Gears Tactics im Test: Actiongeladene Taktikfeinkost mit Schwächen bei den Beilagen
Mit Gears Tactics wollen die Entwickler von The Coalition und Splash Damage die unerbittliche Action eines Gears of War mit taktischen Rundenkämpfen kombinieren. Ob ihnen das gelungen ist, welche Aspekte das Spiel sonst noch auszeichnen und wo es noch Verbesserungspotential gibt, haben wir im Test ganz genau unter die Lupe genommen.
Auf der E3 2018 hatten die Entwickler von The Coalition ihren großen Auftritt im Rahmen der Pressekonferenz von Microsoft. Gleich drei neue Spiele im beliebten "Gears of War"-Universum kündigte Studiochef Rod Ferguson auf der Bühne des Microsoft Theatre an. Neben dem heiß erwarteten Gears 5 und dem Mobile-Ableger Gears Pop gehörte dazu auch der Ausflug in das Rundentaktik-Genre mit dem Titel Gears Tactics. Während der neueste Teil der Hauptreihe und das Handyspiel in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres bereits erschienen sind, ließ das vielversprechende PC-Strategiespiel bislang auf sich warten. Das Warten hat für Taktikfans jetzt ein Ende. Das zusammen mit Splash Damage entwickelte Spiel erscheint am 28. April 2020 über Steam und den Windows-10-Store. Wir haben die Testversion bereits durchgespielt und den Grubs dabei ordentlich eingeheizt.
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Mastermind der Horde
Wir schreiben das zweite Jahr nach dem schicksalhaften Emergence Day, bei dem die Locust-Horde aus dem Untergrund hervorgebrochen ist und weite Teile des Planeten Sera unter ihre Kontrolle gebracht hat. Die Handlung spielt also rund zwölf Jahre vor den Ereignissen des ersten Gears of War. Der ehemalige Kriegsheld Lieutenant Colonel Gabriel Diaz, jetzt nur noch Sergeant, harrt in einem Bunker in der Nähe der Stadt Aldair aus und
Quelle: PC Games
Eigentlich hatte Gabe Diaz bereits mit den Machenschaften des COG abgeschlossen und wollte nur noch im Fuhrpark seinen Dienst tun. Aber der Krieg mit den Locust zwingt ihn wieder als Anführer aufzutreten.
wartet mit seiner Einheit auf den Einsatz des berüchtigten Hammer of Dawn. Mit dieser Superwaffe soll nahezu die gesamte Oberfläche des Planeten entzündet und auf diese Weise den Locust der Gar ausgemacht werden.
Diaz und sein Team sollen im Anschluss die restlichen Überlebenden der Horde vernichten. Wie so oft kommt aber alles ganz anders. Kurz vor dem alles vernichtenden Schlag sichert Diaz einige Geheimdokumente, in der von einem intelligenten Locust namens Ukkon die Rede ist, der für die Erschaffung der Horde verantwortlich ist. In der Folge wird es zur Aufgabe von Sergeant Diaz, diesen gefährlichen Locust zu jagen und zur Strecke zu bringen. Auf dem Weg zum Ziel muss er eine schlagkräftige Truppe aus geretteten Soldaten und Freiwilligen aufbauen.
Dadurch, dass es sich hier um ein Prequel handelt, ist die Geschichte sehr gut ohne Vorkenntnisse aus den anderen Spielen zu verstehen. Wer sich aber mit Gears of War auskennt, wird immer wieder Momente erleben, die klar auf zukünftige Entwicklungen hindeuten, die man bereits kennt. Erzählt wird die Handlung in sehr schick inszenierten Zwischensequenzen, die sich hinter Gears 5 nicht zu verstecken brauchen. Hier kommen vor allem die Helden-Charaktere wie der schon erwähnte Gabriel Diaz und Private Sid Redburn zum Tragen.
Quelle: PC Games
Die Skillbäume lassen sehr viel Spielraum für die individuelle Entwicklung einzelner Soldaten. Diesen Vanguard haben wir zum Beispiel zum Paladin gemacht.
