Die E3 hat ein Ablaufdatum: Kolumne zur schwindenden Relevanz der Spielemesse

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Kolumne Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Die E3 hat ein Ablaufdatum: Kolumne zur schwindenden Relevanz der Spielemesse
Quelle: E3 Expo

Microsoft zieht schon seit einigen Jahren ein eigenes Ding durch, Electronic Arts ebenso. Viele Hersteller wandten sich in den vergangenen Jahren ab oder reduzierten ihre Präsenz auf ein Mindestmaß. Und in diesem Jahr sagte mit Sony einer der, wenn nicht gar der größte Player auf der E3 adieu. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Ist die E3 ein Auslaufmodell und braucht es sie denn überhaupt noch? Redakteur Lukas Schmid geht dieser Frage in seiner Kolumne auf den Grund.

2019 war mein viertes konsekutives Jahr, in dem ich der E3 in Los Angeles beiwohnte. Und ich erinnere mich noch gut daran, wie es schon 2016 hieß: "Mit der E3 geht es zu Ende."

Nintendo kocht mit den Nintendo-Direct-Videos ein eigenes Süppchen. Quelle: Nintendo Nintendo kocht mit den Nintendo-Direct-Videos ein eigenes Süppchen. Warum? Nun, weil immer mehr Hersteller sich schon damals von der Messe wegbewegten. Im Laufe der letzten paar Jahre zog sich EA auf sein eigenes Event EA Play zurück, Microsoft kocht ebenfalls in einer angrenzenden, aber separaten Location ein eigenes Süppchen und viele Hersteller haben ganz eindeutig kein großes Interesse mehr an der E3. Activision etwa zieht es schon seit Jahren vor, dem Showfloor fern zu bleiben und stattdessen in kleinen, nüchternen Meetinghallen die eigenen Spiele zu zeigen. Weitere Hersteller wie Ubisoft, Bethesda und ebenfalls Activision nutzen zwar die Messe im ursprünglichen Sinne, zeigen aber alle ihre spielbaren Ankündigungen schon vorher im Rahmen spezieller Events. Manchmal direkt in Los Angeles, oft genug aber auch Wochen vorher an gänzlich anderen Orten der Welt. Und Nintendo ist durch das etablierte und erfolgreiche Direct-Format auch nur peripher auf die Messe-Aufmerksamkeit angewiesen.

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Sony has left the building

All das sind Entwicklungen, die wie gesagt schon seit ein paar Jahren zu beobachten sind. Und in diesem Jahr dann der große Knall: Sony lässt die E3 sausen! Mag man bei reinen Spieleherstellern und kleineren Studios das Fernbleiben noch mit einem Achselzucken hinnehmen, stellt diese Entscheidung des Playstation-Konzerns definitiv eine Zäsur dar. E3 ohne Sony, das ist wie Kirmes ohne Achterbahn und Zuckerwatte! Dachte manch einer noch, Sony würde nun halt ein Neben-Event wie Microsoft oder EA fahren, wurde man eines Besseren belehrt: Der Playstation-Konzern ließ die Messe in Los Angeles wirklich einfach ausfallen. Was ist der Ersatz für die E3-Aufmerksamkeit? Die State-of-Play-Videoreihe à la Nintendo Direct wohl eher nicht, denn die wird eher halbherzig betrieben. Eigene Events, gerade mit Blick auf die PS5? Da diese wohl wie die Xbox Scarlett im Winter 2020 erscheinen wird, wäre das noch eine ganze Weile hin.

Liegt es nicht doch einfach daran, dass der größte E3-Player jetzt beschlossen hat, dass die Messe den Aufwand und die enormen Kosten einfach nicht wert ist?

