Assassin's Creed: Handwerklich gut gemachte, aber spaßbefreite und langweilige Spieleverfilmung

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Assassin's Creed: Handwerklich gut gemachte, aber spaßbefreite und langweilige Spieleverfilmung
Quelle: 20th Century Fox

Rezension zur Verfilmung von Assassin's Creed: Die Assassinen erobern das Kino - und haben dort mit bekannten, aber auch neuen Problemen zu kämpfen. Wir haben den Film gesehen und verraten in unserem Artikel, warum es ihm nicht gelingt, den Fluch der mittelmäßigen bis schlechten Spiele-Verfilmungen zu brechen.

Es hätte so schön sein können: Um den seit vielen Jahren grassierenden Fluch mittelmäßiger bis unter­durchschnittlicher Spieleverfilmungen zu stoppen, nahm Ubisoft im Rahmen einer neuen Firmen-Strategie bei der Realverfilmung von Assassin's Creed die kreativen Zügel selbst in die Hand. Ubisoft wollte in Zusammenarbeit mit 20th Century Fox und Regency eine Umsetzung garantieren, welche die Vorlage ernst nimmt und die­jenigen, die mit dem Spiele-Universum nichts anzufangen wissen, nicht mit fragenden Gesichtern zurücklässt.

Das ist zwar gelungen; das fertige Produkt ist qualitativ allerdings wieder einmal höchstens Durchschnittskost und bringt überraschenderweise zusätzlich einige Probleme mit sich, die man bereits aus den letzten paar Ablegern der Assassin's Creed-Spielereihe kennt.

Days of Future Past

Todmüde: Nach seinem scheinbaren Ableben erwacht Callum (Fassbender) in den Hallen Abstergos und wird dort von der Wissenschaftlerin Sophia (Cotillard) in Empfang genommen. Quelle: 20th Century Fox Todmüde: Nach seinem scheinbaren Ableben erwacht Callum (Fassbender) in den Hallen Abstergos und wird dort von der Wissenschaftlerin Sophia (Cotillard) in Empfang genommen. Der Film beginnt mit einem Blick auf das Leben des spanischen Assassinen Aguilar de Nerha (Michael Fassbender), der im Jahr 1492 das Initiationsritual seiner Gilde über sich ergehen lässt, inklusive der schmerzhaften Entfernung seines Ringfingers, um das Tragen und Benutzen der ikonischen versteckten Klinge unter dem Handgelenk zu ermöglichen. Der Auftrag der Assassinen: Den legendären Edenapfel zu beschützen, welcher über sagenhafte Kräfte verfügen soll und erbarmungslos von den mit ihnen seit Jahrtausenden verfeindeten Templern gejagt wird. Über 500 Jahre später treffen wir in der Gegenwart auf Callum Lynch (Michael Fassbinder in einer Doppelrolle), der nach einem nicht näher detaillierten Mord die Giftspritze verabreicht bekommt.

Anstatt jedoch im Leichenhaus zu landen, öffnet er nach seinem scheinbaren Ableben in den klinischen Hallen des Templer-Unternehmens Abstergo wieder die Augen. Unter dem wachsamen Blick des Abstergo-CEOs Alan Rikkin (Jeremy Irons) und dessen wissenschaftlich hochbegabter Tochter Sophia Rikkin (Marion­ Cotillard) erfährt er, dass er ein Nachkomme Aguilars ist und dass er mithilfe des sogenannten Animus, einer Maschine, die direkt an sein neutrales System angeschlossen wird, dessen Erinnerungen nacherleben kann. Fortan soll er den Templern helfen, den nach wie vor unauffindbaren Edenapfel aufzuspüren - womit die Assassinen der Gegenwart selbstverständlich nicht wirklich einverstanden sind. Während Callum sich nach und nach mit seiner eigenen, düsteren Vergangenheit auseinanderzusetzen lernt, läuft er Gefahr, sich in den Erinnerungen seines Vorfahren zu verlieren ...

