Dungeons & Dragons: Interview zu neuen Regeln von Tasha's Cauldron of Everything
Wir konnten mit Jeremy Crawford, dem Regeldesigner des Pen&Paper-RPGs Dungeons & Dragons ein kleines Interview über das neue Regelbuch Tasha's Cauldron of Everything führen, das einige, optionale Änderungen ins Spiel bringt - auch für die Computerspiele-Versionen?
Mit dem neuen Regelbuch Tasha's Cauldron of Everything soll das Pen&Paper-Rollenspiel Dungeons & Dragons moderner werden. Das Buch bringt eine Reihe von spannenden, optionalen Änderungen mit sich. Wir haben mit Jeremy Crawford (Dungeons & Dragons Principal Rules Designer und Lead Designer des Player's Handbook) darüber gesprochen und auch gefragt, ob diese Regelzusätze für Computerspiele zu erwarten sind.
Ein Interview zu den neuen, optionalen D&D-Regeln
PCGames: D&D änderte sich im Laufe der Zeit mit den verschiedenen Editionen und das Spiel passte sich der heutigen Zeit an. Wie modernisieren Sie D&D jetzt mit Tasha's Cauldron of Everything?
Jeremy Crawford: Seit fast 50 Jahren wird D&D von Gruppen auf der ganzen Welt genossen, und es entwickelt sich ständig weiter. Im D&D-Designteam ist es unsere Aufgabe, die besten Teile des Vermächtnisses des Spiels zu ehren und gleichzeitig dazu beizutragen, dass es heute zu den Spielern "spricht". Als Teil dieser Arbeit haben wir in Tasha's Cauldron of Everything die Option eingeführt, einen Charakter zu gestalten, dessen Fähigkeitswerte nicht von der Spezies des Charakters beeinflusst werden. Die neue Option ermutigt die Spieler, ihren Charakter individuell zu gestalten, wobei sie sich freier denn je fühlen, jede Klasse mit jeder der spielbaren Völker des Spiels zu paaren.
PCGames: Welche Änderung im Buch hat den größten Einfluss auf die Regeln und das Gameplay und warum haben Sie sie aufgenommen?
Jeremy Crawford: Die Möglichkeit, das Volk Ihres Charakters anzupassen, wird in vielen D&D-Gruppen eine große Rolle spielen, ebenso wie die Option, jeder Klasse neue Klassenmerkmale hinzuzufügen. Diese beiden Dinge geben den Spielern viele neue Möglichkeiten, einen Charakter nach ihrem Geschmack zu gestalten. In den Jahren 2018 und 2019 - als wir dieses Buch zum ersten Mal planten - wollten wir eine Reihe neuer Möglichkeiten schaffen, an den Charakteren zu basteln, sodass jeder Spieler an bestimmten Schlüsseldetails feilen kann, um sich einen Charakter wirklich zu eigen zu machen.
PCGames: D&D versucht, bestimmte Völker nicht mehr als "geistlose" Monster darzustellen, wie beispielsweise Drow oder Orks. Wie wird dies im Spiel und in den Regeln dargestellt?
Jeremy Crawford: Die Völker von D&D - Menschen, Elfen, Orks, Zwerge und andere - hatten jahrelang freien Willen und moralische Autonomie im Spiel. Zum Beispiel weist das Spielerhandbuch 2014 die Spieler an, die Ausrichtung ihres Charakters zu wählen, unabhängig davon, welcher Spezies dieser Charakter angehört, und die Regeln im Monsterhandbuch 2014 besagen, dass der Dungeon Master die Ausrichtung eines Monsters oder eines NPCs bestimmt, unabhängig davon, welche Ausrichtung im Statusblock der Kreatur erscheint. Verwirrung ist jedoch entstanden, weil in unseren Büchern auch die Ausrichtungen erwähnt werden, mit denen jede Spezies in der Vergangenheit des Spiels in Verbindung gebracht wurde, und wir haben gelernt, dass solche Erwähnungen den Eindruck erweckt haben, dass einige Spezies an bestimmte Ausrichtungen gebunden sind. Wir ändern daher die Art und Weise, wie die Ausrichtung in unseren zukünftigen Büchern dargestellt wird, um zu vermeiden, dass einem ganzen Volk die moralische Autonomie abgesprochen wird.
PCGames: Werden diese Regelzusätze in kommenden Videospielen wie etwa Baldur's Gate 3 enthalten sein?
Jeremy Crawford: Baldur's Gate 3 und andere Videospiele, die auf D&D basieren, sind vom Tabletop-Rollenspiel inspiriert, aber jedes Videospiel hat seine eigenen Regeln, da sich ein Videospielerlebnis einem Tabletop-Erlebnis stark unterscheiden kann. Abgesehen davon erwarte ich, dass Elemente von Tasha's Cauldron of Everything in zukünftigen Videospielen ein Echo finden werden.
PCGames: Was ist die größte Regeländerung in dem Buch, auf die Sie wirklich stolz sind?
