Das Schwarze Auge: Blackguards im Test - Frustige Design-Schnitzer + Wertung
Hexfelder, Zahlenwust und bergeweise Fantasy-Klischees: Mit Blackguards erwartet Freunde kniffliger Rundengefechte ein anspruchsvolles, umfangreiches, aber zuweilen auch überkompliziertes Taktik-Rollenspiel mit vielen Ecken und Kanten. Unser Test inklusive Video-Review verrät, ob das ehemalige Early-Access-Projekt erfolgreich den Sprung zum Vollpreisspiel geschafft hat.
Frust statt Lust
Wer nicht über eine Engelsgeduld verfügt, sollte also lieber einen Bogen um das Taktik-Rollenspiel machen. Aber auch Taktik-Profis auf der Suche nach anspruchsvoller Kost könnten enttäuscht sei. Blackguards ist zwar knackig schwer, doch diese Herausforderung wird vor allem durch die erwähnten Design-Fehler erzeugt, nicht etwa durch eine besonders clevere Gegner-KI. Im Gegenteil ist die künstliche Intelligenz der Feinde ein großer Schwachpunkt von Blackguards: Sie agiert ausschließlich nach dem Motto "Alle drauf!" und umzingelt den Helden, der ihr am nächsten steht. Taktische Rückzüge, Deckungssuche, ja selbst simples Weglaufen mit Bogenschützen, um Nahkämpfer zu traktieren (eine effektive Spieler-Taktik), all das beherrscht die KI nicht. Stattdessen leistet sich der Computergegner mit schöner Regelmäßigkeit Aussetzer, wenn er etwa seine Figuren sehenden Auges in Fallen tapsen lässt oder geschwächte Charaktere ignoriert, um Helden mit voller Gesundheitsleiste anzugreifen. In einem Arenakampf gegen eine Gruppe furchterregende Krokodile nahm das während des Tests geradezu groteske Züge an: Die Echsen liefern lieber vor unseren Helden weg, als sie zwischen ihren kräftigen Kiefern zu zermahlen.
Auf Dauer machen einem weitere Schwächen die Kämpfe madig: Die starre Kamera lässt sich lediglich in beschränktem Maße zoomen, wobei sich automatisch auch der Neigungswinkel ändert. Die komplett herausgezoomte und wenig ansehnliche Vogelperspektive bietet dabei zwar einen guten Überblick, in allen anderen Zoom-Stufen blockieren jedoch immer wieder Figuren und Büsche den Blick auf unsere Einheiten – wir wünschten uns instinktiv eine Möglichkeit, die 3D-Perspektive zu drehen. Selbst die Gefechte in Heroes of Might & Magic oder King's Bounty , die auf einer ähnlichen Spielebene ablaufen und keine drehbare Kamera besitzen, bieten da weitaus mehr Übersicht.
Quelle: PC Games
Die Vogelperspektive bietet die beste Übersicht, lässt das Spiel aber sehr karg aussehen.
Außerdem erlauben diese Konkurrenzprodukte auch, die eigenen Truppen vor Kampfbeginn nach Wunsch anzuordnen – ein Feature, das wir in Blackguards schmerzlich vermissen. Welcher Charakter wo steht, wird vom Spiel vorgegeben. Das erhöht oft unnötigerweise die Herausforderung, etwa wenn unser Magier so weit vorne positioniert ist, dass er schon im ersten Zug von gegnerischen Bogenschützen niedergeschossen wird. Einige unpassende Schleichpassagen kranken derweil daran, dass es keine Möglichkeit gibt, sich Sicht- oder Schussfeld von Feinden anzeigen zu lassen – das stört auch beim offenen Kampf, denn manchmal ist nicht ersichtlich, von welcher Position einer unserer Fernkämpfer den Widersacher aufs Korn nehmen kann. Und schließlich nervt auch noch die unausgewogene Klassen-Balance: Magier taugen hautsächlich als Heiler und Fernkämpfer, weil sich ihre knappe Astralenergie nur langsam regeneriert und viele ihrer Zauber überflüssig bis ineffektiv sind. Kämpfer dagegen können jede Runde starke Spezialschläge ausführen, für die es keinerlei begrenzende Ressource wie Ausdauer oder Energie gibt. Wer gar als Hauptfigur einen Magier spielt, darf sich darüber hinaus auf einen massiv erhöhten Schwierigkeitsgrad freuen. Als ob Blackguards nicht schon knifflig genug wäre!
Quelle: PC Games
Das Inventar könnte übersichtlicher sein und ist sehr textlastig.