Knocking on PS5's door

Mittels der eigenen Kanäle kommen Hersteller direkt an ihre Kunden heran. Quelle: Sony/Screenshot: PC Games Mittels der eigenen Kanäle kommen Hersteller direkt an ihre Kunden heran. Klar, der Faktor "wir stehen kurz vor der nächsten Konsolengeneration" ist nicht zu missachten. Kann gut sein, dass Sony einfach befand, dass man zu wenige Spiele für die aktuelle Hardware habe, um eine ansprechende Show abzuliefern. Aber die anderen genannten Entwicklungen der letzten Jahre sprechen ja eine eindeutige Sprache. So war es denn auch ein etwas seltsames Gefühl, durch die West Hall der Messe zu wandern, wo Sony und Nintendo früher die Massen anzogen und auch viele andere Hersteller um Aufmerksamkeit rangen. Jetzt war der Mario-Konzern dort alleiniger Platzhirsch, umringt von allerlei kleinen Ständen und jeder Menge Leerraum. In der deutlich weitläufigeren South Hall sah es im größeren Maßstab ähnlich aus: Eine Handvoll großer Hersteller, kleine Aussteller und genug Platz, um noch einmal so viele Stände unterzubringen.

Und was sie zeigten, war zum einem Gutteil bekannt, denn Überraschungen waren eher rar gesät, nicht zuletzt freilich auch wegen der zahlreichen Leaks im Vorfeld der Messe; ein Fakt, den Kollege David Benke in seiner Kolumne zu den vorzeitigen E3-Spoilern abarbeitet.

Alles schon mal da gewesen?

Jetzt können die Älteren unter unseren Lesern und Zusehern einwenden: Ja gut, die Messe ist teuer und ihr Nutzen für den Erfolg eines Produkts schwer in Zahlen zu gießen. Aber eine ähnliche Situation hatten wir schon in den Jahren 2007 und 2008, als die E3 wegen des negativen Aussteller-Feedbacks extrem zusammengeschrumpft respektive in ihrer ursprünglichen Form sogar kurzzeitig aufgelöst wurde; nur, um 2009 größer als jemals zuvor zurückzukehren.

Das ist wahr. Allerdings ist seit damals viel geschehen. Das Internet in seiner Omnipräsenz existierte damals noch nicht, Livestreams zu allen Shows, Twitter, Facebook, kurz, der direkte Draht zum Endkunden war noch in den Internet-Kinderschuhen. Warum setzen Nintendo, jetzt eben auch Sony und viele andere Hersteller auf eigene Formate, ausgestrahlt auf Youtube, Twitch oder wo auch immer? Weil dort die Kunden sind, weil dort das Geld ist. Wir, die Spielejournalisten, sind aus Sicht der Spielefirmen ja nicht als Qualitätsguide relevant, sondern weil wir die Bekanntheit der Produkte, also der Spiele, fördern sollen. Das ist nicht schön für mich und meinesgleichen, aber nun einmal Fakt und eine Gratwanderung, die meine Branche jeden Tag aufs Neue absolvieren muss; informativ berichten und einordnen, ohne zum Werbeträger zu verkommen.

Geld regiert die Spielewelt

Und dieser Werbeeffekt ist eben bei weitem nicht mehr so relevant wie früher, denn jetzt können die Spielehersteller ihre Nachrichten ungefiltert ans Volk bringen. Auch das keine schöne Wahrheit für die Relevanz des Spielejournalismus, aber eben auch nicht für die E3. Denn warum soll man Kosten investieren, warum sich die Aufmerksamkeit mit zig anderen Herstellern teilen, wenn man seine Botschaften ganz gezielt und zu einem Zeitpunkt veröffentlichen kann, der einem lieb ist?

