Climax: Filmrezension zum Musical-Horror-Drama aus Frankreich
Die Kombination aus Drama, Horrorfilm und Musical ist der erste Film von Gaspar Noé, der ein FSK 16 bekommt. Die Dreharbeiten dauerten dabei nur 15 Tage und stützten sich auf ein nur fünf Seiten langes Skript, während die Produktion insgesamt nur vier Monate in Anspruch nahm, damit die Cannes Film Festival Deadline eingehalten werden konnte. Das Provokationsdrama erzählt von einer französischen Streetdance-Gruppe und der Abschlussparty nach den Proben, bei der ein Fremder Drogen in die Drinks mixt. Die Droge scheint jedes Gefühl um ein Vielfaches zu intensivieren und Gewalt und unkontrollierte Begierde stürzen die Feier ins Chaos.
Am Anfang läuft der Abspann. Es folgen auf einem TV-Bildschirm gezeigte Interviews mit den Mitgliedern eines Tanzensembles und eine am Stück gefilmte Techno-Tanzperformance - dann eine Reihe streng konzipierter Zweier-Einstellungen, in denen die extrovertierten Figuren über alles Mögliche reden, vor allem ziemlich derb über Sex. Weil irgendjemand LSD in die Sangria gekippt hat, eskaliert die Party in einem Schulgebäude zum Horror-Rausch.
Auch der neue Film des Kino-Provokateurs Gaspar Noé ("Irréversible") zielt auf eine Verstörung des Publikums. Je tiefer die Nacht, desto heftiger drehen die zugedröhnt-paranoiden Charaktere ab. Die von Benoît Debie ("Spring Breakers") virtuos geführte Kamera vollzieht das Chaos zum Beat des Elektro-Soundtracks nach, steht Kopf, dreht sich, springt in die Ego-Perspektive. Wie immer bricht Noé Tabus, zeigt Gewalt, Selbstverstümmelung, Inzest. Das wirkt teils plump auf Skandal gebürstet, fasziniert aber mit der kompromisslosen Stilisierung.
FAZIT: Der audiovisuell interessante Arthouse-Schocker versteigt sich in einen kollektiven Drogentrip - für Zartbesaitete zu heftig.
