Bombshell im Test mit Video: Verpatztes Comeback der Duke-Nukem-Schöpfer
Spaßgranate oder nur müde Schießerei? Im Test zu Bombshell prüfen wir, ob 3D Realms zu alter Stärke zurückgefunden hat. Der ehemalige Duke-Nukem-Ableger mixt deftige Retro-Action mit modernen Rollenspiel-Tupfern - klingt toll, spielt sich aber mies. Im Review mit Video klären wir, warum Bombshell eine glatte Enttäuschung ist.
Bombshell im Test: Schon gewusst? Hinter der Ballerorgie Bombshell steckte mal ein großer Name. Denn auch wenn man's ihm kaum noch ansieht, war das Spiel ursprünglich als Duke-Nukem -Ableger mit dem Untertitel "Mass Destruction" konzipiert! Nachdem Gearbox aber die Rechte an der Macho-Hohlbirne erwarb, sahen sich die Entwickler Interceptor Entertainment gezwungen, ihr Spiel nochmal kräftig umzustricken - und darum darf sich nun die brandneue Heldin Shelly Harrison über ihren Einsatz freuen. Die Elite-Soldatin hört zwar auf den zweideutigen Spitznamen Bombshell, pfeift aber auf Dukes ätzenden Sexismus - ein Glück, denn noch so eine halbnackte Ballerdirne, die nur als bessere Fleischbeschau dient, hat das Genre weiß Gott nicht nötig. Warum aber auch die emanzipierteste Heldin nicht ausreicht, um das Spiel vor dem Mittelmaß zu bewahren, das klären wir im Review zu Bombshell.
Auf dieser Seite
- 1 Bombshell im Test: Wer braucht schon den Duke?
- 2 Bombshell im Test: Miese Sprecher, Nebenquests als Spaßbremse
- 3 Bombshell im Test: Eintönige Action ohne Highlights
- 4 Bombshell im Test: Wenn's einfach an Wucht fehlt
- 5 Bombshell im Test: Waffen und RPG-Elemente
- 6 Bombshell im Test: Technische Probleme
- 7 Bombshell im Test: Solide Optik, krachender Sound, deftiger Preis *Update*
Bombshell im Test: Wer braucht schon den Duke?
Quelle: PC Games
Die Heldin zählt zu den wenigen Highlights von Bombshell.
Shelly "Bombshell" Harrison tritt cool und entschlossen auf, sie hat es nicht nötig, für den Spieler mit dem Arsch zu wackeln. Ihre Markenzeichen: ein mächtiger bionischer Arm, der sich in verschiedene Waffen umwandeln lässt, sowie ziemlich miese Laune. Kein Wunder, denn zu Spielbeginn kommen irgendwelche Aliens angerückt, legen das Weiße Haus in Schutt und Asche und entführen die US-Präsidentin auf einen abgelegenen Planeten. Unser Job ist klar: Wir müssen hinterher und dabei alles über den Haufen knallen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.
Das Ganze ist natürlich trashig bis zum Umfallen, passt aber prima zu 3D Realms' Geschichte: Mit übertriebenen, meist brutalen Ballereien machte sich das US-Studio in den 90ern einen Namen, bis die legendäre Farce um Duke Nukem Forever den Höhenflug beendete. Bombshell, das von 3D Realms' dänischem Mutterkonzern Interceptor entwickelt wurde, soll für die Duke-Urväter nun das lang ersehnte Comeback bedeuten. Doch die Aussichten stehen schlecht, Bombshell legt im Test eine glatte Bauchlandung hin. Dabei klingt das Konzept gar nicht mal übel: Bombshell ist ein klassisch-derber Top-Down-Shooter, in dem wir wie in der guten alten Zeit durch simpel aufgebaute Levels stapfen, massig Aliens umnieten und Power-Ups sammeln. Obendrein gibt's auch ein paar zeitgemäße Rollenspiel-Einflüsse, wie zum Beispiel Erfahrungspunkte oder optionale Sidequests. Klingt also erst mal gut. Spielt sich nur leider nicht so.
Bombshell im Test: Miese Sprecher, Nebenquests als Spaßbremse
Quelle: PC Games
Manche Nebenquests nerven mit übel vertonten männlichen Soldaten.
Gerade die Nebenquests entpuppen sich als schleppende Beschäftigungstherapie. Meist sollen wir nur rumliegende Artefakte aufsammeln oder Soldaten retten, die sich irgendwo in den Levels verschanzt haben. Doch hat man den gesuchten Marine endlich gefunden, wünscht man sich schnell, man hätte es nicht getan: Die männlichen Nebenrollen klingen so übertrieben und unprofessionell, als habe man den erstbesten Laien aus der Supermarktschlange vors Mikro gezerrt. Für die ohnehin belanglose Story mag das keine Rolle spielen, für die Atmosphäre aber sehr wohl. Aber auch Shelly trägt ihren Teil dazu bei: Ihre Sprecherin ist zwar motiviert und professionell, doch leider legen ihr die Autoren ein paar hohle Gags und Sprüche in den Mund, die sie obendrein während der Kämpfe ständig wiederholt. Eher nervig als lustig.
