Age of Wonders 3 im Test - Sinnvolle RPG-Elemente, starke PC-Technik + Wertung
Ein Rundenstrategie-Spiel wie damals, mit Grafik von heute: Age of Wonders 3 will Liebhaber kniffliger Hexfeld-Kämpfe ködern und vermengt dafür Elemente aus Civilization und Heroes of Might & Magic. Als Zugabe gibt es eine gute Portion Rollenspiel. Ob das Umfangsmonster (60 Stunden Spielzeit Minimum) restlos überzeugen kann, lest ihr in unserem Test samt Video-Review mit elf Minuten Gameplay-Szenen!
Durchblick gefordert!
Die Möglichkeiten in den Rundenkämpfen sind vielfältig und die Taktiken nahezu endlos. Das macht die Hexfeld-Gefechte zu einem großen Spaß, zumal die KI auf allen drei (in der Kampagne) beziehungsweise fünf Schwierigkeitsgraden (im freien Spiel) kompetent agiert. Belagerungen fügen dem Ganzen eine weitere Ebene hinzu: Auf Mauern postierte Truppen haben einen Höhenvorteil, zumindest bis die Angreifer die Tore niederreißen oder die Wälle mit Leitern stürmen. Fliegende Einheiten gelangen leichter an die Verteidiger, können aber per "Doppelgravitation"-Zauber wortwörtlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Dazu kommt, dass Gefechte nicht auf zwei Armeen beschränkt sind: Durch geschicktes Manövrieren auf der Weltkarte umzingelt ihr Feinde mit mehreren Heeren und greift anschließend von verschiedenen Seiten an. Eine äußerst nützliche und logische Eigenart des Spiels, denn ihr kommandiert deutlich mehr Truppen gleichueitig als etwa im Konkurrenten Might & Magic: Heroes 6!
Es sind die wunderbar variantenreichen Scharmützel, in denen die fast schon irrsinnige Komplexität von Age of Wonders 3 am deutlichsten wird. Als Sieger geht derjenige vom Schlachtfeld, der seine Truppen und ihre Eigenarten am besten kennt. Daher empfehlen wir das ausgiebige Studium der integrierten Spielhilfe. Ein vor Textbeschreibungen berstendes Kompendium verrät Details zu jedem Einheitentyp und Zauber. Unterschiede schlagen sich oft im einstelligen Bereich der Statuswerte wie Gesundheit oder Angriffsstärke nieder; wer sich gerne richtig in ein Spiel einarbeitet, findet in Age of Wonders 3 zahlreiche derartige Mini-Statistiken. Wer darauf keinen Wert legt, kann das Ganze größtenteils auch ignorieren und auf einem der niedrigeren Schwierigkeitsgrade Spaß haben. Vorbildlich!
Ein Hauch Rollenspiel
Quelle: PC Games
Das Ausstatten der Helden mit erbeuteter Ausrüstung motiviert ebenso wie die häufigen Levelaufstiege.
Eine Schlüsselrolle sowohl in den kriegerischen Auseinandersetzungen als auch beim Erforschen der Weltkarte kommt euren Helden zu. Diese begleiten auf Wunsch eure gewöhnlichen Truppen und greifen mit Schwert, Bogen oder Zauberspruch aktiv in das Kampfgeschehen ein. Genau wie ihre Untergebenen sammeln die Heroen durch gewonnene Schlachten Erfahrung und steigen im Level auf. In einem schmucklosen Menü dürft ihr bei jedem Stufenaufstieg fünf Punkte auf eine Vielzahl von Talenten verteilen. Neben neuen Zaubern und Spezialangriffen stehen dabei auch passive Boni wie ein dickeres Lebenspunktepolster oder Extraschaden gegen Drachen zur Verfügung. Zusammen mit gefundener Ausrüstung passt ihr die Helden so an eure Bedürfnisse an.
Quelle: PC Games
Im Charaktereditor stehen sechs Klassen und ebenso viele Völker zur Wahl, außerdem freie Skill- und Optikwahl.
In den Kampagnen übernehmt ihr die Recken sogar von einer Mission zur nächsten inklusive ihrem Level-Fortschritt. Nach dem Kartenwechsel dürft ihr andere Schwerpunkte in der Skill-Wahl legen, um verschiedene Zauber auszuprobieren. In der Praxis habt ihr euch aber fix auf eine Richtung festgelegt, da nervt dieses erneute Verteilen von bis zu 100 Fähigkeitspunkten schon bald. Dennoch hat der Rollenspiel-Part von Age of Wonders 3 gehörigen Anteil an der Sogwirkung des Spiels und des genretypischen "Nur noch einen Zug!"-Suchtprinzips, auch weil wir abseits der Kampagne mittels eines gelungenen Charaktereditors unseren ganz persönlichen Helden erstellen dürfen, vom Aussehen über Klasse und Rasse bis hin zu seinen Skills.
