt bei beiden aber überhaupt nicht gut an ...

"Hach, Gerda ... was sollen die Leute nur denken!"

Um die Komplexität der brenzligen Situation im Dorf gut in ein Videospielsystem zu packen, setzt das dänische Entwicklerstudio auf diverse Beziehungs- und Eigenschaftswerte, die uns entweder Gesprächsverläufe überhaupt erst ermöglichen, oder eben verbieten. Ob es die Bevölkerung der Kleinstadt ist, das deutsche Nazi-Militär oder der in dunklen Gassen und dichten Wäldern versteckte Widerstand der Rebellen, wirklich jeder hat eine Meinung zu uns und reagiert in Windeseile auf unsere Taten. Das ist zwar manchmal etwas unlogisch, beispielsweise in Situationen wie dem "Reisekoffer-Eklat", aber brachte uns auch mehrfach länger zum Grübeln.
<strong>Ein Licht im Dunkeln: </strong>Gerda möchte natürlich ihre Freunde und Familie beschützen, doch wie weit ist sie bereit zu gehen? Quelle: PC Games Ein Licht im Dunkeln: Gerda möchte natürlich ihre Freunde und Familie beschützen, doch wie weit ist sie bereit zu gehen? Neben den Gruppierungen gilt diese Regel auch für einzelne Personen und unsere Beziehungen zu ihnen, so auch bei Anders und Papa Dieter. Entscheiden wir uns am Anfang für einen Helfer, so verschlechtert sich sofort die Beziehung zum anderen - meine Güte. Das Team bei PortaPlay bleibt dabei der minimalistischen Gameplay-Formel weitestgehend treu. Zusätzlich gibt es noch Eigenschaftswerte von Gerda, genauer gesagt drei Stück davon: Compassion (Mitgefühl), Insight (Scharfsinn) und Wit (Verstand).

Sei deine ganz eigene Gerda

Nach jedem Story-Kapitel schreibt Gerda in ihrem Tagebuch über die neuesten Ereignisse - übrigens der einzige vertonte Bereich im Spiel. Zusätzlich muss man sagen, die Synchronsprecherin geht zwar in Ordnung, durch ihre sehr starke und, vor allem, klare Betonung geht aber etwas Immersion verloren. In Gerdas Tagebuch dürfen wir entscheiden, mit welcher Kernaussage die junge Protagonistin ihre niedergeschriebenen Gedanken beendet. Das beeinflusst, wie viele Punkte uns in den drei Eigenschaftskategorien für das nächste Kapitel zur Verfügung stehen. Die lassen sich dann ebenso in den vielen Gesprächen verwenden und führen zu unterschiedlichen Lösungen.

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    • Kommentare (9)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Eberhard Hobby-Spieler/in
        Zitat von dessoul
        ...
        Entweder sind sie extrem ungebildet, oder die wollen Geschichtsverfälschung betreiben oder sonstwas machen....
        Ich weiss halt nicht, warum die Devs so auf Konfrontrationskurs aus sind? Wollen sie so Werbung betreiben?
        Ich denke nicht, dass da jemand auf Konfrontationskurs aus ist. Sonst hätte man sich nicht so viel Mühe gegeben, das Thema relativ ausgewogen zu behandeln.
        "Extrem ungebildet" halte ich ebenfalls für übertrieben. Wenn, dann unwissend, oder nicht ahnend, wie sensibel einige von uns das auffassen.

        Im Wesentlichen sind es wir Ü-Fünfziger, die das stört.
        Bei den Jüngeren kann man froh sein, wenn die sich mit dem Thema überhaupt noch abseits eines Ballerspiels auseinandersetzen.
        Aber ja, insofern habt Ihr recht, im Ballerspiel haben die Deutschen die schwarz-weiß-rote Fahne im Menü und am Panzer.

        Zumindest in den Sprechblasen müsste sich die Flaggenfarbe ja relativ schnell anpassen lassen.
      • Von Eberhard Hobby-Spieler/in
        Zitat von dessoul
        ...
        Entweder sind sie extrem ungebildet, oder die wollen Geschichtsverfälschung betreiben oder sonstwas machen....
        Ich weiss halt nicht, warum die Devs so auf Konfrontrationskurs aus sind? Wollen sie so Werbung betreiben?
        Ich denke nicht, dass da jemand auf Konfrontationskurs aus ist. Sonst hätte man sich nicht so viel Mühe gegeben, das Thema relativ ausgewogen zu behandeln.
        "Extrem ungebildet" halte ich ebenfalls für übertrieben. Wenn, dann unwissend, oder nicht ahnend, wie sensibel einige von uns das auffassen.

        Im Wesentlichen sind es wir Ü-Fünfziger, die das stört.
        Bei den Jüngeren kann man froh sein, wenn die sich mit dem Thema überhaupt noch abseits eines Ballerspiels auseinandersetzen.
        Aber ja, insofern habt Ihr recht, im Ballerspiel haben die Deutschen die schwarz-weiß-rote Fahne im Menü und am Panzer.