Auch die Belohnungen für gelöste Nebenaufgaben enttäuschen: Oft gibt's nur ein paar Erfahrungspunkte, etwas Geld und Munition - alles viel zu wenig, um die Mühe zu rechtfertigen. Denn Sidequests bremsen den Spielablauf gehörig aus, da wir die Umgebungen oft bis in den letzten Winkel erkunden müssen. Eigentlich kein Problem, doch da die Levels ziemlich weitläufig aufgebaut sind, führt das oft zu langen Laufwegen und unnötigem Backtracking. Und wenn wir Pech haben, erreichen wir dabei sogar ungewollt den Levelausgang, noch bevor wir eine Nebenaufgabe abgeschlossen haben. Rückkehr in alte Bereiche? Unmöglich.
Bombshell im Test: Eintönige Action ohne Highlights
Quelle: PC Games
Solche Minigun-Ballerszenen sind zwar blitzschnell vorbei, doch für ein paar Sekunden sind sie auch ganz spaßig.
Bombshell ist alles andere als abwechlungsreich. Zur Auflockerung gibt es beispielweise nur kurze Ballersequenzen, in denen wir Gegnerhorden mit der Minigun zersäbeln. Laut. Lustig. Und binnen Sekunden vorbei. Selten müssen wir auch mal Amiga bemühen, unseren Roboter-Kumpanen, der in Gestalt einer kleinen Blechspinne umhergelenkt werden kann. Mit ihm lösen wir eine Handvoll kleiner Puzzles, die aber meist nur daraus bestehen, den Roboter auf einen Bodenschalter zu hocken. Ansonsten heißt es einfach laufen, schießen, Zeug aufsammeln, Schalter drücken - so ganz ohne Überraschungen oder eigenständige Ideen wird das schnell eintönig. Dagegen kommt auch die grafisch hübsche Levelgestaltung nicht an - ob wir uns nun durch schummrige Eishöhlen oder durch eine stimmungsvolle Alien-Basis mähen, es bleibt spielerisch stets beim Alten.
Auch die wenigen Bosskämpfe retten da nicht mehr viel, zumal sie einfach nicht sonderlich gut designt sind. Der Kampf gegen das vielarmige Riesenbiest Abomination hat uns zum Beispiel mehr genervt als unterhalten: Eintönige Angriffsmuster, eine schlecht gewählte Kameraperspekte und unfaire Übergänge zwischen den Kampfphasen strapazieren die Geduld des Spielers. Andere Shooter haben das schon sehr viel besser hinbekommen.
Bombshell im Test: Wenn's einfach an Wucht fehlt
Seinem Retro-Anspruch wird Bombshell aber zumindest gerecht - das Waffenangebot ist überraschend konservativ geraten, die meiste Zeit über hantieren wir mit Shotgun, Maschinengewehr, Granaten oder Raketenwerfer. Dass Letzterer den gewollt lustigen Namen PMS trägt, tut wenig zur Sache - am Ende ist es doch nur ein stinknormaler Rocket Launcher. Der fühlt sich aber zumindest ganz gut, weil mächtig an - ein Lob, das man sich bei den anderen Wummen leider sparen kann. Für ein arcadiges Ballerfest ist das Trefferfeedback in Bombshell einfach zu schwammig und unbefriedigend geraten, die Gegner schlucken zu viele Kugeln oder zeigen sich von unserem Beschuss fast unbeeindruckt. Kurz gesagt: Diesen Waffen fehlt's an Rumms. Hinzu kommt die fixe Kameraperspektive, die sich weder drehen noch neigen lässt - dank ihr greifen uns Gegner oft schon an, bevor wir sie sehen können. Auch bei den seltenen Sprungeinlagen ist die strenge Draufsicht eher hinderlich.
Quelle: PC Games
Die Schockwellen-Kanone fühlt sich viel zu schwach an - wir haben sie kaum benutzt.
Bombshell im Test: Waffen und RPG-Elemente
Quelle: PC Games
Für alle Waffen schalten wir sekundäre Feuermodi frei. Umkehren lässt sich die Entscheidung nicht.
