Explizite Gewalt in Spielen: Vom Sinn, Unsinn und dem richtigen Kontext
Gewalt ist seit vielen Jahres Bestandteil von Computer- und Videospielen. Manche verzichten auf eine expliziete Darstellung, andere integrieren sie bewusst ins Geschehen. In unserem Report betrachten wir die verschiedenen Sichtweisen hinsichtlich dem Sinn und Unsinn anhand aktueller Beispiele.
Wenn Alex Mercer spazieren geht, spritzt Blut. Eine Menge Blut. Aus Armen, aus Beinen, eigentlich von überall her. Wo vorher mal ein Kopf war, da dreht die Luft jetzt Kreise. Zurück bleibt, nun, eine Pfütze aus rotem Saft, frisch gepresst vom Spieler selbst. Es gibt Menschen, denen gefällt das. Tim Bennison zum Beispiel, Leitender Entwickler bei Radical Entertainment. Das sind die, die Prototype gemacht haben, inklusive dem vielen Blut. Tim Bennison ist stolz: "Ich habe gerade den Sidewalk-Smasher-Move gesehen. Er ist 'quadruple awesome‘ (zu Deutsch: vierfach fantastisch)!". Das ist beachtliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr: 2008 war Prototype nämlich nur "double awesome" (doppelt fantastisch).
Aber es gibt auch Menschen, denen gefällt das nicht. Oder zumindest nur bedingt. Greg Zeschuk zum Beispiel, Chef von Bioware (Mass Effect, Dragon Age: Origins). "In naher Zukunft", sagt er, "wird Gewalt kein Verkaufsargument mehr sein." Eine mutige Prognose, die Fragen offen lässt. Unter anderem folgende: Wann ist Gewaltdarstellung ein Verkaufsargument? Wann nur elementarer Bestandteil eines Gesamtkunstwerks? Und: Könnten Spiele vollständig ohne explizit präsentierte Gewalt auskommen?
Quelle: PC Games
Dead Space >>> Strategic Dismemberment - übertriebene Gewalt oder atmosphärischer Pluspunkt? Was meinen Sie?
Ziehen wir als aktuelles, viel diskutiertes, fast indiziertes Beispiel Dead Space von Electronic Arts heran. Dead Space nennt ein Feature sein Eigen, das "Strategic Dismemberment" heißt, das strategische Abtrennen von Gliedmaßen also. Wenn ein Monster zum Angriff huscht, trennen gezielte Schüsse seine Gliedmaßen ab, was äußerst blutig passiert. Die Meinungen darüber, ob die präsentierte Gewalt der Atmosphäre zuträglich ist, gehen weit auseinander. Das zumindest zeigt eine Umfrage in unserer Redaktion. "Dead Space hätte noch besser sein können, hätten die Entwickler die Gewalt punktuiert eingesetzt", sagt Games Group-Redakteur Christoph Peter Schuster. " So schockte mich Dead Space zwei bis drei Stunden lang, dann stumpfe ich ab. Die Macher ertränken die Gruselatmosphäre in einem Meer von Blut [...]".
Einen ähnlichen Standpunkt vertritt auch sein Kollege Christian Schlütter, "weil die gruselige Atmosphäre viel mehr in den ruhigen, unblutigen Passagen rüberkommt." Zwei Plädoyers für weniger Gewaltdarstellung in Dead Space, der Atmosphäre wegen. Was meint die Gegenseite? "Ohne die explizite Darstellung wäre Dead Space kein Horror-Spiel. In dem Szenario - das sich klar an Erwachsene richtet - trägt die Gewaltdarstellung stark zur Spielatmosphäre bei", meint Alexander Bohnsack, ebenfalls Redakteur in der Computec Games Group. Aus dem Forum ertönt Zustimmung von satchmo: "Dead Space haben viele als zu brutal erachtet. Ich nicht", sagt der langjährige PC-Games-User. "Dead Space hatte eben die nötige Verpackung für Brutalität."
Auffallend: Gewaltdarstellung spaziert im Falle von Dead Space an der Hand von Atmosphäre und Kontext, von dem, was das Drumherum zu transportieren versucht. Das wiederum bedeutet, dass wir die zur Schau gestellte Gewalt nicht als alleinstehendes Element betrachten, was ein "Gut-" oder "Schlecht-Finden" der Gewalt als Einzelkomponente unmöglich macht.
Quelle: PC Games
Fallout 3 >>> In der deutschen Version von Fallout 3 fehlen die Splatter-Effekte - ein triftiger Grund, sich die englische Version zu kaufen?
