Die Akte Atomic Heart: Große Analyse der Russland-Kontroverse
Wir haben analysiert, was Atomic Heart vorgeworfen wird und liefern euch alle Informationen: Was haben Kritiker, Entwickler und das Spiel selbst zu sagen?
1.3 GEM Capital und der Mann im Fokus der Kritik: Anatoliy Paliy
GEM (Global Energy and Mining) Capital, der dritte Investor ist gleichzeitig der am meisten diskutierte, wenn es um Atomic Heart geht. GEM Capital wurde 2017 von Anatoliy Paliy gegründet, sitzt laut eigener Angabe auf Zypern (zuvor offenbar in Moskau), und finanziert Projekte und Ideen in Osteuropa und dem Mittleren Osten. Zum Portfolio der Investmentfirma gehören neben Mundfish (Atomic Heart) auch Owlcat Games (Pathfinder: Wrath of the Righteous) und 110 Industries (Wanted: Dead).
Während sich das Unternehmen auf seiner Website quasi ausschließlich als Geldgeber von Gaming-, Tech- und Real-Estate-Firmen darstellt, bestehen auch konkrete Verbindungen zur russischen Gasindustrie. 2020 erwarb GEM Capital das in Russland tätige Gasunternehmen Volga Gas. Auf seiner Website führt Volga Gas unter anderem Gazprom Neft als Partner auf, das im März 2022 von der EU mit Sanktionen belegt wurde. Unmittelbare oder mittelbare Geschäfte mit Gazprom Neft sind europäischen Firmen verboten. Ob zu "unmittelbaren Geschäften" auch der Verkauf eines Spiels gehört, das zu einem Teil von der Investmentfirma finanziert wurde, die einen der Handelspartner von Gazprom Neft besitzt, darf aber bezweifelt werden.
Übrigens steht neben Gazprom Neft auch Microsoft, das den Vertrieb von Atomic Heart via Game Pass übernimmt, auf der Liste der Partner von Volga Gas.
Quelle: GEM Capital
Anatoliy Paliy, der Gründer von GEM Capital.
GEM-Gründer Paliy war darüber hinaus ein langjähriger Top-Manager bei einer Tochter des russischen Konzerns Gazprom namens Gazprom Gazenergoset. Diese Tatsache, und der Umstand, dass eventuell von Paliy angenommene Kredite zur Finanzierung seiner GEM-Projekte natürlich mit Gewinnen wieder zurückgezahlt werden müssen, legt für Kritiker die Vermutung nahe, dass die Erlöse von Atomic Heart teilweise an die russische Gasindustrie fließen könnten.
Die wird von der russischen Regierung nicht erst seit Beginn des Krieges als wirtschaftliche Waffe eingesetzt, allen voran Gazprom, da sich das Unternehmen zu 50 Prozent im Besitz der Russischen Föderation befindet.
Der Twitter-Nutzer @fj_undead, dessen Thread von einigen Webseiten im Rahmen der Atomic-Heart-Diskussion aufgegriffen wurde, zeigt außerdem früher bestehende Verbindungen von Anatoliy Paliy zur sanktionierten VTB Bank, die (laut Paliys eigener Aussage) als Finanzpartner bei seinen Ölgeschäften fungiert haben soll.
Die VTB ist die zweitgrößte russische Bank und befindet sich zum Großteil in russischem Staatsbesitz. Zusätzlich sei Paliy über seinen früheren Financier Mark Garber mit der Firma RUSAL verbunden gewesen, die dem mittlerweile ebenfalls durch die EU sanktionierten Oligarchen Oleg Wladimirowitsch Deripaska gehört.
Zur Einordnung: Diese teils viele Jahre zurückliegenden Verbindungen sind keine Beweise dafür, dass GEM Capital - und damit auch Atomic Heart - heute noch in dubiose Geschäfte bzw. in Geschäfte mit sanktionierten Unternehmen verwickelt sind. Es ist nicht bekannt, ob Anatoliy Paliy noch etwas mit Gazprom oder der VTB-Bank zu tun hat.
Sicher ist aber, dass GEM Capital als Geldgeber von Atomic Heart natürlich ein Stück vom Kuchen abbekommt. Ein Stück, das teilweise den anderen Begünstigten der Investmentfirma zugutekommen wird, und damit möglicherweise auch der russischen Gasindustrie in Form von Volga Gas. Gegenüber dem Journalisten Kirk McKeand äußerte ein Sprecher von GEM Capital jedoch, dass man 2022 bei Volga Gas ausgestiegen sei und generell keine Investitionen in Russland tätige.
In einem Interview auf der russischen Website Kommersant von 2020 erzählt Paliy, dass GEM Capital nicht nur als Investor fungiere, sondern auch direkt an operativen Entscheidungen bei den Unternehmen, die es finanziert, beteiligt sei. Inwiefern sich das beispielsweise auf die Entwicklung und die Inhalte von Atomic Heart ausgewirkt hat, ist unbekannt. Aussagen von Paliy zur Politik Russlands und zum Ukrainekrieg konnten wir nicht finden.
