Gamescom 2010: Die PC-Games-Analyse - Die neun wichtigsten Trends

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Special Petra Fröhlich Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

254.000 Besucher lockte die Gamescom 2010 nach Köln. Nach ungezählten abgespulten Kilometern und vielen Stunden an Tastatur, Maus und Controller ziehen die PC-Games-Redakteure vor Ort ein erstes Messefazit. Was ist uns aufgefallen, wodurch unterscheidet sich die Gamescom 2010 von der Vorjahres-Messe?

Zu sehen und zu spielen gab es Knüller wie Diablo 3, Guild Wars 2, Xbox Kinect, Crysis 2, Portal 2, Gothic 4, Rage, Witcher 2 und Star Wars: The Old Republic. Wenn Sie bereits die vier Messetage für einen Abstecher auf das Messegelände in Köln-Deutz genutzt haben, freuen wir uns auf Ihre Ergänzungen, Anmerkungen und Kommentare - vielleicht haben Sie ja einen ganz anderen Eindruck gewonnen?

1. Boah, ist das voll...
Sowohl bei der Games Convention als auch bei der Gamescom-Premiere vor einem Jahr galt die Faustregel: „Komm am besten am Donnerstag oder am Freitag – da isses noch halbwegs leer und man kann mehr anspielen.“ Weit gefehlt: Die noch andauernden Schulferien in Nordrhein-Westfalen (und die unbestritten gewachsene Bedeutung der Gamescom) sorgten am Donnerstag und Freitag für knackevolle Hallen, drängende Enge und nicht enden wollende Schlangen vor den Anspielstationen. Das Security-Personal an Durchgängen und Rolltreppen hat buchstäblich alle Hände voll zu tun („Bitte weitergehen...nicht stehenbleiben...Treppen freimachen...“) - die Zahl der Ordner ist gefühlt enorm angewachsen gegenüber dem Vorjahr.

2. Langweilige Messestände
Vorbei die Zeiten, als Microsoft ganze Areale in einen Dschungel verwandelte. Oder als Electronic Arts einen spektakulär beleuchteten, vom Sydney Opera House inspirierten Stand aufbauen ließ. In diesem Jahr sind die Messestände an Effektivität kaum zu überbieten: Weniger Freizeitpark, dafür mehr Sperrholz und vor allem mehr Spielstationen. Spitzenreiter in dieser Disziplin ist Activision Blizzard: In riesigen abgeschotteten Bereichen sind Dutzende von PCs aufgebaut, auf denen Diablo 3 und World of Warcraft: Cataclysm anspielbar sind – drumherum wickeln sich lange Schlangen von Blizzard-Fans, die drei, vier Stunden Wartezeit in Kauf nehmen, um ein einziges Mal zur Maus greifen zu dürfen. Mit solchen Messeständen kommt man einerseits den Wünschen der Spieler entgegen, andererseits sind Spielstationen natürlich günstiger als Erlebnisparcours mit nachempfunden Festungen, Raumstationen und Fantasy-Wäldchen.

3. Ganz schön viel Platz...
Selbst kleinere Stände verschlingen schnell einige hunderttausend Euro, größere Anlagen haben ein Budget im deutlich siebenstelligen Bereich (inklusive Personal). In Zeiten rückläufiger oder stagnierender Spiele-Verkaufszahlen knapsen die Aussteller erkennbar beim Messebudget: Das erkennt man zum einen an den vielfach arg schlichten (um nicht zu sagen: langweiligen) Aufbauten, zum anderen auch an den vielen freien Flächen zwischen den Messeständen und den breiteren Fluren. Die Gründe für diese leeren Bereiche sind vielfältig: Einige bekannte Spielehersteller haben ihren Auftritt komplett abgesagt (darunter Sega und Capcom), andere Aussteller hingegen haben ursprünglich reservierte Flächen wieder storniert.

