Gamescom 2010: Die PC-Games-Analyse - Die neun wichtigsten Trends
Zu sehen und zu spielen gab es Knüller wie Diablo 3, Guild Wars 2, Xbox Kinect, Crysis 2, Portal 2, Gothic 4, Rage, Witcher 2 und Star Wars: The Old Republic. Wenn Sie bereits die vier Messetage für einen Abstecher auf das Messegelände in Köln-Deutz genutzt haben, freuen wir uns auf Ihre Ergänzungen, Anmerkungen und Kommentare - vielleicht haben Sie ja einen ganz anderen Eindruck gewonnen?
1. Boah, ist das voll...
Sowohl bei der Games Convention als auch bei der Gamescom-Premiere vor einem Jahr galt die Faustregel: „Komm am besten am Donnerstag oder am Freitag – da isses noch halbwegs leer und man kann mehr anspielen.“ Weit gefehlt: Die noch andauernden Schulferien in Nordrhein-Westfalen (und die unbestritten gewachsene Bedeutung der Gamescom) sorgten am Donnerstag und Freitag für knackevolle Hallen, drängende Enge und nicht enden wollende Schlangen vor den Anspielstationen. Das Security-Personal an Durchgängen und Rolltreppen hat buchstäblich alle Hände voll zu tun („Bitte weitergehen...nicht stehenbleiben...Treppen freimachen...“) - die Zahl der Ordner ist gefühlt enorm angewachsen gegenüber dem Vorjahr.
2. Langweilige Messestände
Vorbei die Zeiten, als Microsoft ganze Areale in einen Dschungel verwandelte. Oder als Electronic Arts einen spektakulär beleuchteten, vom Sydney Opera House inspirierten Stand aufbauen ließ. In diesem Jahr sind die Messestände an Effektivität kaum zu überbieten: Weniger Freizeitpark, dafür mehr Sperrholz und vor allem mehr Spielstationen. Spitzenreiter in dieser Disziplin ist Activision Blizzard: In riesigen abgeschotteten Bereichen sind Dutzende von PCs aufgebaut, auf denen Diablo 3 und World of Warcraft: Cataclysm anspielbar sind – drumherum wickeln sich lange Schlangen von Blizzard-Fans, die drei, vier Stunden Wartezeit in Kauf nehmen, um ein einziges Mal zur Maus greifen zu dürfen. Mit solchen Messeständen kommt man einerseits den Wünschen der Spieler entgegen, andererseits sind Spielstationen natürlich günstiger als Erlebnisparcours mit nachempfunden Festungen, Raumstationen und Fantasy-Wäldchen.
3. Ganz schön viel Platz...
Selbst kleinere Stände verschlingen schnell einige hunderttausend Euro, größere Anlagen haben ein Budget im deutlich siebenstelligen Bereich (inklusive Personal). In Zeiten rückläufiger oder stagnierender Spiele-Verkaufszahlen knapsen die Aussteller erkennbar beim Messebudget: Das erkennt man zum einen an den vielfach arg schlichten (um nicht zu sagen: langweiligen) Aufbauten, zum anderen auch an den vielen freien Flächen zwischen den Messeständen und den breiteren Fluren. Die Gründe für diese leeren Bereiche sind vielfältig: Einige bekannte Spielehersteller haben ihren Auftritt komplett abgesagt (darunter Sega und Capcom), andere Aussteller hingegen haben ursprünglich reservierte Flächen wieder storniert.
4. Weniger Prominenz
Im Vorjahr stolperte man mit etwas Glück/Pech in die Arme von Wladimir Klitschko, Tony Hawk, Ralf Möller, Elton oder Smudo. Und 2010? Nationalmannschaftstorhütertrainer Andy Köpke, Nationalmannschaftspublikumsliebling Lukasz Podolski, Formel-1-Hinterherfahrer Adrian Sutil und die Weasley-Zwillinge aus den Harry-Potter-Filmen waren schon die Krönung der VIP-Ausbeute. Und natürlich sind wieder Darth Vader und seine Sturmtruppen auf den Fluren unterwegs und posieren für Erinnerungsfotos. Den meisten Besuchern wird’s egal sein, denn schließlich stehen die Spiele im Mittelpunkt. Trotzdem: Wann hat man schon mal die Gelegenheit, Tony Hawk live in der Halfpipe zu erleben? Oder der Hälfte der Fantastischen Vier beim Abrocken an den Guitar-Hero-Klampfen zuzugucken? Auch das gehört zum Happening Gamescom dazu – und es wäre zu wünschen, wenn sich 2011 wieder mehr Stars und Sternchen in Köln blicken ließen.
