PC Games Exklusiv: Kopierschutz-Report

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Raubkopie-Razzia in Tschechien
Quelle: GVU

Bei dem folgenden Artikel handelt es sich um den ersten Teil unseres umfangreichen Reports zum Thema Kopierschutz und Raubkopien. Darin geben wir einen kurzen Überblick über die aktuellen Kopierschutzmaßnahmen, den Sinn und Unsinn aus Kunden- sowie Hersteller-Sicht und berichten über die Hürden, denen Otto-Normal gegenüber steht.

Raubkopie-Razzia in Tschechien Quelle: GVU Raubkopie-Razzia in Tschechien Ronny Bauer* klickt mit seiner Maus, und siehe da, es funktioniert nicht. Ronny Bauer ist Computer-Spieler, einer der nur spielt, was er kennt: Anno, Die Sims, die Siedler - solche Spiele eben. Manchmal zockt er auch den Landwirtschafts-Simulator, dabei kann er gut entspannen. Er spielt sehr unregelmäßig; er hat Frau und Kinder, die rauben ihm die Zeit. Vor drei Tagen hat sich Ronny Bauer ein neues Spiel gekauft, heute will er es ausprobieren. Aber er verzweifelt: Es funktioniert nicht.

Das Problem ist der Kopierschutz. Auf dem Bildschirm steht irgendwas mit "DRM", Digitales Rechte-Management. Ronny Bauer hört den Begriff zum ersten Mal. "Sie müssen Ihre Daten via Internet übertragen und das Produkt registrieren", steht auf dem Bildschirm. Das Problem: Ronny Bauer hat gar kein Internet. Ob er denn beim Kauf gewusst habe, dass eine einmalige Verbindung mit dem Internet notwendig sei, fragen wir. Nein, das wusste er nicht. Woher denn auch?

"Eine Kennzeichnungspflicht besteht nicht", sagt der Bundesverband für Interaktive Unterhaltung (BIU). Wer seine Produkte mit Kopierschutzmaßnahmen versieht, der muss das nicht auf die Verpackung schreiben. Wer's macht, macht's freiwillig "In fast allen Fällen existiert ein solcher Hinweis", meint der BIU, was jedoch fehlt, ist der genaue Hinweis auf die verwendeten Verfahren".
Und von denen gibt es reichlich. Die bekanntesten heißen Tagès, SafeDisc und SecuROM und sie unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise. SafeDisc zum Beispiel packt eine digitale Signatur auf den Datenträger, von der der Hersteller meint, sie sei schwer zu umgehen. Bevor das Spiel startet, überprüft SafeDisc die Signatur. Dann kann's losgehen. SecuRom funktioniert - vereinfacht ausgedrückt - durch Daten-Chaos auf der Spiele-DVD. SecuRom verursacht das Chaos höchstpersönlich, weiß aber beim Aufräumen, wo alles liegt. Und wenn da nichts rumliegt, wo eigentlich was rumliegen sollte, tja, dann haben Sie wohl eine illegale Kopie im Laufwerk. Das Chaos lässt sich nämlich nicht kopieren, zumindest nicht so einfach. Tagès macht's wieder anders. Der Kopierschutz teilt die DVD in zwei Sektoren mit unterschiedlichen Daten, gibt aber beiden die gleiche Adresse. Beim Spielstart kontaktiert Tagès die Anschriften in der Hoffnung, verschiedene Antworten zu erhalten. Ist das der Fall, handelt es sich um ein Original.

Eine äußerst kostspielige Methode ist der Dongle, ein kleines Stück Hardware, auf dem relevante Informationen gespeichert sind. Wenn Sie ein Programm mit Dongle-Unterstützung starten, will die Software Daten vom Dongle. Kein Dongle: kein Programmstart, oder nur beschränkter Zugriff. "Hardware-Dongles gelten als sicherste Methode", bestätigt uns der BIU, "werden jedoch aufgrund ihrer hohen Kosten im Spielebereich nur in Ausnahmefällen verwendet."