4. Weniger Prominenz
Im Vorjahr stolperte man mit etwas Glück/Pech in die Arme von Wladimir Klitschko, Tony Hawk, Ralf Möller, Elton oder Smudo. Und 2010? Nationalmannschaftstorhütertrainer Andy Köpke, Nationalmannschaftspublikumsliebling Lukasz Podolski, Formel-1-Hinterherfahrer Adrian Sutil und die Weasley-Zwillinge aus den Harry-Potter-Filmen waren schon die Krönung der VIP-Ausbeute. Und natürlich sind wieder Darth Vader und seine Sturmtruppen auf den Fluren unterwegs und posieren für Erinnerungsfotos. Den meisten Besuchern wird’s egal sein, denn schließlich stehen die Spiele im Mittelpunkt. Trotzdem: Wann hat man schon mal die Gelegenheit, Tony Hawk live in der Halfpipe zu erleben? Oder der Hälfte der Fantastischen Vier beim Abrocken an den Guitar-Hero-Klampfen zuzugucken? Auch das gehört zum Happening Gamescom dazu – und es wäre zu wünschen, wenn sich 2011 wieder mehr Stars und Sternchen in Köln blicken ließen.

5. Fuchteln, hopsen, sich zum Obst machen.
Bei den Spielkonsolen geht inzwischen nichts mehr ohne Bewegungssteuerung. Auf Nintendos Wii scheint die Fraktion der Tänzer, Musiker und Party-Fuchtler inzwischen ohnehin in der Überzahl zu sein. In diesem Herbst ziehen Sony und Microsoft nach, denn dann erscheinen PlayStation Move (die Controller sehen aus wie Mikros mit aufgepropften Christbaumkugeln) und Kinect Xbox 360 (kommt gleich ganz ohne Controller aus) – beide sind auf der Gamescom live anspielbar. Hört man sich um, lauten die Kommentare: Move ist ein präziser, perfekt funktionierender Wii-Klon – Kinect ist innovativer und intuitiver, aber offenbar noch nicht hundertprozentig ausgereift. Der Markt der Spielkonsolen scheint sich in zwei Fraktionen zu splitten: Auf der einen Seite die klassischen Zocker, die gemütlich im Sofa lümmelnd durch die Prärie von Red Read Redemption galoppieren, ein FIFA-Match spielen oder ihren Modern-Warfare-2-Rang verbessern. Und auf der anderern Seite das Lager der Tanz-, Musik-, Karaoke-, Fitness- und Partyspiele, die sich vor allem an Familien, Kinder, Frauen, Senioren richten.

6. 3D ja, aber später
In Zeiten von Avatar und Toy Story machen sich Schlagworte wie 3D immer gut in TV-Interviews und Pressemitteilungen. Doch tatsächlich spielbare 3D-Erlebnisse muss man mit der Lupe suchen – wenn man sie denn überhaupt findet. Okay, der ein oder andere Gran Turismo 5-Testfahrer kurvt mit angelegter Shutter-Brille über die Curbs und Crysis 2 lässt sich auch in einer stereoskopischen Variante begutachten. Doch ansonsten Fehlanzeige: Der Nintendo 3DS (der von nahezu allen Augenzeugen mit Vokabeln wie „Wahnsinn“, „Der Hammer“ und „Unglaublich“ belegt wird) kommt erst Anfang 2011 und wird deshalb nur hinter den Kulissen ausgewählten Journalisten und Händlern präsentiert. 3D wird kommen, keine Frage, aber von einem echten „Messethema“ kann man nicht sprechen.

7. Mehr internationales Publikum
Die Gamescom gehört neben der Tokyo Game Show, der Games Developers Conference und der Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles endgültig zu den Fixpunkten im Terminkalender von Publishern, Studios und Entwicklern. EA-Chef John Riccitiello, Warren Spector, Peter Molyneux, Chris Taylor, Valve-Sprecher Doug Lombardi, id-Mann Tim Willits und viele weitere bekannte Persönlichkeiten sind nach Köln gekommen. Die Entwicklerkonferenz GDC Europe im Vorfeld der Gamescom war ein gigantisch großer Erfolg mit vollen Sälen, begeisterten Zuhörern und glücklichen Referenten. So schade es für die sympathischen Leipziger ist: Die Spielewelt spricht kölsch – endgültig.