Aufgabe des Spielejournalismus ist es nicht, Werbebotschaften nachzuplappern, sondern Inhalte einzuordnen und zu bewerten. Quelle: PC Games Aufgabe des Spielejournalismus ist es nicht, Werbebotschaften nachzuplappern, sondern Inhalte einzuordnen und zu bewerten. Ich bin der Überzeugung, dass der Spielejournalismus weiterhin von großer Wichtigkeit ist und bleiben wird, da er eben hinter die Werbesujets guckt und denen Aufklärung liefert, die dafür empfänglich sind. Und ich glaube nicht, dass die E3 sich ihrem absoluten Ende zuneigt. Dafür ist ihr Name doch noch zu groß und der Wert des Faktes, dass Millionen Spieler aus aller Welt in den Messetagen nach Los Angeles schauen, ist trotz aller Punkte die gegen einen Auftritt vor Ort sprechen, nicht zu leugnen. Ebensowenig rechne ich aber damit, dass die Messe irgendwann wie 2009 wie der Phönix aus der Asche steigen und in alter Glorie emporsteigen wird. Nein, sie wird sich einfach wandeln. Es ist kein Zufall, dass seit drei Jahren die Messetore auch für Nicht-Fachbesucher geöffnet werden, denn dort bewegt sich ihr Fokus hin: Den normalen Besuchern eine Möglichkeit zu bieten, die Titel auszuprobieren, von denen sie online zugeballert wurden. Als Fachbesuchermesse voller Neuankündigungen hat die E3 also definitiv ein Ablaufdatum. Als Anspielmöglichkeit im Stile der Gamescom hingegen wird es sie wohl noch lange geben.

Eine Zukunft ohne Messe?

2020 feiert die Messe ihr 25. Jubiläum. Wird Sony wieder vor Ort sein und die PS5 zeigen? Werden im Gegenteil noch mehr Hersteller abspringen? Ich bin gespannt auf die kommenden Entwicklungen. Wie seht ihr das? Verratet mir doch in den Kommentaren, ob ihr meine Meinung teilt oder ob ihr findet, dass ich zu sehr den Teufel an die Wand male!

Wer Lust auf mehr E3 hat, wird in unserem E3-2019-Hub glücklich. Lest dort gerne einige meiner Vorschau-Artikel von der Messe - viele davon mit Video -, etwa zu Control, Zelda: Link's Awakening, Psychonauts 2, Manifold Garden, Luigi's Mansion 3, Watch Dogs Legion und vielen, vielen mehr!

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    • Kommentare (8)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Leuenzahn Gelegenheitsspieler/in
        Naja, als Europäer brauchen wir keine Messe in Übersee, wenn irgendjemand bei uns verkaufen will, dann soll er auf unsere Messen kommen oder sein Schnulli behalten. Da zudem die Bedeutung der vergehenden Staaten in Nordamerika schwindet, ist das auch nicht weiter schlimm.
      • Von Leuenzahn Gelegenheitsspieler/in
        Naja, als Europäer brauchen wir keine Messe in Übersee, wenn irgendjemand bei uns verkaufen will, dann soll er auf unsere Messen kommen oder sein Schnulli behalten. Da zudem die Bedeutung der vergehenden Staaten in Nordamerika schwindet, ist das auch nicht weiter schlimm.
      • Von Matthias Dammes Redakteur
        Zitat von Haehnchen81
        Hab noch nie den Sinn dahinter gesehen... außer vllt um Neuheiten zu präsentieren (also nicht neue Spiele sondern wirklich neue Techniken oder dergleichen, mal als Beispiel VR) oder außergewöhnliche Spieleerlebnisse die man normalerweise zu Hause nicht hat, zb Rennsimulatoren in so Hightechstühlen wo man glauben könnte man sitzt direkt in nem Formel 1 Wagen... Wozu jetzt normale Spiele, die Launcher und sonstigen Softwareentwicklungen der Publisher oder ne Konsole groß auf ner Messe angekündigt werden müssen weiß ich nicht... kann man doch auch im eigenen Rahmen machen, ne Bühne, paar zuschauer, nen Livestreeam dazu, fertig, die Gamesconvention ist/war schon immer großer Murks, die E3 auch. Und all zu viel tolles neues sieht man da auch höchst selten... bei dieser E3 gabs im Grunde nichts.