Kämpfer mit Klasse
Mit der Handvoll Helden kommen wir im Kampf gegen Ukkon aber nicht aus, daher rekrutieren wir im Verlauf des Spiels weitere Kämpfer, die wir zum Beispiel aus den Fängen der Grubs befreit haben. Dabei handelt es sich ähnlich wie in XCOM 2 um zufallsgenerierte Charaktere, die wir beliebig im Aussehen und Namensgebung anpassen. Allgemein stehen uns diverse Individualisierungsoptionen zur Verfügung. So passen wir Farbgebung von Rüstung und Waffen jedes Kämpfers an oder legen fest, welche optischen Eigenschaften und Muster das Material haben soll. Das gilt auch für die Helden-Charaktere, bei denen lediglich das Gesicht nicht verändert werden kann.
Auch spielerisch gibt es viele Freiheiten, wie wir unsere Kämpfer entwickeln. Durch im Gefecht verdiente Erfahrungspunkte, bauen wir klassenspezifische Skillbäume aus, die sich in vier unterschiedliche Richtungen lenken lassen. So kann der Supporter zum Beispiel als Heiler dienen oder dem Team im Kampfverlauf zusätzliche Aktionspunkte verschaffen. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Klassen. Da je nach Missionstyp nur zwischen einem und vier Kämpfern an den Gefechten teilnehmen, gilt es stets abzuwägen, welche Fähigkeiten für die kommenden Aufgaben gebraucht werden.
Rundenbasierte Action
Aber egal, ob Scout, Scharfschütze oder Vanguard, alle sind Teil des sehr actionreichen Taktiksystems. Zwar handelt es sich um ein rundenbasiertes Taktikspiel, in dem man sich Züge sehr gewissenhaft überlegt, den Entwicklern ist es aber hervorragend gelungen, die typische Gears-
Quelle: PC Games
Wenn die Grubs so dicht beisammen stehen, ist das natürlich eine perfekte Einladung, um die Horde mit ein paar gezielten Granaten auszudünnen.
Action dabei nicht zu kurz kommen zu lassen. Die Locust-Horde wird ihrem Namen gerecht und wirft dem Spieler immer wieder eine Menge an Feinden entgegen. Das Gegneraufkommen ist daher deutlich größer als man es zum Beispiel aus XCOM gewohnt ist.
Entsprechend haben unsere Kämpfer aber auch diverse Fähigkeiten an der Hand, um dieser Übermacht auf teils spektakulärer Weise Herr zu werden. So schicken wir eine Gruppe der kleinen Wretches mit einer gezielten Granate ins Jenseits. Wir kombinieren das Vorrücken unserer Vanguards und Supporter mit deren Fähigkeiten zum Bajonett-Sturm beziehungsweise Kettensägenangriff. Dadurch überbrücken wir nicht nur Distanzen auf dem Schlachtfeld, sondern nehmen dabei auch gleich weitere Feinde aus der Rechnung. Allgemein ist permanente Bewegung deutlich wichtiger als bei anderen Genre-Vertretern, wodurch sich ein sehr dynamischer Gefechtsverlauf entwickelt.
Ist ein Feind in kritischen Zustand, können wir eine Hinrichtung ausführen. Das sieht nicht nur brutal aus, sondern verleiht dem restlichen Squad zudem auch noch einen zusätzlichen Aktionspunkt. Und genau hierbei kommt beim Taktieren der richtige Spaß auf: Wenn es uns gelingt, Fähigkeiten und Aktionen so miteinander zu kombinieren, um uns immer wieder Aktionspunkte zu verschaffen und damit so viel Schaden wie möglich anzurichten. Dabei helfen nicht nur die Hinrichtungen, sondern auch viele der Skills der verschiedenen Klassen können geschickt eingesetzt werden, um das eigene Team quasi in einen Kampfrausch zu spielen. So ist es uns einmal gelungen mit einem Scharfschützen während einer einzigen Runde neun
Quelle: PC Games
Diese Drohne ist bereits kampfunfähig. Wir können daher eine Hinrichtung ausführen, die dem restlichen Squad einen zusätzlichen Aktionspunkt einbringt.
