Europa Universalis 5 im Test: Das Umfangsmonster für Strategen und Hobby-Historiker
Wer Grand Strategy mag, kommt um Europa Universalis kaum herum. Und mit Teil 5 will Paradox nun alle Regler auf 11 drehen, gleichzeitig aber auch Neulingen den Einstieg erleichtern. Doch gelingt das? Wir haben uns für euch reingefuchst.
Europa Universalis 5. Ein Name, bei dem nicht nur Geschichtsnerds, sondern vor allem Globalstrategen direkt mit den Ohren schlackern dürften. Denn der neueste Titel der Grand-Strategy-Schmiede Paradox zählt wohl zu den ambitioniertesten Genre-Beiträgen überhaupt. Wer sich bereits ein wenig zum Spiel informiert hat, kennt womöglich die kaum vorstellbaren Dimensionen: Ungefähr 30.000 Orte, die von über 2.000 spielbaren Nationen mit teils einzigartigen Mechaniken, 2.000 Kulturen und 300 Religionen bevölkert werden. Und das sind nur einige der Eckdaten. Doch wie spielt es sich, was hat sich seitens Gameplay zum Vorgänger getan und wie gut kommt man als Europa-Universalis-Neuling in dieses Monster von einem Spiel rein?
In diesem Artikel
Ja, richtig gelesen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht schon hunderte Stunden in verschiedenste Paradox-Games versenkt habe, wie es etwa bei Kollege Vik der Fall ist. Was er zur Preview-Version von Europa Universalis 5 (jetzt kaufen 56,99 € ) sagt, könnt ihr übrigens in seiner Vorschau zum Thema nachlesen. Dennoch liebe ich es, mich in komplexe Mechaniken reinzufuchsen, und bin etwa Age of Wonders 4 nach kürzester Zeit komplett verfallen. In EU 5 habe ich dagegen nun etwas über 35 Stunden investiert und bin damit gefühlt gerade erst aus dem Hauptmenü raus. Wen übrigens interessiert, wie hardwarehungrig das Spiel ist, findet hier den PCGH-Techniktest.
Welcher Weg soll es werden?
Trotzdem habe ich mir inzwischen drei sehr verschiedene Nationen angeschaut, darunter Norwegen, das mir zu Beginn einer neuen Runde als eine der einsteigerfreundlicheren Optionen vorgeschlagen wird. Ob man diesem Vorschlag nachkommt, bleibt selbstverständlich jedem selbst überlassen. Da diese Länder jedoch über eigene Missionsbäume verfügen, eignen sie sich deutlich mehr für den Anfang als etwa der Kirchenstaat.
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Norwegen ist von seiner Struktur her diplomatisch ausgerichtet, während sich Holland etwa auf die Wirtschaft und das Osmanische Reich auf das Militär konzentriert. Natürlich ist aber auch das nicht in Stein gemeißelt. Doch da ich persönlich politisches Geschick bloßer Gewalt vorziehe, bin ich gerne dabei geblieben. Begrüßt wird man im Spiel daraufhin mit einem ausgiebigen Tutorial, das den gewählten Weg behandelt und einem einige Kernelemente erklärt.
Automatisierung: Das wohl größte neue Feature
Und eine besonders hervorstechende davon ist die neue Automatisierungsmöglichkeit. Mithilfe eines kleinen, zahnradförmigen Buttons lassen sich einzelne Aufgaben oder gleich ganze Spielaspekte komplett an die KI abgeben. So konnte ich mich zunächst in Ruhe um meine politischen Beziehungen kümmern, während Wirtschaft und Militär sich selbst regelten. In der Theorie erleichtert das Neulingen den Einstieg und hilft gleichzeitig Veteranen dabei, sich auf ihren gewünschten Spielstil zu konzentrieren.
Das führt auf der anderen Seite aber auch zu einigen mehr oder weniger schwerwiegenden Problemen. Wie man etwa bereits erahnen kann, verfolgt die KI nicht zwangsläufig dieselbe Strategie wie ich. Im schlimmsten Fall investiert sie Ressourcen anderweitig und vergeudet sie damit, oder sie hebt, wie in meinem Fall, grundlos Truppen aus und lässt die dann auf Staatskosten nutzlos herumstehen. Als dagegen mein Adelsstand den Bürgerkrieg gegen mich ausrief oder zu einem anderen Zeitpunkt mein Bündnispartner angegriffen wurde, rührten die "autonomen" Truppen keinen Finger.
Der Handel lebt
Betrachtet man wiederum den Wirtschaftsaspekt, kann die Automatisierung einem so einiges an Micromanagement ersparen. Jedes Land ist in Provinzen aufgeteilt, die ihrerseits aus Orten bestehen. In jedem dieser Orte werden zum einen Rohstoffe gefördert. Zum anderen kann ich dort Dörfer oder Städte gründen und diese äußerst kleinteilig ausbauen. Besagte Rohstoffe verarbeiten die Bewohner dann zu anderen Erzeugnissen weiter, die als Grundlage für Zufriedenheit, Gebäudebau, Militär und viele andere Mechaniken dienen.
