SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen - Seite 1

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SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen - Seite 1
Quelle: Sebastian Arie Voortman/Pexel, Activision Blizzard, Montage: PC Games

Matchmaking in Videospielen ist schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Warum moderne Systeme eine Gefahr für den Spielspaß darstellen, klären wir.

Der relative Skilllevel der Spieler wird ebenfalls als Faktor eingebunden, genauso, ob Freunde des Spielers online sind und man ihn mit diesen matchen kann. Der Spielstil kann hinzugezogen werden, also ob ein Spieler eher aggressiv ist oder lieber vorsichtig vorgeht. Das wirkt sich auf die Teamzusammensetzung aus, denn manche Spieler matchen lieber mit Gunrunnern, andere mit Scharfschützen. Am Ende hängt aber alles von der Wartezeit ab: Je länger ein Spieler auf ein Match wartet, desto unwichtiger werden alle anderen Faktoren.

Als Call-of-Duty-Influencer, eSportler und seines Zeichens ehemaliger Angestellter bei Activision führt Mavriqgg auf seinen Kanälen aus, dass Spielerprofile bedeutend weiter in die Tiefe gehen. Gewählte Einstellungen, die Tageszeiten, zu denen man spielt, Eingabegeräte, wie man sich im Spiel bewegt und wofür man wann Geld ausgibt - alles wird erfasst. Das deckt sich mit Patenten von Activision, in denen von der "Analytics and Feedback Engine" die Rede ist. Was Maveriqgg ebenfalls ins Feld führt, ist, dass es sich bei Call of Duty nicht um reines Skillbased-Matchmaking handelt, sondern eine Kombination aus SBMM und EOMM, also Engagement Optimized Matchmaking, worauf wir später einen genaueren Blick werfen.

Kein Match ohne Ranking

Dass in Call of Duty das Matchmaking immer Skill-basiert ist, bestätigen auch andere Youtuber. Drift0r führte sowohl zum 2019er Modern Warfare als auch zum 2020er Black Ops Cold War Studien durch. Die dabei erhobenen Daten sind einsehbar und sind nach wissenschaftlichen Standards ausgewertet worden, sind aber von keiner höheren akademischen Einrichtung kontrolliert.

Dabei stellte er fest, dass es ein Ranking-System geben muss, dass Spieler mit Leuten in eine Gruppe steckt, die einen ähnlichen Skill-Level haben. Dieser Level oder Rang wird einem allerdings nie gezeigt. In letzter Konsequenz heißt das, es existiert keine Art Casual-Modus für entspanntere Spiele zwischendurch. Alle spielen immer mit Rangliste.

Im zuvor genannten Interview erzählte uns der Producer von Modern Warfare 2, Geoff Smith, dass es nicht so einfach wäre, Skill aus der Gleichung herauszunehmen, die das Matchmaking ausmacht, es aber auch nicht so wichtig in der Gesamtgleichung wäre.

Das, was alle als Skillbased Matchmaking bezeichnen, sei laut ihm einfach nur Matchmaking. Wenn man die geschichtliche Entwicklung betrachtet, stimmt das auch. Matchmaking war schon immer Skill-basiert, wenn es sich um einen Wettkampf handelt. Aber ein Modus ohne Rangliste soll den Wettkampf eben ausklammern und den Spielspaß in den Vordergrund stellen.

In naher Zukunft wird es aber wohl keinen Modus in Call of Duty geben, der ohne Ranglisten auskommt. Ob sich der Skill tatsächlich nicht aus der Gesamtgleichung entfernen lässt, bleibt aber fraglich.

Eine Annäherung an die Wahrheit bietet wiederum die Studie von Youtuber Drift0r. Während im 2019er Modern Warfare keine messbaren Verbindungsunterschiede bei Spielern mit verschiedenen Rängen aufkamen, ergaben die gesammelten Daten, dass in Black Ops Cold War Spieler mit dauerhaft besseren Statistiken nicht nur länger auf ihr Match warten mussten, sondern auch einen höheren Ping hatten.

Wie wichtig welcher Aspekt im Matchmaking-Prozess ist, können die Entwickler anscheinend unterschiedlich gewichten, und davon abhängig bieten die Titel unterschiedliche Spielerfahrungen. Der schlechtere Ping lässt sich auf verschiedene Arten erklären.