8. Der Boom der Browserspiele
"Hurra, ein neues Age of Empires! Achso, ein Browserspiel? Bäh!“ - angesichts vieler liebloser Internetumsetzungen ist gesunde Skepsis nicht weiter verwunderlich, wenn bekannte PC-Spielemarken als (zunächst kostenloses) Online-Spiel für Explorer, Firefox, Opera & Co. umgesetzt werden. Mittelfristig darf man annehmen, dass insbesondere Runden- und Aufbaustrategiespiele sowie Wirtschaftssimulationen ins Netz wandern – bereits zu besichtigen anhand von Gilde1400, Cultures Online, Lords of Ultima, demnächst auch bei den Facebook-Siedlern oder Patrizier Online. Und übrigens: Age of Empires Online macht einen hervorragenden Ersteindruck.

9. Angriff auf World of Warcraft
Nicht ohne Grund kürte eine unabhängige Jury das neue Ncsoft-Rollenspiel Guild Wars 2 zum besten Online-Spiel der Messe: Von allen Seiten wird Blizzards World of Warcraft unter Beschuss genommen. Besonders ehrgeizig und aktiv sind zum einen die etablierten Online-Riesen wie Frogster, Gameforge und Gamigo, die händeringend nach Personal für ihre deutschen Standorte suchen. Zum anderen drängen immer mehr Anbieter aus Fernost und USA nach Europa: Auf der Messe wurden einige spektakuläre Abschlüsse bekannt gegeben – fantastische Neuheiten wie Tera, Rift und Mythos buhlen um die Spieler von Cabal Online, Metin 2 und Runes of Magic. Klar zu sein scheint, dass es Abo-Rollenspiele wie World of Warcraft künftig enorm schwer haben – demnächst wird Herr der Ringe Online zum Free2play-Spiel. Und dann ist da ja noch Biowares Star Wars: The Old Republic...

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    • Kommentare (13)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Shadow_Man Mitglied
        AW: Special - Gamescom 2010: Die PC-Games-Analyse - Die neun wichtigsten Trends

        Zu Punkt 2 und 4: Ist doch schön, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert und nicht für irgendwelche C-Promis unnötig das Geld aus dem Fenster wirft.
      • Von Shadow_Man Mitglied
        AW: Special - Gamescom 2010: Die PC-Games-Analyse - Die neun wichtigsten Trends

        Zu Punkt 2 und 4: Ist doch schön, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert und nicht für irgendwelche C-Promis unnötig das Geld aus dem Fenster wirft.
      • Von thefury2008 Anfänger/in
        AW: Special - Gamescom 2010: Die PC-Games-Analyse - Die neun wichtigsten Trends

        War am Sonntag da. Mir hat es sehr gut gefallen. Hab alle Spiele angezockt die mich interessieren. Wenn man alles zocken will muss man aber doch schon 2 Tage da sein.
      • Von TobiasHome Mitglied
        AW: Special - Gamescom 2010: Die PC-Games-Analyse - Die neun wichtigsten Trends

        "Formel-1-Hinterherfahrer Adrian Sutil" ... naja, so sehr Hinterherfahrer ist er ja nun wirklich nicht. Er ist ein super Fahrer, mit mittelmäßigen Material.

