A Beautiful Day: Filmrezension zu brutalem Melodrama
Lynne Ramsays Melodrama "A Beautiful Day" basiert auf Jonathan Ames Roman "You Were Never Really Here"aus dem Jahr 2013. Am 27. Mai 2017 feierte dieses Werk seine Premiere bei den internationalen Filmfestspielen in Cannes. Der psychotischen Thriller wurde nicht nur von dem Cannes-Publikum mit einem sieben Minuten andauernden Beifall gefeiert, sondern auch zweifach ausgezeichnet. Es gab eine Auszeichnung für das beste Drehbuch und eine für den besten Darsteller.
Joe ist ein traumatisierter, sich selbst hassender Kriegsveteran, der sich hin und wieder so lange Plastiktüten über den Kopf zieht, bis er beinahe erstickt. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich, indem er entführte Kinder wohlhabender Eltern aus den Fängen von Sexhändlern befreit. Dabei fügt Joe gern den Vergewaltigern für ein Extrageld besonders schlimme Schmerzen zu ...
Der neue Auftrag lautet die Tochter des New Yorker Senators aus einem Freudenhaus zu befreien. Die Aktion gerät jedoch außer Kontrolle und Joe findet sich plötzlich in einem Strudel aus Gewalt, Korruption und Intrigen wieder.
Joaquin Phoenix' Darbietung als bulliger, abgefuckter Antiheld Joe und zugleich als verletzliche, traurige Figur beeindruckt zutiefst. Auf dem Filmfest in Cannes erhielt er dafür zu Recht den Preis als Bester Schauspieler. Regisseurin Lynn Ramsay (We Need to Talk About Kevin) schuf einen harten, atmosphärischen Thriller, der durch seine Thematik schwer verträglich ist, mitunter wie ein Fiebertraum wirkt, den Zuschauer aber in den Bann zieht. Der verquere Score des Radiohead-Gitarristen Jonny Greenwood unterstreicht bestens das angespannte, bedrückende Szenario.
FAZIT:
Joaquin Phoenix' außerordentliches Schauspieltalent in einem originellen Arthaus-Thriller, der teilweise nur eine Spur zu behäbig wirkt.
