Das goldene Zeitalter der PC-Spiele: Die besten Games der Jahrtausendwende
Seien wir mal ehrlich: Es gibt einen großen Batzen guter Spiele, doch nur einige wenige faszinieren uns so nachhaltig, dass wir auch nach Jahren gerne über sie sprechen. PC Games blickt mit euch gemeinsam auf die größten Spieleperlen der goldenen Jahrgänge 1998 bis 2002 zurück.
Es gibt Spiele, die setzten in ihrer jeweiligen Zeit Standards, verliehen einem Genre neue Impulse und prägten damit nachhaltig die Zockergeneration. Spiele, an die wir uns auch nach Jahren noch gerne erinnern und die wir freudestrahlend aus dem Regal ziehen, wenn es gerade mal wieder eine spielerische Dürreperiode zu überstehen gilt. Sie alle aufzuzählen, würde eindeutig den Rahmen dieses Artikels sprengen.
Also beschränken wir uns im Nachfolgenden auf die Jahrgänge 1998 - 2002. In diesem Zeitraum haben ausgesprochen viele Highlights die Herzen der Gamer erobert. Von Anno 1602 und Half-Life über Deus Ex und Thief bis hin zu Battlefield 1942 und Warcraft 3: Wir widmen den bedeutendesten Spieleperlen ein Kurzporträt und erklären euch darin, warum sich diese Games einen ewigen Platz in der Hall of Fame sichern konnten. Haben wir ein wichtiges Spiel aus dieser Zeit eurer Meinung nach vergessen? Nutzt die Kommentarfunktion, um uns eure Vorschläge mitzuteilen.
In diesem Artikel
Packshot zu Half-Life
Geliebt, verehrt, bewundert: Viele Gamer halten Half-Life noch immer für die Krone der Ego-Shooter-Schöpfung. Kein Wunder, setzte doch das Debütprojekt von Valve etliche Maßstäbe im Genre. Da wäre zum einen die grandiose Inszenierung zu nennen. Von der U-Bahnfahrt zum streng geheimen Black-Mesa-Komplex über den Super-GAU im Reaktorraum bis hin zum grandiosen Finale auf dem Alien-Planeten Xen. Die Spannungskurve bleibt stets auf einem konstant hohen Level. Abwechslungsreichtum wird groß geschrieben. Die Schauplätze wechseln regelmäßig, in sinnvollen Abständen wird Protagonist Gordon Freeman mit neuen Waffen belohnt. Als genial darf der dramaturgische Griff der Entwickler gegen Mitte des Spiels bezeichnet werden. Die Soldaten, die alle Zeugen des Unfalls eliminieren sollen, bekommen Freeman zu fassen, nehmen ihm sämtliche Knarren ab und werfen ihn anschließend in eine Müllverbrennungsanlage.
Die Ruhe vor dem Sturm: Held Gordon Freeman begibt sich gerade zum Experimentier-
raum. Noch weiß der Spieler nicht, dass der simple Test in einem Fiasko endet.
Großartig ist auch der Einfall mit dem mysteriösen Fremden, der sich ab und an blicken lässt und dann an seiner Krawatte fummelt. Die Fans mutmaßten in Foren, Chats und auf dem Pausenhof, welche Absichten der G-Man wohl verfolgen könnte. Geschichte schrieb der Ego-Shooter wegen der zahlreichen Modifikationen, die auf Basis der Engine entstanden sind. Egal ob Counter-Strike, Day of Defeat oder Natural Selection: Die Flut an neuen (und meist qualitativ hochwertigen) Fan-Erweiterungen riss selbst Jahre nach Veröffentlichung einfach nicht ab. Ein Jahrzehnt später zog Valve schließlich Bilanz: 9 Millionen verkaufte Exemplare, ein beachtlicher Erfolg, zu dem man nur gratulieren kann.