Allen Maßnahmen gemein (den Dongle mal außen vor gelassen): Entwickler und Publisher dürfen sich für diverse Sonderfunktionen entscheiden. Eine dieser Sonderfunktionen macht Ronny Bauer momentan zu schaffen: Die Online-Aktivierung, eine Geißel des digitalen Rechte-Managements. Ihre Popularität steigt rasant, zumindest bei den großen Publishern. Zu den jüngsten Spiel-Exemplaren mit Internetzwang gehören Spore, Anno 1404, Mass Effect, Die Sims 3 sowie Grand Theft Auto 4, die Zukunft bringt Command & Conquer 4, vermutlich Assassin's Creed 2 und andere. Die meisten davon kennt Ronny Bauer nur vom Hörensagen.

Raubkopie-'Fabrik' Illegale Massenproduktion Quelle: GVU Raubkopie-"Fabrik" Illegale Massenproduktion Er sitzt noch immer vor seinem Bildschirm; viele Optionen hat er nicht, um sein Problem zu lösen. Ein Umtausch fällt flach, die Verpackungsfolie hat er längst in die Mülltonne geschmissen, der Hersteller-Support kann ihm nur sagen, was schon auf dem Bildschirm steht: Er braucht Internet. Oder einen Freund, der ihm sein Internet zur Verfügung stellt, dann könnte Ronny einen Aktivierungs-Code beantragen. Eine Hürde, die viele Menschen gehen müssen? Nein, sagt der BIU, "die Online-Aktivierung wird mittlerweile gut von der Kundschaft angenommen, weil fast jedes Spiel eine Online-Funktion hat und ein Internetzugang deshalb häufig genutzt wird". Ausnahmen bestätigen die Regel.

Zum Glück für Ronny Bauer setzten nicht alle Hersteller auf die Online-Aktivierung. Risen, das aktuelle Projekt von Piranha Bytes und Deep Silver, verzichtet auf den Zwang. "Wir beobachteten, ob ein Onlinekopierschutz länger gegen Raubkopierer durchhält als ein Disc-only-Schutz", erklärt Daniel Oberlechner, Brand Manager beim deutschen Publisher. Zudem habe das Unternehmen die Verkaufszahlen verschiedener Produkte analysiert sowie vergangene Kunden-Reaktionen in die Entscheidung einfließen lassen. "Für uns war unter dem Strich klar, dass wir bei Risen von einer Online-Aktivierung absehen werden", so das Fazit von Oberlechner.

Die Simulator-Reihe von Astragon, die kennt Ronny Bauer auch, verzichtet nahezu vollständig auf Kopierschutzmechanismen, vom digitalen Rechte-Management ganz zu Schweigen. Keine Online-Aktivierungen, keine Installations-Beschränkungen, vielleicht mal eine CD-Key-Abfrage. Mehr nicht. "Für uns überwiegen beim Verzicht auf weitergehende Kopierschutzmaßnahmen die Vorteile", sagt Felix Buschbaum, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Astragon. "Wir haben zum Beispiel keine teuren Entwicklungskosten für solche Maßnahmen, der Kunde hat keinen Ärger." In der modernen Sprache nennt man das eine "Win-Win-Situation", weil jeder gewinnt und keiner verliert.

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  1. Seite 1 Kopierschutz-Report: Hürden, Maßnahmen, Reaktionen
  2. Seite 2 Kopierschutz-Report: Kosten, Raubkopien, Originale
    • Kommentare (85)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Sekulidan Mitglied
        AW:

        Ich bin nach einigen leidlichen Erfahrungen dazu übergegangen, Spiele nicht mehr Blind zu kaufen. Und da ich bis vor kurzem kein Netz hatte, habe ich ein paar Spiele, die ich kaufen wollte (wie Spore, GTA4) auch nicht gekauft. GTA4 werde ich nun kaufen - aber ich werde nun halt nur 30€ dafür ausgeben, und nicht die ca 50€, die ich vor einem Jahr dafür ausgegeben hätte. Kopierschutz bringt es nicht. Ein Freund hat mir angeboten, mir eine DVD zu geben, auf dem Spore ist, welches ohne Netz auskommt. Schade für die Firma halt ...
      • Von Sekulidan Mitglied
        AW:

        Ich bin nach einigen leidlichen Erfahrungen dazu übergegangen, Spiele nicht mehr Blind zu kaufen. Und da ich bis vor kurzem kein Netz hatte, habe ich ein paar Spiele, die ich kaufen wollte (wie Spore, GTA4) auch nicht gekauft. GTA4 werde ich nun kaufen - aber ich werde nun halt nur 30€ dafür ausgeben, und nicht die ca 50€, die ich vor einem Jahr dafür ausgegeben hätte. Kopierschutz bringt es nicht. Ein Freund hat mir angeboten, mir eine DVD zu geben, auf dem Spore ist, welches ohne Netz auskommt. Schade für die Firma halt ...
      • Von Sil-Vix Stille/r Leser/in
        AW:

        Zitat von mgt-mav
        Kauft doch eh kaum noch einer ein Spiel am Erstverkaufstag, egal ob er es als Kopie bekommt oder nicht. Einfach überzogene Preise, nur Ärger dur Kopierschutz und Bugs.

