Auf der PlayStation 2 ist Summoner weitestgehend konkurrenzlos, im PC-Bereich muss sich das Rollenspiel aber an Genre-Größen messen- und schneidet dabei grundsolide ab.
Dass Volition anders kann, beweist Summoner. Das Rollenspiel hat mit der knallbunten Action eines Descent: Freespace nämlich wenig gemein. Stattdessen: Ellenlange Textpassagen, Zahlenspielerei und Echtzeitkämpfe samt obligatorischem Pausenmodus zum Überlegen. Gespielt wird aus einer Vogelperspektive, die Sie nach Gutdünken in alle möglichen Richtungen drehen und zoomen dürfen. Zu Beginn lenken Sie alleine Joseph durchs Fantasy-Reich, wer aber strikt dem roten Storyfaden folgt, freut sich bald über Zuwachs: Diebin Flece ist die erste Figur, die sich Ihnen anschließt. Später folgen Rosalind und Jekhar. Insgesamt sind es drei zusätzliche Partymitglieder, die Sie im Laufe des Spiels aufgabeln. Wer mag, darf den Partymitgliedern ganz nach Baldur's Gate-Vorbild per Skript ein bestimmtes Verhalten zuweisen: Nahkämpfer bleiben dann immer im Getümmel, während die Heiler eigenständig aus dem Hintergrund Unterstützung in Form von Zaubersprüchen liefern. Sämtliche Figuren agieren somit automatisch, nur der ausgewählte Charakter harrt ausschließlich Ihrer Befehle und vollzieht auf Wunsch Combo-Attacken. Sobald die Pixelfigur ausholt, taucht für eine Sekunde ein kleines Symbol auf - wer dann rechtzeitig klickt, hindert den Gegner am Kontern und führt zusätzliche Angriffe mit besonderen Fähigkeiten aus. Das kann den Gegenspieler zu Boden werfen, Heilkräfte freisetzen oder ungewöhnlich viel Schaden anrichten. Praktisch unendlich viele Attacken ohne Gegenwehr sind auf diese Art und Weise möglich - sofern Sie stets im richtigen Augenblick die Maustaste erwischen. Die meisten Gefechte sind in eine Hintergrundgeschichte eingebettet: Da vermisst ein Bauer die Puppe seiner Tochter, ein armer Bettler möchte gern sein Augenlicht wiedererlangen und diverse Händler bitten um die Auslöschung einer Banditenbande. Wer fleißig hilft, erntet neben klingenden Münzen auch Erfahrungspunkte oder nützliche Gegenstände. Das macht es leichter, dem Spielverlauf zu folgen, der oft von Story-relevanten Zwischensequenzen unterbrochen wird: In der Spiel-Engine laufen Videos ab, die im Gegensatz zum eigentlichen Spiel mit hervorragender Sprachausgabe unterlegt sind.
Summoner macht mächtig viel Spaß, leidet gelegentlich aber am fehlenden Feintuning. Speziell die Soundeffekte lassen zu wünschen übrig.
Uneingeschränkt empfehlen kann ich Summoner nicht. Zum Topspiel fehlen die Highlights, die beispielsweise Planescape: Torment und Gothic bieten. Im Gegenzug findet man aber partout keine Schwächen, die den Spielspaß merklich trüben. Okay, die Grafik könnte aufwendiger sein, entfaltet sie doch erst in den Kämpfen ein ordentliches Feuerwerk an Effekten. Die visuelle Untermalung ist bis auf die überwiegend nicht vorhandene Sprachausgabe erste Sahne, allen voran der Soundtrack hält mit atmosphärisch dichten, recht esoterisch angehauchten Stücken gekonnt bei der Stange. Besonders angetan hat es mir darüber hinaus das Kampfsystem: Dank motivierenden Combo-Variationen werden die Auseinandersetzungen nie langweilig. Den Rollenspiel-typischen Stufenaufstieg haben die Programmierer außerdem perfekt hingekriegt - nach geschafftem Level ist es eine wahre Freude, die Fähigkeitspunkte auf die einzelnen Kategorien zu verteilen und anschließend die Auswirkungen zu beobachten. Fazit: Rollenspieler greifen sofort zu, der Rest überlegt, ob er ellenlange Textpassagen nicht zu langweilig findet.
Hallo Herr Weiß. Der Einfachheit halber nenne ich Dich mal Thomas. In Deinem Testbericht über Summoner steht, das man die Kamera drehen und zoomen kann wie man möchte. Das war dann in der Demo wohl noch nicht eingebaut. Ansonsten gefällt mir das, was ich bisher gesehen habe recht gut. Allerdings ist die sache mit den Combo- Attacken gewöhnungsbedürftig und hätte bei der Übernahme aus der PS Version ruhig intelligent ersetzt werden können. Tut mir leid, das ich für diesen intelligenten Ersatz keine Vorschläge mache, aber so intensiev habe ich mich nicht mit der Demo auseinandergesetzt. Vieleicht liegt es aber auch daran, dass ich kein Konsolen- Freak bin. "Wat der Buer nich kennt, dat friss er nich!"