2. Das Entwicklerstudio, seine Publisher und ein Kreml-gesteuerter Medienkonzern
Genau wie GEM Capital und Gaijin Entertainment ist der Atomic-Heart-Entwickler Mundfish ein ursprünglich russisches Unternehmen, das mittlerweile seinen Hauptsitz ins Ausland (genauer gesagt Zypern) verlegt und sämtliche Verweise auf irgendeinen Betrieb in Russland von seinen öffentlichen Kanälen entfernt hat - außer einer Studiotour durch sein Moskauer Büro von 2019.
Quelle: Mundfish
Laut seiner Website beherbergt das Studio "130 Kreativköpfe aus zehn Ländern". Aufgezählt werden aber nur neun.
Zur Einordnung: Alleine, dass sie (möglicherweise) noch in Russland leben und arbeiten, sowie ihre Herkunft, kann den Entwicklern nicht zum Vorwurf gemacht werden. Ebenso problematisch sind Rückschlüsse auf dubiose Machenschaften deswegen, weil das Studio Verweise auf seine russischen Wurzeln von seinen Kanälen entfernt hat.
Das könnte ein Verschleierungsversuch sein, ebenso wahrscheinlich ist, dass man potenzielle, existenzbedrohende Sanktionen für das lange vor der Invasion begonnene Projekt vermeiden möchte oder schlicht die (nun trotzdem stattfindende) Debatte umgehen will.
Aber auch die Flucht oder freiwillige Ausreise aus einem Land, dessen Politik man nicht mehr gutheißt, könnte ein Grund sein. Kurz gesagt: Möglichkeiten gibt es viele, zweifelsfrei beweisen lässt sich keine davon. Interessant und diskussionswürdig sind in diesem Punkt aber vor allem die Verbindungen von Mundfish zum russischen Medienkonzern VK.

Du schreibst so, als würdest du widersprechen, redest aber völlig am Inhalt vorbei.
Dann bitte Smartphone, Smart-TV, LEDs, PC, Konsole, Mikrowelle...ach die Liste könnte ich unendlich weiterführen.... wegschmeißen.
Es wird soviel Scheiße gebaut, daß man gar nicht alles boykottieren kann.
Falsch:
Deswegen ist es völlig irrational, irgendetwas zu boykottieren.
Wissenswert:
Es gibt zB Smartphone Hersteller, die auf faire Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit achten.
Bei PCs sieht das zwar düsterer aus, aber mit entsprechender Zusammenstellung kann man einen PC inzwischen recht lange betreiben, ohne zu viele Komponenten aufrüsten zu müssen.
Mein Spiele PC ist momentan zB 8 oder 9 Jahre alt.
Leute, die das eine boykottieren und das andere nicht , als Heuchler darzustellen, ist ähnlich sinnvoll wie jemandem, der Bücher liest, Heuchlertum vorzuwerfen, weil er Buch X nicht gelesen hat.
Es gibt diverse Motive und Lebensbedingungen, die unsere Entscheidungen beeinflussen.
Vielleicht hat jemand nur soviel Geld, daß er sich nur bei einem Produkt die teurere, fairere Variante leisten kann.
Vielleicht lebt er mit jemandem in einem Haushalt, der den Boykott bei Produkt X nicht mitmacht, und daher einigt man sich darauf, bei Produkt Y aber komplett zu boykottieren.
Vielleicht verträgt man nur das unfairer produzierte Medikament Z.
Vielleicht weiß man auch einfach nichts über Problem P, aber viel über Problem X ...
Und wie sollte ich das durchsetzen...?
Das gilt ebenfalls für die Kunst.
Wenn das Einreißen eben jener Grenze die einzige Motivation der Macher ist, dann hat man ggfalls ein gewaltverherrlichendes Mistspiel.
Hat man hingegen einen Grund oder Kontext, warum diese Explizität der Gewaltdarstellung sinnvoll ist, dann ist das Einreißen dieser Grenze gerechfertigt.
Ansonsten ist es bloß Grenzen-Einreißen-Porno.
Bei einem Spiel wie Left 4 Dead macht es beispielsweise Sinn, den Gegnern die Köpfe abzuschlagen und das auch zu zeigen.
Hätten Menschen in der Vergangenheit, niemals Grenzen überwunden, würden wir Heute noch mit Tontafeln schreiben und in Höhlen wohnen.
Das gilt ebenfalls für die Kunst.
Und das schreibt jemand in einem Gaming Forum...glaubt man ja nicht mehr?
Dann bitte Smartphone, Smart-TV, LEDs, PC, Konsole, Mikrowelle...ach die Liste könnte ich unendlich weiterführen.... wegschmeißen.
Ist nämlich alles auf dem Rücken von moderner Sklaverei und Kinderarbeit zu absolut unmenschlichen Konditionen produziert worden.
Oder keinen Müll mehr verursachen, denn der wird ja auch von uns ins Ausland exportiert, damit wir am Ende als Umweltschützer dastehen...Und dann Mal bitte eine Doku gucken von den ekelhaften Umständen in Afrika und Mal "Hallo" rufen zu unserem Müll.
Waffenexporte von uns nach Saudi-Arabien, welche die Bevölkerung im Jemen-Konflikt tötet (derzeit ca. 230.000 tote).
Also....Was soll die Diskussion hier wenn im Endeffekt unser Staat und UNSER handeln bereits ein Verbrechen ist?