Dungeon Keeper: So spielt man das geniale Strategiespiel heute
Mit klugen Ideen, bösem Humor und zeitlosem Game Design ist Dungeon Keeper auch heute noch ein echter Strategie-Tipp. Alles, was ihr braucht, ist KeeperFX!
Hungrig mit Herz und Hirn
Sobald man einen hübschen Kerker errichtet hat, tapsen schon die ersten Monster durchs Eingangsportal. Die Viecher haben unterschiedliche Bedürfnisse und kommen nur, wenn wir ihnen bieten, was sie sich wünschen.
Magier verlangen etwa eine Bibliothek für ihre Studien, um neue Zauber freizuschalten. Trolle wollen in einer Werkstatt an Türen und Fallen basteln. Verfressene Teufler freuen sich über eine gut gefüllte Hühnerfarm, in der sie regelmäßig saftige Küken naschen können. Und Eiserne Jungfrauen peitschen sich am liebsten gegenseitig in der Folterkammer aus, geben aber auch herausragende Kämpferinnen ab.
Eure Kreaturen sind keine starren Befehlsempfänger, die still in der Gegend herumstehen. Alle Einheiten wandern selbstständig durch eure Gewölbe, wo sie essen, schlafen, arbeiten, trainieren. Sie haben auch unterschiedliche Namen und eine Vielzahl von Charakterwerten, fast wie in einem Rollenspiel. Diese Werte lassen sich auf Wunsch sogar detailliert einsehen, auch wenn das für das Spielerlebnis eher nebensächlich ist.
In diesem Artikel
Wichtig ist nur, dass ihr darauf achtet, dass alle zufrieden sind - und das heißt auch, dass man gelegentlich Grenzen setzen muss, denn manche Kreaturen vertragen sich nicht mit anderen.
Riesenfliegen sind zum Beispiel prima Aufklärer, da sie die Map auf eigene Faust erkunden - doch Spinnen mampfen die Viecher liebend gerne zum Frühstück. Auch Vampire sind problematisch: Man erhält sie nur, wenn man die Leichen von besiegten Einheiten zum Friedhof transportieren lässt. Die Blutsauger sind exzellente Kämpfer und gute Forscher, können Zauberer aber auf den Tod nicht ausstehen und bekämpfen sie an Ort und Stelle. Die Lösung: Einfach getrennte Schlafräume, Bibliotheken und Speisekammern für die Streithähne anlegen - und hoffen, dass sie sich unterwegs möglichst selten begegnen.
Quelle: PC Games
Man kann jede Kreatur mit der witzig animierten Cursor-Hand hochheben und woanders in der Spielwelt wieder fallen lassen. (Bild: Dungeon Keeper)
Der "Schlimmste" im Bunde ist aber Horny, der bis heute als Symbolfigur des Spiels gilt. Der gehörnte Kämpfer mit seiner Sense ist zwar ungeheuer mächtig, aber auch verdammt reizbar und anspruchsvoll. Fehlt es ihm an Schlaf, Essen, Bezahlung oder Beschäftigung, wird er schnell so aggressiv, dass er befreundete Kreaturen angreift. Da hilft dann nichts mehr, außer ihn in einen eigenen Mini-Dungeon einzusperren und die Tür abzuschließen.
Erst die Arbeit, dann die Moneten
Alle paar Minuten ist Zahltag, dann flitzen sämtliche Monster in die nächstgelegene Schatzkammer und schnappen sich einen Batzen Gold. Vor allem hochstufige Kreaturen verlangen einen happigen Sold, dafür kämpfen und arbeiten sie aber auch besonders effektiv. Manche Viecher lernen beim Aufleveln auch völlig neue Fähigkeiten und Zauber, die ihnen riesige Vorteile verschaffen. Hochstufige Eiserne Jungfrauen flitzen zum Beispiel rasend schnell durch den Dungeon und verschießen Blitze, Zauberer erhalten mächtige Fernangriffe und Schildmagie - und die bulligen Teufler beglücken sämtliche Feinde in der Nähe mit tödlichen Darmwinden. Cooles Detail: Sobald eine schwächliche Dämonenechse Stufe 10 erreicht, verwandelt sie sich in einen überaus nützlichen Drachen!