        Aber gut, dass ich dieses Jahr nicht dort war. Sehr zeitaufwändige Anfahrt, entsprechend auch nicht sehr preiswert und selbst wenn man noch Geld in eine Unterkunft investiert und man 2 oder mehr Tage dort ist, lohnt es sich kaum.
      • Von Luccah Hobby-Spieler/in
        AW: Special - Gamescom 2010: Die PC-Games-Analyse - Die neun wichtigsten Trends

        ich war am Freitag da und fand es im Vergleich zum letzten Jahr sehr voll (ebend wegen olle Ferien..). Anspielen? ach war garnicht dran zu denken. Nur das was so am Rand angeboten wurde. ich hab eben kein Nerv mich da stundenlang anzustellen, Schmerzgrenze ist bei 60 Min erreicht. Gerne hätte ich GW2 angezockt, aber die Probespielzeit war mit knapp 40 Min zu hoch angesetzt.
        Sehr unangenehm fand ich, die Hatz auf Adressen seitens mancher Stände..was es letztes Jahr für lau gab, gab es nun nur gegen Adresse (für Gewinnspiel etc). 2009 gab es auch von Computek einige Probeexemplare, das fand ich sehr gut, dieses Jahr..nichts. das ist dünn.
        Dann gab es wohl einen "The Witcher2" Stand nur für die Presse, aber für die Spieler gab es nur einen Trailer und Poster (naja und mit ein wenig Glück die Figur von Geralt : ,das musste man aber wissen). mein Fazit, gegenüber 2009 dünner, voller, dafür lauter..
      • Von Rarehero Stille/r Leser/in
        AW: Special - Gamescom 2010: Die PC-Games-Analyse - Die neun wichtigsten Trends

        Ich war am Donnerstag da und ich hab es las nicht zu voll empfunden. 2008 war ich noch als Angestellter eines Ausstellers auf der GC und die habe ich viel schlimmer in Erinnerung (besonders die Versuche, gerade am Wochenende vom Messestand ins Business Center zu gelangen und dabei in Glastunnel zu laufen, in denen wirklich kein Durchkommen mehr war). Am Donnerstag habe ich mich beim Weg vom Parkdeck in die Messehalle beinahe gefragt, ob ich wirklich auf der Kölnmesse bin, weil es so leer war.

        Weniger gut gefallen hat mir die allgemeine Tristesse. Die meisten Stände waren vor allem funktionell gestaltet, haben aber kaum etwas für das Auge geboten. Außerdem waren die Stände sehr seltsam verteilt. Die GC 2008 habe ich zwischen Ubisoft, NCSoft, EA und Take Two verbracht. Damals hatte ich für einige Tage das Gefühl, mich wirklich am Nabel der Videospiel-Welt zu befinden. Dieses Jahr haben sich die Stände der großen und interessanten Hersteller mit Ramsch-Ständen von Hama und Co. abgewechselt - war man eben noch ganz high von den neusten und aufregendsten Spiele, hatte man im nächsten Moment das Gefühl, beim Computer/Handy-Türken von der Straßenecke zu stehen.

        Außerdem waren die Warteschlangen viel zu lang, viele Stände wie erwähnt zu trist. Es gab zu wenig für die Augen. Und es war zu laut. Für die Zukunft wünsche ich mir daher folgendes:

        - Günstigere Kosten für die Standplätze, damit sich die Hersteller größere Stände für mehr Besucher leisten, die sich ggf. auf bis zu sechs Hallen erstrecken. Die Gamescom muss größer und glamoröser werden (nicht aber lauter, siehe nächster Punkt).
        - Verbietet die Schreihälse! Ich fand den Stand von NCSoft zwar sehr gut, aber dieser "Ich schrei NC, ihr schreit Soft!"-Spinner hätte jemand das Maul stopfen sollen. Nichts gegen Präsentationen am Stand, die müssen sein. Aber diese Schreihälse sollte verboten werden und die Stände sollten nicht mehr bestrebt sein, sich gegenseitig bei der Lautstärke zu überbieten.
        - Eine Ü18-Halle für Ü18-Videos und -Präsentationen. In dieser Halle könnten vier bis acht Stände aufgebaut sein, die von den Ausstellern nach einem Zeitplan wechselnd genutzt werden. Alternativ könnten die Besucher auch Nummern ziehen (wie auf dem Amt), die ihnen Zugang zu Präsentationen und Probespielen zu einem bestimmten Zeitpunkt garantieren. Beide Lösungen würden auch mehr Platz in den Ausstellungshallen schaffen.
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