Packshot zu StarCraft
Lange Zeit galt Command & Conquer als der Messias der Strategiespiele. Bis Blizzard Entertainment mit ihrem Sci-Fi-Epos StarCraft die Rollenverteilung neu definierte. StarCraft war in nahezu jeder Hinsicht ein überragendes und wichtiges Spiel. Die Schneestürmer haben es nämlich nicht nur geschafft, die drei spielbaren Völker Zerg, Terraner und Protoss perfekt auszubalancieren. Sie erzählten auch eine packende und mit Wendungen gespickte Geschichte über Verrat und Tod. Außerdem schaffte Blizzard wie kein anderer Entwickler zuvor, viele Gamer für den Mehrspieler-Modus zu begeistern. In Zeiten, in denen Breitbandanschlüsse allmählich Verbreitung fanden, lieferte StarCraft das perfekte Multiplayer-Erlebnis. In der Anlaufstelle Battle.net verabredeten sich Hobby-Strategen zur gepflegten Partie 1on1, 2on2, 3on3 oder 4on4.
Quelle: Blizzard
Die gefürchtete 10-Minuten-Überleben-Mission: Die außerirdischen Zerg strömen in Scharen in die terranische Hauptbasis. Nur mit vielen bemannten Bunkern lässt sich der Angriff abwehren.
In der eSports-Szene ist StarCraft seit der Veröffentlichung eine feste Säule und wird erst durch den 2010 veröffentlichten Nachfolgers langsam abgelöst. Der Erfolg des Strategietitels beruht allerdings auch auf dem mächtigen Szenarioeditor, mit dem Fans schnell eigene Karten und Kampagnen basteln konnten. Einige talentierte User schufen sogar kleine Modifikationen, die frische Einheiten und Gebäude enthielten oder das Gameplay komplett umkrempelten. Einen Kritikpunkt gab es dann aber doch: die Grafik. 256 Farben und eine Auflösung von 640x480 Bildpunkten hauten selbst 1998 niemanden mehr vom Hocker. Immerhin läuft das Spiel dadurch selbst auf Uralt-Maschinen angenehm flüssig. Unterm Strich ist StarCraft nicht mehr oder weniger ein Gesamtkunstwerk geworden, mit sich künftige Genrevertreter erst einmal messen mussten.
Packshot zu Commandos
Erst denken, dann handeln. Auf dieser Devise beruht der Überraschungshit der spannischen Pyro Studios. Commandos fördert taktische Lösungen und straft Rambos mit dem Game Over-Schriftzug. Der Spieler führt ein sechsköpfiges Team von Spezialisten in über zwanzig Missionen tief hinter feindliche Linien. Dabei befindet man sich stets in der Unterzahl, das klassische David-gegen-Goliath-Prinzip kommt zum Tragen. Eine verzwickte Situation, die eine genaue Planung des Vorgehens notwendig macht. Jeder Charakter verfügt über eine unterschiedliche Ausrüstung und individuelle Fähigkeiten. Anführer Green Beret kann beispielsweise Feinde mit einem Messer relativ geräuschlos abmurksen. Außerdem ist nur er in der Lage steile Wände hochzuklettern. Im Notfall greift er auf seine gute alte Knarre zurück und ballert ein bis zwei Soldaten über den Haufen.
Eine Szene aus dem Strategiespiel Commandos: Wachen patrouillieren auf den Straßen. Im Fahrzeug bleiben die Spezialisten jedoch unentdeckt. Gleich heißt es zuschlagen!