Quelle: Moby Games
Alle Kreaturen brauchen einen Schlafplatz, Nahrung und Bezahlung. Werden ihre Bedürfnisse nicht erfüllt, packen sie irgendwann ihre Sachen.
Um Kreaturen aufzuleveln, lässt man sie entweder gegen Feinde antreten oder man steckt sie in den Trainingsraum, was mit der Zeit aber wahre Unsummen kostet. Umso besser, wenn wir vorher eine Diamantader entdeckt haben! Im Gegensatz zu Goldblöcken werden Diamanten nie aufgebraucht und können endlos von unseren Imps abgeerntet werden. Das sorgt für einen stetigen Geldnachschub, der gerade in längeren Missionen wichtig ist, in denen auch andere Dungeon Keeper am Werk sind - denn die ernten die gleichen Ressourcen wie wir.
Folter, Haft und Zensur
Gegner sind keine einfachen Ziele, die man plattmacht und danach nie wieder beachtet, sie spielen bei der Strategie sogar eine wichtige Rolle - denn besiegte Feinde können wir kurzerhand ins Gefängnis stecken. Lassen wir sie dort verhungern, stehen sie als kampfbereite Skelette wieder auf. Die halten zwar nicht viel aus, sind in großen Stückzahlen aber durchaus zu gebrauchen. Außerdem benötigen sie weder Schlaf noch Nahrung und sie kassieren auch keinen Sold!
Alternativ könnt ihr hungernde Helden und feindliche Monster auch mit Heilzaubern aufpäppeln oder ihnen ein paar Hühnchen zum Fraß vorwerfen. Hauptsache, es füllt den Lebensbalken! So gestärkt steckt ihr die Gegner dann in eure Folterkammer, wo sie automatisch mit Säurebecken, Hammer und Streckbank malträtiert werden. (Schon gewusst? In der deutschen Fassung mussten hier einige Folter-Animationen zensiert werden!)
Quelle: GOG.com
In der Folterkammer werden Gegner malträtiert. In ihrer Freizeit amüsieren sich dort außerdem unsere Eisernen Jungfrauen. (Bild: Dungeon Keeper)
Manche Feinde plaudern so Karteninformationen aus, die dabei helfen, einen Schwachpunkt im feindlichen Dungeon zu finden. Oder sie geben irgendwann den Löffel ab, dafür erhalten wir dann Geister, die zumindest als Kundschafter taugen. Viel besser ist es aber, wenn man den Feind so lange beackert, bis er zu uns überläuft. So können wir nicht nur kampfstarke Monster in unseren Rängen aufnehmen, sondern auch mächtige Ritter oder nützliche Mönche, die mit Vampiren kurzen Prozess machen.
Aber Vorsicht: Wer zu viel Personal "anheuert" und den Dungeon überbevölkert, riskiert nicht nur Platzprobleme und Geldsorgen, es kommen auch keine neuen Kreaturen mehr nach. Auch deshalb empfiehlt es sich, gelegentlich ein schwaches Biest einfach vor die Tür zu setzen oder es im hauseigenen Tempel zu opfern. Ein wichtiges Gebäude! Hier können Kreaturen zu den Göttern beten, um ihre Zufriedenheit zu erhöhen und sich vor feindlichen Übernahmen zu schützen.
In der Mitte des Tempels befindet sich außerdem ein Pool, in den man alles Mögliche hineinwerfen darf. Die "Rezepte" muss man selbst herausfinden, doch das lohnt sich: Zwei geopferte Fliegen schließen zum Beispiel ein Forschungsprojekt ab, drei Spinnen ergeben einen Teufler und wer eine Spinne mit einem Käfer ins Wasser wirft, erhält dafür eine Eiserne Jungfrau, die wesentlich stärker ist.
