Fallout 3: Die Faszination Apokalypse am Beispiel von Bethesdas Rollenspiel

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Special Maik Koch - Redaktionsleiter Thomas Wilke Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Fallout 3 setzt eine post-apokalyptische Welt nach einem Atomkrieg nahezu perfekt in Szene. Aber woher kommt unsere Begeisterung für das desaströse Setting? Wir verraten Ihnen, worin die Faszination Post-Apokalypse begraben liegt. Und warum man als rettender Held noch lange kein Retter ist.

Fallout 3 Quelle: Bethesda Fallout 3 Wie stellen wir uns das Ende der Welt nach einer atomaren Explosion vor? Wir kennen die Bilder nach den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki. Wie eine gesamte Welt in Schutt und Asche aussieht, können wir uns jedoch nicht im Entferntesten ausmalen. Rund um die vollständig zerstörten Städte der Atombomben-Angriffe von 1945 existiert gesellschaftliche Ordnung, welche die totale Anarchie verhindern kann. In der vollständig vernichteten Welt von Fallout 3 gibt es jedoch keinerlei Ordnung. Die Bilder der Städte zeigen hektargroße, ausradierte Landschaften. Unvorstellbar, dass solch ein Szenario in der Realität auf die gesamte Erde zutreffen könnte. In Videospielen und Filmen wird dieses Thema immer wieder verarbeitet und zeigt oftmals unterschiedliche Seiten einer solchen Zukunftsperspektive. Eines haben diese Werke aber gemeinsam, sie verarbeiten die Bilder der radikalen Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki.

Fallout 3 - Authentische aber furchtbare Welt
Endzeit-Vision in Fallout 3: Konzeptzeichnung der 'Schiff-Stadt' Rivet City ... Quelle: PC Games Hardware Endzeit-Vision in Fallout 3: Konzeptzeichnung der "Schiff-Stadt" Rivet City ... Wir wissen nicht, wie eine komplett zerbombte Welt aussieht, meinen aber, das Fallout-3-Szenario sei authentisch. Woher wollen wir das wissen? Sieht eine solche Welt wirklich so aus wie in Fallout 3? Kleine rivalisierende Gruppen kämpfen um Macht und Herrschaft. Nur der Stärkere überlebt. Beginnt die Herrschaftsfindung von vorn und entwickelt sich über Diktaturen bis hin zur Demokratie? Solche Entwicklungen werden auch von Fallout 3 offen gelassen. Ein einsamer Vault-Bewohner bricht 200 Jahre nach dem Atomkrieg aus dem sicheren Bunker aus und wandert durch die Welt. Als wir das erste Mal in Fallout 3 die sichere Vault verließen, saßen wir mit offenen Mündern vor dem Bildschirm. Da ist sie also, die schöne neue Welt. Verdichtet werden die Bilder des Fallout 3-Ödlands durch eine atmosphärische Sound-Untermalung. Die stählerne Bruderschaft und die Enklave ringen um die geistige Vorherrschaft in den Köpfen der organisierten Bevölkerung. Städte wie Megaton oder Rivet City halten sich als autarke Festungen im Ödland von Washington D.C. und bieten Schutz vor Raidern und sonstigen Bedrohungen. Das Hauptziel eures Helden in Fallout 3 ist die Reinigung des radioaktiv verseuchten Wassers im Ödland. Dazu soll das sogenannte Project Purity wieder in Gang gesetzt werden. Reines Wasser ist ein knapper Rohstoff in Fallout 3 und somit sehr wertvoll.

Fallout 3 - Faszination Apokalypse
... und die Umsetzung im Spiel. ... und die Umsetzung im Spiel. Während wir durch das Ödland und auch die Hauptstadt Washington D.C. laufen, stellen wir uns immer wieder vor, wie das Gebiet wohl vorher aussah. Wird die Welt nach einer solchen Katastrophe je wieder wie vorher aussehen? Der Drang, Project Purity wieder in Gang zu setzen und einen ersten Schritt für weitreichende Verbesserungen zu leisten, liegt also nahe. Die Darstellung der US-Amerikanischen Hauptstadt in all ihrer Zerstörung lässt uns beim ersten Besuch einen Schauer über den Rücken laufen. Unser Level ist noch nicht so hoch, dass wir gefahrlos drei oder vier Supermutanten gleichzeitig abwehren können. Wir schleichen also an den Verstecken der grünen Monster vorbei und wollen das Kapitol, das Washington Monument und vor allem das Weiße Haus zu Gesicht bekommen. Als wir nach vielen Spielstunden das Gebiet des Weißen Hauses betreten, finden wir lediglich einen großen Einschlagskrater. Später kehren wir im Fallout 3-Zusatzinhalt Broken Steel direkt in die spezielle Regierungs-Metro ein. Diese liegt unter dem Weißen Haus. Wir können jetzt durch eine Tür den Einschlagskrater "besichtigen". Nicht ohne Strahlenschutzanzug, versteht sich. Das Bild der Stadt Washington ist atemberaubend, verstörend und wundervoll apokalyptisch. Wir mögen das Szenario, weil es so weit weg ist und weil wir mit unserem Helden der zerstörten Welt trotzen. Wir haben in Fallout 3 die Chance zu überleben. Das gibt uns Hoffnung und lässt uns die Apokalypse genießen.

