Moral zum Mitspielen: Wie GTA 6 und Tropico 7 Satire neu definieren
Wenn Satire nicht mehr reicht, muss der Spieler selbst handeln. Zwischen Folterszene und Edikt entsteht eine neue Form der Satire: weniger Parodie, mehr Erkenntnis.
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In "Streng nach Vorschrift" beauftragt FIB-Agent Steve Haines Michael und Trevor, einen mutmaßlichen Informanten zu verhören, um einen vermeintlichen aserbaidschanischen Spion zu enttarnen. Während Michael mit einem Agenten das Ziel in Los Santos sucht, wird Trevor gezwungen, den Gefangenen mit brutaler Folter zu "befragen". Stück für Stück liefert das Opfer vage Hinweise, bis Michael die vermeintlich gesuchte Person bei einer Gartenparty erschießt.
Der Spieler bleibt mit einem miesen Gefühl zurück - wissend, dass er gerade blind einem Befehl gefolgt ist, der auf zweifelhaften Informationen beruhte. Eine bittere, beißende Satire auf die amerikanische Folterpraxis nach 9/11. Doch würde diese Wirkung bestehen bleiben, wenn der Spieler eine Wahl hätte? Wahrscheinlich nur, wenn die Missionen deutlich komplexer aufgebaut wären - ein hoher Aufwand, aber kein unmöglicher. The Witcher 3 hat mehrfach gezeigt, dass Moral im Spiel nicht einfach schwarz oder weiß ist und dass selbst wohlmeinende Entscheidungen unvorhersehbare, oft bittere Konsequenzen haben können.
Die Idee einer interaktiven Moral ist auch für Daniel Dumont - Creative Director und Studioleiter bei Gaming Minds Studios - zentral, wenn es um Satire in Videospielen geht. Er beschreibt sie als entscheidenden Schlüssel, um politische Kritik spielerisch erfahrbar zu machen:
Quelle: Kalypso Media
Daniel Dumont ist Creative Director und Studioleiter bei Gaming Minds Studios (Tropico 7)
Die Kraft der kleinen Satire
Die Realität selbst ist längst grotesk genug - weshalb sich Spiele künftig stärker auf die Parodie des Alltäglichen konzentrieren könnten: auf Bürokratie im Bekanntenkreis, digitale Abhängigkeiten, Nachbarschaftsdramen oder jene kleinen, ganz normalen Formen von Korruption, die jeder schon erlebt hat. Solche Themen wären den Spielern näher und könnten Humor aus den Details ziehen, die man wiedererkennt - nicht aus den Extremen, die man nur aus der Ferne beobachtet.
Diesen Weg scheint GTA 6 tatsächlich einzuschlagen. Natürlich bleibt auch die große Satire Teil des Spiels - das zeigen schon die Wahlplakate und Diversity-Banner auf den bisherigen Screenshots. Doch in Trailern und Figurenzeichnungen deutet sich etwas anderes an: eine kleinere, intimere Geschichte.
Quelle: Rockstar Games
Im fiktiven Landstrich Ambrosia sieht man auch in GTA 6, dass Satire auf globaler Ebene, weiterhin Thema bleibt.
Im Zentrum steht die Dynamik zwischen Jason und Lucia, deren Beziehung und Alltag spürbar mehr Raum einnehmen als das große Gesellschaftspanorama. Die Figuren um sie herum wirken - auch durch die veränderte Weltlage - bodenständiger, weniger wie Karikaturen aus dem Satire-Baukasten. So wären sie vor ein paar Jahren aber vielleicht noch rübergekommen. Ein Charakter wie Cal Hampton, der als paranoider Verschwörungstheoretiker in seinem Zimmer hockt, scheint auf den ersten Blick überzeichnet - ist es aber in der heutigen Realität längst nicht mehr. Gerade dadurch entsteht eine neue Form von Satire: eine, die das Absurde nicht erfindet, sondern nur leicht überzeichnet, um zu zeigen, wie nah sie uns tatsächlich ist.
GTA 6 wird von Rockstar Games entwickelt und erscheint am 26. Mai 2025 auf der PlayStation 5 und Xbox Series. Eine PC-Version wurde bisher noch nicht angekündigt. Tropico 7 wird von den Gaming Minds Studios in Gütersloh entwickelt und soll 2026 auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series erscheinen.

florida als schauplatz - maralago wäre da ja eigentlich ein absolutes MUSS bspw.
ob man sich das derzeit traut?
Reiche, Arme, Liberale, Konservative, Influencer, Patrioten – keiner kommt davon. Lifeinvader verarscht Big Tech, Ammu-Nation die Waffenlobby, Epsilon-Spinner die Esos, Weazel News die Medien. Und das schließt auch die Protagonisten mit ein. Rockstar war nie „woke“ oder „reaktionär“, sondern hat prinzipiell in alle Richtungen geschossen.
Und klar, echte Satire reagiert auf den aktuellen Wahnsinn und reibt sich gerne an den aktuellen Machthabern. Aber Spiele brauchen heute vier, fünf Jahre in der Entwicklung – bei GTA 6 waren’s wahrscheinlich nochmal mehr! Die Story steht also fest, lange bevor der nächste Shitstorm überhaupt Thema wird, oder eine neue Regierung an der Macht ist. Deshalb müssen Studios neue Wege finden, um bissig zu bleiben.
Klar ist es noch nicht so drunter wie in ner Karibikdespotie oder sowas, da kann man froh sein, aber mit dem Personal in "Verantwortung" und den Wählern dazu ... das dauert nicht mehr so lange Freunde. :D :D :D Wer das was kommt erlebt, wird Weimar oder die revolutionären Phasen (Frankreich, Rußland, China etc.) als Hort der politischen Stabilität schätzen lernen.
Für GTA6 erhoffe ich mir jetzt nicht so viel. In nem klassischen GTA, wie es die Serie groß gemacht hat, würden da heute Sachen vorkommen, da wären die AktivistInnen kurz vor der rituellen Selbstentzündung. Mit dem damaligen kruden anarcho-chaotischen Charme bist halt heute Terrorist.
Da würdest in einer Mission auf einer Vegitariermesse Hamburger verkaufen und müßtest dir nen Weg aus dem Gelände freischießen, weil der Mob dich lynchen will. In ner anderen Mission pöbelst dann nackt (John Mc Clane Style) mit provokantem Schild auf so nem Gutmenschenauflauf rum während du dich dann halt mit dem Basi aus der Masse rausknüppelst, da der Mob amokläuft. (Keine Ahnung, sowas halt.)
Wie gesagt, Satire geht heute nicht mehr. Weil Witze nur auf Kosten bestimmter Dinge gemacht werden dürfen, während man bei anderen sich einnäßt vor freiwillig aufkommendem Scham (das funktioniert über Konditionierung und Gruppenzwang). Dabei funktioniert Satire nur gut, wenn man das aufs Korn nimmt, was von den aktuellen Machthabern gewollt ist/beworben wird. Der Rest ist Propaganda.