Ein gutes Herz (Kinokritik / Review)
Dagur Káris (Nói albínói) drittes Werk um eine ungewöhnliche Männerfreundschaft vergibt einige Chancen und hätte mehr Tiefenschärfe vertragen können.
Der gealterte Barbesitzer Jacques ist ein Misanthrop erster Güte, der die Gäste seiner so wie er selbst nicht mehr ganz taufrischen Kneipe wie lästiges Ungeziefer behandelt. Seine Aggressionen und sein schwaches Herz haben ihn schon zu mehr als einen Krankenhausaufenthalt gezwungen. Bei einem solchen lernt er den jungen Obdachlosen Lucas kennen, das genaue Gegenteil von Jacques. Lucas ist ein gutmütiger Tropf, der niemals die Stimme erhebt und seine seltenen Mahlzeiten auf der Straße auch noch mit streunenden Katzen teilt. Da beschließt der alte Wirt in einem Anfall von Menschenliebe, den Naivling unter seine Fittiche zu nehmen.
Ganz auf seine beiden kontroversen Figuren zugeschnitten, erzählt Ein gutes Herz die Geschichte einer besonderen Männerfreundschaft, die einiges Konfliktpotenzial birgt. Dabei ruht sich die durchaus feinfühlige Milieu- und Charakterstudie nur ein wenig zu sehr auf dem Zusammenspiel der beiden Männer aus, alle anderen Figuren bleiben überaus schemenhaft. Etwas mehr Umfeld und etwas mehr Biss hätten dem so nur sanft dahinplätschernden Drama gutgetan.
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(Chris Knight)