Immerhin: Mit Währung, die überall in den Levels rumliegt, dürfen wir Waffen mit der Zeit upgraden. Dazu können wir jeder Knarre einen von zwei sekundären Feuermodi spendieren. Unsere Standard-Waffe Iron Maiden feuert dann beispielsweise Projektile ab, die von Wänden abprallen - oder stattdessen gibt sie einen konzentrieren Schuss ab, der viel Schaden austeilt, aber auch massig Energie verbraucht. Waffen den eigenen Vorlieben anpassen? Eigentlich eine prima Idee! Doch leider birgt sie auch ein Problem: Einmal gewählt, lässt sich der sekundäre Feuermodus nämlich nicht mehr austauschen. Man kauft also ein teures Upgrade, ohne wirklich zu wissen, ob es überhaupt zum eigenen Spielstil passt und ob es so cool ist wie erhofft. Umso ärgerlicher, dass sich manche der Verbesserungen dann auch tatsächlich eher schwach und nutzlos anfühlen.
Quelle: PC Games
Solche Finishing Moves bringen Shelly mehr Erfahrungspunkte ein.
Neben neun Waffen stehen Shelly auch vier Spezialkräfte zur Verfügung, etwa eine kräftige Ramm-Attacke, ein Schutzschild oder ein Energieschwert - letzteres ist zwar übertrieben stark, peppt die eintönigen Schießereien aber auch ein gutes Stück auf. Mehr davon hätte dem Kampfsystem gut getan! Leider schalten wir das Energieschwert aber erst spät im Spielverlauf frei. Die vier Fähigkeiten können im Laufe der Zeit verbessert werden, anders als Waffen aber nicht mit Geld, sondern mit Upgrade-Punkten. Denn in Bombshell werkelt auch ein klitzekleines Rollenspiel-System gängiger Bauart: Wir sammeln im Kampf Erfahrung und steigen im Level auf, dann dürfen wir Punkte auf unsere Spezialkräfte oder auf drei mickrige Basisattribute verteilen. Auch das ist allerdings mehr Schein als Sein, denn man sollte tunlichst Shellys Rüstungs- und Lebenspunktewert verbessern, um nicht ständig ins Gras zu beißen. Die vier Fertigkeiten aufzuwerten, ist dagegen blanke Verschwendung.
Bombshell im Test: Technische Probleme
Selbst wenn Shelly doch mal den Löffel abgibt, ist das in der Regel kein Beinbruch: Gegen eine kleine Gebühr (fünf Prozent vom aktuellen Geld-Vorrat) darf man nämlich an Ort und Stelle weitermachen. Alternativ kann Shelly auch an einem der automatischen Checkpunkte auferstehen, die sind allerdings oft so doof gesetzt, dass man lieber die kleine Gebühr zahlen und einfach respawnen sollte. Sonst drohen nervig lange Wiederholungen und Laufwege. Kleiner Tipp: Sobald man das Energieschwert freigeschaltet hat, kann man es auch zur schnellen Fortbewegung nutzen - pro Schwerthieb bekommt Shelly nämlich einen kleinen Geschwindigkeitsbonus.
Quelle: PC Games
Die wenigen Bosskämpfe sind schwach designt.
Als hätte Bombshell nicht so schon genug Probleme, hatte die Review-Version auch mit einigen Bugs zu kämpfen. Harmlose Fehler wie nicht reagierende Aufzüge oder KI-Aussetzer können wir ja noch verschmerzen. Wenn Shelly aber nach einem Dash kurzerhand aus dem Level hüpft oder durch ein unsichtbares Loch im Boden ins Leere stürzt, dann hört der Spaß langsam auf. Ganz übel: Kurz vor Ende hat uns das Spiel kurzerhand den Spielstand zerschossen. Da half dann auch kein Neustart beim letzten Checkpoint mehr, der Fortschritt war futsch - also nix mit Durchspielen! Doch den 8 Stunden nach zu urteilen, die wir gespielt haben, bestand keinerlei Hoffnung, dass sich Bombshell auf den letzten Metern doch noch zu einem Shooter-Kleinod wandelt.
Bombshell im Test: Solide Optik, krachender Sound, deftiger Preis *Update*
Bombshell macht zwar vieles, aber zumindest nicht alles falsch. Die Levels beispielsweise sind zum Teil hübsch gestaltet und liebevoll ausgeleuchtet - einzig die übertriebenen Glanzeffekte auf den Oberflächen wirken deplatziert. Auch die Effekte gehen in Ordnung, und die rockige Musik drischt die meiste Zeit über angenehm trashig aus den Boxen. Dem gegenüber stehen allerdings mäßige Waffen, eintönige Kämpfe, schwache RPG-Elemente und öde Nebenquests. Mit anderen Worten: das Negative überwiegt deutlich.
Umso trauriger, dass Shelly Harrison ausgerechnet auf diese Weise ihr Debüt geben muss - sie hätte ein besseres Spiel verdient. Bleibt nur zu hoffen, dass sie trotzdem irgendwann einen Nachfolger erhält - immerhin plant 3D Realms, Bombshell zu einem großen Franchise aufzubauen. Ob's klappt? Das darf zumindest bezweifelt werden.

Saucy source: https://twitter.com/Bombs...