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Darunter natürlich der Handel, der über weit dynamischere Märkte als bislang funktioniert. Gründe ich einen Markt in meinem Reich, können diesem nun auch Ortschaften zugewiesen werden, die außerhalb meiner Grenzen liegen, sofern etwa die nötige Infrastruktur existiert. Gleichzeitig habe ich damit auch die Macht darüber, wer in meinem Markt handeln darf, was später eventuell ein wichtiges politisches Werkzeug sein kann. Doch je mehr meine Nation wächst, indem beispielsweise Klientelländer oder besondere Vereinbarungen mit Bündnispartnern hinzukommen, desto unübersichtlicher wird das Ganze erwartungsgemäß. Umso froher war ich da, diese Mammutaufgabe einfach an die KI abzutreten. Das erleichtert den Einstieg tatsächlich erheblich und bildet gleichzeitig eine ausgezeichnete Stütze für wiederholte Durchläufe.
Von allein spielt sich das Spiel dadurch allerdings nicht - zumindest nicht so, wie man es sich vielleicht erhofft. Denn während ich anfangs froh war, mich nicht mit Ein- und Ausfuhren, Embargos, Handelsrechten und dem gesamten Gebäudebau herumschlagen zu müssen, brauchte ich für eine Mission bald Bücher. Missionen dienen als Anhaltspunkte, wie man sein eigenes Reich zum Erfolg führen kann, und geben einem bestimmte Aufgaben. Die werden von der KI jedoch nicht berücksichtigt und einzelne Güter quasi per Executive Order priorisieren kann ich auch nicht - vermutlich aufgrund der stark verzahnten Mechaniken. Glücklicherweise kann ich jederzeit selbstständig neue Bauten in Auftrag geben oder einzelne Märkte von der Automatisierung ausschließen.
Import war in diesem Fall aber keine Option. Ein Blick in die Marktübersicht ergab nämlich, dass ich nicht allein mit diesem Problem dastand. Also stampfte ich kurzerhand einige Skriptorien aus dem Boden, nur um dann festzustellen, dass Papier ebenfalls fehlte. Dass das Feature nicht so funktionierte, wie es diese konkrete Situation erfordert hätte, zwang mich demnach, mich doch mit dem Wirtschaftszweig auseinanderzusetzen. Als nach einiger Zeit des Probierens endlich die Produktionsketten standen, war das dafür aber ein nettes kleines Erfolgserlebnis. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, welche innen- und außenpolitischen Möglichkeiten man hat und welche mitunter neuen Werte es in EU 5 auszubalancieren gilt.

Habe es mit dem Vorgänger versucht. Und auch mit Crusader Kings. Aber bisher hat nur Stellaris bei mir richtig geklickt ( = 273 Stunden Spielzeit auf Steam) - auch weil es offensichtlich weniger komplex ist.
Ich habe nicht wirklich Lust mich stundenlang erst einarbeiten oder einlesen zu müssen, bis ich mal richtig losspielen kann. Wenig hilfreich ist auch, dass man meint ständig das Spiel umkrempeln zu müssen... Kaum hat man mal was verstanden, wird es wieder abgeändert.
Gibt es solche Spiele vielleicht auch mal in einfach, und weniger verschachtelt? ^^
Habe es mit dem Vorgänger versucht. Und auch mit Crusader Kings. Aber bisher hat nur Stellaris bei mir richtig geklickt ( = 273 Stunden Spielzeit auf Steam) - auch weil es offensichtlich weniger komplex ist.
Europa Universalis trage ich immer noch nach, dass ich mir im Vorgänger was in Amerika mit den Inkas aufbauen wollte und dann bemerkt hatte, dass der dazugehörige DLC eigentlich nur die spanischen Invasoren anspricht. Auch dieses mal ist daher ein Kauf zum Release quasi ausgeschlossen und so muss man fast jeden anraten, der nicht sicher weiß ob das Spiel was für ihn ist, noch locker 1-2 Jahre zu warten, bis genug DLCs verfügbar sind, mit denen man dann wirklich das Beste aus den jeweiligen Nationen raus holen kann.
EU5 würde ich mir in ein paar Jahren sicher mal anschauen.
Habe es mit dem Vorgänger versucht. Und auch mit Crusader Kings. Aber bisher hat nur Stellaris bei mir richtig geklickt ( = 273 Stunden Spielzeit auf Steam) - auch weil es offensichtlich weniger komplex ist.
Ich habe EU3 noch als so ne Box gekauft, das gabs mal günstig im Kaufhaus. Ihr wißt schon, damals gabs sowas noch... :D
Nie richtig verstanden, fand das System aber schon geil, der Soundtrack ist auch hammergeil, den hör ich heut noch nebenher.
Mit EU4 und HoI4 dann eingestiegen und durch so Youtubespieleranfängervideos reingekommen. Schau Dir mal Lets Play von "Tante Günna" an. Mensch, auch schon wieder 10 Jahre her. :D
Habe es mit dem Vorgänger versucht. Und auch mit Crusader Kings. Aber bisher hat nur Stellaris bei mir richtig geklickt ( = 273 Stunden Spielzeit auf Steam) - auch weil es offensichtlich weniger komplex ist.