Adrift im Test mit Video: Houston, wir haben ein Problem!

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Test Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 3,49 €
Adrift im Test mit Video: Houston, wir haben ein Problem!
Quelle: PC Games

Originell, faszinierend und sagenhaft langweilig: Das Astronauten-Survival-Adventure vermittelt ein einzigartiges Spielgefühl, treibt uns mit seinem öden Gameplay aber an die Grenze zum Tiefschlaf. Warum Adrift trotz tollem Oculus-Rift-Support keine 20 Euro wert ist, verrät unser Review mit Video.

Im Test von Adrift ging es uns immer wieder durch den Kopf: "Planet Earth is blue. And there's nothing I can do." Das Zitat stammt aus David Bowies Space Oddity, passt aber auch für Adrift wie die Faust aufs Astronauten-Auge: Das Weltall-Abenteuer ist wunderschön und atmosphärisch, aber auch so leer und zäh, dass die anfängliche Begeisterung schnell in Langeweile umschlägt.

Adrift im Test: Alarm im Weltall

Unsere Heldin erwacht zu Beginn im All treibend - ohne Erinnerungen an die Katastrophe. Quelle: PC Games Unsere Heldin erwacht zu Beginn im All treibend - ohne Erinnerungen an die Katastrophe. Dabei klingt die Idee hinter Adrift erst mal hochspannend! Ähnlich wie im Kino-Erfolg Gravity spielen wir eine Astronautin, die gerade ihren schlimmsten Albtraum durchlebt: Die prächtige Raumstation, die im Orbit um die Erde kreiste und für viele Monate unsere Zuflucht war, ist nach einer Katastrophe zu weiten Teilen verwüstet. Von unserem Team hat niemand überlebt, nur unsere Heldin ist noch übrig. Ohne Erinnerungen und lediglich mit einem beschädigten Raumanzug ausgestattet, müssen wir uns nun einen Weg durch das Trümmerchaos bahnen, der Katastrophe auf den Grund gehen und vor allem: eine Rettungskapsel flott machen, die uns zurück auf die Erdoberfläche bringen soll.

Adrift im Test: Was für ein Anblick!

Im Gewächshaus-Modul hängen Wassertropfen schwerelos im Raum. Verdammt schick! Quelle: PC Games Im Gewächshaus-Modul hängen Wassertropfen schwerelos im Raum. Verdammt schick! Binnen Sekunden bringt uns Adrift zum Staunen: Das Spiel sieht fantastisch aus! Die halb zerstörte Raumstation sorgt mit glaubhafter Architektur und detaillierten Trümmerteilen, die majestätisch im Nichts des Alls umhertreiben, für eine wunderschöne Kulisse. Im Hintergrund stets zu sehen: Die gute alte Erde, die nicht nur für edle Panoramen, sondern auch eine tolle Tiefenwirkung sorgt. Auch die Beleuchtung und die Physik-Effekte können sich dank Unreal Engine 4 sehen lassen. Obwohl viele Bereiche der Station eher steril und damit austauschbar wirken, gibt es auch immer wieder Locations, die im Gedächtnis bleiben. Wie etwa der erste Flug durch ein futuristisches Gewächshaus, in dem dicke Wassertropfen schwerelos im Raum hängen - schon allein durch solche Szenen hebt sich Adrift vom Einheitsbrei ab und weckt große Erwartungen.

Adrift im Test: Story im Häppchenformat

Schon gewusst?
Hinter Adrift steckt das junge Entwicklerstudio Three One Zero, angeführt von Adam Orth - dem ehemaligen Creative Director bei Microsoft, der vor drei Jahren mit provokanten Aussagen ("Deal with it") einen Shitstorm im Netz ausgelöst hatte. Der heftige Gegenwind der Spieler schadete dem Ansehen der Xbox One damals spürbar und kostete Orth schließlich seinen Job. Wenig später begann er mit den Arbeiten an Adrift und gründete dazu sein eigenes Entwicklerstudio. Orth gibt an, das Spiel als Metapher geschrieben zu haben - als Reaktion auf sein PR-Desaster bei Microsoft.