        Zumindest in den Sprechblasen müsste sich die Flaggenfarbe ja relativ schnell anpassen lassen.
      • Von Bonkic Mitglied
        Zitat von Eberhard
        Was sie damit bezwecken wollen? Ganz einfach: Aktualitäts-Tauglichkeit!
        Die wenigsten der heutigen, vor allem jüngeren Spieler würden mit den Farben schwarz, weiß, rot etwas anfangen können.
        Und es würde dem Spiel nichts hinzufügen, gerade in dem Punkt super authentisch zu sein.
        Stattdessen würde ein Nebenschauplatz los getreten, und das Spiel in eine Ecke geschoben werden, sofern darüber diskutiert würde. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch.
        Während also die um die Feinheiten wissenden Spieler mit schwarz-rot-gold trotzdem gut leben können, spielt es für alle anderen keine Rolle. In Summe also eine richtige Design-Entscheidung.
        ist jetzt zwar kein drama, aber das seh ich ebenfalls anders.
        wenn dieses setting gewählt wird, dann sollte man imo durchaus auf korrektheit achten, zumindest mal nicht die schwarz-rot-goldene flagge für die nazis wählen.
        für mich dementsprechend eine definitiv falsche design-entscheidung.
      • Von dessoul Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von Eberhard
        Was sie damit bezwecken wollen? Ganz einfach: Aktualitäts-Tauglichkeit!
        Die wenigsten der heutigen, vor allem jüngeren Spieler würden mit den Farben schwarz, weiß, rot etwas anfangen können.
        Und es würde dem Spiel nichts hinzufügen, gerade in dem Punkt super authentisch zu sein.
        Stattdessen würde ein Nebenschauplatz los getreten, und das Spiel in eine Ecke geschoben werden, sofern darüber diskutiert würde. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch.
        Während also die um die Feinheiten wissenden Spieler mit schwarz-rot-gold trotzdem gut leben können, spielt es für alle anderen keine Rolle. In Summe also eine richtige Design-Entscheidung.
        Hmm. In den USA hängen heute noch viele rum, die glauben, dass Hitler den Krieg gewonnen hat. Und jetzt nehme ich eine Flagge, die für eine freiheitliche demokratische Grundhaltung steht und packe die an einen Wehrmachtsoffizier ran. Bin ich zu aufgeklärt, als dass ich da ganz leichte Probleme sehe?
        Ich meine, in meinem Umkreis ist ein Totschlagargument von Menschen aus dem Ausland, die sich wie Arschlöcher verhalten, dass wir doch alle Nazis wären. Da kann man dann nicht mehr argumentieren. Und jetzt kommt so eine Firma, packt eine aktuell deutsche Flagge in ein Historien-Spiel mit problematischem Hintergrund. Was wollen die damit aussagen?
        Mir zeigt das nur, dass die Devs irgend ein Problem haben. Entweder sind sie extrem ungebildet, oder die wollen Geschichtsverfälschung betreiben oder sonstwas machen.

        Und da sollten sie aufpassen. Wir haben in Deutschland geltende Gesetze dazu. §90a StGB führt aus, dass bei einer Verunglimpfung der deutschen Flagge entsprechende Strafen drohen. Das müsste dann ein Richter klären, ob hierbei eine Straftat existiert. Auch unter dem Aspekt der "Künsterfreiheit". Ich weiss halt nicht, warum die Devs so auf Konfrontrationskurs aus sind? Wollen sie so Werbung betreiben?
      • Von Eberhard Hobby-Spieler/in
        Ich habe jetzt die Ankunft und den ersten Tag angespielt, und bin durchaus angetan.
        Und ja, ich mag den Grafikstil sehr.
        Er transportiert die Beschaulichkeit des kleinen Ortes fantastisch, und macht dadurch die sich darin abspielenden Geschehnisse um so unwirklicher. Das hilft einem, spielerisch nachzuvollziehen, wie sich normaler Alltag auf Grund äußerer Einflüsse Stück für Stück zum Albtraum wandelt, bei dem man keine Chance hat, ohne Blessuren raus zu kommen.

        Dieses Spiel geht darum, die Blessuren auf sich zu nehmen, oder auf andere zu verteilen, oder irgendetwas dazwischen, was unter Umständen niemanden befriedigt.

        Die Stimmung ist recht dicht, so dass das Spielen in dem Sinn Spaß macht, in dem auch das Lesen eines guten Buches Spaß macht. Wie viele der reinen Spieler, also "Nichtleser" mitgerissen werden, kann ich noch nicht so richtig beurteilen, aber im Freundeskreis interessieren sich erstaunlich viele dafür. Jüngere, wie ältere.
      • Von Eberhard Hobby-Spieler/in
        Zitat von dessoul
        Ich hoffe mal, die bleiben einigermaßen korrekt. Wenn ich mir z.B. anschaue, wie sie da die schwarz-rot-goldene Flagge für den deutschen Offizier verwenden, dann frage ich mich, was sie damit eigendlich bezwecken wollen.
        Was sie damit bezwecken wollen? Ganz einfach: Aktualitäts-Tauglichkeit!
        Die wenigsten der heutigen, vor allem jüngeren Spieler würden mit den Farben schwarz, weiß, rot etwas anfangen können.
        Und es würde dem Spiel nichts hinzufügen, gerade in dem Punkt super authentisch zu sein.
        Stattdessen würde ein Nebenschauplatz los getreten, und das Spiel in eine Ecke geschoben werden, sofern darüber diskutiert würde. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch.
        Während also die um die Feinheiten wissenden Spieler mit schwarz-rot-gold trotzdem gut leben können, spielt es für alle anderen keine Rolle. In Summe also eine richtige Design-Entscheidung.
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