        Die Relevanz dieser Messen geht quasi gegen 0, und kann auch gerne komplett abgeschafft werden.
        So eine Messe, gerade die E3, ist aber in der Regel auch noch ein bisschen mehr als das, was die Öffentlichkeit sieht.
        Bei so einer Fachbesucher-Messe sind nicht nur Journalisten unterwegs. sondern auch Händler, Hersteller, Werber und diverse andere mit der Industrie verbandelte Leute.
        Da geht es hinter den Kulissen in der Regel ums Kontakte knüpfen und Geschäfte machen.
        Gerade für Entwickler und Publisher, die nicht den Geldbeutel eines Microsoft, Sony oder Nintendo haben, ist das durchaus wichtig, weil sie es sich in der Regel nicht Leisten können Industriekontakte einfach mal zu sich zu karren.
        Da ist so eine Messe von Vorteil, weil da die entsprechenden Leute eh schon vor Ort sind.
      • Von Haehnchen81 Hobby-Spieler/in
        Hab noch nie den Sinn dahinter gesehen... außer vllt um Neuheiten zu präsentieren (also nicht neue Spiele sondern wirklich neue Techniken oder dergleichen, mal als Beispiel VR) oder außergewöhnliche Spieleerlebnisse die man normalerweise zu Hause nicht hat, zb Rennsimulatoren in so Hightechstühlen wo man glauben könnte man sitzt direkt in nem Formel 1 Wagen... Wozu jetzt normale Spiele, die Launcher und sonstigen Softwareentwicklungen der Publisher oder ne Konsole groß auf ner Messe angekündigt werden müssen weiß ich nicht... kann man doch auch im eigenen Rahmen machen, ne Bühne, paar zuschauer, nen Livestreeam dazu, fertig, die Gamesconvention ist/war schon immer großer Murks, die E3 auch. Und all zu viel tolles neues sieht man da auch höchst selten... bei dieser E3 gabs im Grunde nichts.

        Die Relevanz dieser Messen geht quasi gegen 0, und kann auch gerne komplett abgeschafft werden.
      • Von Terracresta Gelegenheitsspieler/in
        Ich vermisse eher (Video)Reportagen mit Besuchen bei den Entwicklern, wie das in der 90ern der Fall war. Die meisten Sachen, die man heutzutage liest, sind Copypasta, die auf unzähligen Seiten zu finden ist.

        Was solche Messen angeht, wäre ich gern zur GC in Leipzig gegangen, aber leider wurde sie genau in dem Jahr, in dem ich sie hätte besuchen können, durch Köln weggeschnappt. Inzwischen ist sie so überlaufen, dass ich keine Lust habe.
        Übrigen bin ich schon seit ECTS Zeiten am verfolgen der News solcher Messen, aber war noch nie auf einer.
      • Von Rising-Evil Mitglied
        Zitat von HeavyM
        Ich bin seit mehreren Jahren Fachbesucher auf der GC in Köln. Doch die Relevanz ist tatsächlich fraglich. Warendispo kann man auch ausserhalb machen, Videopräsentationen bedürfen keiner Anreise usw. Einzig Merch Produkte sind interessant da man diese auf der Messe mal anfassen kann und deren Qualität beurteilen kann.
        Die Messe für alle hingegen macht schon Spass. Gar nicht mal das Spielen neuer Spiele, eher das Treffen auf Gleichgesinnte die die Messe als Gamingparty ansehen, sich Teils verkleiden und einfach mal so seien dürfen wie sie sind: Egal ob mit oder Ohne Kostüm.
        Auch für ein Clantreffen ist die GC ein super Ort. Haben wir auch schon 2 mal gemacht.
        Mittlerweile ist die GC auch viel zu überfüllt. Dass man sich beim Anspielen die Beine in den Bauch steht, damit kann ich noch halbwegs leben. Aber selbst abseits der Attraktionen im Gänsemarsch durch Gänge und Hallen zu tingeln, die so brechend voll sind, dass man eher von der Masse geschoben wird, als selber läuft - das geht gar nicht! Da warte ich lieber 3-4 Wochen bis nach der Messe, denn bis dahin hat gefühlt jeder zweite Titel der GC in Form von Open-Betas oder Demos seinen Wege auf meine Festplatte gefunden...
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