Kämpfe als Chaos
Dungeon Keeper steckt voller guter Ideen und macht gerade beim Kerkerbau viel richtig. Doch die Kämpfe sind ein heilloses Chaos! Sobald zwei verfeindete Einheiten aufeinandertreffen, brüllen sie drauflos und gehen zum Angriff über. Das ist bei ein paar Viechern und Helden kein Problem. Doch in späteren Missionen prallen Dutzende Kreaturen aufeinander, was immer in Massenschlachten endet: Man nimmt einfach alle Kreaturen auf die Hand und wirft sie mitten im Getümmel ab, der KI-Gegner tut übrigens das Gleiche.
Von da an: Wildes Gekreische, Feuerbälle, Blitze, explodierende Köpfe, obszöne Monsterfürze, alles in einem wirren Durcheinander. Wer trotzdem wichtige Einheiten erspäht, kann sie mit Heil- und Schildzaubern stärken. Oder man deckt den Gegner kurzerhand mit Blitzschlägen ein, was überraschend effektiv ist.
Quelle: Moby Games
Die Kampfübersicht ist das Mittel der Wahl, um in den chaotischen Kämpfen den Überblick zu behalten.
Zumindest gibt es eine einfache Kampfübersicht, mit der man empfindliche Einheiten im Blick behalten und notfalls aus der Gefahrenzone fischen kann. Gelegentlich haben Kreaturen aber gar keinen Bock auf Kämpfe. Doch dafür gibt es den Versammeln-Zauberspruch, der mit einer Fahne einen Angriffspunkt markiert. Alle Kreaturen in der Nähe machen sich dann auf, um den Sammelpunkt zu erreichen - das ist ideal, um die mordende Meute nach und nach in den feindlichen Kerker zu locken und dort das Dungeonherz zu zerdeppern.
Lese-Tipp: Hier findet ihr unseren Klassik-Test zu Dungeon Keeper!
Mittendrin statt nur dabei
Aber Bullfrog wäre nicht Bullfrog, wenn sie nicht noch eine abgefahrene Idee auf Lager hätten: Mit einem besonderen Zauberspruch könnt ihr von jeder Kreatur Besitz ergreifen! Und das ist genauso cool, wie es klingt: In Gestalt eines Ritters oder Zauberers stapft ihr fast so natürlich durch die Gänge, als würde man eine pixelige Version von Skyrim spielen. Doch richtig abgefahren wird es erst, wenn ihr eine eurer Kreaturen beseelt. Schlüpft ihr zum Beispiel in eine Riesenfliege, betrachtet ihr das Kellergewölbe stilecht durch Facettenaugen, Fliegen ist natürlich auch möglich. Drachen überragen ihre Mitbewohner, als kleiner Imp dagegen reicht man anderen kaum bis zum Knie.
Eine Kreatur selbst zu steuern, klingt nach Spielerei, kann aber tatsächlich nützlich sein. Ihr könnt zum Beispiel in die Haut eines Hornys schlüpfen oder in eine Eiserne Jungfrau auf Stufe 10. So schlagt ihr ganz gezielt feindliche Türen ein, erkundet die Map, dezimiert gegnerische Imps oder schlagt euch bis zum feindlichen Dungeonherz durch. Wer hier schnell ist, kann großen Schaden anrichten, bevor die feindlichen Horden über euch herfallen.
Quelle: PC Games
Per Zauberspruch kann der Spieler auch jede Kreatur direkt steuern, das spielt sich dann wie in einem Ego-Shooter. (Bild: Dungeon Keeper)
Praktisch: In Gestalt einer Kreatur lassen sich auch gezielt feindliche Fallen auslösen. Besonders Blitz-Fallen sind der Horror für schwache Imps. Eine gute Gelegenheit, um Skelette zu verheizen! Am schlimmsten ist aber die berüchtigte Indy-Falle: Eine riesige Gesteinskugel, die automatisch losrollt, wenn man sich ihr nähert (oder wenn man sie mit einem Klaps in Bewegung versetzt). Überrollte Kreaturen werden sofort getötet, egal, wie mächtig sie sind - übrigens auch die eigenen. Höchste Gefahrenstufe und vor allem im Multiplayer ein Riesenspaß!
