Cheats: God Mode und Co. - Tricks und Schummel-Codes als Teil der Popkultur
Doom und der God-Mode, Konami und sein Konami-Code. Cheats sind ein Phänomen für sich. Wie fing es an? Welche wirklich verrückten Spieletipps gibt es? Welche Cheats prägten gar die Popkultur? Wir beleuchten das Phänomen Cheats.
Quelle: PC Games
Den Stick nur zur Hälfte bewegen und alle Knöpfe drücken... das waren noch Cheats!
Cheats gibt es in allen möglichen Varianten, vom kleinen Text bis zum beinahe akrobatischen Tasten-Drück-Marathon. Gleich zu Beginn einer der fiesesten Spiele-Cheats:
"Gebt als Spielernamen „_Wampa_Stompa“ ein, wählt danach den Schwierigkeitsgrad „Mittel“ und setzt die Controller-Bedienung auf „Medium“. Startet ein neues Spiel und pausiert es. Drückt dann auf alle C-Knöpfe und L, R, Z und drückt gleichzeitig nach links auf dem Steuerkreuz. Während ihr die Knöpfe weiter gedrückt haltet, drückt ihr den Analog-Stick etwa zur Hälfte nach rechts, bis ihr einen Ton hört. Drückt weiterhin die Knöpfe nach unten, nicht loslassen! Bewegt den Analog-Stick dann wieder zur Hälfte nach links, dann nach rechts und wieder nach links. Habt ihr den Stick zum dritten Mal nach links bewegt, erscheint pinker Text am oberen Ende des Bildschirms. Jetzt könnt ihr mit L und R durch die Optionen blättern und mit A auswählen."
Geschafft. Sie dürfen wieder Luft holen.
Wunderbar, gerade wurde erfolgreich der Master-Cheat in Star Wars: Shadow of the Empire für Nintendo 64 eingegeben. Und vermutlich ist die Zunge taub, anders kann der Analog-Stick ja nicht mehr bewegt werden, wenn man bereits alle Knöpfe drücken soll. Aber es zeigt, dass Cheats im Zeitraum der späten 90er-Jahre sehr gefragt waren und fast jedes Spiel die Mogelcodes eingebaut haben musste. Selbst Spiele wie FIFA 98 oder der Transport Tycoon hatten versteckte Eingabekombinationen, die dem Spieler einen Vorteil einbrachten. Oder einfach nur lustig waren. Cheats wurden ursprünglich nicht nur zum Vorteil des Spielers eingebaut, sie waren zu Beginn eine Möglichkeit für Entwickler die Spielmechanik zu testen ohne durch das ganze Spiel laufen zu müssen oder von Gegnern abgelenkt zu werden. Auch verschiedene Einstellungen konnten so ausprobiert werden.
In diesem Artikel
Die bekanntesten Cheat-Codes und sogar popkulturell weit verbreitet sind der God-Mode
Quelle: Konami
Der berühmte Konami-Code.
aus Doom und der Konami-Code. Der Konami-Code wird in vielen Spielen von Konami verwendet. Um ihn zu aktivieren, muss man die Kombination „hoch, hoch, runter, runter, links, rechts, links, rechts, B, A, Start“ auf dem Controller eingeben. Meist bekommt der Spieler nach Eingabe des Codes eine aufgefüllte Lebensanzeige und neue Leben. Kazuhisa Hashimoto baute 1986 den Code in die Umsetzung des Spiels Gradius für das NES ein, weil das Spiel zum Testen zu schwer war. Seit dem findet sich der Cheat-Code in vielen Spielen wieder – auch in Spielen von anderen Herstellern. Der Konami-Code ist ein Synonym für Cheats an sich geworden und hat auch außerhalb von Spielen seine Spuren hinterlassen: Der Comic-Verlag Marvel hat die Kombination auf ihrer Webseite marvel.com versteckt. Wird auf der Startseite die obige Kombination eingegeben (Start muss einfach gegen Enter getauscht werden), wird eine kleine Überraschung angezeigt. In Googles Feedreader wird durch die gleiche Kombination der „Ninja-Modus“ aktiviert und auf dem Soundtrack zum Film „Juno“ singen „The Moldy Peaches“ im Lied „Anyone else but you“ den Code vor.
Kennt jeder: Der God-Mode aus Doom
Ähnlich ist der God-Mode in Doom zu einem weitverbreiteten Cheat geworden. Gibt man im laufenden Spiel iddqd ein, wird der Spieler unverwundbar und kann durch die Level spazieren, ohne von den Gegnern großartig gestört zu werden. Auch dieser Cheat wurde in anderen Spielen aufgenommen und teilweise bizarr verarbeitet: Gibt man iddqd zum Beispiel im Shooter Descent von 1995 ein, wird man mit einer sehr sarkastischen Nachricht von den Entwicklern belohnt.
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Auch dank solcher Verbindungen wurden Cheats ein großer Teil der Spiele. Und sie wurden von vielen Spielern geliebt, einerseits weil natürlich das schwerste Spiel auf einmal für jeden zu schaffen war, andererseits konnte ein Spiel mit nur einer Tastenkombination ganz anders wirken. Wenn in dem (in Deutschland indizierten) Ego-Shooter Goldeneye für das Nintendo 64 auf einmal alle Gegner Riesenköpfe haben, wirkt das ein bisschen wie ein Spiel von Monty Python. Das Potential erkannten auch die Entwickler und bauten ab Mitte der 90er verstärkt immer mehr Cheats in Spiele ein, auch speziell für die Spieler. Zeitschriften füllten monatlich mehrere Seiten nur mit den neuesten Cheats, sogar Sonderhefte mit Cheat-Listen wurden gedruckt. Und im Internet wurden fast täglich neue Seiten geboren, die nur Cheats sammelten.
Cheats: Ebenso geliebt wie gehasst
Natürlich kam mit dem Nutzen von Cheats auch ein starker Streit auf: Ist man Cheater oder echter Spieler? Wer Cheater ist, hat einfach nicht das Können, ein Spiel ohne Hilfen zu spielen, so die Unterstellung der Cheat-Gegner. Und zusehends schwieriger wurde der Umgang mit Cheats in Online- und Multiplayer-Spielen. Auf einmal konnten Spieler in Counterstrik zum Beispiel nicht mehr sterben und waren dadurch unbesiegbar oder benutzten „Wallhacks“, um die Wände durchsichtig zu machen und dadurch alle Gegner sehen zu können. Auch weil heutzutage fast jedes Spiel einen Online-Multiplayermodus hat und Spiele sich teilweise auch vom Schwierigkeitsgrad drastisch von früheren Werken unterscheiden, hat sich die Verbreitung von Cheats eingeschränkt. Die große Zeit der Cheats ist vorbei. Aber seien wir auch ehrlich: Ein Spiel ohne Cheats durchzuspielen ist eine größere Genugtuung, als mit Cheats. Große Köpfe in FIFA 98 sind trotzdem lustig.
Die besten Cheats:

Ich spiele keine RTS. :B