Spiele wie Gone Home oder Dear Esther haben es vorgemacht, Adrift verpackt das Prinzip lediglich ins Weltall: Die Story müssen wir uns in bester Walking-Simulator-Manier selbst zusammensuchen. Dazu sind überall persönliche Gegenstände, Computeraufzeichnungen und Audiologs verteilt, die uns die recht interessanten, weil sehr persönlichen Geschichten der Besatzung näherbringen und ein Licht auf die Katastrophe werfen, die unsere Station zerlegt hat. Wer die gut vertonten (englischen) Gesprächsaufzeichnungen allerdings in der weitläufigen Spielumgebung übersieht, schaut in die Röhre - sehr viel mehr Storytelling gibt's nämlich nicht. Da überrascht es auch nicht, dass Adrift nur ein schwaches Finale hinlegt - die letzten Story-Minuten verfehlen ihre Wirkung und lassen uns eher kalt, anstatt uns zu berühren.

Adrift im Test: Schwebe-Simulator mit ständiger Atemnot

Das Gefühl, schwerelos durch's All zu treiben, bringt Adrift glaubhaft rüber. Mit den Schubdüsen unseres Anzugs stoßen wir uns in die gewünschte Richtung ab und schweben dann einfach ans Ziel - das spielt sich erst mal ungewöhnlich und ausgesprochen träge, geht aber schnell in Fleisch und Blut über. Das Besondere an der Fortbewegung: Für jeden Schub müssen wir ein bisschen von unserem Sauerstoffvorrat opfern. Dadurch sind wir gezwungen, regelmäßig grüne Luftflaschen aufzutreiben, die großzügig in der Station und Umgebung verteilt sind, sonst droht der Erstickungstod. Eine Flasche mit ausgestrecktem Arm aus dem Vakuum des Alls zu fischen, ist anfangs noch cool, geht auf Dauer aber ziemlich auf die Nerven, da wir die Prozedur gefühlt alle paar Minuten wiederholen müssen. Und das ist längst nicht die einzige Gameplay-Schwäche von Adrift.

Adrift im Test: Planlos im Weltraum

Unglaubwürdig: Wir müssen vier solcher Scheiben herstellen und in Konsolen einsetzen, um unser Rettungsboot flott zu machen. Quelle: PC Games Unglaubwürdig: Wir müssen vier solcher Scheiben herstellen und in Konsolen einsetzen, um unser Rettungsboot flott zu machen. Auch die Aufgaben, die wir für unsere Rettung in fester Reihenfolge bewältigen müssen, sind einfach nur öde: Im Grunde tun wir nicht mehr, als verschiedene Systeme auf der Station in Betrieb zu nehmen, indem wir hier und da mal einen Knopf drücken. Keine Rätsel, keine Überlegung, keine Herausforderung. Wir bewegen wir uns einfach im Schneckentempo von einem Navigationspunkt zum nächsten, aktivieren hier und da mal ein Gerät oder sammeln merkwürdige sechseckige Scheiben ein, die wir an bestimmten Computern einsetzen müssen - eine absurde Designentscheidung, die überhaupt nicht zum sonst eher realistischen Setting passen mag. So geht das von Anfang bis zum Abspann, Überraschungen, geskriptete Ereignisse oder spannende Einfälle gibt es nicht - Adrift ist dadurch völlig frei von Highlights.
Die Architektur der Raumstation ist fantastisch detailliert. Quelle: PC Games Die Architektur der Raumstation ist fantastisch detailliert. Zu den seltenen Herausforderungen zählen Innenräume, in denen wir vorsichtig vorgehen und Hindernissen ausweichen müssen. Durch die Schwerelosigkeit ist das jedoch leichter gesagt als getan, zumal unser Anzug so zerbrechlich ist, dass er bei jedem Anecken kostbaren Sauerstoff verliert. Das ist zwar alles andere als logisch, macht das Navigieren aber zumindest ein bisschen fordernder. Mit der Zeit erhält unser Anzug ein paar Upgrades, dann können wir zum Beispiel ein bisschen schneller schweben oder erhalten einen größeren Luftvorrat. Damit ist es uns dann möglich, weiter entfernte Teile der Station zu erreichen. Die längeren Erkundungswege haben uns aber mehr Nerven gekostet als Spaß gemacht, nicht nur wegen dem trägen Bewegungstempo, sondern auch weil die Zielführung auf der Minimap arg ungenau ist. Das macht es oft unnötig schwierig, das nächste Missionsziel aufzuspüren. Ohne guten Orientierungssinn ist man in Adrift ziemlich verloren, und wer sich verläuft, muss zum Teil mit langen Rückwegen rechnen. Im Grunde also nichts anderes als Spielzeitstreckung, und die hat Adrift auch nötig - immerhin ist es in etwa 4 Stunden durchgespielt. Wer sich dagegen - so wie wir - ewig lang verläuft, der ist zwar länger beschäftigt, aber dabei nicht besser unterhalten.