So kann er daran liegen, dass bessere Spieler einen kleineren Spielerpool haben, mit dem sie zusammen gematcht werden. Eine andere Möglichkeit stellt Engagement Optimized Matchmaking dar.

SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen (4) Quelle: Infinity Ward/Activision SBMM und EOMM: Die Wahrheit über modernes Matchmaking in Videospielen (4)

Was ist EOMM?

Was Engagement ist und warum es erst mal gut ist, das Engagement zu optimieren, erklärt uns Medienpsychologe und Spieleforscher Dr. Christian Roth: "Engagement ist ja eigentlich das A und O für Spieler und Spielerinnen. Nichts ist schlimmer als eine leere Lobby vorzufinden. Das Spiel ist dann praktisch tot, wenn es keiner mehr online spielt."

Engagement kann bedeuten, dass man überhaupt im Spiel aktiv ist und Spielzeit aufwendet. Engagement kann aber auch sein, dass man im Spiel mit anderen interagiert oder Gegenstände kauft. Es handelt sich demnach um einen sehr breiten Begriff, der in jedem Kontext neu definiert werden muss.

Im Rahmen einer Studie untersuchten sieben Forscher während der 2017 abgehaltenen World Wide Web Conference, wie man Engagement Optimized Matchmaking nutzen kann und definierten Engagement als Spielzeit und das Wiedereinschalten des Spiels innerhalb von einer Woche.

Die Wissenschaftler fanden in ihrer Arbeit "EOMM: An Engagement Optimized Matchmaking Framework" heraus, dass es nicht ideal ist, Spieler immer fair zu matchen. Stattdessen funktioniert es am besten, wenn sie im Wechsel sowohl gewinnen als auch verlieren, um möglichst lange aktiv zu bleiben.

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    • Kommentare (7)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Tariguz Hobby-Spieler/in
        Danke dass ihr dieses Thema endlich behandelt. Viele haben überhaupt keine Ahnung was überhaupt vor sich geht. Ich habe Call of Duty den Rücken zugewandt nachdem ich einfach nicht mehr wusste ob mein Sieg jetzt verdient war oder ob das System Mitleid hatte.
      • Von Tariguz Hobby-Spieler/in
        Danke dass ihr dieses Thema endlich behandelt. Viele haben überhaupt keine Ahnung was überhaupt vor sich geht. Ich habe Call of Duty den Rücken zugewandt nachdem ich einfach nicht mehr wusste ob mein Sieg jetzt verdient war oder ob das System Mitleid hatte.
      • Von DarkEmpireRemix Gelegenheitsspieler/in
        Zitat

        Elo-Hell, ein Momentum, bei dem man nur noch gegen viel zu starke Gegner oder mit schlechten Mitspielern gematcht wird und ausschließlich verliert, existiert nicht.
        Brauchbarer Artikel, aber dann das. Natürlich existiert sie... Es ist wie gar richtig erfasst, nur der Momentum, also der Zeitpunkt, wo sich das Blatt wieder dank der Berechnung gegen einen wendet, gemeint. Und dies können die Spieler nicht nur spätestens seit den letzten 3-4 Battlefields und CoD's allmählich mehr und mehr merken, dank Spielen wie Overwatch, Smite, etc., kann man es nachträglich oft gut ablesen. Gerade wenn man ohne ein Team in solch ein Teamspiel spielt, wird man, selbst nach hunderten gespielten Spielen, nicht groß über eine 50-50-Quote kommen. Mit einem (halbwegs eingespielten) Team ist es da bereits einfacher, nur die Wartezeiten steigen oft sehr an, um so eingespielter man ist. Wenn man nach einiger Zeit nicht gegen koreanische Progamern vermittelt werden kann, bekommt man eben TrollAffen oder Dropper ins eigene Team, Hauptsache es wird einem alles in den Weg geworfen damit man nicht weiter gewinnt.