Fehler der Vergangenheit

In der Theorie spannend, entwickelt sich in der Praxis aus dieser Prämisse eine kohärente und im Vergleich zu den abstrusen Spielen deutlich weniger absurde Handlung, die aber keinerlei echte Höhepunkte aufzuweisen hat. Was der Film mit den Spielen gemein hat: platte, klischeebehaftete Hauptfiguren, die von viel zu vielen und noch oberflächlicher ausgearbeiteten Nebencharakteren umgeben werden (vor allem die Rolle des grandiosen Charakterdarstellers Brendan Gleeson entpuppt sich lediglich als Cameo); eine Handlung, die vor sich hinplätschert, aber keine emotional zufriedenstellende Auflösung mit sich bringt; Gegenwartsabschnitte, die im Vergleich mit den actiongeladenen und deutlich unterhaltsameren Vergangenheitspassagen nicht mithalten können, und eine zugrunde liegende, völlig wirre Mythologie, die hier zwar nur angedeutet wird, aber trotzdem fragen lässt: Ist das wirklich notwendig?
Auch noch da: Asssassine Maria (Ariane Labed) hat das Potenzial zu einer coolen Figur, wird aber als Charakter überhaupt nicht ausgearbeitet. Quelle: 20th Century Fox Auch noch da: Asssassine Maria (Ariane Labed) hat das Potenzial zu einer coolen Figur, wird aber als Charakter überhaupt nicht ausgearbeitet.

Bitte Emotion einfügen

Altertümliches Austeilen: Die leider viel zu seltenen und actiongeladenen Vergangenheitsabschnitte stechen die Gegenwartspassagen mühelos aus. Quelle: 20th Century Fox Altertümliches Austeilen: Die leider viel zu seltenen und actiongeladenen Vergangenheitsabschnitte stechen die Gegenwartspassagen mühelos aus. Doch auch ganz eigene Fehler bringt der Film mit sich, allen voran die Tatsache, dass er sich so unbeschreiblich ernst nimmt. Während der knapp zwei Stunden Laufzeit von Assassin's Creed erwartet uns kein einziger lustiger Moment oder gar ein Witz: Jeder ist zu jeder Zeit schlecht drauf, mit grimmigen Blicken wandeln die Figuren durch die Geschehnisse, die dramatisch sein sollen, aber nur selten über B-Movie-Niveau hinauskommen. Dazu gesellen sich die teils lachhaften und schwachen Dialoge: "Weil ich eine aggressive Person bin", antwortet Callum in einer Szene auf Sophias Frage, warum er sie gerade würgt, und es steckt kein Stück Ironie dahinter. Überhaupt wird uns als Zuschauern regelmäßig gesagt, wie wir gerade über die Figuren zu denken haben und was sie fühlen - um uns die Denkarbeit abzunehmen und dem Film die Ausarbeitung von Nuancen zu ersparen. Weiterhin stören vorhersehbare und dennoch unlogische Wendungen und Szenen, die kaum Sinn ergeben, aber in die Geschichte gepresst wurden, um die Handlung voranzutreiben. Ohne zu viel zu verraten, fragten wir uns aufgrund einer extrem dämlichen Handlung der Templer gegen Ende des Films, wie sie ihren Orden ob solch geballter Inkompetenz länger als zwei Wochen, geschweige denn mehrere Jahrtausende am Leben halten konnten.

Mehr Spaß in Spanien

Coole Kapuze: Das Kostümdesign ist über jeden Zweifel erhaben und hilft, die Stimmung des Films zu verkaufen. Quelle: 20th Century Fox Coole Kapuze: Das Kostümdesign ist über jeden Zweifel erhaben und hilft, die Stimmung des Films zu verkaufen. Aber natürlich hat der Film auch seine positiven Aspekte. So sieht er toll aus, sowohl in der düster-klinischen Gegenwart (die der Spielevorlage widersprechende, aber grandios umgesetzte Animus-Apparatur ist ein Highlight!) als auch und noch viel mehr im toll realisierten Spanien des 15. Jahrhunderts. Die Action in den Vergangenheitsmomenten ist zudem toll choreografiert - und es ist offensichtlich, dass für die sehr nah an der Vorlage gehaltenen Parkour-Sequenzen deutlich mehr mit echten Stunts gearbeitet wurde, als man das von Filmen dieser Art heutzutage gewohnt ist. Auch die Figuren in den Animus-Abschnitten, wenngleich nicht weniger flach, wirken deutlich interessanter als Callum und Co. Zu schade, dass die Ausflüge ins alte Spanien nur einen Bruchteil der Laufzeit des Films ausmachen - hätte man diese weiter ausgebaut oder sich darauf beschränkt, hätte dies eventuell zu einem besseren Film geführt.