Adrift im Test: Spektakuläre VR-Erfahrung

Schon ohne Oculus Rift sieht Adrift sehr gut aus. Doch erst mit der VR-Brille kommt das Mittendrin-Gefühl richtig zur Geltung. Quelle: PC Games Schon ohne Oculus Rift sieht Adrift sehr gut aus. Doch erst mit der teuren VR-Brille kommt das Mittendrin-Gefühl richtig zur Geltung. Adrift ist auch ohne Oculus Rift spielbar, eine teure Zusatzbrille wird also nicht benötigt. Trotzdem fühlt sich das Spiel über weite Strecken eher wie eine Tech-Demo an, die das VR-Gaming schmackhaft machen soll. Und tatsächlich: Mit einem Oculus Rift (im Test verwendeten wir noch ein DK2-Modell) wird Adrift zu einer beeindruckenden Erfahrung! Und eine, die einen starken Magen erfordert: Als wir zum ersten Mal an unserer Figur herabschauten und unsere Beine sahen, die viele Kilometer über der gigantisch anmutenden Erde baumelten, wurde uns wirklich etwas flau. Und nach einer Sauerstoffflasche zu angeln, während sie sich wild um die eigene Achse drehten, brachte dann auch abgebrühte Kollegen zum Ächzen. Besonders cool: Nur in der VR-Version kommt wirklich zur Geltung, dass unsere Figur in einem virtuellen Raumanzug mitsamt Astronautenhelm steckt. Lehnen wir uns etwas zurück, können wir uns so nämlich im Inneren des Helmes umblicken, inklusive HUD-Bildschirmanzeigen, die direkt auf das Visier projiziert werden. Ein toller Effekt, der das Erlebnis tatsächlich aufwertet! Doch leider werden ihn nur die wenigsten Spieler zu Gesicht bekommen - für die meisten Käufer dürfte die Brille mit 800 Euro einfach noch zu teuer sein. Wer aber schon eine Rift besitzt und damit mal so richtig vor Freunden und Familie angeben will, hat mit dem ruhigen Adrift vielleicht kein gutes Spiel, aber zumindest eine prachtvolle Edel-Demo gekauft.

Blendet man das teure VR-Erlebnis aber mal aus, bleibt nur ein träges, spannungsfreies Erkundungsspiel, das mit unklaren Wegen und uninteressanten Aufgaben schon nach kurzer Zeit seinen Reiz verliert. Immerhin: Beinharte Weltall-Fans und Raumfahrt-Enthusiasten können darüber vielleicht hinwegsehen und sich auf die tolle Atmosphäre einlassen. Doch wer mehr erwartet als nur einen erzählerisch schwachen Schwebesimulator, wer sich gutes Gameplay oder zumindest ein paar denkwürdige Szenen erhofft, der kann Adrift guten Gewissens an sich vorbeiziehen lassen.

Adrift ist seit dem 28. März 2016 für PC erhältlich, wahlweise über Steam oder den Oculus Store, und kostet 20 Euro. Umsetzungen für PS4 und Xbox One sind derzeit in Arbeit.

Hinweis: Die Wertung bezieht sich auf das Spielerlebnis ohne Oculus-Rift-Brille. Für das VR-Erlebnis könnt ihr gerne ein paar Punkte draufrechnen.

Adrift im Test: Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu Adr1ft (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Fantastische AtmosphäreTolles Mittendrin-GefühlSchicke KulisseBeeindruckendes VR-Erlebnis mit Oculus Rift
Langweiliger Spielaufbau mit sich wiederholenden AufgabenKeine Puzzles oder HerausforderungenStändiges Suchen nach Sauerstoff nervtLange Lauf- ... äh SchwebewegeStory-Schnipsel fesseln nichtUnpraktische Minimap mit ungenauer ZielführungNur 4 Stunden Spielzeit (länger, wenn man wirklich alles finden will)Null HighlightsLangweilige Musik

Bildergalerie

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    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Elektrostuhl Mitglied
        Zitat von sauerlandboy79
        Ich pfeife auf die Wertung, das Setting und die damit verbundene Atmosphäre haben mich bereits zu sehr aufgegeilt.
        So ist es mir auch ergangen. Ich musste es einfach haben und fand 20 Euro jetzt nicht so viel um es mir zweimal zu überlegen. Aber es ist wirklich kurz und eine Story gibt es auch nicht. Man sollte sich daher von dem Spiel nach Möglichkeit nichts anschauen, um das Bisschen was es bietet voll auszukosten.