        Die meisten Spiele lohnen sich doch erst nach nem Jahr, da ist die erste teure Betaphase vorbei.

        Das zweite schöne an der Onlineregistrierung ist ja, das man das Spiel unentwegt beim Kunden nachpatchen kann, Warum sollte man sich dann mühe geben und das Game gleich fertig rausbringen.

        Spielehersteller sind Verbrecher!
        Bis auf den letzten Satz seh ich das inzwischen genauso. Oblivion war das letzte Spiel, welches ich bei Veröffentlichung gekauft habe. Ich seh nicht ein, warum ich als Beta-Tester der zweiten Generation auch noch nen Haufen Geld zahlen soll. Patches sind gut und notwendig - aber als Ergänzung und nicht als Mittel um unfertige Software verkaufen zu können. Nichtsdestotrotz kauf ich inzwischen immer ein Original - nur eben ein paar Wochen/Monate später. Einzige Ausnahme war die letzten Jahre ein Shooter, den ich sowieso nie gekauft hätte - den wollten sie auf einer LAN unbedingt spielen. Da hätt ich aber eher nicht mitgespielt, als mir das Teil zu kaufen.

        Und ich trau inzwischen auch keinem Testbericht mehr. Wenn ich also ein Game "unbedingt" sofort haben wollen würde, würde ich mitr das lieber vorher "anschauen". Auf meinem PC. Allerdings würd ich bei Gefallen dann auch ein Original kaufen.

        S.
      • Von mgt-mav Stille/r Leser/in
        AW:

        Kauft doch eh kaum noch einer ein Spiel am Erstverkaufstag, egal ob er es als Kopie bekommt oder nicht. Einfach überzogene Preise, nur Ärger dur Kopierschutz und Bugs.

        Die meisten Spiele lohnen sich doch erst nach nem Jahr, da ist die erste teure Betaphase vorbei.

        Das zweite schöne an der Onlineregistrierung ist ja, das man das Spiel unentwegt beim Kunden nachpatchen kann, Warum sollte man sich dann mühe geben und das Game gleich fertig rausbringen.

        Spielehersteller sind Verbrecher!
      • Von NightwolfPJ NPC
        AW:

        Zitat von GR0BI75
        Und nochmal: da der Gamer natürlich alles über Vertrieb und Entwicklung eines Spiels weiss, auch wenn er selbst keinen Funken Einblick in die Branche hat, bleibt es eine lupenreine DRM-Schikane seitens der Hersteller, weil damit eh keine Raubkopien verhindert werden. Es wird demzufolge seit Jahrzehnten nur aus Jux & Dollerei Zeit, Energie und Kapital in Kopierschutzverfahren gesteckt, die eh vollkommen überflüssig sind - aber man hat's ja? Das hat auch noch den netten Nebeneffekt, ein paar paranoide Spieler damit zu verprellen und ebenfalls zu den Raubkopien zu treiben. Wäre wirtschaftlich gesehen auch Quatsch, aber wie soll man sich sonst den Tag versüssen...?...

        Trotzdem bleibt es die Schuld des *Raubkopierers*, dass Du weniger Rechte hast. Wer den Publisher da einfach nur als raffgierig hinstellt, macht es sich definitiv zu einfach. Jeder, der im Arbeitsleben steht sollte nachvollziehen können, dass sein Unternehmen profitabel wirtschaften muss.
        Ich war noch dabei, als der Amiga an dieser Problematik unterging und ich fände es mehr als nur schade, wenn ich bei der Wiederholung dieser Geschichte auf Konsolen umsteigen müsste...