Leichte RPG-Elemente
Wer der Meinung ist, dass ein Rollenspiel möglichst viele Zahlenwerte, Ausrüstungsoptionen und Talente besitzen muss, um diese Genre-Bezeichnung zu verdienen, wird mit Blackguards selig werden. Für jeden abgeschlossenen Kampf und jede bewältigte Aufgabe erhält die Gruppe Abenteuerpunkte, die ihr ohne Umwege auf die Fähigkeiten jedes Gruppenmitglieds verteilt. Lediglich für Spezialtalente müsst ihr einen Trainer aufsuchen – die Suche nach den Lehrmeistern erinnert an Uralt-Rollenspiele oder den aktuellen Genre-Konkurrenten Might & Magic X: Legacy. Die Vielzahl an Fähigkeiten lässt Knobler und Tüftler vor Freude jauchzen; ausgiebiges Grübeln ist empfohlen, weil man sich leicht verskillen kann. Da es (ganz DSA-regelkonform) keine genretypischen Levelaufstiege gibt, fällt der Charakterausbau aber nicht ganz so motivierend aus wie in anderen Rollenspielen, zumal sich vergebene Punkte nur subtil auf die Leistung der Kämpfer auswirken. Hier verpasst es Blackguards, eine wichtige Motivationsschraube anzuziehen, genauso wie beim Inventar-Management.
Quelle: PC Games
Rätsel sind extrem selten und nicht besonders ausgefuchst.
Zwischen Kämpfen legt ihr euren Helden im Gefecht erbeutete oder bei Händlern erworbene Ausrüstung an, von Waffen und Rüstungen über Helme bis hin zu Stiefeln und Beinkleidern. Außerdem packt ihr einmal benutzbare Gegenstände wie Tränke, Fallen oder Wurfgeschosse in den Gürtel eurer Recken. Das ist nett, zumal ihr Boni für Ausrüstungs-Sets des gleichen Fabrikats erhaltet, wirkt aber auch recht beliebig und undurchschaubar: Die Vergleichsfunktion für Items könnte transparenter sein, die zahlreichen Werte für jeden Ausrüstungsgegenstand verwirren DSA-Einsteiger und die Balance stimmt wie schon in den Kämpfen nicht zu 100 Prozent. So sind etliche Feinde im Spiel immun gegen Stichschaden, was Speere und Dolche nahezu nutzlos macht – dagegen sind Hiebwaffen samt speziell darauf abgestimmter Wuchtschläge ungemein effektiv.
Quelle: PC Games
Auf der Karte reist ihr von einem Ort zum nächsten und rastet.
Wenn einer eine Reise tut …
Abseits der Kämpfe steht die Reise durch eine Küstenregion Aventuriens auf dem Programm: Die große Karte erlaubt anfangs nur ein sehr lineares Voranschreiten entlang des Haupthandlungsstrangs, ab Kapitel 3 erschlägt einen das Spiel aber förmlich mit zu bereisenden Örtlichkeiten samt haufenweise optionaler Nebenaufträge. Wer alle Quests abhaken möchte (was aufgrund des Zugewinns an Abenteuerpunkten zu empfehlen ist), ist mindestens 30 Stunden beschäftigt – auf dem normalen und hohen Schwierigkeitsgrad aufgrund der vielen Fehlversuche auch locker 50 Stunden. Bei der Inszenierung seiner Örtlichkeiten wählt Blackguards den minimalistischen Weg: Städte bestehen aus einem, maximal fünf statischen Bildschirmen, auf denen sich eine Handvoll spärlich animierte Figuren bewegen und darauf warten, angesprochen zu werden. So plaudert ihr in schnöden Textboxen mit Auftraggebern oder schaut euch das Angebot von Händlern an. In Dungeons wählt ihr den Weg zur nächsten Höhle samt obligatorischem Kampf in einem hässlichen Menü mit blauer Pfad-Linie – das versprüht den Charme einer Tabellenkalkulation.
Quelle: PC Games
Städte werden in solchen spärlich animierten Bildschirmen dargestellt.
Zwischensequenzen kommen ähnlich spartanisch daher, dazu dudelt die sich schnell wiederholende Musik aus den Boxen –Dramatik wie Rollenspiele vom Kaliber eines The Witcher 2 oder Mass Effect versprüht Blackguards nicht. Auch Entscheidungsmöglichkeiten mit großer Tragweite sucht ihr hier vergebens; Dialogoptionen bestimmen allenfalls die Quest-Belohnung, lediglich auf den Schluss habt ihr durch eine Reihe von Entscheidungen in den letzten fünf Spielstunden Einfluss. Zudem fehlen Möglichkeiten, die vermeintlich dunkle Seite der Protagonisten mit entsprechend bösem Verhalten in Gesprächen herauszukehren. Dafür setzt Blackguards auf alte Tugenden, erlaubt etwa das Rasten auf der Karte zwischen Kämpfen, um Lebenspunkte und Astralenergie aufzufrischen. Zufallsbegegnungen mit KI-Feinden gibt es aber keine, jeder Kampf und jedes Schlachtfeld ist von Hand gebaut.