Bei Fallout 3 (dt.) sieht die Sache etwas anders aus: Das postapokalyptische Rollenspiel von Bethesda Softworks steckt Sie in eine Welt, in der Gewalt an der Tagesordnung ist, die allerdings nicht zum Aufbau einer Horror-Stimmung dient. Auf Gewalt zu verzichten erscheint dort als paradoxer Versuch, das Unmögliche möglich zu machen, bei all der Depression, die das Ödland verbreitet. Aber wie steht es um die explizite Darstellung von Gewalt? Müssen Köpfe zerplatzen, damit das Ödland glaubwürdig ist, Körper zerfetzen und Gliedmaßen umher fliegen? Auch hier gehen die Meinungen auseinander: "Die deutsche Version von Fallout 3 ging mir nach einer Weile gehörig auf die Nerven", berichtet Sebastian Thöing, Online-Redakteur der Computec Games Group. "Man sieht zwar nichts, aber es macht "Pflätsch", wenn man einen Kopfschuss landet. In meinen Augen eine spielspaßraubende Kürzung." Lukasz Ciszewski sieht das anders: "Fallout 3 kommt sehr gut ohne die Gore-Effekte aus", meint der Games-Group-Redakteur. "Wenn ein Mutant nach einem Brusttreffer einfach zusammensackt, reicht mir das völlig. Ich meine sogar, die Splatter-Effekte in Fallout 3 sind auf Dauer nervig."
Auffallend: In Fallout 3 (dt.) scheint die Gewaltdarstellung als eigenständiges Element zu funktionieren, also getrennt von Atmosphäre und Kontext betrachtet werden zu können. Mit anderen Worten: Der Unterschied zwischen einem Fallout 3 mit expliziter Gewaltdarstellung und ohne ist geringer als der Unterschied zwischen Dead Space mit und ohne Gewaltdarstellung. Ob Blut spritzen muss, bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Glaubwürdigkeit des Ödlandes steht in geringer Abhängigkeit dazu.
Wann also ist Gewaltdarstellung ein Verkaufsargument, im positiven wie im negativen Sinne? Immer dann, wenn Sie unabhängig von dem geschieht, was im Drumherum passiert. Ist das nicht der Fall, arbeitet Sie einem Element zu, das ein Spiel zu definieren vermag. Wann genau die Bedingungen greifen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Selbiges gilt für die Frage, ob Alex Mercers Sidewalk-Smash Prototype tatsächlich "quadruple awesome" macht.
Diskutieren Sie mit: Profitieren die folgenden Spiele von explizierter Gewaltdarstellung?

Die Quasimonopolstellung besteht nicht nur aus der Kombination Betriebssystem + Browser, sondern in sämtlichen anderen Bereichen auch, also im Betriebssystem selbst und der Kompatibilität mit Anwendersoftware.
Das war nichts weiter als ein unüberlegter Schnellschuss der EU...
Nehmen wir das Beispiel mit VW doch noch mal... hypothetisch angenommen, VW wäre der einzige nennenswerte Autohersteller. Dann müsste die EU analog dazu eben genau die Sache mit den Autoradios verbieten. "Liefert die Autos, aber entweder mit Radios anderer Marken oder ohne."
Würde uns doch merkwürdig vorkommen oder?
Denn in Gaststätten und Restaurants herrscht das Hausrecht des Eigentümers. Wenn dem deine Visage nicht gefällt, kann er dich vor die Tür setzen. Er kann sich sein Publikum aussuchen (das können sich zwar die wenigsten finanziell erlauben, es wäre aber sein Recht), ist hier aber staatlich dazu gezwungen, auf einen Teil des Publikums verzichten zu müssen.
Wäre Rauchen ein Tatbestand der Körperverletzung ist es schlicht inkonsequent, wie es gehandhabt wird. Denn dann muss es sowohl in der Öffentlichkeit verboten werden als auch bei mir privat zu Hause.
Brauchen wir als reife und erwachsene Menschen Sittenwächter, die uns vorschreiben wollen, was gut oder schlecht für uns ist?
Du sagst es... Microsoft hat praktisch ein Monopol, ein Quasi-Monopol, das ist aber kein rechtliches Monopol und deswegen muss der Staat auch nicht regulierend tätig werden.
Die Forderung der EU, dass Microsoft andere Browser mit anbieten soll, ist schlicht und ergreifend lächerlich und nichts anderes.
Muss Office dann demnächst auch unter Linux laufen?
Darf google eigentlich bedenkenlos ein Betriebssystem rausbringen? Und das auch noch kostenlos! Ist es kartellrechtlich nicht arg bedenklich, die Konkurrenz mit Dumpingpreisen zu zerstören? Warum läuft kein Verfahren gegen Monopolstellungen bei Suchmaschinen?
Eben weil es kein gewolltes oder natürliches Monopol ist.
Und im Gegensatz zu deinem Einwand gibt es bei den Suchmaschinen eben kein Monopol.
Die Forderung der EU, dass Microsoft andere Browser mit anbieten soll, ist schlicht und ergreifend lächerlich und nichts anderes.
Muss Office dann demnächst auch unter Linux laufen?
Darf google eigentlich bedenkenlos ein Betriebssystem rausbringen? Und das auch noch kostenlos! Ist es kartellrechtlich nicht arg bedenklich, die Konkurrenz mit Dumpingpreisen zu zerstören? Warum läuft kein Verfahren gegen Monopolstellungen bei Suchmaschinen?