Meuchelmörder-Mittelmaß

Der Kapitalfehler des Films ist aber weder die maue Handlung, noch sind es die schwachen Dia­loge. Über solche Aspekte sieht man bei einem Popcorn-Blockbuster gerne mal hinweg, solange er unterhält. Das Hauptproblem ist: Er macht einfach nicht wirklich Spaß. Die rudimentär eingestreuten Action-Szenen und die schöne Szenerie sind nicht genug, um den Film unterhaltsam zu machen. Somit ist Assassin's Creed weder gut genug, um als Film zu überzeugen, noch schlecht genug, um als "Guilty Pleasure" durchzugehen - er ist schlicht und ergreifend langweilig. Was übrig bleibt, ist ein handwerklich kompetent gemachtes Stück Kino, das in all seiner inoffensiven Banalität wohl relativ bald wieder aus dem kollektiven Kino-Gedächtnis verschwunden sein wird. Hoffen wir, dass Ubisofts kommende Leinwand-Projekte mehr zu bieten haben.

Wertung zu Assassin's Creed Film

Wertung:

4.0 /10
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    • Kommentare (42)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Scholdarr Mitglied
        Zitat von Spassbremse
        Muss ich doch gar nicht. Du hattest mich doch gefragt, wie ich "B-Movie" definieren/kategorisieren würde... :-B
        Nene, ich meine das hier:
        Zitat von Spassbremse
        Ich mag ja AC auch sehr gerne, aber mal ehrlich, die Story ist doch maximal auf dem Niveau von B-Movie-SciFi...
        Zitat
        Das wäre aber nun auch nicht richtig. Ich mag ja die Reihe sehr gerne, nur die Hintergrundgeschichte; der "Meta-Plot", gefällt mir nicht. Aber gerade AC funktioniert m. E. auch wunderbar, ohne sich näher damit beschäftigen zu müssen.

        Das mag stimmen, aber darum ging es hier ja gar nicht. Ich kritisiere ja weniger das Storytelling, als die Hintergrundgeschichte an sich. Wobei ich schon der Meinung bin, dass das Storytelling im Vergleich zu bspw. den meisten BioWare-Titeln, oder eben "The Witcher", schon sichtbar abfällt. Ist natürlich auch dem typischen Ubisoft'schem OpenWorld-Stil geschuldet, schon klar.
        Sorry, wieder schlecht formuliert. Ich meine natürlich, dass du auch einfach hättest sagen können, dass dir der "Meta-Plot" bzw. die Hintergrundgeschichte zu AC nicht gefällt und fertig. Und es ist wohl sehr offensichtlich, dass wir die Qualität bzw. die Faszination eben dieser Hintergrundgeschichte deutlich unterschiedlich bewerten. Um das konkrete Storytelling in AC-Spielen ging es mir nie.
      • Von Scholdarr Mitglied
        Zitat von Spassbremse
        Muss ich doch gar nicht. Du hattest mich doch gefragt, wie ich "B-Movie" definieren/kategorisieren würde... :-B
        Nene, ich meine das hier:
        Zitat von Spassbremse
        Ich mag ja AC auch sehr gerne, aber mal ehrlich, die Story ist doch maximal auf dem Niveau von B-Movie-SciFi...
        Zitat
        Das wäre aber nun auch nicht richtig. Ich mag ja die Reihe sehr gerne, nur die Hintergrundgeschichte; der "Meta-Plot", gefällt mir nicht. Aber gerade AC funktioniert m. E. auch wunderbar, ohne sich näher damit beschäftigen zu müssen.

        Das mag stimmen, aber darum ging es hier ja gar nicht. Ich kritisiere ja weniger das Storytelling, als die Hintergrundgeschichte an sich. Wobei ich schon der Meinung bin, dass das Storytelling im Vergleich zu bspw. den meisten BioWare-Titeln, oder eben "The Witcher", schon sichtbar abfällt. Ist natürlich auch dem typischen Ubisoft'schem OpenWorld-Stil geschuldet, schon klar.
        Sorry, wieder schlecht formuliert. Ich meine natürlich, dass du auch einfach hättest sagen können, dass dir der "Meta-Plot" bzw. die Hintergrundgeschichte zu AC nicht gefällt und fertig. Und es ist wohl sehr offensichtlich, dass wir die Qualität bzw. die Faszination eben dieser Hintergrundgeschichte deutlich unterschiedlich bewerten. Um das konkrete Storytelling in AC-Spielen ging es mir nie.
      • Von Spassbremse Spiele-Professor/in
        Zitat von Scholdarr
        Ach Quatsch. Aber ich verstehe die Kategorisierung nicht bzw. warum du das überhaupt kategorisieren musst.
        Muss ich doch gar nicht. Du hattest mich doch gefragt, wie ich "B-Movie" definieren/kategorisieren würde... :-B