Trotzdem kann einem das Ganze mit der Zeit fad werden: Die Kampagne von Blackguards reiht einen Kampf an den anderen, Pausen in Form dialogbasierter Nebenaufträge oder gar Rätsel (wir zählten exakt zwei im Spielverlauf) sind selten und oft zu kurz - zu wenig für ein "richtiges" Rollenspiel. Gerade im letzten Spieldrittel zieht sich Blackguards dadurch gewaltig. Außerdem stört, wie die Story-Schreiber den Spieler teilweise an die Hand nehmen und in unlogische Situationen stecken: Einmal geht ein Charakter geht verloren, obwohl das theoretisch zu verhindern wäre, ein anderes Mal wird die Gruppe zu einem mehrstündigen Gastspiel in einer Arena gezwungen und bekommt dafür nicht nur die eigene Ausrüstung weggenommen, sondern erhält auch keine anständige Belohnung. Zwar wird der Spieler mit Gold und Abenteuerpunkten regelmäßig überschüttet, aber wertige oder gar legendäre Ausrüstung ist rar. Und zu guter Letzt zehren die häufigen Rückblenden mit obligatorischen Kämpfen an den Nerven: Als kleiner Hanswurst ohne die im Spielverlauf erlangten Verbesserungen müsst ihr zähe Gefechte gegen übermächtige Gegner absolvieren, für die es keinerlei Belohnung gibt - ein motivierendes Spieldesign sieht anders aus!
Bugs und andere Probleme
Blackguards ist seit November 2013 als Early-Access-Version erhältlich, die am 22. Januar veröffentlichte Verkaufsfassung enthält alle im Spielverlauf erschienenen Patches. Trotzdem haben sich einige kleinere und größere Bugs ins Spiel samt Day-One-Patch geschlichen. Deren Tragweite reicht von vernachlässigbar (einige Inventarsymbole sind vertauscht, etwa Helm und Handschuhe) über ärgerlich (eine Zwischensequenz muss ohne Sprechertext auskommen) bis schwer wiegend (das Spiel fror im Test ein halbes Dutzend Mal während der Ladezeiten zwischen zwei Orten ein und stürzte ein einziges Mal in einem Kampf ab). Unkomfortabel ist zudem das Fehlen einer freien Tastenbelegung; wer die Hotkeys verändern möchte, muss den Umweg über einen Text-Editor und die Datei Keybindings.txt im Ordner "C:\Users\Username\AppData\Local\Daedalic Entertainment" gehen.
Das Schwarze Auge: Blackguards ist im Einzelhandel für ca. 36 € erhältlich. Der Steam-Download schlägt mit 40 € zu Buche. Bei Gog.com gibt es das Spiel ohne Kopierschutz.

Miese Bewertungen liegen meistens nicht an dem Game, sondern an dem Tester und den Kriterien nach denen getestet wird!
Also ich finde das DSA sich eben mit der realistisch und erwachsen wirkenden Welt, die an ein strenges Regelwerk geknüpft ist, von anderen RPG´s abhebt.
Mit Blackguards ist da ein toller Ableger des DSA-Universums gelungen, welcher die taktischen Kämpfe neben vielen kleinen Geschichten fokusiert.
Wer sich auf das Game stürzt und ohne Hintergrundwissen loslegt, wird nicht lange Spaß haben! Hier lohnt es sich auch endlich mal wieder das Handbuch zu benutzen! ;)
Spieler die das Regelwerk kennen, werden sich besser nicht gleich zu Beginn mit fetter Rüstung und guten Waffen eindecken. Denn ohne die passend ausgebildeten Werte der Charaktere, macht man sich das Leben damit sehr schwer.
Wer aber Geduld aufbringt, sich mit der Welt und den Werten zu beschäftigen, kann im voraus planen und wird seinen Spaß an den DSA-Titeln haben. :daumen:
Ja die KI ist leider extrem vorhersehbar aber das macht das Spiel eigentlich leicht, ich spiele auf Normal und bin etwa in der Mitte des Spiels. Bisher musste ich nur 2 Kämpfe wiederholen, aber es ist eben DSA, wenn man ala Diablo alle Chars auf Burstschaden maximiert, wird man verlieren denn es ist eben kein Diablo... PS: Mein Char ist ein Magier, doch die sind gerade hintenheraus extrem stark in ihrer Rolle als Magier und die hat nichts mit Schaden verursachen zu tun!
Und da der Fokus auf den Kämpfen liegt, kann ich dir da nicht zustimmen, dass mit den Zauberstäben wusste ich bereits, allerdings nehmen die sich von den Werten nicht viel, ich glaube da ist nur jeweils ein Punkt zwischen Parade/Attacke und Klugheit/Charisma "vertauscht" worden, also im Grunde sind die gleichstark.