Was macht eigentlich ... Blue Byte?
Der Chef: Benedikt Grindel trägt die Verantwortung für Siedler 5.
Mülheim an der Ruhr, Eppinghofer Straße 150 - noch heute Sitz der bekanntesten deutschen Computerspiele-Marke. Vor 14 Jahren gegründet, ist Blue Byte in fast jedem gut sortierten Spiele-Haushalt vertreten. Die Siedler 1 (1994), 2 (1996) und 3 (1998) lassen halb Deutschland an der Maus kleben. Blue Byte-Gründer Thomas Hertzler expandiert - on- wie offline: Er eröffnet Filialen in den USA und Großbritannien und treibt tollkühne Internet-Seifenblasen wie Battle Isle: Dark Space und Shadowpact voran. Dann die Reißleine: Im Februar 2001 verkauft Hertzler seine Firma an den französischen Spiele-Riesen Ubi Soft (Rayman 3, Battle Realms) und siedelt in die USA. Die Siedler 4 wird im Frühjahr 2001 veröffentlicht - und wäre wohl besser im Sommer oder Herbst erschienen, ausgewogener und mit weniger Bugs. Zwei gelungene Add-ons signalisieren die Trendwende: Ubi Soft hat die langjährige Talentschmiede - ein Großteil der deutschen Entwickler-Szene hat ihre Wurzeln in Mülheim - personell komplett neu aufgestellt; derzeit arbeitet eine 34köpfige Belegschaft an der Siedler-Fortsetzung. PC Games sprach mit Studioleiter Benedikt Grindel und Blue Byte-Urgestein Thorsten Mutschall, dem heutigen Chefgrafiker.
PC Games: Ihr arbeitet seit vielen Monaten intensiv an der nächsten Siedler-Generation. Seid Ihr nach wie vor in der Konzeptionsphase oder schon bei der konkreten Umsetzung?
Grindel: "Wir arbeiten derzeit noch am Design und der Basistechnologie."
Mutschall: "In der Grafik werden im Moment die neuen Charaktere entwickelt."
PC Games: Wie sieht der Zeitplan für Siedler 5 aus?
Grindel: "Unser größtes Ziel ist, Top-Qualität und erstklassiges Gameplay zu liefern. Im Moment ist es noch zu früh, einen Release-Termin zu nennen."
PC Games: Was hat euch dazu bewogen, ein "3D-Siedler" zu produzieren, anstatt den 2D-Gefilden treu zu bleiben?
Mutschall: "Wir wollen mehr Interaktion mit der Siedler-Welt ermöglichen, da bietet 3D einfach viel mehr Möglichkeiten. Mit den neuesten Technologien erzeugen wir auch in 3D den gewohnten Detailreichtum und die typische Atmosphäre."
PC Games: Bedeutet das angekündigte "innovative Spielprinzip" eine Abkehr vom klassischen "Siedeln"?
Grindel: "Eher im Gegenteil: Wir werden uns auf den Kern der Siedler konzentrieren, und da steht das klassische "Siedeln" ganz oben."
PC Games: Cultures 2 ist zuletzt auf ausgesprochen dünnes Interesse gestoßen. Was läuft schief im Aufbau-Genre? Was sind die größten Herausforderungen, um die Fans für ein fünftes Siedler-Spiel zu begeistern?
Mutschall: "Siedler 4 hat sich bis jetzt über 300.000 mal verkauft und ist weiterhin in den Charts. Wir haben es jetzt in 17 Sprachen auf den Markt gebracht. Das Aufbaugenre ist also nicht tot. Cultures 2 ist kein schlechtes Spiel. Aber hat jemand wirklich darauf gewartet?"
PC Games: Ihr investiert auffallend viel Zeit und Geld in den Aufbau und die Pflege der Community im Blue Byte Game Channel (vergleichbar Blizzards Battle.Net). Ist das bei einem Spiel wie Siedler 4 überhaupt nötig? Wird dies bei Siedler 5 so bleiben?
Grindel: "Das sind unsere treuesten Fans und unsere größten Kritiker, außerdem die Meinungsführer für viele potenzielle Kunden. Wir werden unsere Community weiter pflegen und ausbauen."
PC Games: Von vielen Lesern angefragt: Wird es eine Fortsetzung der Battle-Isle-Saga geben?
Grindel: "Auch wir bekommen dazu regelmäßig Anfragen. Im Moment können wir dazu leider nichts sagen."
PC Games: Rückblickend: Was hättet Ihr aus heutiger Sicht bei Siedler 4 anders gemacht?
Mutschall: "Wir hätten die neuen Features noch mehr betonen müssen. Auf jeden Fall gab es in der Release-Version zu viele Bugs, so würden wir das Produkt heute nicht mehr auf den Markt bringen."
PC Games: Was ist aus Blue-Byte-Gründer Thomas Hertzler geworden?
Mutschall: "Thomas Hertzler lebt in Amerika - hier bei Blue Byte hören wir nicht viel von ihm."