Das Missionsdesign in den beiden Kampagnen weist derweil auf Dauer Ermüdungserscheinungen auf, da sich die Entwickler zu häufig auf die Formel "Vernichte alle Feinde" verlassen. Ausnahmen von der Regel sind selten, so dürfen wir etwa einmal einen Damm sprengen oder rüsten unsere Armee erst im Untergrund auf, bevor wir an die Oberfläche vordringen. Die konventionelle Fantasy-Geschichte um den Konflikt zwischen dem naturverbundenen Elfenhof und dem technokratischen Staatenbund kann da auch nicht mehr die Kohlen aus dem Feuer holen: Es fehlt an starken Figuren und überraschenden Ereignissen, trotz zweier Entscheidungsmomente inklusive unterschiedlicher Plot-Auflösung und Auftritten alter Serien-Bekannter wie den Schattenwandlern und Zauberer Merlin. Zudem wird die Handlung ausschließlich mit vorgelesenen Texteinblendungen zwischen den Missionen erzählt. Statt Zwischensequenzen gibt es gezeichnete Standbilder; die wenigen Gespräche innerhalb eines Auftrags müssen ohne Vertonung auskommen.
Quelle: PC Games
Klug eingesetzt, erleichtern strategische Zauber die Eroberung fremder Städte, hier eine beschworene Diebesbande.
Indes: Age of Wonders 3 spielt niemand wegen der Geschichte, sondern weil Genre-Fans mehr als zehn Jahre auf eine Fortsetzung der launigen Serie gewartet haben. Eine beliebte Besonderheit der Reihe sind die strategischen Weltzauber: Auf der Übersichtskarte erforscht ihr gezielt Hexereien, mit denen ihr permanente Boni wie höheren Giftschaden aktiviert, gegnerische und verbündete Städte verzaubert sowie das Terrain ummodelt, um euren Armeen die Fortbewegung zu erleichtern. Klasse, so fühlt sich der Spieler wirklich wie ein mächtiger Magier! Alternativ lassen sich auch neue Kampfzauber und dauerhafte Imperiumsverbesserungen erforschen. Das Angebot variiert je nach Klasse eures Haupthelden und gibt euch abseits von Armeen-Management und Städteverwaltung eine dritte Art der Beschäftigung.
Ein PC-Spiel durch und durch
Quelle: PC Games
Zu Beginn ist die Weltkarte in den Nebel des Kriegs gehüllt. Die Erforschung der Umgebung spielt somit eine wichtige Rolle.
Age of Wonders 3 ist nicht nur ein Klassespiel für Genre-Fans, es ist auch ein ganz starker Vertreter der kleinen, aber feinen Riege an PC-Exklusiv-Spielen. Mit allen Vor- und Nachteilen: Der Mehrspielermodus unterstützt neben Online-Gefechten auch Netzwerkpartien im LAN oder per Hotseat an einem PC. Die detaillierte Grafik nutzt die Rechenpower aktueller PCs voll aus (und zwingt bei höchsten Einstellungen schwächere Computer in die Knie). Die Benutzeroberfläche ist optimal an die Maussteuerung angepasst und bietet viele übersichtliche Listen sowie die Möglichkeit, stufenlos auf eine 2D-Weltkarte zu zoomen. Die wenigen Bugs und Abstürze unserer Testversion hat Triumph mittlerweile (Version 1.00) beseitigt. Und der Schwierigkeitsgrad? Der ist so knackig wie von der Reihe gewohnt, mit einer räuberischen KI, die sich unbewachte Städte im Nu unter den Nagel reißt – herrlich!
Age of Wonders 3 gibt es sowohl als Ladenversion als auch über den Download-Anbieter Steam, jeweils für rund 40 Euro. Beide Fassungen setzen auf Steam als Kopierschutz. Wer auf der Suche nach einer DRM-freien Version ist, wird bei Gog.com fündig. Eine 65 Euro teure Collector's Edition mit vielen Bonis (unter anderem einer Drachenstatue) gibt es exklusiv auf Amazon.de. Darüber hinaus gibt es eine rein digitale Deluxe Edition für 45 Euro auf Steam und Gog.com.
Minimale Systemanforderungen: Core 2 Duo E6600/Athlon 64 X2 5000+, 2 GB RAM, Geforce 8800/Radeon HD 3870, Windows XP
Empfohlene Systemanforderungen: Core 2 Quad Q6600/Phenom X4 9900, 4 GB RAM, Geforce 460/Radeon HD 6850

Den Schwierigkeitsgrad finde ich ziemlich heftig. Ich bin noch immer in der 2. Elfenkampagne und habe auf normal noch keinen Weg gefunden, die Gegner zu besiegen.
(PS: Ich habe versehentlich bei Triumph einen Nutzernamen mit Umlauten angelegt. Ich kann das Spiel zwar spielen, auch online ich kann mich aber nicht im AoW Forum anmelden oder meiner Nutzernamen ändern.)
DIE fand ich jetzt auf "normal" noch nicht schwer - und ich bin an sich einer, der ungern eine "harte" Herausforderung spielt, zB spiel ich gern mal ne Partie CiV4 nebenbei beim fernsehen, und zu diesem Zweck halt auf der 2. leichtesten Stufe ;) ich hoffe, AoW wird nicht doch noch extrem viel schwerer.
Kann man bei der `laufenden Kampagne noch die Schwierigkeit ändern?
Vermutlich ist man es einfach nicht mehr gewohnt, dass man auch verlieren kann und die KI nicht nur Schlachtvieh ist.^^
Aber das muss auch mal wieder sein, nachdem ich mich letztes Jahr durchs viel zu seichte Tomb Raider durchgeballert habe und mir dabei dauernd mehr Anspruch wünschte. Zumal die Schwierigkeit bei AoW3 hauptsächlich von der Komplexität und der cleveren KI gespeist wird und nicht etwa einfach nur unfair hart ist - das finde ich gut!