Aktionen aneinander zu Reihen, obwohl jeder Kämpfer üblicherweise nur drei Aktionspunkte zur Verfügung hat. In solchen Momenten fühlt man sich als Spieler richtig gut und es ist eine Freude zu überlegen, wie sich solche Situationen am besten wiederholen lassen.
Die Horde ist dabei aber nicht nur eine Masse aus Kanonenfutter, sondern stellt uns auch immer wieder vor harte Herausforderungen. Nicht nur haben die Locust eine vielfältige Auswahl an Kämpfern mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten, sie wissen diese auch häufig sehr geschickt einzusetzen. Die KI nutz zur Verfügung stehende Deckung hervorragend aus, versucht uns zu flankieren und vor allem uns davon abzuhalten im nächsten Zug unsere gesamte Macht ausspielen zu können. Wenn unsere Kämpfer von drei Seiten durch Feuerschutzkegel abgedeckt werden, ist es häufig nicht so einfach aus dieser verzwickten Lage mit so wenig Schaden wie möglich heraus zu kommen. Wohl dem, der seine Einheiten gut verteilt hat, um nicht mit der ganzen Truppe auf einmal ins Kreuzfeuer zu geraten. Trotz der erhöhten Action kommt also die strategische Planung keinesfalls zu kurz.
Quelle: PC Games
Eine Liste aus vier verschiedenen Nebenaufgaben, von denen wir drei Stück erledigen müssen, bevor die Handlung weiter geht.
Wiederholung und Streckung
Das ist besonders daher wichtig, weil die taktischen Kämpfe die wirklich große Stärke von Gears Tactics (jetzt kaufen ) sind, welche die offensichtlichen Schwächen ein wenig überstrahlt. Hat man sich nämlich an den tollen Kämpfen und der eigenen Fähigkeit tolle Kombinationen von Skills zu kreieren sattgesehen, fällt auf, dass man eigentlich immer wieder das Gleiche macht. Die Missionsvielfalt lässt nämlich zu wünschen übrig. Im Grunde bestehen alle Gefechte aus den gleichen drei bis vier Auftragsarten. Befreie Gefangene, verteidige zwei Punkte auf der Karte oder zerstöre Ziel X. Das trifft vor allem auf die Nebenmissionen zu, aber selbst diverse Hauptmissionen greifen auf diese immer gleichen Missionsparameter zurück.
Quelle: PC Games
Die Karten bieten immer wieder andere Layouts und sorgen somit aus taktischer Sicht für Abwechslung.
Immerhin bieten die Karten immer wieder neue Herausforderungen, da sie in jeder Mission anders aussehen. Uns ist zumindest während des gesamten Tests keine Karte ein zweites Mal untergekommen. Und wir haben sehr viele Gefechte bestritten. Die gesamte Kampagne besteht aus drei Akten, mit insgesamt 22 Story-Missionen. Dazwischen finden jedoch immer wieder sogenannte Sidequests statt. Die sind auf der einen Seite gut, um den eigenen Kämpfern Erfahrungspunkte und Ausrüstung zu beschaffen, auf der anderen Seite, sind sie aber nicht optional, wie man es vielleicht von Nebenmissionen gewohnt ist.
Stattdessen muss man eine bestimmte Anzahl erledigen, um mit der Geschichte fortfahren zu können. Alle zwei bis drei Hauptmissionen streut Gears Tactics daher diese Sidequest-Phasen ein, in denen jeweils je nach Akt eine, zwei oder drei Missionen erledigt werden müssen. Besonders in der zweiten Hälfte des Spiels fühlt sich das wie unnötige Spielzeitstreckung an. So kommt es während einer Zwischensequenz im Verlauf des dritten Aktes zu der Feststellung, dass es Zeit ist, dem Feind endlich ein Ende zu machen. Aber als nächstes schickt man uns erstmal wieder auf drei Nebenmissionen, die zur weiteren Entwicklung der Story absolut nichts beitragen. So kamen wir am Ende auf eine Spielzeit von rund 30 Stunden für die gesamte Kampagne, die ohne die aufgezwungenen Nebenquest vermutlich rund zehn Stunden kürzer gewesen wäre.