Mit seinem Mix aus verschiedenen Genres, einem unverwechselbaren Stil, tollem UI und bitterbösem Humor wird Dungeon Keeper zwar sehr gut bewertet, ein riesiger Verkaufserfolg bleibt allerdings aus. Die geplanten Konsolenfassungen für Sega Saturn und Sony Playstation, die eigentlich Ende 1996 vom Stapel gehen sollen, erblicken nie das Licht der Welt. Bullfrog entwickelt noch ein Add-on namens Deeper Dungeons, das dem Spiel neue, noch kniffligere Level verpasst.
Peter Molyneux ist zu diesem Zeitpunkt übrigens schon abgemeldet: Der charismatische Brite verlässt Bullfrog wie versprochen und gründet noch 1997 eine neue Firma namens Lionhead Studios. Dort werkelt er mit einigen ehemaligen Bullfrog-Kameraden an seinem nächsten Spiel, das er als sein Meisterstück betrachtet: Black & White.
Doch auch wenn Dungeon Keeper nicht der erhoffte Millionenseller geworden ist, hat das Spiel immer noch eine beachtliche Fangemeinde. Das ist auch den engagierten Fans zu verdanken, die sich um Bugfixes kümmern und Verbesserungen einbauen, die das Spiel heute besser machen denn je.
KeeperFX: So spielt man Dungeon Keeper heute
Wer Dungeon Keeper heutzutage spielen will, greift am besten zu Dungeon Keeper Gold, das ihr euch über GOG.com oder Steam schnappen könnt. Der Preis liegt bei etwa 5 Euro, wobei das Spiel auch schon oft für einen Euro zu haben ist.
Danach braucht ihr nur noch das geniale KeeperFX. Das ist nichts anderes als ein kostenloses Open-Source-Remake von Dungeon Keeper, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Originalspiel auf modernen PCs zu erhalten und zu verbessern. Dank KeeperFX könnt ihr Dungeon Keeper auf Windows 11 in hohen Auflösungen spielen, außerdem wurde die Steuerung ein wenig verbessert, Multiplayer ist wieder möglich und wer mag, kann aus einer großen Auswahl an neuen Fan-Kampagnen und Bonus-Maps wählen. Zusätzlich behebt KeeperFX etliche Bugs, dabei werden teilweise auch Funktionen wiederhergestellt, die im Originalspiel kaputt waren.
KeeperFX ist kinderleicht zu installieren, hier findet ihr eine englische Anleitung. Alles, was ihr braucht, ist eine legale Kopie von Dungeon Keeper. Wenn ihr Dungeon Keeper Gold über GOG gekauft habt, fällt die Sache sogar noch leichter aus - hier könnt ihr euch KeeperFX nämlich direkt über den Galaxy-Launcher herunterladen und in das Spiel einbinden. Einfacher geht's nicht.
Meinung
Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie es mit Dungeon Keeper weitergeht: Wir sprechen über den Nachfolger Dungeon Keeper 2, das nahezu unbekannte Dungeon Keeper Online, ärgern uns über die gierige Mobile-Version. Und am Ende stellen wir euch noch ein paar Spiele vor, die sich ein paar Tricks von Dungeon Keeper abgeschaut haben.

"Und Eiserne Jungfrauen peitschen sich am liebsten gegenseitig in der Folterkammer aus, geben aber auch herausragende Kämpferinnen ab."
Was soll ich sagen, lauter so Sachen, die siehst heute nicht mehr. Da gab es eigentlich mehr so Spiele damals. Schade drum. "Evil Genius" war zwar schon in den 2000ern. Was richtig geil war ... "Majesty" quasi ein "Dungeon Keeper" oberirdisch. Und das geile "Overlord".
Die Kreativität und der Spielspaß haben im Vergleich zu damals abgenommen obwohl ja alles einfacher werden könnte/sollte. Zugänglichere Engines etc.
Naja gibt ja noch "Dungeons", die Serie ist ja auch geil und kommt immer wieder was Neues.