Oasis - Das Grün der verstrahlten Wüste
Eine der seltenen optischen Veränderungen bietet Oasis, eine Nebenquest von Fallout 3. In einem vom Ödland abgeschotteten Waldgebiet finden wir einen satten, grünen Wald. Die Bewohner versuchen diesen Ort geheim zu halten, um von Raidern und Söldnern in Ruhe gelassen zu werden. Als wir dieses Gebiet zum ersten Mal begehen, kommen wir uns wie in einem Zelda-Spiel vor. Der Wunsch, das Grün von Oasis in das gesamte Ödland zu tragen, erwacht. Wir fragen uns: Kann man das Aussehen der Spielwelt nach diesem Quest verändern? Die Antwort ist leider enttäuschend: Auch wenn wir die Wurzeln des Baum-Mutanten aus Oasis verstärken, statt zu zerstören, sprießt das Grün nicht in das umgebende Ödland. Die Hoffnung auf Besserung bleibt trotzdem erhalten. Wir machen uns nach dem Quest in Oasis auf den Weg, um Project Purity endlich in Gang zu setzen. Vielleicht schafft frisches Wasser die Wende hin zu einer grünen Spielwelt.

Enttäuschendes Ende in Fallout 3
Fallout 3 Fallout 3 Das abrupte Ende des Spiels hat uns leider enttäuscht. Eine Zusammenfassung unserer Taten in simplen Bildern reflektiert unsere Rolle in der Post-Apokalypse von Fallout 3. Die Enklave wurde besiegt und Project Purity spuckt wieder frisches und gereinigtes Wasser aus. Mehr als "Krieg, Krieg bleibt immer gleich." erfahren wir zum Ende des Hauptspiels jedoch nicht. Um Project Purity in Aktion zu erleben, benötigen wird das Fallout 3-Add-On Broken Steel. Dieses muss allerdings vor der letzten Hauptmission von Fallout 3 installiert werden. Als wir das erste Mal nach dem Sturm auf Project Purity erwachen, wollen wir das Teil in Aktion erleben. Sehen wir jetzt endlich grüne Wiesen in den Uferbereichen des Ödlandes? Auch hier lautet die Antwort: Nein. Project Purity reinigt das Wasser. Aber nur wenige Meter flussaufwärts finden wir wieder strahlenverseuchte Brühe. In einer der folgenden Missionen verteilen wir gereinigtes Wasser im gesamten Ödland, schöpfen aber keine Hoffnung auf ein gesundes Ödland. Schuld an dem bitteren Beigeschmack ist offenbar der Atomkrieg selbst. Unser Videospiel-Gen verdonnert uns dazu, der weltrettende Held zu sein. In der Vorstellung einer atomaren Apokalypse sind aber keine Helden zugelassen. Nur Verstrahlung, Tod und Anarchie. Es braucht mehr als einen einsamen Wanderer, um die Welt von solch einer Katastrophe zu retten. Fallout 3 beschreibt lediglich die entfernte Geschichte eines Einzelnen nach einem Atomschlag. Diese ist für uns nicht fassbar und viel zu weit entfernt. Noch viel weiter entfernt ist allerdings die komplette Genesung der verseuchten Fallout 3-Welt.

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    • Kommentare (9)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Chemenu Nerd
        AW:

        Zitat von VileThings
        Die Zusammenfassung ließt sich ziemlich ähnlich wie die Fernsehserie Jericho, welche ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen kann. Leider gibt es nur 1 1/2 Staffeln, trotz wirklich guter Kritiken...

        Hat die Serie inzwischen eigentlich ein Ende spendiert bekommen?
        Ich weiß noch dass die Serie damals mitten in der 2. Staffel einfach eingestampft wurde und ein paar Monate später hieß es man wolle einen Film produzieren, der die Story abschließt. Gehört oder gesehen hab ich davon allerdings nie was. :-(

        # Edit
        Grad bei dem Wikipedia Link gelesen dass auf den DVDs wohl auch ein alternatives Ende enthalten sein soll.
        Mir würde schon ein Ende reichen, völlig egal wie es ausgeht. :ugly:
      • Von Chemenu Nerd
        AW:

        Zitat von VileThings
        Die Zusammenfassung ließt sich ziemlich ähnlich wie die Fernsehserie Jericho, welche ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen kann. Leider gibt es nur 1 1/2 Staffeln, trotz wirklich guter Kritiken...