        Zitat
        Du könntest ja auch einfach sagen, dass du persönlich mit AC nicht viel anfangen kannst und fertig.
        Das wäre aber nun auch nicht richtig. Ich mag ja die Reihe sehr gerne, nur die Hintergrundgeschichte; der "Meta-Plot", gefällt mir nicht. Aber gerade AC funktioniert m. E. auch wunderbar, ohne sich näher damit beschäftigen zu müssen.

        Zitat
        Halten wir einfach fest, dass wir (zumindest teilweise) offenbar unterschiedliche Auffassung von gutem Storytelling haben. ;)
        Das mag stimmen, aber darum ging es hier ja gar nicht. Ich kritisiere ja weniger das Storytelling, als die Hintergrundgeschichte an sich. Wobei ich schon der Meinung bin, dass das Storytelling im Vergleich zu bspw. den meisten BioWare-Titeln, oder eben "The Witcher", schon sichtbar abfällt. Ist natürlich auch dem typischen Ubisoft'schem OpenWorld-Stil geschuldet, schon klar.
      • Von Scholdarr Mitglied
        Zitat von Spassbremse
        Warum beziehst Du Dich jetzt wieder auf AC? Meine Antwort war der Versuch, das möglichst allgemein zu formulieren, auch wenn ich - wie gesagt - die Kategorie "B-Movie" für mich nicht eindeutig-präzise formulieren kann.

        Ich verstehe auch nicht, warum solche Aussagen zum Streit führen sollen oder gar müssen. Fühlst Du Dich persönlich angegriffen, wenn ich sage, "AC Hintergrundgeschichte, nein danke, finde ich ziemlich lächerlich."?
        Ach Quatsch. Aber ich verstehe die Kategorisierung nicht bzw. warum du das überhaupt kategorisieren musst. Du könntest ja auch einfach sagen, dass du persönlich mit AC nicht viel anfangen kannst und fertig. Aber egal, wir drehen uns im Kreis. Halten wir einfach fest, dass wir (zumindest teilweise) offenbar unterschiedliche Auffassung von gutem Storytelling haben. ;)
      • Von xNomAnorx Mitglied
        Echt schade, ich hatte echt die Hoffnung, dass aus dem Film was werden könnte.
        Dass die Sequenzen aus der Vergangenheit top sind und der Rest eher abfällt, glaub ich auch direkt, so hab ich es auch bisher in jedem AC-Spiel empfunden.
      • Von Spassbremse Spiele-Professor/in
        Zitat von Scholdarr
        Naja, ich finde solche groben Kategorisierungen schon despektierlich bzw. bewusst abwertend. Das heißt nicht, dass du AC mögen müsstest. Aber dir sollte doch klar sein, dass derlei Aussagen in einer Diskussion unweigerlich zum Streit führen. Das KANN man auch anders formulieren... ;)
        Warum beziehst Du Dich jetzt wieder auf AC? Meine Antwort war der Versuch, das möglichst allgemein zu formulieren, auch wenn ich - wie gesagt - die Kategorie "B-Movie" für mich nicht eindeutig-präzise formulieren kann.

        Ich verstehe auch nicht, warum solche Aussagen zum Streit führen sollen oder gar müssen. Fühlst Du Dich persönlich angegriffen, wenn ich sage, "AC Hintergrundgeschichte, nein danke, finde ich ziemlich lächerlich."?

        Ich habe z. B. auch kein Problem damit, wenn jemand das Superheldengenre partout nicht abkam und bei meinem geliebten "Dark Knight" angeekelt das Gesicht verzieht.
        Fairerweise muss man sagen, dass ich den Genrestandard, also Typen mit Geheimidentität in teilweise ziemlich ulkigen Verkleidungen, durchaus auch eher zum Schmunzeln finde - trotzdem mag ich Superheldengeschichten sehr gerne. :-D
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