Der Spion ist hingegen Meister der List und Täuschung. Er kann Uniformen gefallener Gegner anziehen und damit auch schwer bewachte Areale ohne weiteres passieren. Grandios: Im Zusammenspiel mit den anderen Spezialisten ergeben sich unzählige taktische Möglichkeiten. Clevere Spieler lenken beispielsweise mit dem Spion die Aufmerksamkeit einer Wache auf sich und fallen mit anderen Charakteren hinterrücks in die Basis ein. So einfach, wie in diesem Beispiel, wird es einem allerdings selten gemacht. Im weiteren Spielverlauf entwickeln sich die Einsätze nämlich zu echten Höllentrips, die höchste Konzentration und flinke Finger erfordern. So musste man in späteren Missionen vier und mehr Aktionen gleichzeitig koordinieren - während eines engen Zeitfensters, versteht sich. Kein Spiel für Weicheier, aber das lässt bereits der Packshot vermuten.
Packshot zu Anno 1602
Es schien wenig erfolgsversprechend, gegen zwei so übermächtig scheinende Konkurrenten "Die Siedler" und "Civilization" anzutreten. Beide Titel sahnten in der Fachpresse Höchstwertungen ab und scharten ein riesige Fangemeinde um sich. Den Österreichern von Max Design blieb nur die Möglichkeit, eine eigene Nische für ihr Werk Anno 1602 zu finden, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Das Wagnis hatte sich glücklicherweise ausgezahlt. Anno 1602 wurde zu einem regelrechten Verkaufsschlager. Nach Angaben des Publishers Sunflowers setzte man von der Aufbausimulation über 2,2 Millionen Exemplare ab. Einmal vom Anno-Fieber angesteckt, lässt man so schnell nicht mehr vom Spiel los. Schlaflose Nächte sind die Folge. Das liegt an dem simplen, wie genialen Spielprinzip. Im Wesentlichen geht es um den Aufbau eines blühenden Imperiums.
Quelle: Sunflowers
Wer seine Insel nicht mit Wällen abschirmt, über den fallen schnell feindliche Truppen her.
Zu Beginn steht einem lediglich ein Handelsschiff zur Verfügung. Mit dem voll beladenen Kahn geht es auf die Suche nach einem geeigneten Eiland für eine Siedlung. Hat man einmal seine neue Heimat gefunden, ist es an der Zeit eine gut funktionierende Wirtschaft zu etablieren. Mit dem Bau von Holzfällerhütten, Fischerein und Steinmetzen sorgt man für einen kontinuierlichen Abbau natürlich vorkommender Ressourcen. Die gewonnen Güter lassen sich später unter anderem in Fleischerein, Schneiderein und Werkzeugschmieden weiterarbeiten. Das ist auch zwingend notwendig, denn die Bevölkerung schreit mit zunehmender Einwohnerzahl nach besserer Verpflegung und höherem Luxus. Nun lassen sich in der Regel nicht alle Bedürfnisse befriedigen, da es auf der Insel nicht alle Rohstoffe gibt. Also müssen Handelsbeziehungen mit anderen Völkern aufbaut und neue Länderein kolonisiert werden - gegebenenfalls mit Gewalt. Der Schlachtenpart nimmt allerdings einen vergleichsweise geringen Stellenwert ein.
Das süchtigmachende Spielkonzept von Anno 1602 hat bis heute nichts von seinem unvergleichlichen Charme eingebüßt und begeistert immer wieder aufs Neue. Es ist daher nicht sonderlich verwunderlich, dass sich dieser zeitlose Klassiker in unserer Bestenliste wiederfindet. Alles zur Historie der Anno-Reihe könnt ihr ihn unserem ausführlichen Special nachlesen.
Packshot zu NFS 3: Hot Pursuit
Die Geburtsstunde von Need for Speed ist auf das Jahr 1994 datiert, der endgültige Durchbruch kam allerdings erst vier Jahre später mit NFS 3: Hot Pursuit. Electronic Arts kam auf die geniale Idee, das Räuber-und-Gendarm-Prinzip auf ihre Rennspielserie zu übertragen. Die Spieler konnten sich nicht nur hinters Steuer sündhaft teurer Luxusboliden klemmen und sich damit packende Verfolgungsjagden mit den Gesetzeshütern liefern, sondern auch selbst Streife fahren. Da sich die Temposünder nicht freiwillig stellen, greifen die Cops auf coole Gadgets zurück. Krähenfüße bringen die Reifen zum Platzen und Straßensperren schließen die letzten Fluchtmöglichkeiten. Mit Freunden über LAN oder Splitscreen ein Heidenspaß!