        Mir macht das System dahinter immer weniger Freude, einfach da man kaum noch auf einen normalen Serverbrowser ab und an ausweichen kann. Aber auch weil ich nicht glaibe, das die Firmen, wie hier ebenfalls vermutet wurde, das System ganz sicher nicht einzig für die Spieler einfürten und immer weiter ausbauen, und somit immer eine weitere Unfairnis im Raum mitschwingt.
        Ein Dice-Angestellter sagte bereits bei BF4 das Spieler unter Level 20 weitaus besser treffen. Weiteres erfuhr man dazu aber nie. Ich denke ein solches System muss halt erst einmal mit Daten gefüttert werden, gleichzeitig sollen sich Anfänger mächtig fühlen um gerade Anfangs am Ball zu bleiben. Mit so etwas bekämen sie beides. Und doch wurde man selbst mit einem Hohen Rang ab und an natürlich mit solch niedrigen Rängen vermittelt. Da würde sich dann wohl die Frage sonst stellen: Wieso, wenn es keine Elo-Hölle gäbe? ;)
      • Von 1xok Mitglied
        Mit dem MM ist es wie mit der Sauna: Es gibt keine Alternative zum Schwitzen! Das hat aber anscheinend nur Valve verstanden. Man kann auch sehr gut beim Schwitzen entspannen. Und wenn gerade nicht, dann wirklich etwas anderes machen. Aber sich für dumm verkaufen lassen ist in meinen Augen keine Entspannung.

        Es gibt auch keine Alternative zu Community Skins, wenn die nicht alle aussehen sollen wie aus dem Kaugummiautomaten.

        Und die ELO Hölle existiert natürlich. Aber eben nur im echten ELO basierten MM a la CS. Was man machen kann ist Smurfs, Cheater und Griefer in die selben Lobbies zu matchen. Das war's dann aber auch. Und den akzeptablen Ping stellt man natürlich selber ein. Ebenso kann man zwanglos ohne ELO spielen oder das Gegenteil auf Faceit tun.

        Activision und Co. sollten sich vielleicht einmal fragen wieso Counter Strike seit 20 Jahren unangefochten an der Spitze der kompetitiven Shooter steht. Klar gibt es dort mit den Kisten auch Glücksspiel. Aber es ist nicht der Inhalt des Spiels. Ich hab in 800h CSGO zwei Kisten geöffnet. Die restlichen Skins einfach auf dem Marketplace gekauft. Und für einen guten Community Skin gibt man auch mal Geld aus. Teilweise so viel wie für ein Spiel, weil man einfach einen Bezug zu dem Game hat, selbst wenn man es monatelang nicht spielt. Man kommt wieder darauf zurück. Mirage, Mirage.
      • Von Bast3l Hobby-Spieler/in
        Zitat

        Der Spielstil kann hinzugezogen werden, also ob ein Spieler eher aggressiv ist oder lieber vorsichtig vorgeht. Das wirkt sich auf die Teamzusammensetzung aus, denn manche Spieler matchen lieber mit Gunrunnern, andere mit Scharfschützen.
        Das kann ich aktuell sehr gut bei MW2 beobachten.. ich spiele es seit Weihnachten und ich hab immer in den Tier1 TDMs noch sehr viele Camper. Ich selbst renne am liebsten wie angestochen über die Map.. bei MW 2019 hat sich das lange erledigt, nur vereinzelt waren mal welche dabei die dauernd an der selben Stelle lagen/ standen. Sollte das was damit zu tun haben finde ich das grundsätzlich gut.

        Muss aber sagen, dass ich ehr von DMZ angetan bin und da sind - womöglich auch durch die Weihnachtskiddies - die Squadmates sehr durchwachsen.

        Das kann man aber über Friendrequests bei guten Runden echt leicht regeln :D

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] , Artikel: Gut geschrieben und recherchiert, interessantes Thema. Danke :)
      • Von Drohtwaschl Hobby-Spieler/in
        Die Wahrheit? naja wohl eher vermutungen. Keine handfesten Fakten. Klar man weiß dass es den Müll gibt, aber nichts in dem Video ist bestätigt oder auch nur Belegt wie ihr ja selber sagt. Als kann es nicht die Wahrheit darüber sein, sondern einfach was Ihr euch denk.

        Nicht falsch verstehen, mir hat das Video sehr gut gefallen, ich kritisiere hier lediglich wieder mal eure dumme Headline. Denn Vermutungen sind nunmal nicht die Wahrheit. Die Wahrheit hinter sbmm kenn nur Activision und co.
      Direkt zum Diskussionsende
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