Fire im Test: Daedalics Steinzeitblödelei
Mit Fire knöpft sich Daedalic die Steinzeit vor: Auf der Suche nach Feuer knobeln wir uns als dusseliger Urmensch durch ein prähistorisches Abenteuer. Dass weniger dabei nicht immer mehr sein muss, zeigt Fire in unserem Test.
Ungh! Zwar kein schöner Laut, dafür aber ein passender Name. Zumindest für einen so sympathisch-dämlichen Neandertaler, wie wir ihn in Fire spielen. Die urzeitliche Hohlbirne verfügt nämlich über einen Wortschatz, der wenig mehr als ein paar Grunzlaute umfasst. Folglich verzichtet Fire auf Adventure-typische Dialoge, sondern erzählt seine hauchdünne Story nur mit einfachen Gesten, Sprechblasen und buntem Comedy-Klamauk. Unser heldenhafter Ungh mag zwar ein Hirn wie ein Erbse haben, was ihn aber nicht davon abhält, sich einer wichtigen Aufgabe zu widmen: Inmitten der tiefsten Steinzeit muss er sich durch ein turbulentes, kleines Abenteuer knobeln, um seinem Dorf dringend benötigtes Feuer zu besorgen.
Eine feine Grundidee, die Daedalic (The Whispered World, Deponia) da hatte – aus dem unverbrauchten Urzeit-Setting basteln die Hamburger Adventure-Experten allerdings nur ein ungewöhnliches kleines Abenteuerspiel, dem man sein 10-Euro-Preisschild leider häufig anmerkt.
Steinzeit-Chaos à la Daedalic
Quelle: PC Games
Ungh hat kein Inventar. Wenn er ein Item benutzen soll, muss er es zunächst aufheben und herumtragen.
Fire ist in zehn Levels unterteilt, die meisten davon dürften geübte Adventure-Spieler gerade mal 20 bis 30 Minuten beschäftigen. Jeder Level besteht nur aus ein paar Bildschirmen, in denen Ungh stets das Ziel hat, eine Art magisches Insekt einzusammeln und so ein Portal zu öffnen, das ihn in den nächsten Level bringt. Immerhin: Wo es dem Spiel an Umfang mangelt, überrascht es dafür mit verrückten Ideen: Ungh muss das Innere von Dinos erforschen, sich in Tiergestalten verwandeln, Regen beschwören, Weibchen retten, Affen verarschen, durch die Zeit reisen, ein Riesenhandy in Betrieb nehmen und sogar zum Mond düsen – alles natürlich vollgepackt mit Anspielungen und Seitenhieben auf Filme, Spiele & Co.
Verrückter Rätselmix
Quelle: PC Games
Durch seinen niedrigen Schwierigkeitsgrad eignet sich Fire auch für Anfänger.
Passend zum farbenfrohen Comic-Grafikstil gibt sich auch das Rätseldesign äußerst bunt gemischt. Faustregel: Da Ungh sich nur über Sprechblasen und Gesten verständigen kann, müssen wir die Aufgaben grundsätzlich selbst austüfteln. Es ist außerdem nicht nötig, Ungh direkt zu einem Hotspot zu steuern, vielmehr können wir einfach wild in jedem Screen herumklicken, um so direkt mit der Umgebung zu interagieren. Ein Klick auf die Sonne schaltet beispielsweise kurzerhand von Tag auf Nacht um. Auf die gleiche Weise können wir Früchte von Bäumen schütteln, Eisberge im Bildschirmhintergrund versetzen oder per Mauszeiger eine Schmutzschicht von einer Felswand kratzen. Das erinnert mehr an Mobile-Spiele für Smartphones und Tablets als an klassische Adventures.
Point & Click mal anders
Ungh selbst kommt aber natürlich auch zum Einsatz. Ähnlich wie in Double Fines The Cave gibt es in Fire kein Inventar, was bedeutet, dass Ungh immer nur ein Item gleichzeitig mit sich herumtragen und an anderer Stelle verwenden darf. Das kann nerven, wenn man zum Beispiel gerade eines der umständlicheren Rätsel lösen will und eigentlich noch gar nicht so genau weiß, was überhaupt zu tun ist. Andere Puzzles sind aber auch ganz ordentlich geraten, etwa wenn wir mit Ungh (noch weiter) in die Vergangenheit zurückreisen, dort zwei einzellige Lebewesen zu einem Zweizeller vermatschen, damit sich in Unghs Gegenwart daraus ein völlig neues Tier bilden kann. Hinzu kommen jede Menge Minispiele, die von soliden Logikaufgaben bis hin zu öden Space-Invaders-Einlagen reichen und sich grundsätzlich nicht überspringen lassen.
Fazit
Quelle: PC Games
Mittels Zeitmaschine reist Ungh noch weiter in der Vergangenheit zurück.
Genre-Einsteiger werden sicher Gefallen an Fire finden, für geübte Adventure-Spieler dürfte das Steinzeit-Abenteuer aber kaum mehr als einen launigen Pausensnack darstellen. Der wilde Rätselmix ist von schwankender Qualität, die Levelunterteilung wirkt unnötig und die Geschichte (Neandertaler holt Feuer) ist so hauchdünn, dass man sie bis zum kurzen Finale kaum wahrnimmt. Immerhin ist der knallbunte Comic-Grafikstil aber recht hübsch geraten, der Hauptcharakter wirkt grundsympathisch und die fröhliche Musikuntermalung sorgt für ausgelassene Stimmung. Schade, dass Daedalic aus diesen Grundlagen und dem frischen Steinzeit-Setting nicht gleich ein größeres Abenteuer à la Deponia gestrickt hat – selbst ohne richtigen Wortschatz hätte Urtrottel Ungh sicher noch viel zu erzählen gehabt.