        Letztendlich reicht es nur, um sich wenige Stunden wie ein Astronaut zu fühlen. Wenn man die Steuerung raus hat, dann vermittelt sie die Schwerelosigkeit sehr überzeugend. Auch der Rest trägt gut zur Atmosphäre bei und wenn man sich darauf einlässt, kann man echt Spaß haben. Ich hatte ihn jedenfalls und werde mir Adr1ft mit einem VR-System wieder geben. Man muss aber schon einen gewissen Faible dafür haben.

        Ich würde es mit einem Teleskop-Kauf vergleichen. Wer hat noch nicht mit dem Gedanken gespielt? Und wer kauft sich dann letztendlich eins? Fast niemand. Warum? Genau, weil man schnell feststellt, dass der Spaß doch mehr kostet als man vermutet, wenn man etwas "mehr" sehen möchte. In meinem Fall sind es knapp 2000 Euro geworden, nur um einen fantastischen Blick auf den Mond zu haben und ich habe es nicht eine Sekunde bereut. Mehr als mir dreimal damit den Mond anzuschauen habe ich übrigens auch nicht getan. Es ist nichtmals ein Hobby. Es ist einfach nur ein Drang den man verspürt. Keine Ahnung wie ich es ausdrücken soll. Irgendwas da draußen reizt. Ich glaube unter gewissen Umständen würde ich mich als Freiwilliger für eine bemannte Mars-Mission melden.

        Naja, so erleben werde ich es nicht und habe die 20 Euro bei Steam auf den Tisch für Adr1ft geknallt. Verschafft einem ein Stück Befriedigung. :-)
      • Von Elektrostuhl Mitglied
        Zitat von sauerlandboy79
        Ich pfeife auf die Wertung, das Setting und die damit verbundene Atmosphäre haben mich bereits zu sehr aufgegeilt.
        So ist es mir auch ergangen. Ich musste es einfach haben und fand 20 Euro jetzt nicht so viel um es mir zweimal zu überlegen. Aber es ist wirklich kurz und eine Story gibt es auch nicht. Man sollte sich daher von dem Spiel nach Möglichkeit nichts anschauen, um das Bisschen was es bietet voll auszukosten.

        Letztendlich reicht es nur, um sich wenige Stunden wie ein Astronaut zu fühlen. Wenn man die Steuerung raus hat, dann vermittelt sie die Schwerelosigkeit sehr überzeugend. Auch der Rest trägt gut zur Atmosphäre bei und wenn man sich darauf einlässt, kann man echt Spaß haben. Ich hatte ihn jedenfalls und werde mir Adr1ft mit einem VR-System wieder geben. Man muss aber schon einen gewissen Faible dafür haben.

        Ich würde es mit einem Teleskop-Kauf vergleichen. Wer hat noch nicht mit dem Gedanken gespielt? Und wer kauft sich dann letztendlich eins? Fast niemand. Warum? Genau, weil man schnell feststellt, dass der Spaß doch mehr kostet als man vermutet, wenn man etwas "mehr" sehen möchte. In meinem Fall sind es knapp 2000 Euro geworden, nur um einen fantastischen Blick auf den Mond zu haben und ich habe es nicht eine Sekunde bereut. Mehr als mir dreimal damit den Mond anzuschauen habe ich übrigens auch nicht getan. Es ist nichtmals ein Hobby. Es ist einfach nur ein Drang den man verspürt. Keine Ahnung wie ich es ausdrücken soll. Irgendwas da draußen reizt. Ich glaube unter gewissen Umständen würde ich mich als Freiwilliger für eine bemannte Mars-Mission melden.

        Naja, so erleben werde ich es nicht und habe die 20 Euro bei Steam auf den Tisch für Adr1ft geknallt. Verschafft einem ein Stück Befriedigung. :-)
      • Von smutjesmooth Mitglied
        Ich kann dem Test nur zustimmen. Für mich kam er leider zu spät. Ich hatte das Spiel schon.Leider nicht direkt bei Steam gekauft. Somit gibt es keine Refund Option.
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Da war man wohl ein wenig am a(b)driften. Naja, ich werd's mir mal anschauen, wenn es billiger ist. Das Szenario hört sich ja richtig gut an.
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Ich pfeife auf die Wertung, das Setting und die damit verbundene Atmosphäre haben mich bereits zu sehr aufgegeilt.
      • Von MrFob Nerd
        Ach schade, sah ja eigentlich echt cool aus. Naja, vielleicht mal fuer nen 5er auf Steam irgendwann, einfach nur um die Aussicht zu geniessen. :)

        Danke auf jeden Fall fuer den sehr informativen Test!
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