Bosse statt Basis
Um auch für die Nebenaufgaben zu motivieren und sie daher nicht nur als Spielzeitstreckung anzusehen, fehlt dem Spiel ein strategischer Überbau, ein sogenanntes Metagame. Zwar führt unsere Kämpfertruppe ihre Missionen von einer mobilen Basis aus, die der Konvoi genannt wird, aber wirklich eine Rolle spielt das nicht. Außerhalb der Missionen können wir dort lediglich neue Kämpfer rekrutieren und in der Baracke unsere Soldaten mit Ausrüstung ausstatten, sie optisch anpassen und
Quelle: PC Games
Im Kampf gegen den Brumak wird uns einiges abverlangt. Der Boss selbst macht Schaden, wir müssen Flächenangriffen (roter Kreis) ausweichen und oben strömen demnächst auch noch weitere Feinde aus einem E-Hole.
Skillpunkte verteilen. Einen großangelegten Basisbau, Forschung und allgemein eine übergeordnete strategische Ebene, wie sie die XCOM-Reihe hat, gibt es hier nicht.
So verbringt man die meiste Zeit vor allem auf dem Schlachtfeld. Was ja nichts Schlechtes ist. Denn wie bereits erwähnt sind die taktischen Kämpfe die wirkliche Stärke von Gears Tactics. Trotz der sich wiederholenden Missionsarten hatten wir doch bis zum Ende der Kampagne verdammt viel Spaß dabei, der Locust-Horde immer wieder in den Arsch zu treten. Vor allem die drei großen Bosskämpfe am Ende jedes Aktes haben es in sich und ließen mein Taktikerherz höher schlagen. Die gewaltigen Gegner haben jeweils mehrere Phasen, stecken verdammt viel ein, belegen das Schlachtfeld mit großflächigem Schaden und treten natürlich nicht alleine auf. Bis so ein Brocken bezwungen ist, fließt der eine oder andere Schweißtropfen über die Zockerstirn.
Obwohl The Coalition und Splash Damage bisher keine Erfahrung mit dem Taktikgenre hatten, ist Gears Tactis ein durchaus gutes Debüt im Genre. Die Verschmelzung von Rundentaktik mit der Gears-typischen Action ist ihnen hervorragend gelungen. Auch technisch läuft das zunächst rein für den PC entwickelte Spiel hervorragend. Zahlreiche Optionen lassen euch Gears Tactics optisch, beim Sound und auch bei der Eingabe umfangreich an eure Vorlieben anpassen. Mit allen Einstellungen auf Ultra lief das Spiel auf unserem Testrechner mit einer GeForce RTX 2080 Ti stets mit mindestens 60 Frames pro Sekunde, häufig aber auch mit mehr. Dank abschaltbarer Framelimitierung sind hier nach oben keine Grenzen gesetzt. Erfreulich ist auch, dass Gears Tactics frei von Abstürzen, Bugs und sonstigen Glitches ist. Einzig eine selbst in der englischen Fassung nicht ganz passende Lippensynchronität während einiger Zwischensequenzen ist uns negativ aufgefallen.

Ich habe einfach die neuesten windows Update gedönse gemacht und danach hat es funktioniert.
Installation über die Xbox (Beta) Software durchgeführt?
Gesendet von meinem SM-G950F mit Tapatalk
XCOM 2 hat bei uns eine 10/10, Gears Tactics eine 8/10, das sagt ja schon einiges.
Du meinst den strategischen Überbau.
Der taktische Part sind ja die Missionen selbst und das ist die wirklich große Stärke des Spiels.
Und ja Ich meine den strategischen Überbau, das wäre halt noch das Sahnehäubchen gewesen. Ansonsten macht es schon Spaß und mal schauen wie es am langen, wettertechnisch perfekten Zockwochenende aussieht :) Da wird das
mal etwas mehr gespielt, hänge aktuell komplett in Guild Wars 2 fest, was mich 2012 nach dem grandiosen Teil 1 nicht fesseln konnte, jetzt macht es das.