Jeremy Crawford: Tasha's Cauldron of Everything ändert eigentlich keine der Spielregeln. Stattdessen handelt es sich um eine Spielzeugkiste voller Regeloptionen, die die Spieler und DMs (Dungeon Master oder Spielleiter) in ihre Kampagnen einbauen können. Und darauf bin ich am meisten stolz - dass unser Team all diese neuen Spielzeuge geschaffen hat, die den D&D-Gruppen gefallen.
PCGames: Danke für das Interview.

Naja, die Engine macht ja nicht das Spiel aus sondern die Kampagne und die Charaktäre die man spielt und so, Theoretisch hält einen ja auch nichts ab die Kampagnen von D&D zu nehmen und die Pathfinder Regeln drunter zu legen oder ein anderes System
Zunächst die Anmerkung: DnD 5e ist bereits der große Wurf!
Es gab noch nie ein annähernd so erfolgreiches Rollenspielsystem, DnD 5e hat vermutlich mindestens 5x so viele Spieler wie Pathfinder und mehr Spieler als Pathfinder und ALLE anderen Rollenspiele zusammen. Auch wenn genaue Zahlen schwierig zu bestimmen sind, niemand kann bestreiten, dass 5e das erfolgreichste Rollenspielsystem ALLER ZEITEN ist. Da ist eine gewisse Skepsis angebracht, wenn es heißt, nun müsste das Regelwerk mal komplett erneuert werden.
Natürlich ist Masse nicht gleich Qualität, wie gesagt, ich verstehe jeden, der sagt, ich persönlich spiele lieber etwas anderes. Aus der Sicht von WotC würde ich mich aber fragen, warum man die Komplexität anderer Systeme, die weit weniger erfolgreich sind, in DnD5e einführen soll? Ich gehe sogar soweit zu glauben, dass genau das der Erfolgsfaktor ist. Ja, auch weil es für Einsteiger dadurch leichter wird.
Dennoch halte ich es für grundlegend falsch zu behaupten, dass wenig komplexe Regeln ausschließlich von Einsteigern bevorzugt werden(nicht wirklich wichtig, aber ich spiele seit 1989 P&P erst DSA, dann AD&D ;) ).
Gerade in den letzten Jahren gibt es einen Trend zu weniger Regel-lastigem Pen&Paper, für erfahrene Spieler, die eben keine Lust auf den 1000en dungeon crawl haben, sondern das RP-Element betonen wollen. Lustigerweise gibt es aus der Ecke dann die Kritik an 5e, dass noch viel zu viel gewürfelt wird und das min/maxxen viel zu sehr im Vordergrund steht ;)
Exakt das macht 5e so besonders, es ist komplex genug um noch die Fans von traditionellen Pen&Paper Spiele zu erreichen, aber einfach genug, dass man das ganze wesentlich flüssiger über die Bühne bekommt oder sich mehr auf die RP - Elemente konzentrieren kann. Es gibt eine Menge Leute, die eben keine Lust haben pro Session 85 mal im Regelwerk nachzuschlagen. Und das sind nicht nur Anfänger.
Ich betone mal, dass ich sowohl komplexere P&P im Allgemeinen, als auch Pathfinder 2e im besonderen super finde! Nur warum will man aus DnD Pathfinder machen? Wenn jemandem Pathfinder besser gefällt, soll er eben das spielen und nicht fordern, dass die Regeln an andere, weniger beliebte Spiele, angepasst werden. Ich persönlich schätze sehr, dass es diese Unterschiede gibt, schon wegen der Vielfalt! Ist doch super, dass man sich aus vielen verschiedenen Ansätzen einen aussuchen kann und sich nicht alle Spiele gleich spielen.
Die Möglichkeit Charaktere zu individualisieren halte ich ebenfalls für vollkommen ausreichend. Ja, da bieten andere mehr, die Frage ist nur, braucht man das wirklich und nimmt man die Nachteile dann in kauf? Auch hier geht man imho den absolut richtigen Weg bei 5e. Es gibt über 30 Spezies, 13 Classes von der jeder eine Vielzahl von Spezialisierungen biete und 50+ Backgrounds. Ich persönlich kann auch den zwanzigsten Life Domain Cleric spielen und es wird mir trotzdem nicht langweilig, auch wenn die sich von den Charakterwerten wenig unterscheiden.
Ich denke eine der größten Stärken des Systems ist, dass es sehr balanced ist und es sich auch relativ leicht hombrewen lässt ohne gleich völlig aus dem Ruder zu laufen. Was übrigens wieder sehr viele neue Möglichkeiten für erfahrenere Spieler und DMs schafft!
Und genau das könnte man gefährden, wenn man zu viel an den Regeln verändert. Ich denke übrigens dass WotC dass ähnlich sieht, deshalb sind die Regeln von Tashas Cauldron eben auch optional.
tl;dr
Gerade die weniger komplexen Regeln sind das, was 5e ausmacht, auch für erfahrene Spieler. Bitte nicht ändern!