        Hat die Serie inzwischen eigentlich ein Ende spendiert bekommen?
        Ich weiß noch dass die Serie damals mitten in der 2. Staffel einfach eingestampft wurde und ein paar Monate später hieß es man wolle einen Film produzieren, der die Story abschließt. Gehört oder gesehen hab ich davon allerdings nie was. :-(

        # Edit
        Grad bei dem Wikipedia Link gelesen dass auf den DVDs wohl auch ein alternatives Ende enthalten sein soll.
        Mir würde schon ein Ende reichen, völlig egal wie es ausgeht. :ugly:
      • Von Flo66R6 Hobby-Spieler/in
        AW:

        Zitat von DestinisHand
        HiHO also wer gerne die Endzeitthematik im
        Bezug auf Postapokalypse vertiefen will ,dem
        sei hiermit das Taschenbuch :"Die letzten
        Kinder von Schewenborn" von Gudrun
        Pausewang ans Herz gelegt .
        Wir "mussten" das Buch damals in der Schule lesen. Ich denke dass war so in der vierten oder fünften Klasse. Das war eindeutig zu früh, ich hatte wirklich schlechte Träume davon bekommen. Ich habe das auch immer noch als fieses Buch in Erinnerung, selbst mehr als 20 Jahre später. Evtl. hat mir das auch so zugesetzt weil wir erst ein paar Jahre vorher draußen beim Spielen Einweghandschuhe tragen mussten, um nicht direkt mit verstrahltem Erdreich in Kontakt zu kommen (Tchernobyl).

        Ich mag Fallout 3, jedoch muss ich nicht unbedingt Bücher lesen, die solch eine Katastrophe ernsthaft und nachvollziehbar beschreiben. Dann doch lieber eine unrealistische und spaßige Endzeitvision wie in Fallout 3.

        Grüße,
        Flo
      • Von Sheggo Spiele-Kenner/in
        AW:

        Zitat von tomjane7
        @AnimalM2404:
        Der Film zu "The Road" ist sehr gelungen, kompromisslos trostlos, sehr verhalten erzählt. Natürlich aber kein Vergleich zum Buch. Such mal unter tvshack.net danach.
        Habe das Buch (von Cormac McCarthy) gelesen, ist definitiv noch deprimierender...
        Wer sich also mal richtig mies fühlen will, damit schafft er es ;)

        @ontopic:
        Also ich stelle mir eine postapokalyptische Welt nicht wie in der Fallout-Reihe vor. Mutanten und Ghule wird es in dem Stil wohl nicht geben. Nachkommen evtl. Überlebender werden mit Sicherheit missgebildet sein und kaum überlebensfähig ohne gute medizinische Einrichtungen.
        Ebenfalls ist es fraglich, wo in F3 die ganze Nahrung herkommt bzw. was die "Kühe" fressen; vom nuklearen Winter mal abgesehen.

        Menschen in Bunkern werden wohl eine Weile überleben können, aber auch mehrere Generationen? (Nahrung, Wasser, Luft, Energie, etc.)

        Gerade von Städten wie Washington wird wahrscheinlich überhaupt nichts mehr übrig bleiben, weil jedes Land mit Atomwaffen mindestens eine davon auf diese gerichtet haben wird. Daher fand ich die Umgebung von F1 und F2 deutlich ansprechender und "realistischer".

        Aber wer will auch ein realistisches Spiel? Man will Unterhaltung und Spaß und eine Erfahrung, die man im wahren Leben nicht machen kann und deshalb ist F3 (fast!!) durchweg ein tolles Spiel
      • Von The-real-Marcoman Anwärter/in
        AW:

        Was ist denn nun überhaupt mit Wasteland 2? Wasteland von 1988 ist ja der spirituelle Vorgänger von Fallout. Es hieß 2007 von Brian Fargo es wäre eine Fortsetzung geplant gewesen:

        "I am indeed looking into bringing back the game that spawned the Fallout series. Stay tuned...."

        "Ich untersuche tatsächlich gerade die Möglichkeit, das Spiel zurückzubringen, dass die Fallout-Serie hervorbrachte. Bleibt dran ..."

        Obwohl Wasteland so aussieht wie es nunmal aussieht, finde ich es dennoch sehr interessant.
      • Von VileThings Mitglied
        AW:

        Zitat von DestinisHand
        HiHO also wer gerne die Endzeitthematik im
        Bezug auf Postapokalypse vertiefen will ,dem
        sei hiermit das Taschenbuch :"Die letzten
        Kinder von Schewenborn" von Gudrun
        Pausewang ans Herz gelegt .
        Ich denke es gibt wenige ,und dazu noch so
        kurze ,wirklich sehr gute ,Bücher die eben
        dieses Thema so treffend und hinterfagend
        behandeln !
        Hier mal nen Wikipedia Link :
        http://de.wikipedia.org/w...
        von_Schewenborn
        viel Spass beim lesen und erschaudern ;)

        Die Zusammenfassung ließt sich ziemlich ähnlich wie die Fernsehserie Jericho, welche ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen kann. Leider gibt es nur 1 1/2 Staffeln, trotz wirklich guter Kritiken.

        Wikipedia-Link: http://de.wikipedia.org/w...
        imdb-Link (englisch): http://www.imdb.com/title...
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