Quelle: Warner
Die Japaner standen auf Iwo Jima einer amerikanischen Übermacht gegenüber.
Der Vulkanstrand der Pazifikinsel Iwo Jima ist grauschwarz gefärbt, als die Kamera darüber schwenkt. Ein getragener Pianosoundtrack läutet ein düsteres Kapitel des Zweiten Weltkriegs ein. Der Flecken im Ozean dient den Japanern 1945 als eines der letzten Bollwerke gegen die heranrollende amerikanische Armada, um die Heimatinsel Nippon zu verteidigen. Obwohl zahlenmäßig weit unterlegen und bar jeder Unterstützung durch die zuvor von den GIs vernichtete kaiserliche Kriegsflotte, sind die japanischen Soldaten bis unter die Haarspitzen motiviert. Um das Überleben der eigenen Familien zu verlängern, opfern sich die Männer nur allzu bereitwillig. Als General Kuribayashi das Kommando auf dem Eiland übernimmt, weiß er, dass ihn und seine Männer der sichere Tod erwartet. Dennoch bereitet er sich und die seinen auf die Schlacht vor und führt neue Techniken ein. Statt die Amis am Strand zu erwarten, lässt er ein Höhlensystem in das Lavagestein hauen. Und er verlangt von seinen Kämpfern, sie dürften erst sterben, wenn sie mindestens zehn Feinde erschossen hätten. Der Bäcker Saigo ist hin und her gerissen zwischen der Angst um sein Leben und der Panik, was seiner Frau und seiner neugeborenen Tochter passieren könnte, wenn keiner die US-Boys stoppt. Die ungewöhnlichen Methoden Kuribayashis finden bei seinen Untergeben keineswegs nur Zustimmung. Im Gegenteil versuchen einzelne Offiziere das Schicksal auf ihre eigene Weise zu meistern. Sie alle sind dennoch zum Untergang verdammt. Bei der Schlacht sterben über 7.000 US-Soldaten und weit über 20.000 japanische Kämpfer, von mehr als 12.000 konnten nicht einmal die Leichen geborgen werden.
Clint Eastwood stieß im Zuge seiner Recherchen zu Flags of our Fathers auf das Schicksal der kaiserlichen Anhänger. In Hunderten gefundenen Briefen bekommen die namenlosen Toten Gesichter, werden ungeheuerliche Schicksale aufgedeckt. Während es bei seinem ersten Film um die Macht der Medien in Form von (US-)Kriegspropaganda geht, erzählt Letters from Iwo Jima über das erschütternde Ende der Schlacht. Eastwood konzentriert sich auf ein paar wenige Charaktere und taucht in deren Geschichten ein, die er anhand von Briefen und Rückblenden kurz skizziert. Wie schon beim Vorgänger sind die Farben weitgehend ausgebleicht und nur als graue Kontraste wahrnehmbar. Die japanischen Dialoge wurden mit Untertiteln versehen, ansonsten aber im Original belassen. Wie der 76-jährige Regisseur die Schlachten und das Drumherum in Szene setzt, ist schon meisterlich. Störend ist an Eastwoods anderer Sichtweise lediglich der Blick durch die Hollywood-Brille. Letztlich sterben die Japaner den Heldentod so heroisch, wie man es hier im Westen nur allzu gerne sieht - per Harakiri. Die Charakterisierung der Figuren funktioniert vorbildlich nach Hollywoods Dramaformel für Weltkriegsszenarien wie etwa bei Der Soldat James Ryan: Ein charismatischer und großmütiger Anführer, rebellierende Untergebene und Feiglinge finden sich bei der Truppe. Lediglich der kleine Bäcker Saigo ist hier gegen den Strich besetzt und damit der bessere Amerikaner. Er darf auch überleben.