Der Erfolg ist allerdings nicht einzig und allein auf den namensgebenden Hot
Auf Kollisionskurs mit den Gesetzeshütern: Auch Raser können die Cops von der Straße drängen. Zerstörte Streifenwagen gehen in Flammen auf.
Pursuit-Modus zurückzuführen. Bei Need for Speed 3 stimmt einfach das Gesamtpaket. Anfangen bei den abwechslungsreichen Rennkursen über die hübsche Grafik bis hin zum ungemein authentischen Tempo-Feeling. Selbst die animierten Menüs strotzen nur so vor Details. Jede Strecke und jeder Wagen wird eines Audio-Kommentares gewürdigt. Hinzu kommt die coole Elektro-Mucke, die in den Rennen den eigenen Pulsschlag nach oben drückt. Hot Pursuit verdankt seinen hervorragenden Ruf auch der Arbeit vieler Fans. Jene versorgten den Arcade-Racer mit frischen Fahrzeugen. Mit der Zeit entwickelte sich eine regelrechte Mod-Community, die unzählige Erweiterungen auf Fansites zum Download anbot.
Packshot zu Unreal
Sieben Jahre lang griff Epic Games (damals Epic Megagames) nach den Sternen, doch erst mit ihrem wegweisenden Ego-Shooter Unreal nahmen sie die entscheidende Hürde und gingen in die Annalen der Computerspielgeschichte ein. Die Technologie hinter dem Spiel war seinerzeit schlichtweg beeindruckend. Weitläufige Außenareale, detailreiche Texturen und realistisch anmutende Licht - und Schatteneffekte ließen die Kinnladen gen Boden wandern. Schon bald wurden andere Entwickler auf die Unreal-Engine aufmerksam und lizensierte sie für ihre eigenen Projekte. Als Beispiele wären hier Deus Ex und Rune zu nennen. Was anderen an Epics-Grafikgerüst gefiel, war die Tatsache, dass man mit dem vergleichsweise leicht zu bedienenden Editor schnell brilliante Ergebnisse erzielen konnte.
Unreal legte die grafische Messlate ganz schön. Nicht einmal Half-Life zauberte derart brilliante Effekte und Texturen auf den Bildschirm.
Mit grandioser Technik allein, ließ sich allerdings schon anno 1998 kein Blumentopf gewinnen. Glücklicherweise hatte Unreal auch einen schönen Kern. Auf die Handlung um einen Überlebenden eines havarierten Gefängniskreuzers kann man zwar keine Lobeshymnen singen, darüber tröstet aber die recht lange Spielzeit von rund 20 bis 30 Stunden hinweg. Der Spieler bekommt auf seiner Reise auf dem Alien-Planeten Na Pali viele unterschiedliche Orte zu Gesicht. Die ungeheure Palette sticht jedes Reiseprospekt aus: Überflutete Tempelanlagen, riesige Fabriken, und gigantische Burgen. Nichts, was es in Unreal nicht gibt. Selbiges gilt auch für das Waffenarsenal, das aus ziemlich abgefahrenen Wummen (Stichwort: Flak-Gun) besteht. Wie auch der direkte Konkurrent Half-Life, setzt auch Unreal jede Menge Skripte ein, um die Atmosphäre zu fördern und die Spieler bei der Stange zu halten.

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Es fehlen aus meiner Sicht aber auf jeden Fall Freespace 1 und 2 sowie XWing Alliance. Quasi die letzten nennenswerten Weltraumsimulationen. Starlancer, Freelancer und eingeschränkt auch Darstar One waren gut gemachte Actionspiele aber eben keine Sims mehr.