        Der gerechte Lohn ist ferner doch die Wurzel des Übels! Würde ein Großteil der Spieler die Arbeit dahinter honorieren und das Kopieren nicht als Bagatelle ansehen, gäbe es das Problem überhaupt nicht...
        DRM erschwert offensichtlich das Raubkopieren nur marginal, gängelt aber eben den Käufer. Wie würdest du dir vorkommen, wenn du z.B. in ein Restaurant Essen gehst und dich der Kellner bei jeder Bestellung darauf hinweist, dass du aber Zahlen musst, und du bitte schonmal vorweisen sollst, ob du auch genügend Geld dabei hast die Rechnung zu begleichen? Es ist inzwischen ja so, dass der Kunde erstmal "beweisen" muss, dass man das Spiel wirklich gekauft hat. Und natürlich darf ich auch meine Hardware nicht ändern, ohne bescheid zu sagen.

        Publisher sind raffgierig. Das ist in einer Marktwirtschaft das Einzige was zählt: Mit allen Mitteln möglichst viel Geld einnehmen, und dabei möglichst wenig davon ausgeben. Speziell bei Unternehmen an der Börse. Ist der Aktionär unzufrieden schmiert das Unternehmen nämlich ab. Die Interessen des Käufers zählen nur deshalb weil er eben Geld bringt, nicht aus Sympatie. Leider ist es beim Spielemarkt so, dass zu wenige verzichten können/wollen, deswegen kann man den finanziellen Misserfolg seines Produktes den Raubkopierern zuschustern. Das ist nämlich genau so wie der umgekehrte Fall: es sich einfach machen. Ein einfaches Schwarz/Weiß-Malen ist hier zu einfach.

        Man muss halt immer auch im Hinterkopf behalten, dass ein vollständiges Verhindern von Raubkopien die Geldmenge der Käufer auch nicht vergrößert. Die zusätzlichen Einnahmen im gesamten Spielemarkt sind dementsprechend auch beschränkt.

        Für mich ist wie für viele Vorposter der Hauptgrund für DRM eine Verhinderung eines Gebrauchtverkaufes. Damit wird sich dann auch sicher nicht gegen den Raubkopierer gerichtet, sondern gegen den Kunden. Man kann sich ein Spiel dann eben nicht mehr 2-4 Wochen nach Release bei ebay statt für 50€ neu, eben für 30€ gebraucht ersteigern, was dem Publisher ja wiederum nichts bringt, auch wenn hier sowohl Neukäufer als auch Gebrauchtkäufer beide ein Spiel für sich günstig und legal erstanden hätten, wenn man das nicht durch Installationsbeschränkungen eindämmt.

        Jetzt kommt etwas spekulatives: Ich nehme an, dass es auch ein interesse an den übermittelten Daten gibt, die sicher auch zumindest intern irgendwie ausgewertet werden. (Auch hier läßt sich potentiell Geld machen, und das muss dabei nicht vom Unternehmen selbst ausgehen, sondern "nur" von einem Mitarbeiter, der sich Zugang zu den Daten verschafft, um sich illegal ein zubrot zu verschaffen)

        Zumindest bei mir gibt es einige Top-Spiele, die ich wegen DRM Gängelung nicht besitze, auch wenn ich sie Vollpreis gekauft hätte, was ich schon selten mache. Die meisten Spiele kaufe ich erst als Budget Version, ich kann darauf warten.
      • Von Eberhard Hobby-Spieler/in
        AW:

        Was mich am meisten nervt, sind illeglae und vor allem nicht publizierte Eingriffe der Kopiergeschütze in meine Hardware vor Ort.

        - da werden versteckte Dateien installiert und ich wundere mich, warum mein Spiel nicht mehr funktioniert, weil ich mein C: neu eingespiegelt habe (obwohl die Installation mitgespiegelt war).
        - da wird in die Firmware von DVD-ROMs und RAMs eingegriffen und man wundert sich, warum plötzlich einige der Datensicherungsscheiben nciht mehr vernünftig laufen.
        - da wird mir vorgeschrieben, ob ich Alkohol oder Ähnliches auf meinem Rechner haben darf oder nicht, als wenn's nicht meine Sache wäre, aus Bequemlichkeit und zum Strom- und Zeitsparen meine ehrlich gekauften Originala komplett auf Platte zu kopieren und von dort zu betreiben.
        Wofür wurden denn Programme wie VirtualCD ursprünglich mal erfunden? Zum Kopieren? Sicher nicht.

        Solche Dinge nerven und sie fehlen in der Umfrage oben.
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