5. Fuchteln, hopsen, sich zum Obst machen.
Bei den Spielkonsolen geht inzwischen nichts mehr ohne Bewegungssteuerung. Auf Nintendos Wii scheint die Fraktion der Tänzer, Musiker und Party-Fuchtler inzwischen ohnehin in der Überzahl zu sein. In diesem Herbst ziehen Sony und Microsoft nach, denn dann erscheinen PlayStation Move (die Controller sehen aus wie Mikros mit aufgepropften Christbaumkugeln) und Kinect Xbox 360 (kommt gleich ganz ohne Controller aus) – beide sind auf der Gamescom live anspielbar. Hört man sich um, lauten die Kommentare: Move ist ein präziser, perfekt funktionierender Wii-Klon – Kinect ist innovativer und intuitiver, aber offenbar noch nicht hundertprozentig ausgereift. Der Markt der Spielkonsolen scheint sich in zwei Fraktionen zu splitten: Auf der einen Seite die klassischen Zocker, die gemütlich im Sofa lümmelnd durch die Prärie von Red Read Redemption galoppieren, ein FIFA-Match spielen oder ihren Modern-Warfare-2-Rang verbessern. Und auf der anderern Seite das Lager der Tanz-, Musik-, Karaoke-, Fitness- und Partyspiele, die sich vor allem an Familien, Kinder, Frauen, Senioren richten.
6. 3D ja, aber später
In Zeiten von Avatar und Toy Story machen sich Schlagworte wie 3D immer gut in TV-Interviews und Pressemitteilungen. Doch tatsächlich spielbare 3D-Erlebnisse muss man mit der Lupe suchen – wenn man sie denn überhaupt findet. Okay, der ein oder andere Gran Turismo 5-Testfahrer kurvt mit angelegter Shutter-Brille über die Curbs und Crysis 2 lässt sich auch in einer stereoskopischen Variante begutachten. Doch ansonsten Fehlanzeige: Der Nintendo 3DS (der von nahezu allen Augenzeugen mit Vokabeln wie „Wahnsinn“, „Der Hammer“ und „Unglaublich“ belegt wird) kommt erst Anfang 2011 und wird deshalb nur hinter den Kulissen ausgewählten Journalisten und Händlern präsentiert. 3D wird kommen, keine Frage, aber von einem echten „Messethema“ kann man nicht sprechen.
7. Mehr internationales Publikum
Die Gamescom gehört neben der Tokyo Game Show, der Games Developers Conference und der Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles endgültig zu den Fixpunkten im Terminkalender von Publishern, Studios und Entwicklern. EA-Chef John Riccitiello, Warren Spector, Peter Molyneux, Chris Taylor, Valve-Sprecher Doug Lombardi, id-Mann Tim Willits und viele weitere bekannte Persönlichkeiten sind nach Köln gekommen. Die Entwicklerkonferenz GDC Europe im Vorfeld der Gamescom war ein gigantisch großer Erfolg mit vollen Sälen, begeisterten Zuhörern und glücklichen Referenten. So schade es für die sympathischen Leipziger ist: Die Spielewelt spricht kölsch – endgültig.
8. Der Boom der Browserspiele
"Hurra, ein neues Age of Empires! Achso, ein Browserspiel? Bäh!“ - angesichts vieler liebloser Internetumsetzungen ist gesunde Skepsis nicht weiter verwunderlich, wenn bekannte PC-Spielemarken als (zunächst kostenloses) Online-Spiel für Explorer, Firefox, Opera & Co. umgesetzt werden. Mittelfristig darf man annehmen, dass insbesondere Runden- und Aufbaustrategiespiele sowie Wirtschaftssimulationen ins Netz wandern – bereits zu besichtigen anhand von Gilde1400, Cultures Online, Lords of Ultima, demnächst auch bei den Facebook-Siedlern oder Patrizier Online. Und übrigens: Age of Empires Online macht einen hervorragenden Ersteindruck.
9. Angriff auf World of Warcraft
Nicht ohne Grund kürte eine unabhängige Jury das neue Ncsoft-Rollenspiel Guild Wars 2 zum besten Online-Spiel der Messe: Von allen Seiten wird Blizzards World of Warcraft unter Beschuss genommen. Besonders ehrgeizig und aktiv sind zum einen die etablierten Online-Riesen wie Frogster, Gameforge und Gamigo, die händeringend nach Personal für ihre deutschen Standorte suchen. Zum anderen drängen immer mehr Anbieter aus Fernost und USA nach Europa: Auf der Messe wurden einige spektakuläre Abschlüsse bekannt gegeben – fantastische Neuheiten wie Tera, Rift und Mythos buhlen um die Spieler von Cabal Online, Metin 2 und Runes of Magic. Klar zu sein scheint, dass es Abo-Rollenspiele wie World of Warcraft künftig enorm schwer haben – demnächst wird Herr der Ringe Online zum Free2play-Spiel. Und dann ist da ja noch Biowares Star Wars: The Old Republic...
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Aber gut, dass ich dieses Jahr nicht dort war. Sehr zeitaufwändige Anfahrt, entsprechend auch nicht sehr preiswert und selbst wenn man noch Geld in eine Unterkunft investiert und man 2 oder mehr Tage dort ist, lohnt es sich kaum.